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Verhören und Mondegreens. Sprachliche Phänomene

Titel: Verhören und Mondegreens. Sprachliche Phänomene

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2014 , 30 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Maximilian Tresp (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Mit großer Sicherheit hat schon jeder Mensch erlebt, dass er etwas ganz anderes verstanden hat, als das, was gesagt wurde. Die meisten rechtfertigen das Missverständnis mit „da hab ich mich verhört“ und nur wenige mit „das hab ich falsch verstanden“. Letzteres impliziert (vielleicht für viele auch nur unbewusst) eine eigene kognitive Fehlleistung, nämlich das fehlerhafte Rekonstruieren und Analysieren des Gehörten. „Ich habe mich verhört“ beschreibt hingegen eine akustische Störung und zweifelt nicht an der eigenen kognitiven Leistung. Dennoch übt das Feld des Verhörens einen besonderen Reiz auf Menschen aus, sei es, weil sie selbst sich „verhörten“ und dadurch peinlich berührt sind, oder weil das Malheur einer anderen Person für Amüsement ihrerseits führt. Der Verfasser entschied sich für diese Thematik, da er selbst als Kind in der Grundschule zum „Opfer“ des Missverstandenen – eines Verhörers (im folgenden Mondegreen genannt) – wurde. Der Verfasser sollte als Drittklässler in der Vorweihnachtszeit ein Bild der Christfamilie malen. So kam es, dass sich auf dem Bild der Stall, Ochs und Esel, Maria, Josef, das Jesus Kindlein und ein dicker Mann, welcher lauthals lachte, wiederfanden. Als die Lehrerin den Verfasser fragte, um wen es sich auf dem Bild handle, entgegnete dieser selbstsicher „das ist der Obi“. Er hatte nämlich bei „Stille Nacht“ den Text falsch verstanden und so wurde aus „Gottes Sohn, O! Wie lacht“, „Gottes Sohn, Obi lacht“, weshalb dieser unbedingt Teil des Bildes werden musste. Somit weckte die Themenvergabe das Interesse daran, herauszufinden, wodurch eine derartige Fehlinformation für so richtig erachtet werden konnte, obwohl es sich auch noch um die eigene Muttersprache handelt.

Dieses Phänomen wird in dieser Arbeit wie folgt behandelt:

Beginnend führt der Verfasser in die Thematik sowie die Methodik zur Behandlung der Mondegreens ein. Im Anschluss daran folgt eine Definition von Mondegreens und inwiefern sich diese von anderen sprachlichen Phänomenen unterscheiden. Im weiteren Verlauf der Arbeit geht der Verfasser auf die Beschaffenheit der zu behandelnden Mondegreens ein und die arbeitet diese methodisch ab. Die Arbeit wird schließlich durch einen Vergleich der Mondegreens untereinander abgeschlossen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Thematik und Methodik

1.1 Volksetymologie

1.2 Mondegreens und andere sprachliche Phänomene

1.3 Vergleichskriterien und Untersuchungsschema

2. Praxisteil

2.1 Gott der Herr hat sieben Zähne

2.2 Alfred hat nun ein Ende

2.3 Sterben auf Ratten

2.4 Dies Kind soll unser letztes sein

2.5 Bei Bier und Torten

2.6 Kurt sei Dank!

2.7 Olive the other reindeer

2.8 Gladly, the cross-eyed bear

2.9 John Virgin

2.10 Holger, Knabe im lockigen Haar

2.11 Maria, du bist voll der Knaben

2.12 Hoch droben schwebt Josef den Engeln was vor

2.13 Beethovens Stall

2.14 Hallo Julia

2.15 Geht auf allen Vieren mit uns ein und aus

2.16 Kein Auge hat sie und konnte seh’n

2.17 Still schweigt Kummer und Darm

2.18 Wie auch wir vergeben unserem Schuldi gern

2.19 Forgive us our christmasses

2.20 Oh Tannenbaum, wie grinsen deine Blätter. Du grinst nicht nur zur Sommerzeit

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das sprachliche Phänomen der „Mondegreens“ – also akustische Missverständnisse bei der Interpretation von Gesprochenem – und analysiert, warum Menschen dazu neigen, nicht verstandene Wörter durch eigene kognitive Leistungen umzudeuten und so in einen für sie sinnvollen Kontext zu setzen.

  • Grundlagen der Volksetymologie und deren Abgrenzung zu anderen sprachlichen Phänomenen.
  • Methodische Untersuchung und Rekonstruktion von 20 spezifischen Mondegreens.
  • Anwendung eines linguistischen Vergleichsschemas auf Basis von Ronneberger-Sibold.
  • Analyse der lautgestaltprägenden Merkmale bei der Entstehung von Verhörern.
  • Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Wortschatzgröße und Anfälligkeit für sprachliche Isolationen.

Auszug aus dem Buch

1.1 Volksetymologie

Volksetymologie zu definieren, ist alles andere als leicht. Dies ist der Uneinigkeit der Forschung zu schulden, in welcher die Grundzüge von Volksetymologie kontrovers geschildert werden. Kontrovers deshalb, da oftmals eine klare Abgrenzung der verschiedenen sprachlichen Phänomene innerhalb von Volksetymologie nur schwer möglich ist, worauf im weiteren Verlauf der Arbeit noch genauer eingegangen wird (siehe Kapitel 1.2 Mondegreens und andere sprachliche Phänomene). Volksetymologie ist als ein Vorgang zu sehen, „bei dem ein synchron isoliertes und als solches unmotiviertes Wort bzw. eine solche Wortkonstituente durch Anlehnung an ein lautähnliches oder (partiell lautgleiches nicht-isoliertes bekanntes Wort (Wortfamilie) […] – evtl. mit lautlicher Umbildung – neu zugeordnet, somit […] sekundär motiviert, interpretiert und de-isoliert wird“ (Olschansky, 1996, S. 107).

Warum aber existieren überhaupt volksetymologische sprachliche Phänomene? Die Antwort ist so banal, wie einleuchtend, ihnen liegt die Isolation des Wortmaterials zu Grunde. Volksetymologie dient also einfach gesagt dem Verständlichmachen des unverstandenen Wortmaterials. (vgl. Olschansky, 1996, S. 114f) „Wörter sind dann isoliert, wenn sie für die grosse (sic!) Mehrheit der Sprecher einer Sprache […] undurchsichtig sind“ (Bebermeyer, 1974, S. 157). Volksetymologie ist in jedem Sprecher mehr oder weniger vorhanden (Olschansky, 1996, S. 155).

Somit ergibt sich, dass jeder Volksetymologie betreiben kann, also auch nicht davor gefeit ist, „Verhörer“ zu begehen, sprich das Gehörte falsch zu rekonstruieren. Wie kommt es nun aber zum Phänomen Volksetymologie? Dem ist so, weil „das Wortgut der deutschen Sprache […] zum großen Teil sehr fest in Wortfamilien und klangreihen gefügt“ (Bebermeyer, 1974, S. 157) und somit motiviert sind. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass es unmöglich ist, ein Wort sicher einer bestimmten Wortfamilie zuzuordnen, so ist dieses isoliert und kann nicht mehr richtig gedeutet werden. (vgl. ebd.) Dem Sprachanwender bleibt also nichts anderes übrig, als das Wort umzudeuten, um einen Verständnisbezug herstellen zu können (vgl. ebd.)

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Der Autor führt in das Phänomen des „Verhörens“ ein und erläutert seine persönliche Motivation durch ein Kindheitserlebnis, bei dem er einen Liedtext missverstand.

1. Thematik und Methodik: Hier werden theoretische Grundlagen der Volksetymologie dargelegt und die Untersuchungsmethodik zur Analyse von Mondegreens definiert.

1.1 Volksetymologie: Dieses Kapitel erläutert die Schwierigkeiten einer eindeutigen Definition von Volksetymologie und erklärt den Vorgang als Versuch, unverstandenes Wortmaterial durch Neumotivation verständlich zu machen.

1.2 Mondegreens und andere sprachliche Phänomene: Der Autor grenzt Mondegreens von anderen Erscheinungen wie Malapropismen, Kontaminationen oder Analogiebildungen ab.

1.3 Vergleichskriterien und Untersuchungsschema: Die methodische Basis für die Analyse der folgenden 20 Beispielfälle wird anhand der Kriterien von Ronneberger-Sibold vorgestellt.

2. Praxisteil: In diesem Hauptteil werden die gesammelten 20 Mondegreens detailliert anhand der zuvor definierten Kriterien untersucht und analysiert.

Fazit: Die Ergebnisse zeigen, dass Mondegreens keinen starren Gesetzen folgen, sondern eine individuelle kognitive Leistung darstellen, wobei ein größerer Wortschatz vor solchen Fehlinterpretationen schützen kann.

Schlüsselwörter

Mondegreen, Volksetymologie, Verhören, Sprachwissenschaft, Remotivierung, Sprachliche Isolation, Linguistik, Phonetik, Wortbildung, Sprachanalyse, Kognitive Leistung, Lautähnlichkeit, Sprachsystem, Fehlleistung, Wortschatz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem sprachwissenschaftlichen Phänomen des „Verhörens“, auch „Mondegreen“ genannt, bei dem Sprecher falsch verstandene Begriffe umdeuten, um ihnen einen Sinn zu geben.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder sind die Volksetymologie, die Abgrenzung von verwandten Phänomenen wie Malapropismen sowie die linguistische Analyse der Lautgestalt von Verhörern.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Das Ziel ist es, durch die Untersuchung von 20 Beispielfällen ein Abwandlungsschema zu entwickeln und zu verstehen, warum und wie es zur fehlerhaften Rekonstruktion von Gehörtem kommt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Der Autor nutzt ein Untersuchungsschema, das auf den Kriterien von Ronneberger-Sibold basiert, um die Mondegreens mit ihren Originaltexten auf phonetischer und rhythmischer Ebene zu vergleichen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit konkret analysiert?

Im Hauptteil werden 20 konkrete Fälle von Mondegreens – zum Beispiel aus Liedtexten oder religiösen Formeln – tabellarisch und textlich auf ihre rhythmische Kontur, Vokale und Anlaute hin untersucht.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mondegreens, Volksetymologie, lautliche Umbildung, Motivation, Sprachsystem und kognitive Fehlleistung geprägt.

Warum spielt das Bild der „Christfamilie“ für den Autor eine Rolle?

Es dient als Aufhänger für die Einleitung, da der Autor als Kind den Text „Gottes Sohn, O! Wie lacht“ als „Gottes Sohn, Obi lacht“ missverstand und dies in einem Schulbild darstellte.

Welches Fazit zieht der Verfasser bezüglich des Wortschatzes?

Der Autor schließt daraus, dass ein umfangreicherer Wortschatz den Sprachanwender besser davor schützt, Nichtverstandenes durch eigene, oft fehlerhafte, sprachliche Isolationen und Remotivierungen zu verändern.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Verhören und Mondegreens. Sprachliche Phänomene
Hochschule
Universität Passau
Note
2,3
Autor
Maximilian Tresp (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
30
Katalognummer
V414551
ISBN (eBook)
9783668652064
ISBN (Buch)
9783668652071
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mondegreens Verhörer Verhören Volksetymologie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Maximilian Tresp (Autor:in), 2014, Verhören und Mondegreens. Sprachliche Phänomene, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414551
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Leseprobe aus  30  Seiten
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