Die Bedeutung der Kirche in der DDR. Ein historischer Umriss


Facharbeit (Schule), 2017
12 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Hinführung zum Thema

2. Der Anfang (1945-1969)

3. Kirche im Sozialismus (70er)

4. Jahre der Wende (80er)

5. Bestätigung der These und Schlussfolgerung

Quellen

Literaturverzeichnis

Bildverzeichnis

1. Hinführung zum Thema

„Religion ist das Opium des Volkes“. Schon durch dieses Zitat von Karl Marx wird eine gewisse Feindlichkeit zwischen den Kirchen und der Grundlage eines kommunistischen bzw. realsozialistischen Regims ausgedrückt. In meinem Fall wäre das Problem zwischen der Kirche und der SED Herrschaft in der DDR.

Doch ich überlege mir immer, welch großen Effekt solch eine Gemeinde auf ein ganzes System haben kann oder frage mich, ob es vielleicht das miese Schicksal eines Landes verändern kann. Wäre das nun möglich?!

Diese spezifische Frage hat mich dazu geführt, dieses Thema zu wählen. Ich lebe in einem Land (Ägypten), wo der Azhar eine ziemlich große Rolle spielt. Der Azhar („eine islamische wissenschaftliche Großkörperschaft“[1] ) hat sowohl einen Einfluss auf die Bildung (Al Azhar Universität) als auch auf die Denkweise des Volkes (Al Azhar Moschee). Es wäre undenkbar, dass die Regierung den Azhar in irgendeiner Form unterdrückt, sonst würde das Volk in Rage geraten. Solch eine große Kontrolle hat diese Organisation über mein Volk, das v.a aus Muslimen besteht. Aber was ist, wenn es eigentlich passiert, aber die Manipulation ist so stark, dass zum Schluss mehr als 60% des Volkes die Religion verlässt?[2] Und dazu kommt, dass meine Regierung, die mir versprach demokratisch zu sein, eigentlich nur eine Dikatur ist? Wie würde Al Azhar reagieren, der eigentlich für das Volk eintritt und niemals dagegen ist?

Gerade so ist das ungefähr 70 Jahre her in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) passiert und ich bin der Meinung, dass die Opposition der evangelischen Kirche im Laufe der Jahre mithilfe ihrer Anhänger zum Verfall der Diktatur in der DDR führte.

Ich werde in der Arbeit folgendermaßen hervorgehen: Zuerst werde ich den Anfang der DDR im Jahre 1949 bis 1969 im Bezug auf der Kirche beschreiben, die entstehende Konflikte zwischen Staat und Kirche und die darausfolgende Reaktion der Kirche hervorheben. Dann die Zeit der bedingten „Ruhe“ bzw. die Zeit, in der der Staat und die Kirche einen Kompromiss gesucht haben, ausarbeiten. Zum Schluss behandele ich die Zeit der Wende ab den 80er Jahren, die die friedliche Revolution und das Ende der DDR umfasst.

Der zweite Weltkrieg erreichte sein Ende und man erhoffte einen Neubeginn in dem eigenen Land. Aber der Krieg hatte kein Happy Ending für jedes Land und vor allem keins für Deutschland, das die 40-jährige Geschichte deutscher Teilung vor sich hatte. Es wurde zwischen Frankreich, Britanien, USA und UdSSR in Besatzungszonen aufgeteilt.

In dieser Arbeit wird die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) unter der Lupe genommen oder anders gesagt: die Deutsche Demokratische Republik (DDR) im Bezug zur evangelischen Kirche behandelt.

2. Der Anfang (1945-1969)

„Arbeite mit, plane mit, regiere mit“, „mit dem Volk, durch das Volk, für das Volk“, der Anfang in der DDR unter der SED-Herrschaft (sozialistische Einheitspartei Deutschland) klang gut, denn unter diesen Richtlinien erwartet man Freiheit, Gleicheit und Demokratie. Doch schon warnt Otto Dibelius[3] vor einen totalitären Staat, der eher die Freiheit des Volkes einschränkt..und prophezeit noch die Konflikte zwischen Kirche und Staat: „totaler Staat u. christliche Kirche sind unversöhnliche Gegensätze“.[4]

Und damals hatte er, trotz der VII. Weltkongress der kommunistischen Internationale[5], der den Christen das Recht der Glaubens-und Gewissefreiheit versprach, recht gehabt.
Das Volk litt unter einem Mangel an Freiheit, Demokratie und Rechtstaatlichkeit und der Staat beschäftigte sich damals mit der Herrschaftssicherung und den Erhalt der politischen Stabilität.

Bezüglich der Kirche galt eine absolute Trennung von Staat und Kirche und die einzige Aufgabe der Kirche war die Erfüllung religiöser Aufgaben. Sie durfte weder einen politischen Einfluss auf die Gesellschaft ausüben noch sich politisch äußern. Provoziert äußert sich Dibelius kritisch, in einem Hirtenbrief zu Pfingsten 1949 mit dem Titel „Recht und Frieden“, der SED-Herrschaft gegenüber. Er hat das Staatsgebilde angeprangert, verglich Merkmale der natioanlsozialistischen Herrschaft der SED, die sich selbst als antifaschistisch verstand. Somit eskalierten die Konflikte und es galt als Anlass für die großen Problemen.

Deswegen wurde in der II. Parteikonferenz[6] die bedingte Neutralität gegenüber der Kirche aufgehoben und die SED machte sich auf den Weg zum Aufbau des Sozialismus. Für die SED-Herrschaft waren die Kirchen ideologische Gegner, die vernichtet werden mussten. Es begannen Anti-christliche Kampagnen das Land zu überfluten, der Religionsunterricht wurde abgeschafft, christliche Schüler wurden indirekt unterdrückt, damit sie ihren Glauben zu verleugnen z.B wurden Schüler von der Oberschule verwiesen, wenn sie den christlichen Glauben angehörten, die Kirche und zugehörige Organisationen wurden beobachtet und einige Christen wurden unter dem Vorwand „Gegner des sozialistischen Aufbaus“ verhaftet.

Otto Dibelius gerät in Rage und droht mit einem Kampf, falls die Regierung nicht damit aufhört.
Doch direkt danach kommt Josef Stalin[7] ums Leben und es beginnt der „Neue Kurs“, der zur Verbesserung der Lage (vorrevolutionäre Stimmung) und dadurch entschlossenen Abstand von der Forcierung des „Aufbaus des Sozialismus“ zu nehmen. Infolgedessen wurden Pastoren und kirchliche Mitarbeiter aus der Haft entlassen und von der Oberschule verwiesene Schüler wurden wieder aufgenommen. Es gab auch Versuche, Kompromisse für eine neue Kirchenpolitik zu finden, aber es scheiterten und zwei Jahre später endete der neue Kurs gegenüber der Kirche und es kam zur Einführung der Jugendweihe Dies ist eine festliche Initiation, die den Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter kennzeichnen soll. Sie findet meist im Alter von 14 Jahren statt.[8] Die Kirche beteuerte, dass Kinder mit Jugendweihe keine Konfirmation machen dürfen. Hinzu kommt auch, dass Dibelius im Namen der evangelischen Kirche Deutschland (EKD) den Militärseelsorgevertrag[9] mit der BRD unterschreibt und es erhöhen sich die Spannungen wieder. Als Folge wurden mehr verhaftet und die Repression intesiviert.

Im Jahre 1961 führten Konflikte zum Mauerbau. Für die Kirche bedeutet das: Die Trennung zwischen der Kirche im Osten und der im Westen und eine erschwerte Kommunikation, was natürlich vorteilhaft für die SED-Herrschaft ist. Zudem wurde Dibelius, als Ratvorsitzender und als Bischof von Berlin-Brandenburg der Eintritt in die DDR verweigert. Doch die Kirche gab nicht auf und es bildete sich der Bund der Evangelischen Kirchen (im Osten), der vom Staat nicht anerkannt wurde. Es gab immer noch starke Kräfte, die aber nicht zugunste der SED-Herrschsft sind, wie die „zehn Artikel“ von Friedrich Krummacher[10], in der die Zustände in der DDR kritisch betrachtet werden. Eine der vefassten Thesen lautete: „Wir handeln im Ungehorsam, wenn wir für die Wahrheit nicht einstehen, zum Mißbrauch der Macht schweigen und nicht bereit sind, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen.“[11] Am 30. Mai 1968 wurde die Paulinerkirche auf Weisung der SED gesprengt, die seit 500 Jahre ein Ort des universären Lebens in Leipzig war. SED-Chef Walter Ulbricht meinte: „Das Ding muss weg! (...) Wenn ich aus der Oper komme, will ich keine Kirche sehen.“[12]

3. Kirche im Sozialismus (70er)

Trotzdem: „Die Kirchen in der DDR signalisierten zunehmend ihre Bereitschaft, auch im innenpolitischen Bereich an der Lösung gesellschaftlicher Aufgaben mitzuarbeiten. Die evangelischen Bischöfe brachten dies in ihrem Brief vom 15.2.1968 an W. Ulbricht anläßlich des Verfassungsentwurfs zum Ausdruck.“[13] Nach der Entmachtung von Ulbricht trat 1971 Erich Honecker an dessen Stelle und es fanden Gespräche zwischen Staat und Kirche statt, die dann dazu führten, dass der BEK 1971 vom Staat anerkannt wurde. Es enstand dann auf der Bundessynode der DDR-Kirchen die Formel „Kirche im Sozialismus“ als Albert Schönherr der Vorsitzende der BEK erklärte: „Wir wollen Kirche nicht neben, nicht gegen, sondern Kirche im Sozialismus sein.“ Diese Aussage war aber problematisch wegen ihrer Mehrdeutigkeit, deswegen wurde in der Synode 1973 gesagt: “Kirche im Sozialismus wäre die Kirche, die dem christlichen Bürger und der einzelnen Gemeinde hilft, daß sie einen Weg in der sozialistischen Gesellschaft in der Freiheit und Bindung des Glaubens finden und bemüht sind, das Beste für alle und für das Ganze zu suchen.“[14] Somit begann eine Phase der Entspannung zwischen Staat und Kirche und man strebte eine Koexistenz beider „Ideologische Gegner“. Am 1978 fanden erneute Gespräche zwischen Staat und Kirche statt und die Kirche bekam mehr Rechte in mehreren Bereichen: „1. Kirchliche Bauvorhaben; 2. Funk und Fernsehen; 3. Lutherjubiläum 1983; 4. Seelsorge im Strafvollzug; 5. Altersversorgung für Mitarbeiter; 6. Einfuhr kirchl. Literatur; 7. kirchl. Kindergärten; 8. kirchl. Landwirtschaft; 9. kirchl. Friedhöfe; 10. Feierabend- und Pflegeheime;“[15]

4. Jahre der Wende (80er)

Alles ging gut, bevor sich der Staat entschied, dass der Wehrunterricht weiter geführt werden muss und die Selbstverbrennung von Oskar Brüsenetz am 22. August 1976 als Rebellion gegen das System. Hinzu kam noch die Debatte über die atomare Aufrüstung in Ost und West 1979. Neben dem Konflikt mit der Kirche ging es dem Staat sowohl innenpolitisch als auch außenpolitisch schlecht.“ Außenpolitisch war die DDR-Führung isoliert, die Staatsfinanzen waren weitgehend ruiniert, die systemstabilisierende Sozialpolitik kaum mehr fortführbar und die Wirtschaftsentwicklung unter den mehr und mehr ausschlaggebenden Weltmarktbedingungen sehr zweifelhaft.“[16] Das Volk war unzufrieden und die Korruption überfüllte das Land. Somit markierten diese Ereignisse den Beginn der Friedensbewegung.
Es begannen sich Oppositionsgruppen zu bilden und junge Leute schlossen sich diese Gruppen an und „Man darf nicht vergessen, dass diese Akzeptanz der Kirche als selbsständige Organisation ihr dann ja die Möglichkeit gab in ihren Räumen zu entscheiden, was dort geschieht (...)“[17]. Sie öffnete ihre Räume für die Oppositionellen, denn die Kirche war der einzige Ort, wo freie Meinungsäußerung, selbsständiges Denken und offene Auseinandersetzungen akzeptiert wurden.

[...]


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Azhar_(%C3%84gypten) 20.08.2017, 11:04

[2] http://www.kulturation.de/ki_1_thema.php?id=127

[3] Ratvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland

[4] O. Dibelius

[5] 25. Juli bis 20.August 1935

[6] 9.-12. Juli 1952

[7] Diktator der Sowjetunion (1927-1953)

[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Jugendweihe 27.08.2017, 19:08

[9] 22. Feb.1957

[10] Bischof in Greifswald und Vorsitzender der DDR-Bischofkonferenz

[11] F. Krummacher

[12] W. Ulbrecht

[13] http://www.seggeluchbecken.de/kirche/ddr-kirche-3.htm#311 02.09.2017, 14:05

[14] Bericht der KKL vor der Synode des Bundes im Mai 1973. In: Kirche als Lerngemeinschaft, a.a.O. S.185.

[15] http://www.seggeluchbecken.de/kirche/ddr-kirche-3.htm 02.09.2017, 14:49

[16] https://de.wikipedia.org/wiki/Wende_und_friedliche_Revolution_in_der_DDR#Glasnost_und_Perestroika 05.09.2017, 17:09

[17] E. Neubert in einem Interview

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Details

Titel
Die Bedeutung der Kirche in der DDR. Ein historischer Umriss
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V414665
ISBN (eBook)
9783668653986
ISBN (Buch)
9783668653993
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, kirche, umriss, sozialismus, diktatur, DDR, BRD, evangelische, katholische, otto dibelius, Sowjetunion, revolution, friedliche, friedensgebete, leipzig, verfall, pfingstenbrief
Arbeit zitieren
Jessica Saroufim (Autor), 2017, Die Bedeutung der Kirche in der DDR. Ein historischer Umriss, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414665

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