Die Schriftlichkeit gehört zum wichtigsten Gut unserer Gesellschaft. Aber nicht nur im 20. und 21. Jahrhundert, sondern schon über viele hunderte Jahre hinweg. Der Beginn der Schrift kann bis in die Steinzeit zurückgeführt werden. Im Hier und Jetzt ist das Schreibenlernen zur Aufgabe der Grundschule geworden. Viele Schülerinnen und Schüler lernen dort jeden Tag durch ebenso viele Methoden Buchstaben, die zu Wörtern werden und sich im Laufe der Zeit zu Sätzen vervollständigen.
Diese Arbeit soll genau diesen Prozess in den Fokus nehmen. Der Schriftspracherwerb stellt die jungen Lernenden vor eine große Herausforderung. Trotzdem gelingt es fast jedem, das Schreiben und Lesen zu erlernen.
Zu Beginn wird der Begriff des Schriftspracherwerbs genauer definiert und die Voraussetzen, die für diesen nötig sind, zusammengefasst. Weiterhin werden zwei Methoden von Uta Frith und Jürgen Reichen präsentiert. Letzterer hat die Grundschuldidaktik revolutioniert und mit seinem Konzept tausende Lehrkräfte der Grundschule begeistert. Dennoch wird seit Jahren lautstark Kritik daran geübt.
Rückbezogen zum Schreiben, werden Strategien zum richtigen Schreiben von Ralph Köhnen aufgezeigt, die für Erleichterungen beim Erlernen sorgen sollen. Schließlich findet eine Transformation in die Praxis statt. TINTO als ein original praxisnahes Lehrwerk wird in dieser Arbeit vorgestellt. Daneben soll die Verbindung zum Reichschen Konzept offengelegt und auch Unterschiede beleuchtet werden. Das Buchstabenhaus und der Buchstabenordner finden in dieser Vorstellungsreihe ihren Platz. Um weiterführend den Fokus auch auf die Sekundarstufe zu richten, wird dafür das Kerncurriculum zur Hilfe herangezogen.
Grundsätzlich soll in dieser Arbeit die Frage im Mittelpunkt stehen, wie die Kinder die Fähigkeit des Schreibens erlernen, welche Voraussetzungen sie dafür benötigen und welche Entwicklungsstufen sie dabei durchlaufen. Es wird ein Einblick in die „moderne“ Grundschuldidaktik mit Hilfe des Kerncurriculums gewährleistet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition und Voraussetzungen für den Schriftspracherwerb
3. Vorstellung verschiedener Theorien und Methoden zum Schriftspracherwerb
3.1 Das Modell von Uta Frith (1985)
3.2 Das Modell „Lesen durch Schreiben“ von Jürgen Reichen (1981)
3.3 Strategien zum richtigen Schreiben nach Ralph Köhnen
4. Ein Einblick in die Grundschule mit TINTO
4.1 Förderung des Schreibprozesses
4.2 Das Konzept des Buchstabenhauses
4.3 Das Konzept des Buchstabenordners
5. Die Bedeutung für die Sekundarstufe
6. Fazit und Bilanz
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess des Schriftspracherwerbs bei Kindern, identifiziert die notwendigen kognitiven und motorischen Voraussetzungen und analysiert verschiedene didaktische Ansätze sowie deren Umsetzung im Grundschulunterricht, um abschließend die Relevanz dieser Basiskompetenzen für die Sekundarstufe zu beleuchten.
- Theoretische Grundlagen des Schriftspracherwerbs (Frith, Reichen)
- Strategien zur Förderung der orthografischen Kompetenz (Köhnen)
- Praktische Umsetzung in der Grundschule am Beispiel des Lehrwerks TINTO
- Entwicklung von Buchstabenhaus und Buchstabenordner
- Bedeutung der Schreibkompetenz für die gesellschaftliche Teilhabe
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Modell von Uta Frith (1985)
Die Entwicklungsstufen des Schriftspracherwerbs basieren auf einem dreistufigen Modell, das von Uta Frith in den 80er Jahren konzeptioniert wurde. Sie geht von einem dreistufigen Modell aus, „[…] in dem der Lernprozess der Kinder in qualitativ unterschiedlichen Zugriffsweisen auf die Schriftsprache beschrieben wird.“ Interessant ist hierbei, dass sich das Lesenlernen und Rechtschreibenlernen gegenseitig unterstützt und auch im heutigen Deutschunterricht oft koordiniert stattfindet. Die folgende Grafik geht zudem von einem linearen Kompetenzzuwachs aus.
Unter dem logografischen Lesen versteht man die Annahme, dass die Kinder die Wörter erkennen, die in ihrem Umfeld vorkommen und für sie emotional geladen sind. Diese Fähigkeiten können bereits vor Schulantritt ausgebildet sein. Ein Beispiel ist hier das große, gelbe M, welches für McDonalds stehen soll. ESSO, Coca Cola oder IKEA sind ebenfalls Beispiele, die sich daran anschließen. Bemerkenswert ist, dass die Kinder diese Firmenlogos nur lesen können, weil sie die Schriftzüge erkennen und dafür keine Buchstabenkenntnis benötigen. Auch wenn es nicht eindeutig zu erklären ist, muss es eine Relation zwischen dem Schriftzeichen und seiner Bedeutung bestehen, die nun nicht buchstabenorientiert ist. Das logografische Schreiben schließt sich dem an. Obwohl das Kind die Buchstaben noch nicht kennt, sondern nur weiß, wie die Zeichenabfolge zustande kommt und was es bedeutet, wird das Wort ESSO als ein Ganzes reproduziert und wie ein Bild abgemalt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Schreibenlernen als eine zentrale Aufgabe der Grundschule und umreißt die behandelten theoretischen Modelle sowie die praxisorientierte Analyse des Lehrwerks TINTO.
2. Definition und Voraussetzungen für den Schriftspracherwerb: Dieses Kapitel definiert den Schriftspracherwerb als kognitiven Prozess und erläutert notwendige Fähigkeiten wie die phonologische Bewusstheit und motorische Fertigkeiten.
3. Vorstellung verschiedener Theorien und Methoden zum Schriftspracherwerb: Hier werden zentrale theoretische Modelle von Uta Frith und Jürgen Reichen sowie Strategien von Ralph Köhnen gegenübergestellt und kritisch diskutiert.
4. Ein Einblick in die Grundschule mit TINTO: Dieses Kapitel zeigt die praktische Anwendung des Reichen-Konzepts durch das Lehrwerk TINTO, insbesondere durch Konzepte wie das Buchstabenhaus und den Buchstabenordner.
5. Die Bedeutung für die Sekundarstufe: Es wird die fortwährende Relevanz der Schreibkompetenz für die gesellschaftliche Teilhabe und den Bildungserfolg über die Grundschulzeit hinaus analysiert.
6. Fazit und Bilanz: Das Fazit fasst die Bedeutung des Schreibens als grundlegendes Speicherelement menschlichen Wissens zusammen und betont die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Förderung über alle Schulformen hinweg.
Schlüsselwörter
Schriftspracherwerb, Schriftsprache, Leseerwerb, Rechtschreiben, phonologische Bewusstheit, Buchstabenhaus, Buchstabenordner, TINTO, Jürgen Reichen, Uta Frith, Schreibkompetenz, Grundschuldidaktik, Alphabetisierung, Schriftsystem, Schreibstrategien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Prozessen, Voraussetzungen und Methoden des Schriftspracherwerbs bei Kindern, ausgehend von der Grundschule bis hin zu den Anforderungen in der Sekundarstufe.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit fokussiert auf lerntheoretische Modelle, didaktische Ansätze wie "Lesen durch Schreiben", die Förderung orthografischer Fähigkeiten und die praktische Arbeit mit dem Lehrwerk TINTO.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kinder die Fähigkeit des Schreibens erlernen, welche Voraussetzungen sie dafür benötigen und wie moderne didaktische Konzepte diesen Lernprozess unterstützen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender didaktischer Theorien und verknüpft diese mit einer praxisnahen Untersuchung der methodischen Umsetzung im Lehrwerk TINTO.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Modelle (Frith, Reichen), Schreibstrategien (Köhnen) sowie die spezifische Umsetzung im Unterricht durch das Buchstabenhaus und den Buchstabenordner analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Schriftspracherwerb, phonologische Bewusstheit, TINTO, Lese- und Schreiberwerb sowie Schreibdidaktik.
Wie unterscheidet sich das Buchstabenhaus von TINTO vom ursprünglichen Reichen-Konzept?
TINTO erweitert das Konzept durch eine farbliche Gliederung des Hauses (Dach, Wohnbereich, Keller) zur besseren Differenzierung der Buchstaben nach Komplexität und Erfahrungskenntnisstand der Kinder.
Welche Bedeutung kommt dem "Buchstabenordner" zu?
Der Buchstabenordner dient als individuelle Loseblattsammlung, in der SuS auditiv, visuell und motorisch an einzelnen Buchstaben arbeiten, um ihre Schreibkompetenz selbstgesteuert zu festigen.
- Quote paper
- Maximilian W. Stein (Author), 2017, Der Schreiberwerb im Deutschunterricht. Ein Einblick in die Grundschule und Sekundarstufe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414591