Ein Vergleich einer Constructive News-Website und einer klassischen News-Website

Nutzungsbereitschaft von Constructive News


Bachelorarbeit, 2016
81 Seiten, Note: 88 %

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellen- und Diagrammverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Vorwort

Kapitel 1 - Einleitung

Kapitel 2 - Grundlagen
2.1 Aufgabe des Journalismus und gesetzlicher Hintergrund
2.2 Constructive News
2.3 Ausgangslage - Problemstellung
2.4 Wie sieht ein konstruktiver Artikel aus?

Kapitel 3 - Methodik
3.1 Recherchearbeit
3.2 Begründung der Datenerhebungsmethode und Herangehensweise
3.3 Redaktionelles Konzept
3.4 Websites im Vergleich

Kapitel 4 - Durchführung
4.1 Beschreibung der Befragten
4.2 Aufbau der Untersuchungen
4.3 Ziele der Untersuchungen
4.4 Auswertungsgrundlagen
4.5 Fehleranalyse

Kapitel 5 - Ergebnisse
5.1 Auswertung des Fragebogens
5.2 Besonderheiten Fragebogen
5.3 Auswertung Telefoninterview
5.4 Besonderheiten Telefoninterview

Kapitel 6 - Zusammenfassung und Fazit
6.1 Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang 1

Transskript der Telefoninterviews

!Anhang 2

Reintexte aller Artikel (ohne Bilder)

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die klassische Nachrichten-Website nach aktuellem Standard

Abbildung 2: Die „konstruktiv“ gestaltete Website

Abbildung 3: Constructive News - Artikel

Abbildung 4: Klassischer Artikel

Tabellen- und Diagrammverzeichnis

Tabelle 1: Überschriften aller Artikel

Tabelle 2: Zusammenfassung aller Eindrücke der Probanden von den gelesenen Artikeln

Tabelle 3: Tabellarische Übersicht aller ausgelöster Emotionen während der Versuchszeit

Tabelle 4: Nutzungsbereitschaft aller Probanden im Überblick

Tabelle 5: Überblick der eingefangenen Emotionen nach dem Rezipieren

Diagramm 1: Eindruck des Artikels beider Gruppen nach dem Rezipieren

Diagramm 2: Verteilung positiver und negativer Emotionen beider Gruppen

Diagramm 3: Nutzungsbereitschaft die jeweiligen News zu rezipieren

Diagramm 4: Gefühle nach dem Rezipieren der jeweiligen Artikel

Diagramm 5: Reaktionen zu Frage zwei an Tag 4

Diagramm 6: Nutzungsbereitschaft beider Gruppen an Tag 4

Diagramm 7: Eindrücke der Gruppen per Interview

Diagramm 8: Nutzungsbereitschaft der beiden Websites im Vergleich

Diagramm 9: Ausgelöste Emotionen bei den Probanden während des Tages

Abkürzungsverzeichnis

KN - Klassische Nachrichten, hier und im Folgenden werden Nachrichten die im gängigen Schreibstil verfasst werden (vergleichbar mit „Der Tagesspiegel“, „Berliner Morgenpost“, „Berliner Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ oder „die Welt“) als klassisch bezeichnet.

CN - Constructive News, werden auch als konstruktive Nachrichten bezeichnet, im Folgenden werden beide Begriffe auftauchen und dasselbe meinen.

Vorwort

Und jetzt ist es soweit. Zweieinhalb Jahre Studium gehen hiermit vorbei. Ich möchte vorweg allen Rezipienten viel Spaß beim Lesen dieser Arbeit wünschen. Ich hoffe, dass diese Bachelorarbeit einigen Menschen neue Gedankenwege und neue Sichten eröffnet. Ich möchte mich zudem bei allen bedanken, die mich während des Studiums und bei dem Schreiben dieser Arbeit unterstützt haben. Danke an alle Freunde und meiner Familie. Ein besonderer Dank gilt meiner lieben Oma, die mir das ganze Studium überhaupt erst ermöglicht hat. Danke

Kapitel 1 - Einleitung

Nach unserer Interpretation von Journalismus hat dieser die Aufgabe, uns über aktuelle Vorkommnisse in der Welt und andere gegenwärtige Sachverhalte neutral und objektiv zu informieren. Die Menschen verlangen vom Journalismus wahrheitsgemäße Daten und Fakten. Wenn wir nach den heutigen Medien gehen würden, bestünde unsere Welt jedoch zu einem großen Teil aus Konflikten, Dramen, Kriminalität und Opfern. Da die Medien eine Vorliebe für negative Headlines und Geschichten haben, ganz nach dem Motto „if it bleads - it leads“, wird eine Berichterstattung aus unserer Vorstellung, die ausgewogen und damit repräsentativ ist, jedoch verhindert. Auf lange Sicht kann dies zu einem falschen, gar verzerrten und meist zu negativem Bild der Welt führen. Negative Nachrichten ziehen die Aufmerksamkeit der Leser auf sich und hinterlassen nicht selten ebenso negativ besetzte Gefühle. Kürzlich erst zeigte eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Fernsehsenders RTL, dass die Mehrheit der Deutschen den momentanen Zustand der Welt wesentlich schlechter und negativer sehen, als er in der Realität tatsächlich ist. Es scheint also, als sei der gesamte Mainstream-Journalismus überwiegend negativ geprägt, als folge dieser dem inoffiziellen Journalistengesetz: „Only Bad News are Good News“. Und auch in meinem Bekannten-, Freundes- und Familienkreis machte ich in Diskussionsrunden oft die Beobachtung, dass viele sich von den Nachrichten abwendeten und das Vertrauen in die Medien verloren haben. Ich hörte oft Sätze wie „Immer nur Kriegsberichte, dass macht einen doch fertig.“, „Lügenpresse“ oder „Wenn ich Nachrichten lese, bekomme ich direkt schlechte Laune.“. Auch die Zahlen der Auflagenerscheinung bestätigen die eher zurückgehende Nutzung von Zeitungen und somit Nachrichten. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es das mit Zeitschriften jetzt gewesen sein soll und begab mich auf die Suche nach Alternativen zur klassischen Berichterstattung. Ich stieß auf eine Gegenbewegung, die sich erst seit einigen wenigen Jahren entwickelt und sich Constructive News nennt. Ein positiver, konstruktiver Journalismus, also eine Berichterstattung, die bewusst positiv über Themen berichtet - keine Schönmalerei, sondern diese Art des Journalismus bietet den Lesern gezielte Lösungsvorschläge an und bedient sich der positiven Psychologie und einer! optimistischeren Sprache.!!Ich stellte mir die Frage, ob mein Umfeld und auch andere Nachrichten-Verweigerer durch diese neue Art der Nachrichtenaufbereitung nicht wieder zurück zu Print- und Online-Berichterstattung finden könnten. Da bisher noch keine Forschungen zur Nutzungsbereitschaft von Constructive News durchgeführt wurden, beschloss ich als weiteres Ziel dieser Arbeit erste Einschätzungen und Tendenzen von Rezipienten der Zielgruppe zu bekommen und zu schauen, ob sich eine große, aufwendige Untersuchung in diesem Bereich überhaupt lohnt. Mit all diesen Gedanken ergab sich die folgende These, welche in dieser Bachelorarbeit untersucht werden soll:

„Die Nutzungsbereitschaft einer Nachrichten-Website, die nach den Prinzipien von Constructive News arbeitet, ist höher als die einer inhaltlich ähnlichen Website, bei der die Prinzipien von Constructive News nicht berücksichtigt werden. Als Grund für die erhöhte Nutzungsbereitschaft geben Nutzer mehrheitlich einen positiven Einfluss auf die eigene Stimmung an.“!

Gerade in einer Zeit, in welcher die Printmedien ein nahezu aussterbendes Medium sind und Leserzahlen zurückgehen, möchte ich beweisen, dass Leserinnen und Leser im Alter zwischen 20 und 30 Jahren eher vermehrt wieder dazu bereit sind Websites, die nach dem Constructive News-Prinzip arbeiten, zu rezipieren, als die ihnen bisher bekannten Nachrichten-Websites, vergleichbar mit www.welt.de, www.tagesspiegel.de oder www.spiegel.de. Laut dem Bundesverband deutscher Zeitungsverleger (BDZV) nehmen sich Deutsche im Alter zwischen 14 - 29 Jahren täglich im Durchschnitt 30 Minuten Zeit um Nachrichten zu rezipieren. Ich möchte daher die Zielgruppe der 20 - 30 Jährigen und deren Nutzungsverhalten näher untersuchen, denn die Bereitschaft sich mit Nachrichten sogar täglich zu beschäftigen, scheint der oben erwähnten Untersuchung nach noch vorhanden zu sein. Diese Zielgruppe wird zudem über die Zukunft der Nachrichten entscheiden. Ziel dieser Arbeit ist es auch zu versuchen diese Altersgruppe aufzurütteln, Nachrichten bewusster zu rezipieren und wahrzunehmen. Diese Bachelorarbeit soll außerdem an die Presse und die Verlage selbst, an die öffentliche Debatte und für das Bewusstsein der allgemeinen Bevölkerung geschrieben werden.!!

Um meine These zu überprüfen, werde ich zwei Versuchsgruppen mit jeweils acht Teilnehmern einteilen. Ich werde zwei separate News-Websites erstellen. Die eine Gruppe wird eine News-Website mit konstruktiv geschriebenen Artikeln zu lesen bekommen. Die andere Gruppe wird Artikel, die ich nach der klassischen und bisher geläufigen Art schreiben werde, rezipieren. Beide Websites werden während der Versuchszeit jeden Morgen von mir mit einem neuen journalistischen Beitrag aktualisiert. Die Gruppen bekommen die Aufgabe, über einen Zeitraum von sechs Tagen jeden Morgen die von mir geschriebenen Artikel, auf den jeweiligen Nachrichten-Websites zu lesen und anschließend vier Fragen in einem Fragebogen zu beantworten. Wichtig ist mir auch jeden Tag unterschiedliche Ressorts zu bedienen, um auch hier die Unterschiede der Nutzungsbereitschaft und Wahrnehmung festzustellen.!

Nach dem ersten Versuchszeitraum werde ich alle Versuchspersonen in einem Telefon-Interview mit der jeweils anderen Variante der Nachrichten-Website konfrontieren und dann ihre Meinungen, Gefühle und Gedanken dazu erfragen.!!

Die Industrierelevanz dieser Forschung ist hoch, denn die Bereitschaft der Leser ein Medium zu nutzen, ist schließlich das entscheidende Erfolgskriterium. Sollte sich also die aufgestellte These bestätigen und sich beweisen, bedeutet dies, dass das Constructive News Prinzip kommerziell erfolgsversprechend ist.!!

Das erste Kapitel beinhaltet diese Einleitung. Im zweiten Kapitel werden die Grundlagen geklärt. Dazu gehören die Erklärung der Aufgabe des Journalismus oder der Medien allgemein, sowie der gesetzliche Hintergrund. Ebenso wird der Begriff Constructive News noch einmal näher beleuchtet und eine eigene Definition entwickelt. Auch die Ausgangslage, also die Problemstellung, wird hier behandelt. Der letzte Punkt des zweiten Kapitels bildet eine Art Anleitung zum Schreiben eines konstruktiven Artikels. Das dritte Kapitel ist das Methodik- Kapitel.

Es beinhaltet die Erläuterung der ausgewählten qualitativen Forschungsmethode und das redaktionelle Konzept für die Artikel der Websites. Zudem wird der verwendete Fragebogen erläutert und die Ziele aufgezeigt. Im vierten Kapitel wird die Durchführung beschrieben. Das fünfte Kapitel zeigt die Ergebnisse der Forschung. In Kapitel sechs werden alle Resultate noch einmal im Fazit zusammengefasst, so wie eine Bewertung der Forschung und ein möglicher Ausblick gegeben.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in der vorliegenden Bachelorarbeit die Sprachform des generischen Maskulinums angewendet. Es wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die ausschließliche Verwendung der männlichen Form geschlechtsunabhängig verstanden werden soll. Somit ist in jedem Fall die weibliche Leserin und Rezipientin ebenso angesprochen, wie der niedergeschriebene Gegenpart.!

Kapitel 2 - Grundlagen

2.1 Aufgabe des Journalismus und gesetzlicher Hintergrund

Für uns besteht die Aufgabe der Medien beziehungsweise des Journalismus zunächst einmal in der wachsamen Beobachtung und Dokumentation von Ereignissen in der Welt. Allein dies symbolisiert die große Macht der Medien. Denn diese alleine entscheiden, worüber berichtet wird, worauf der Fokus gelegt wird und was außen vor bleibt und somit nicht thematisiert wird. Durch ihre Kontrollwirkung und ihre Kritikausübung wirken die Medien an der freien, individuellen und öffentlichen Meinungsbildung mit. Dies ist die Kernaufgabe der Medien. Aufgrund dieser Kontrollwirkung werden die Medien häufig als die vierte Gewalt des Staates bezeichnet (Sjurts, 2004, S.366).

Ein weiterer Aufgabenteil der Medien besteht in der gezielten Auswahl und Aufbereitung von Informationen. Dies dient dem persönlichen Nutzen jedes einzelnen Rezipienten. Der Informations-Pool, aus dem Journalisten und Redakteure dabei auswählen müssen, ist stark gewachsen und erstreckt sich von Stiftung Warentest über „Lifestyle“-Angebote bis hin zu politischen Debatten oder Kriegsberichterstattungen (Branahl; Donges: „Warum Medien wichtig sind: Funktionen in der Demokratie“, unter: www.bpb.de)

Um Journalisten zu schützen und ihre Aufgaben genauer zu definieren wurden mehrere Gesetze erlassen.

Spricht man von dem Pressegesetz, so sind damit die einzelnen Landespressegesetze der Bundesländer gemeint. Ein allgemein gültiges, bundesländerübergreifendes Gesetz gibt es nicht, da die Gesetzgebungskompetenz beim jeweiligen Bundesland selbst liegt. Inhaltlich ähneln sich die Gesetze aber sehr, Unterschiede liegen meist nur in der Nummerierung der Paragraphen (Burkhardt, 2009, S.164).

Die Landespressegesetze sehen den journalistischen Beruf mit einem erzieherischen Auftrag verknüpft. Sie sollen die Nachrichten zunächst heranschaffen, dann aufbereiten und verbreiten. Weiterhin sollen Journalisten Position beziehen und Kritik ausüben, zur allgemeinen Meinungsbildung beitragen und letztendlich einen Beitrag zur Bildung der Rezipienten leisten (Burkhardt, 2009, S.164) Um Journalisten beim Schreiben von Artikeln vor Einschränkungen zu bewahren gibt es das Informationsfreiheitsgesetz. Das dazu im Grundgesetz niedergeschriebene Gesetz lautet: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“ (GG, Artikel 5, Absatz 1).

Mit diesem Gesetz will der Gesetzgeber hauptsächlich auf allgemein zugängliche Quellen, wie beispielsweise Erzeugnisse der Presse hinweisen. Auch öffentliche Gebäude wie Bibliotheken oder Museen werden in diesem Zusammenhang erwähnt. Diese Informationsrechte alleine reichen jedoch für professionelle journalistische Arbeit nicht aus, daher gibt es spezielle Informationsgesetze, die in den oben genannten Landespressegesetzen festgehalten wurden. Hier werden Journalisten auch an ihre publizistische Sorgfaltspflicht erinnert (Burkhardt, 2009, S.164).

Weiterhin werden Journalisten durch sogenannte Zutrittsrechte unterstützt. Diese soll ihnen dabei helfen sich ungehindert informieren zu können und an Pressekonferenzen oder ähnlich wichtigen Veranstaltungen teilnehmen zu dürfen. Hierbei wird zwischen öffentlichen, staatlichen und privaten Ereignissen unterschieden. Bei öffentlichen Ereignissen, wie z.B. Demonstrationen oder politischen Kundgebungen, öffentlichen Pressekonferenzen oder Gerichtsverfahren, ist den Journalisten Zutritt zu gewähren. Häufig gibt es bei Letzterem jedoch Einschränkungen, da meist untersagt wird Bild- und Tonmaterial der Prozessteilnehmer zu erstellen (Burkhardt, 2009, S.162ff.). Der Staat gewährt Journalisten außerdem ein Zeugnisverweigerungsrecht. Dies schützt sie in ihrer Kontrollfunktion so, dass sie die Identität ihrer Informanten nicht bekannt geben müssen. Ihnen ist es gestattet die Aussage vor Gericht zu verweigern.

Schriftstücke, Datenmaterialien oder sonstiger Redaktionsinhalt sind zusätzlich durch das Beschlagnahmeverbot gesichert.

Natürlich müssen sich Journalisten ebenso an allgemeingültige Gesetze halten, wie alle anderen Mitbürger. Beispielsweise müssen sie Persönlichkeitsrechte respektieren, müssen das Briefgeheimnis wahren oder dürfen sich nicht in fremde Computerdaten einhacken (Burkhardt, 2009, S.163).

Es ist immer wieder wichtig, dass Journalisten und ihre Arbeit unter Schutz stehen. Erst vor vier Jahren (2012) wurde das „Gesetz zur Stärkung der Pressefreiheit“ im Strafgesetzbuch eingeführt. Dieses Gesetz stellt sicher, dass gegen Pressemitarbeiter wegen Beihilfe zum Geheimnisverrat rechtlich nicht vorgegangen werden kann, falls sie geheimes Material entgegennehmen und veröffentlichen sollten (vgl. § 353b StGB).

2.2 Constructive News

Um Constructive News und ihre Ziele zu verstehen, muss zunächst definiert werden was mit dem Begriff überhaupt gemeint ist. Eine allgemeingültige Definition wurde so allerdings noch nicht formuliert. Demnach wird im Folgenden eine eigene Definition hergeleitet.

Nach dem Buch „Constructive News“ von Ulrik Haagerup sind Constructive News erst einmal nicht grundsätzlich immer einfach nur positive naive Nachrichten. Es geht viel mehr darum die Welt nicht nur mit einem Auge zu sehen. Weiterhin soll der Leser einen Mehrwert erhalten. Ulrik Haagerup arbeitet seit 2007 als Chef des dänischen Rundfunks und war davor als Chefredakteur mehrerer dänischer Tageszeitungen aktiv. Er und Cathrine Glydensted (ebenfalls eine skandinavische Autorin) formten und prägten den Begriff Constructive News.

Um Constructive News zu schreiben braucht es mehr - und vor allem ausreichend Zeit für Recherchen. Die Journalisten arbeiten mit Wissenschaftlern zusammen, dieses soll sicherstellen, dass die Beiträge präzise und best-möglichst recherchiert sind. Constructive News versuchen auf empirische Fakten zurückzugreifen, so kann der Leser jeder Zeit die Verlässlichkeit der Artikel selbst überprüfen. Die Journalisten müssen sich mit positiver Psychologie auskennen und diese bei dem Verfassen ihrer Artikel berücksichtigen und anwenden können (Haagerup, 2015, S. 94 ff.).

Probleme werden aufgezeigt und gleichzeitig wird dem Leser der Zusammenhang erklärt, ihm Verständnis für die Situation nahegelegt und ein möglichst lesernaher Lösungsansatz aufgezeigt. Constructive News lassen den Leser nicht alleine und keine Fragen offen. In einem bisher klassischen

Nachrichtenbeitrag ist es normal die schrecklichen Neuigkeiten des Tages zu berichten, zum Abschluss des Beitrags die Wetterprognosen zu verkünden und dann abzuschalten, der Leser, beziehungsweise Zuschauer, und seine Gedanken und Gefühle werden hier komplett außer Acht gelassen. Wie man sich fühlt, nachdem man hörte, dass es brutale Gewaltanschläge in Ost-West gab, ist den hiesigen Nachrichten-Sprechern offensichtlich gleichgültig. Constructive News hingegen nehmen den Rezipienten an die Hand und zeigen ihm, wie es überhaupt dazu kommen konnte, was jetzt vor Ort getan wird und wie so etwas zukünftig verhindert werden könnte (Haagerup, 2015,S. 123, S. 147 ff).

Das Constructive News Prinzip will aber trotzdem keinesfalls kritische investigative Nachrichten-Berichterstattungen ersetzen, sie gehören auch keiner politischen Richtung an. Sie wollen lediglich ein realistisches Weltbild beim Rezipienten erzeugen und dort Hilfestellungen bieten, wo sie von den bisher etablierten Nachrichten allein gelassen werden (Haagerup, 2015, S. 197).

Um die Definition also auf einen Punkt zu bringen, könnte man sie wie folgt formulieren:

Constructive News (auch konstruktiver Journalismus) ist ein neuartiges Prinzip des Journalismus, welches in den Nachrichten (Medien) wirkt. Auf konstruktive Art und Weise wird sowohl ü ber Probleme als auch ü ber positive Entwicklungen in der Welt berichtet. Konstruktiver Journalismus fordert den Rezipienten so auf, die Welt mit beiden Augen zu betrachten, wobei Probleme und Missst ä nde nicht ignoriert werden, sondern durch eine ausgiebige Recherche, Hintergrundwissen und L ö sungsans ä tze vermittelt und angeboten werden.

2.3 Ausgangslage - Problemstellung

Schaut man sich die Nachrichten eines beliebigen Tages an und sammelt diese, so überwiegen in der Bestandsaufnahme negative Schlagzeilen. Bereits ein Dalai Lama sagte „Media focus on death and destruction, creates a collective despair.“ (Haagerup, 2015, S.66). Damit beschreibt er den offensichtlich falschen Fokus der Medien auf Negatives und zeigt, dass auch er die Medien als Ursache für zu viel Zweifel an der Welt sieht.

Und auch die heutigen Medien scheinen sich immer noch an dem alten Journalisten-Leitspruch „Only bad news are good news“ festzuhalten. (Weischenberg,2001,S.19)

Um zu verdeutlichen, wie geprägt die Nachrichten von diesem Leitspruch sind, wurden als Beispiel die Schlagzeilen der SPIEGEL-online Nachrichtenwebsite (www.spiegel.de) vom 16. Juli 2016 betrachtet und aufgelistet:

Motorradfahrer-Gang bei Trump-Parteitag: "Ich werde meine Waffe tragen" Zahl der!Festnahmen in der Türkei steigt auf 6000 Bewaffnete besetzen Polizeiwache in Eriwan Krisenjahr 2016: Was für ein Chaos Nach Nizza-Attentat: Polizei nimmt zwei weitere Personen fest Großbritannien: Brexit-Minister Davis!verweigert EU-Bürgern Bleibegarantie! Die Türkei nach dem Putschversuch: Große Freude, noch größere Angst Hetze im Netz: Maas droht Facebook wegen Hasskommentaren Anschlag in Nizza: Vom Einzelgänger zum Massenmörder Geldvermögen: Was!Italiens Bankenkrise für deutsche Anleger bedeutet Neue Höchstmarke: Sechste Hinrichtung!in Georgia in diesem Jahr! Epidemie: Erstmals infiziert eine Frau einen Mann mit dem Zika-Virus Diese Bestandsaufnahme macht deutlich, wie schlecht es vermeintlich um die Erde und uns Menschen steht. Mehr noch, es zeigt deutlich welcher Negativität die Rezipienten tagtäglich förmlich ausgeliefert werden. Zwar sind diese „Bad News“ spannend und bringen viele „Klicks“ und Zuschüsse durch Werbung, doch das Weltbild des Lesers wird eindeutig verzerrt, als dauerhaft negativ in seinen Gedanken abgespeichert und manifestiert sich so dort.

Um diesem doch sehr einseitig kreierten Weltbild entgegen zu wirken und den Menschen die Augen für die Wahrheit zu öffnen, eignen sich Constructive News.

In anderen Ländern wie Dänemark, den Niederlanden und sogar in Teilen der USA ist konstruktiver Journalismus bereits etabliert und sogar erfolgreich. In Deutschland hingegen wird den wenigsten Redaktionen und Menschen Constructive News überhaupt ein Begriff sein. Im vergangenen Jahr 2015 begannen dann jedoch erste Auseinandersetzungen mit dem Thema. So forderten beispielsweise Claus Kleber (deutscher Moderator) und Kai Gniffke (deutscher Chefredakteur), dass über die Flüchtlingskrise viel mehr konstruktiv berichtet werden sollte. Besonders die Wochenzeitung Die Zeit wird immer wieder als Vorreiter für Constructive News erwähnt. Gerade die dort verwendeten stilistischen Elemente, wie ausführliche Erklärungen und die meist sehr gut recherchierten und auf realen Daten basierenden Artikel, zeigen dem Rezipienten einen Lösungsansatz auf und sind so konstruktiver als Artikel in vergleichbaren Wochenzeitungen. Bereits 2013 gab es bei der Zeit eine Serie mit dem Titel „Gute Nachrichten“, wo die Zeitung gezielt das Augenmerk auf gute Dinge und Ereignisse in der Welt gelegt hat. Auch das Nachrichtemagazin Spiegel online, welches im genannten Beispiel eher negativ auffiel, versuchte sich im letzten Jahr an der Reihe „Artikel, die weitergehen“. Dazu ein Zitat aus dem Spiegel vom 14.08.2015: „ Liebe Leserinnen und Leser, vielleicht haben Sie es bemerkt: In den vergangenen 24 Stunden haben wir auf SPIEGEL ONLINE mehr Artikel als sonst ver ö ffentlicht, die zum Weiterdenken anregen, die auch bei d ü steren Themen einen Aspekt aufzeigen, der Hoffnung macht, der einen Ausweg weist, der viel diskutierte Themen auch mal aus einer anderen Perspektive beleuchtet. “ (Harms, Florian: „Artikel, die weitergehen“, unter: http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelblog/florian-harms-constructive- journalism-artikel-die-weitergehen-a-1048067.html; (abgerufen am 05.07.2016)). Am Rande der großen Zeitungsnamen im Journalismus entstehen kleine Projekte, die das Ziel eines konstruktiven Journalismus verfolgen. So konnte sich, dank Crowd-Funding, 2015 das Online - Nachrichtenjournal „Perspective Daily“ (https://perspective-daily.de/#) etablieren. Und hier liest man dann den neuen Leitfaden: „verständlich, zukunftsorientiert, werbefrei“.

2.4 Wie sieht ein konstruktiver Artikel aus?

Um einen journalistisch hochwertigen, guten Artikel schreiben zu können, muss man zuerst wissen, wie ein Artikel aufgebaut sein sollte. Im klassischen Journalismus baut man eine Nachricht mithilfe der „fünf W´s“, die zu Anfang jedes Textes beantwortet werden sollten, auf. Hierzu zählen:

1 Wer ist der Akteur?
2 Was ist geschehen?
3 Wo ist es geschehen?
4 Wann geschah es?
5 Wie ist es passiert?
(Weischenberg, 2001, S.127)

Um einen konstruktiven, wertvollen Beitrag verfassen zu können benötigt man jedoch weitaus mehr als diese fünf Fragen. Die Journalisten benötigen zunächst genügend Zeit für eine ausführliche Recherche, die nicht nur an der Oberfläche der Informationen kratzt. Denn Constructive News liefern Hintergrundwissen, dieses sollte auf empirisch bewiesenen Fakten beruhen und problemlos nachzuvollziehen sein.

Den Weg vom traditionellen Journalismus hin zu Constructive News beschreibt Haagerup in seinem Buch wie folgt:

„Nicht mehr, sondern besser.

Nicht negativ, sondern kritisch.

Nicht aufgebracht, sondern wissbegierig. Nicht anklagend, sondern ermutigend. Nicht schreierisch, sondern neugierig. Nicht populistisch, sondern populär. Nicht stumpfsinnig, sondern modern. Nicht anschuldigend, sondern offen.

Nicht nur nach dem üblichen „Wo“, „Wer“, und „Wann“ fragend, sondern auch nach dem „Wie“ und „Was nun“ “ (Haagerup, 2015, S.141-142). Hiermit macht der Autor deutlich, welche Ziele der konstruktive Journalismus verfolgt. Er zeigt auf, dass die Welt, wie sie die Medien kreieren, mehr hinterfragt werden muss und man hier offen für eine neue Ansicht sein sollte. Laut Haagerup sollte man immer kritisch bleiben und die eigene Meinung bewahren.

Zusammenfassend muss ein konstruktiver Artikel gut nachvollziehbare und sorgfältig recherchierte Informationen enthalten. Der Artikel sollte auf der einen Seite einen Mehrwert vermitteln, sollte dem Rezipienten aber auf der anderen Seite gleichzeitig Lösungsansätze für die beschriebene Problematik und eine Zukunftsaussicht mitgeben. Über den journalistischen „Standard - Aufbau“ eines Artikel hinaus sollten ganz besonders die Fragen „Wie“ und „Was passiert nun“ zusätzlich behandelt werden. Hier können zum Beispiel Fragen wie: „Halten die Menschen nach einer schlimmen Tat zusammen? Beten sie gemeinsam? Wo kann man selbst aktiv werden? Wie ist die Lage einzuordnen?“ oder „Wo kann ich das noch einmal weiter recherchieren?“ beantwortet werden. Alle Fakten, die erwähnt werden, sollten mit Quellen belegt werden, sodass der Leser keine Schwierigkeiten hat, selbst noch einmal genauer nachzuforschen. Ein konstruktiver Artikel sollte weiterhin Aspekte der positiven Psychologie enthalten.

Über das Thema der Elemente der positiven Psychologie, welche im konstruktiven Journalismus angewendet werden, schrieb Cathrine Glydensted in ihrem Buch „From Mirrors to Movers: Five Elements of Positive Psychology in Constructive Journalism“ im vergangenen Jahr 2015. Sie baute die ihrer Ansicht nach fünf wichtigsten Elemente wie folgt auf:

1 „Expand the mind
2 Storm the brain
3 Change the question
4 Tell it right
5 Move the world“

(Glydensted,2015,Inhaltsverzeichnis)

Mit dem ersten Punkt „Expand the mind“ ist gemeint, dass man seinen Geist erweitern soll, sprich sich fragen soll, ob die Realität wirklich so aussieht, wie sie die Medien darstellen. Der zweite Punkt „Storm the Brain“ leitet sich von dem Begriff Brainstorming ab, man soll sich selbst Gedanken machen und mit anderen Menschen austauschen. Wie genau verläuft die „Reise“ vom klassischen Journalismus zum lösungsorientierten, konstruktiven Journalismus? Punkt drei „Change the question“ zeigt auf, dass man die Fragestellung ändern soll. Das spielt auf die zusätzlichen Fragen „Wie“ und „Was nun“ an. Ähnlich wie oben schon beschrieben soll es weg vom klassischen, objektiven Journalismus hin zu einer verantwortlichen Berichtserstattung mit Lösungen gehen. Der vierte Punkt „Tell it right“ deutet darauf hin, dass wenn über ein Thema berichtet wird, keine halben Geschichten oder Halbwahrheiten erzählt werden sollen, sondern mit Hilfe empirischer Fakten die ganze Geschichte berichtet werden muss. Mit dem letzten Punkt fünf „Move the world“ zu Deutsch „Beweg die Welt“ deutet Glydensted darauf hin, dass konstruktiver Journalismus ein neues Weltbild schaffen kann.

Befolgt man diese fünf Schritte und alle weiteren oben genannten Aspekte, kann ein guter Artikel nach dem Constructive News - Prinzip verfasst werden.

Kapitel 3 - Methodik

Die Methodik muss so beschrieben werden, dass andere diesen Weg der Produktion problemlos nachvollziehen und reproduzieren können.

3.1 Recherchearbeit

Zu Beginn der vorliegenden Bachelorarbeit wurde eine umfassende Recherche durchgeführt. Diese Recherche umfasste sowohl Internet- als auch Literaturquellen. Sie diente dazu, sich einen allgemeinen Überblick über die Thematik zu verschaffen, sowie einen ersten Eindruck zu gewinnen, um im Anschluss diese Arbeit verfassen zu können. Weitere Fachbücher oder digitale Fachmagazine wurden käuflich erworben. Der aktuelle Forschungsstand, sowie der aktuelle Wissensstand über das Thema Constructive News und dessen Relevanz konnten so ebenfalls erfasst werden. Bei der Recherche wurden auch die Probanden daraufhin überprüft, ob sie für die Durchführung der Forschung geeignet sind. Alle Quellen, die verwendet wurden, finden sich im Literaturverzeichnis am Ende dieser Arbeit wieder.

3.2 Begründung der Datenerhebungsmethode und Herangehensweise

Da das Constructive News-Prinzip ein bisher zum großen Teil unerforschtes Gebiet ist, muss eine primärstatistische Erhebung durchgeführt werden. Für diese Arbeit eignet sich ebenso gut die qualitative Forschungsmethode, die im Folgenden näher erklärt wird. In Flicks Buch „Sozialforschung. Methoden und Anwendungen: Ein Überblick für die BA-Studiengänge“ wird die qualitative Forschung allgemein wie folgt erklärt:

„Die Datenerhebung ist offener gestaltet und zielt auf ein umfassenderes Bild ab als die quantitative Forschungsmethode, das die Rekonstruktion des untersuchten Falls ermöglicht. Zu diesem Zweck werden (...) offene Fragen verwendet, die der Teilnehmer spontan in eigenen Worten beantworten soll.“ (Flick 2009, S. 24).

Die qualitative Forschungsmethode ermöglicht es subjektive Eindrücke und Sichtweisen jedes einzelnen Teilnehmers zu erhalten. Man kann so ein unbekanntes Forschungsgebiet anhand einer ausgewählten Probandengruppe intensiv untersuchen. Ebenso gilt die qualitative Forschung als besonders offen gegenüber dem zu erforschenden Bereich. So können auch neue Erkenntnisse auf unbekannten Gebieten gewonnen werden (Kuckartz 2008, 11-14). Da Constructive News ein noch relativ neues Phänomen sind und bisher nur wenige bis keine Forschungen dazu stattfanden, ist die qualitative Methode für die Fragestellung dieser Arbeit prädestiniert.

In dieser Arbeit werden zwei Untersuchungsmethoden vorgestellt und durchgeführt. Als erstes wird eine Untersuchung mittels Fragebogen stattfinden. Die zweite Untersuchung wird ein persönliches Telefoninterview mit allen Probanden sein.

Typisch für die qualitative Forschung sind offene Fragen, um alle Eindrücke eines Teilnehmers einholen zu können. Für diese Arbeit wird der Fragebogen allerdings sehr strukturiert, jedoch mit einem sehr breit gefächerten, vorgegebenen Antwortmöglichkeitsspektrum, erstellt. Der Fragebogen richtet sich an die Zielgruppe der 20 bis 30 Jährigen. Da im Vorhinein die Probandengruppe genauer betrachtet wurde, ist aufgefallen, dass die meist jüngeren Personen sich (noch) nicht so differenziert ausdrücken können oder wollen, wie es für offene Fragen nötig gewesen wäre. Daher müssen geschlossene Fragen formuliert werden. Zudem werden geschlossene Fragen statistisch öfter beantwortet als offene Fragen. Für die Untersuchung wurden zwei Websites erstellt. Auf der einen Website werden selbstgeschriebene Constructive-News Artikel veröffentlicht. Auf der anderen Website werden selbstverfasste klassische Artikel (so wie die Leser sie aus herkömmlichen Zeitungen gewohnt sind) veröffentlicht. Die 16 Teilnehmer werden per Losverfahren in zwei Gruppen mit je acht Teilnehmern eingeteilt. Ihre Aufgabe besteht während der Fragebogen-Untersuchung darin, jeden Morgen die ihnen zugewiesene Website zu rezipieren. Die Probanden werden dann im Anschluss an das Lesen der selbsterstellten Artikel durch Klicken eines Links auf die Seite des Fragebogens geleitet, der an dieser Stelle von ihnen beantwortet werden soll.

Der Fragebogen enthält vier Fragen, die an allen sechs Versuchstagen dieselben bleiben. Es werden nur vier Fragen ausgewählt, um die Aufwendungszeit für die Teilnehmer möglichst gering zu halten. Durch die im Vorhinein durchgeführten Recherchen konnte festgestellt werden, dass die Personen in dieser Zielgruppe sich generell eher unwohl mit der Beantwortung von Fragebögen fühlen und möglichst wenig Zeit damit und dafür aufwenden wollen. Als Plattform zur Ausführung und Übermittlung des Fragebogens wurde www.surveymonkey.com ausgewählt. Surveymonkey.com gilt auf vielen Vergleichsportalen als die beste Möglichkeit Fragebögen online beantworten zu lassen. Mithilfe eines Permanentlinks wird dieser Fragebogen auf der jeweiligen Website täglich mit eingebunden und kann so direkt nach dem Lesen des Artikels aufgerufen werden. Für das Formulieren von Fragen gibt es in der Literatur Regeln, die man beachten sollte (Atteslander, 2008, S. 188 ff. ):

1. Die Fragen sollen eindeutig und logisch gestellt sein. Nur wenn der Befragte weiß, worauf die Frage abzielt, kann er diese richtig beantworten.
2. Die Fragen sollen hauptsächlich gängige Worte enthalten. Abstrakte oder fremde Begriffe sollen erklärt oder gar vermieden werden.
3. Die Fragen sollen sich klar und möglichst kurz gehalten, auf nur einen Sachverhalt beziehen. Doppeldeutige Fragen sollen verhindert werden.
4. Schachtelsätze und schwierige grammatikalische Konstruktionen müssen umgangen werden.
5. Suggestivfragen, Fragen die eine bestimmte Antwort provozieren, sowie wertende Begriffe oder Floskeln dürfen nicht gestellt werden.
6. Hypothetische Fragen oder Fragen die Vorwissen erfordern müssen vermieden werden (Schnell, Hill & Esser 1995, S. 314).

Die zweite Untersuchung, ein qualitatives Telefoninterview, wird mit denselben 16 Probanden durchgeführt, um die Eventualität zu behalten, starke Auffälligkeiten oder Trends, die sich im Fragebogen herausstellen könnten, hinterfragen zu können. Auch für den Fall, dass im Fragebogen bei der Auswertung am Ende kein eindeutiges Ergebnis vorliegen sollte, bleibt so die Möglichkeit bestehen, mit den Probanden in Interaktion zu treten und das Ergebnis noch einmal kontrollieren zu können. Sinn dieser Untersuchung ist es, diese Probandengruppe und deren Eindrücke ganz genau zu untersuchen und anschließend von dieser kleineren, gut erforschten Gruppe, Rückschlüsse auf das große Ganze zu ziehen.

Das Interview allgemein gilt im Bereich der qualitativen Forschung als anerkannte Datenerhebungsmethode. Es gibt jedoch viele verschiedene Arten, wie ein qualitatives Interview geführt werden kann (Helfferich, 2005, S.7). Für den besseren Überblick hat Helfferich über die unterschiedlichen Varianten der Interviews eine Tabelle erstellt. Aus dieser wurde für die vorliegende Arbeit das Problemzentrierte Interview nach Witzel ausgewählt (Helfferich, 2005, S.24). Diese Interviewform macht es möglich, die Interview-Fragen vorzubereiten, diese während der Interviewsituation auf die Antworten der Befragten anzupassen, sowie flexibel, passend und individuell auf jeden Gesprächspartner zu reagieren (Helfferich, 2005, S.33).

Die Qualität der generierten Daten hängt bei solch einer Art der Forschung immer auch davon ab, wie das Interview gestaltet worden ist. Um eine erfolgreiche Kommunikation mit dem Befragten zu führen, empfiehlt Helfferich vier Grundprinzipien zu berücksichtigen (Helfferich, 2005,S. 22f.):

1. Das Prinzip der Kommunikation

Der Interviewführende muss auf den Befragten eingehen, ihn beachten, auf ihn reagieren und mit ihm kommunizieren.

2. Das Prinzip der Offenheit

Der Interviewleiter muss dem Befragten ausreichend Zeit geben, um eigene Gedanken zur Frage zu entwickeln und diese intensiv ausführen zu können. Auch die Datengewinnung soll offen gestaltet sein.

3. Das Prinzip des Umgangs mit Vertrauen und Fremdheit

Sollte der Befragte andere Vorstellungen und Ansichten haben als der Fragestellende erwartet, so sollen diese hingenommen werden. Das, was für den Fragestellenden als gültig und normal erscheint, muss der Befragte nicht als solches empfinden.

4. Das Prinzip der Reflexivität

Dieses Prinzip zeigt auf, dass einzelne Aussagen nicht für sich selbst stehen können, sondern immer im Zusammenhang mit früheren Aussagen gesehen und auch so bewertet werden müssen. Weiterhin besteht eine solche Interviewsituation immer aus gegenseitigen Anpassungen, wodurch eigene Erwartungen, Meinungen oder Schlussfolgerungen immer reflektiert werden müssen.

Witzel (2000) beschreibt das Problemzentrierte Interview als eine Vermischung des narrativen und leitfadengestützten Interviews. Die forschende Person kann ihr Vorwissen zum Thema der Untersuchung in die Formulierung der Frage mit einfließen lassen. Trotzdem muss das Prinzip der Offenheit bewahrt werden, so dass der Befragte offene Fragen gestellt bekommt und dann genug Zeit erhält seine Gedankengänge darzustellen. Witzel beschreibt das Ziel des Problemzentrierten Interviews als eine „möglichst unvoreingenommene Erfassung individueller Handlungen sowie subjektiver Wahrnehmungen und Verarbeitungsweisen“ (Witzel, 2000, Absatz 1).

Für diese Arbeit wird das Problemzentrierte Interview in Form eines Telefoninterviews realisiert. Hierzu wird ein Leitfaden mit offenen Fragen erstellt. Dieser gewährt ein strukturiertes, gleichmäßiges Vorgehen der Interviews. Trotzdem muss die Reihenfolge der Frage nicht streng eingehalten werden, sondern kann je nach Beantwortung variabel verändert werden (vgl. Atteslander 2008: 125ff.). Für den Fall, dass die Probanden bei vorherigen Fragen die Antwort der nächsten Frage bereits gegeben hatten, können diese weggelassen oder umformuliert werden. Auch die Flexibilität dieser Interviews kann mithilfe des Prinzips der Offenheit realisiert werden (Helfferich 2005, S. 22). Da die Fragen offen formuliert werden, haben die Teilnehmer während des Telefonats die Möglichkeit ihre eigenen Gedanken zu äußern, ohne dabei von einer vorgegebenen Antwort geleitet zu werden. Witzel empfiehlt, das Problemzentrierte Interview mit der Erklärung des Forschungsanliegens zu beginnen. Anschließend sollen die Befragten dann um ihr Einverständnis der Veröffentlichung und Auswertung ihrer Antworten gebeten werden. Trotzdem soll den Probanden die Anonymisierung ihrer Daten zugesichert werden (Witzel 2000, Absatz 11).

Sowohl der strukturierte Fragebogen als auch das Telefon-Interview sichern durch die gleichen vorgegebenen Fragen die Vergleichbarkeit miteinander.

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Ende der Leseprobe aus 81 Seiten

Details

Titel
Ein Vergleich einer Constructive News-Website und einer klassischen News-Website
Untertitel
Nutzungsbereitschaft von Constructive News
Hochschule
SAE Berlin
Note
88 %
Autor
Jahr
2016
Seiten
81
Katalognummer
V414597
ISBN (eBook)
9783668656086
ISBN (Buch)
9783668656093
Dateigröße
4167 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bacherlorarbeit, Cross-Media, Constructive News, Nutzungsbereitschaft
Arbeit zitieren
Bianca Farchmin (Autor), 2016, Ein Vergleich einer Constructive News-Website und einer klassischen News-Website, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414597

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