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Kirchliche Entwicklungswerke - unverzichtbare Akteure in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit oder nur ein "Tropfen auf den heißen Stein"?

Title: Kirchliche Entwicklungswerke - unverzichtbare Akteure in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit oder nur ein "Tropfen auf den heißen Stein"?

Seminar Paper , 2004 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Madeleine Koalick (Author)

Politics - Topic: Development Politics
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Die klassischen Formen der öffentlichen Entwicklungshilfe stecken auch in der Bundesrepublik Deutschland in einer Orientierungs- Finanz-, und Vertrauenskrise. Sobald an der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit, wie sie überwiegend vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und seinen Partnern wahr-genommen wird, Kritik laut wird, werden die Nichtregierungsorganisationen (NRO) als neue Hoffnungsträger gefeiert. Sie seien weniger außenpolitisch gebunden, eher armuts- und basisorientiert und damit in der Lage, Schwächen der staatlichen Arbeit auszugleichen. Ein großer Teil nichtstaatlicher Entwicklungsarbeit wird in Deutschland von den kirchlichen Entwicklungswerken der Katholischen und Evangelischen Kirche, wie dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED), Brot für die Welt oder Misereor übernommen.
Kirchliches Entwicklungsengagement geht zurück auf die traditionellen kirchlichen Wirkungsfelder der Mission, Diakonie und Caritas als Ausdruck christlicher Nächstenliebe. Die Anfänge kirchlicher Entwicklungsarbeit liegen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich die Kirchen, bei steigendem Wohlstand in der Bundesrepublik, für die erhaltenen Hilfen an die notleidende deutsche Bevölkerung mit verstärktem Engagement in der Dritten Welt revanchieren wollten. Um ihre von Beginn an armutsorientierte Entwicklungsarbeit effektiv zu gestalten, wurden mit Misereor und Brot für die Welt 1958 und 1959 separate Entwicklungshilfeorganisationen geschaffen. Bereits hier einigte man sich auf eine strikte Trennung zwischen Missions- und Entwicklungswerken. Konzentrierten sich die kirchlichen Hilfswerke zunächst nur auf kurzfristige humanitäre Hilfe, so ließ sich in der Folgezeit eine Tendenz zur Projekt- und Programmarbeit unter dem Schlagwort der „Hilfe zur Selbsthilfe“ erkennen. Verstärkte Forderungen lokaler Gemeinden in den Entwicklungsländern seit den 80er Jahren und die veränderte politische Situation nach Ende des Ost-West Konflikts führten zur Auseinandersetzung mit politischen Themen, wie Menschenechten und Demokratisierung, Strukturanpassung und Systemveränderung. Mit der Integration dieser Aufgabenbereiche in ihre Arbeit beweisen die kirchlichen Hilfswerke trotz ihres Religionsbezuges eine große Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit. Diese zeigt sich auch in Form moderner Advocacy-Arbeit, mit der kirchliche Entwicklungswerke versuchen auf strukturelle Rahmenbedingungen und Entwicklungshemmnisse Einfluss zu nehmen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Möglichkeiten und Grenzen der Entwicklungsarbeit deutscher kirchlicher Hilfswerke

2.1 Gesellschaftliche Akzeptanz und organisatorische Besonderheiten

2.2 Vor- und Nachteile der Partnerorientierung kirchlicher Hilfswerke

2.3 Thematische Schwerpunkte der Projektarbeit – armuts-, partizipations- und basisorientierter Graswurzelansatz

2.4 Dualismus von Projekt und Inlandsarbeit

2.5 Kirchlich-staatliche Kooperation im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit

3. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle kirchlicher Hilfswerke in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, um zu beurteilen, ob diese als unverzichtbare Akteure fungieren oder lediglich einen marginalen Beitrag leisten. Dabei werden Möglichkeiten und Grenzen ihres Wirkens sowie die spezifischen Bedingungen ihrer Projektarbeit und Kooperation mit staatlichen Stellen analysiert.

  • Gesellschaftliche Akzeptanz und organisatorische Besonderheiten kirchlicher Akteure
  • Die Chancen und Risiken des partnerorientierten "Graswurzelansatzes"
  • Die Bedeutung der kirchlichen Inlands- und Advocacy-Arbeit
  • Struktur und Charakter der kirchlich-staatlichen Zusammenarbeit

Auszug aus dem Buch

2.1 Gesellschaftliche Akzeptanz und organisatorische Besonderheiten

Die kirchlichen Entwicklungswerke zeichnen sich durch spezifische Besonderheiten gegenüber anderen Akteuren deutscher Entwicklungsarbeit aus. Sie stehen in einer engen Beziehung zur Katholischen und Evangelischen Kirche und profitieren besonders in Bereichen der Spendenwerbung und des Lobbying von deren Ruf als interessenungebundene, humanitär motivierte und von finanz- und wirtschaftspolitischen Vorgaben unabhängige moralische Autoritäten. Die besondere moralische Autorität kirchlicher Entwicklungswerke spiegelt sich in ihrer höheren Bekanntheit und Akzeptanz im Vergleich zu staatlichen Trägern wider. Dazu trägt nicht nur ihre weitaus intensivere Kampagnen- und Öffentlichkeitsarbeit bei, sondern vor allem, dass ihre Arbeit eher als uneigennützig wahrgenommen wird.

Neben der traditionellen Gruppe der Kirchgänger vermag die kirchliche Entwicklungsarbeit durch die Ausstrahlung besonderer Seriosität und Glaubwürdigkeit auch nichtkirchliche Bevölkerungsteile anzusprechen. Die gesellschaftliche Akzeptanz, sowohl in der Gruppe der Kirchenmitglieder als auch der restlichen Bevölkerung, ermöglicht es den kirchlichen Entwicklungswerken eine erhebliche Spenderbasis zu mobilisieren. Zusammen mit der Möglichkeit der staatlich gesicherten Erhebung von Kirchensteuern und den großzügigen staatlichen Zuschüssen ergibt sich so eine solide Finanzgrundlage, die anderen NRO nicht zugängig ist.

Eine weitere entscheidende organisatorische Besonderheit der kirchlichen Entwicklungsarbeit liegt in der weltweiten Verbreitung und Vernetzung der christlichen Kirchen. Die beiden großen christlichen Kirchen sind mit eigenen lokalen Gemeinden in fast jedem Land der Erde ansässig und zusätzlich in internationalen Zusammenschlüssen wie dem evangelischen Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) oder dem Lutherischen Weltbund (LWB) organisiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Krise klassischer Entwicklungshilfe und die wachsende Bedeutung kirchlicher Hilfswerke als alternative Akteure sowie die Zielsetzung und methodische Herangehensweise der Hausarbeit.

2. Möglichkeiten und Grenzen der Entwicklungsarbeit deutscher kirchlicher Hilfswerke: Dieser Hauptteil analysiert die spezifischen organisatorischen Stärken, die Vor- und Nachteile der lokalen Partnerorientierung, die methodischen Schwerpunkte (Graswurzelansatz) und die Kooperation mit dem Staat.

2.1 Gesellschaftliche Akzeptanz und organisatorische Besonderheiten: Hier wird die hohe moralische Autorität, Glaubwürdigkeit und finanzielle Basis der Kirchen durch Spenden und Kirchensteuern als Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen NRO herausgearbeitet.

2.2 Vor- und Nachteile der Partnerorientierung kirchlicher Hilfswerke: Dieses Kapitel diskutiert das Antragsprinzip und die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern als Mittel zur direkten Hilfe, beleuchtet aber auch Risiken wie mangelnde Kontrollmöglichkeiten und Abhängigkeiten.

2.3 Thematische Schwerpunkte der Projektarbeit – armuts-, partizipations- und basisorientierter Graswurzelansatz: Die Autorin beschreibt den Fokus auf Hilfe zur Selbsthilfe und soziale Gerechtigkeit sowie neue Aufgabenfelder wie Advocacy-Arbeit, Aidsbekämpfung und Konfliktlösung.

2.4 Dualismus von Projekt und Inlandsarbeit: Hier wird argumentiert, dass neben der Projektarbeit im Süden eine verstärkte Inlands- und Advocacy-Komponente notwendig ist, um politische Rahmenbedingungen nachhaltig zu beeinflussen.

2.5 Kirchlich-staatliche Kooperation im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit: Das Kapitel beleuchtet die langjährige Finanzierungskooperation zwischen dem BMZ und den Kirchen sowie die damit verbundenen Vorteile, aber auch das inhärente Konfliktpotential für die Kirchen als "Anwalt der Armen".

3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass kirchliche Hilfswerke unverzichtbare Akteure sind, sofern sie ihre strategische Advocacy-Arbeit ausbauen und ihre spezifischen Vorteile im Graswurzelansatz wahren.

Schlüsselwörter

Kirchliche Entwicklungswerke, Entwicklungszusammenarbeit, Partnerorientierung, Graswurzelansatz, Empowerment, Advocacy-Arbeit, Armutsbekämpfung, kirchlich-staatliche Kooperation, Misereor, Brot für die Welt, Zivilgesellschaft, Humanitäre Hilfe, Selbsthilfe, Finanzierung, NGO.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht den Stellenwert und die Effektivität deutscher kirchlicher Hilfswerke innerhalb der Entwicklungszusammenarbeit.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt unter anderem die gesellschaftliche Akzeptanz der Kirchen, den sogenannten Graswurzelansatz, die Bedeutung von Advocacy-Arbeit sowie die Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, wissenschaftlich zu begründen, ob kirchliche Akteure für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unverzichtbar sind oder ob ihre Wirkung nur als geringfügig ("Tropfen auf den heißen Stein") einzustufen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene theoretische Ansätze und praktische Erfahrungen der kirchlichen Entwicklungsarbeit sowie deren spezifische Organisation und Finanzierung differenziert beleuchtet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Besonderheiten der kirchlichen Arbeit analysiert, insbesondere die Partnerorientierung vor Ort, der Fokus auf armutsorientierte Projekte, die Bedeutung der Inlands- und Lobbyarbeit sowie die Dynamik der Kooperation mit staatlichen Stellen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind kirchliche Entwicklungswerke, Partnerorientierung, Graswurzelansatz, Empowerment, Advocacy-Arbeit und staatliche Kofinanzierung.

Wie wirken sich kirchliche Strukturen auf die Arbeit in Krisengebieten aus?

Aufgrund ihrer weltweiten Vernetzung und der Präsenz lokaler Partner können kirchliche Hilfswerke auch in Regionen agieren, die für staatliche Stellen aus Sicherheitsgründen oft schwer zugänglich sind, wobei sie jedoch ihre weltanschauliche Neutralität wahren müssen.

Welche Rolle spielt die "Inlandsarbeit" für die kirchlichen Werke?

Die Inlandsarbeit ist laut der Arbeit ein notwendiges zweites Standbein, da sie durch Öffentlichkeits- und Advocacy-Arbeit dazu beiträgt, politische Rahmenbedingungen im Norden zu beeinflussen und die notwendige Bewusstseinsbildung in der Industriegesellschaft zu fördern.

Warum ist die staatliche Kofinanzierung für die Kirchen so bedeutend?

Sie ermöglicht eine stabile Finanzierung der Projektarbeit, erfordert jedoch ein diplomatisches Vorgehen der Kirchen, da sie einerseits als "Anwalt der Armen" auftreten und Kritik üben wollen, andererseits von der staatlichen Unterstützung abhängig sind.

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Details

Title
Kirchliche Entwicklungswerke - unverzichtbare Akteure in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit oder nur ein "Tropfen auf den heißen Stein"?
College
Free University of Berlin
Grade
1,0
Author
Madeleine Koalick (Author)
Publication Year
2004
Pages
29
Catalog Number
V41450
ISBN (eBook)
9783638397087
Language
German
Tags
Kirchliche Entwicklungswerke Akteure Entwicklungszusammenarbeit Tropfen Stein
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Madeleine Koalick (Author), 2004, Kirchliche Entwicklungswerke - unverzichtbare Akteure in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit oder nur ein "Tropfen auf den heißen Stein"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41450
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