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Das Chamäleon 'Krieg' - Privatisierung und Kommerzialisierung von Gewalt im 20. und 21. Jahrhundert und die Konsequenzen für Nationalstaat und Weltpolitik

Title: Das Chamäleon 'Krieg' - Privatisierung und Kommerzialisierung von Gewalt im 20. und 21. Jahrhundert und die Konsequenzen für Nationalstaat und Weltpolitik

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 28 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Philip Baum (Author)

Politics - Topic: Peace and Conflict, Security
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„Jede Gesellschaft verfügt über ihre eigene, für sie charakteristische Form des Kriegs. Was wir heute als Krieg zu bezeichnen pflegen, was Politiker und Militärs als solchen definieren, ist tatsächlich ein spezifisches historisches Phänomen, das sich in Europa zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert herausbildete, obgleich es auch seitdem verschiedene Entwicklungsphasen erlebt hat. Der Krieg war äußerst eng mit der Herausbildung des modernen Staates verbunden. […] Das dieser Staatstypus neuen Formen der politischen Ordnung zu weichen beginnt, wie sie aus den Globalisierungsprozessen hervorgehen, entwickelt sich auch der Krieg, wie wir in gegenwärtig verstehen, zum Anachronismus. “
Mary Kaldor fasst anschaulich den Prozess und die daraus entstehenden Konsequenzen zusammen, deren Ausdifferenzierung hier erarbeitet wird. Im Fokus befindet sich die zuneh-mende Enthegung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die zu einer zunehmenden (Re-) Kommerzialisierung und (Re-) Privatisierung der Gewalt führte. Weder über die genaue Definition des Gegenstandes, noch über die Konsequenzen herrscht dabei Einigkeit; dies zeigt sich besonders an dem Faktum, dass selbst um die genaue Bezeichnung des Gewaltzustandes ge-rungen wird:
„Der Begriff des nicht-staatlichen Krieges ist insofern unglücklich, als in der bloßen Negation des staatlichen Krieg immer noch dem staatlichen Krieg der Primat zuerkannt wird. Die Vielfalt nicht-staatlicher Kriege ist jedoch so groß, dass für sie keine allgemein anerkannte gemeinsame Bestimmung gibt. Begriffe wie »primitive Kriegsführung« (John Keegan), »low-intensity-conflicts« (Martin van Crefeld), »Stam-meskriege«, »wilde Kriege« (Wolfgang Sofsky) oder auch »Gewaltmärkte« (Georg Elwert) betonen jeweils einen Aspekt, ohne dass der Vielfalt dieser Kriege ausreichend Rechnung getragen würde.“
Dazu gesellen sich weitere Umschreibungen, z.B. der »asymmetrische Krieg« bei Herfried Münkler, der »neue Krieg« von Mary Kaldor und die »privatisierte Gewalt« bei Erhard Eppler.
Im Gegensatz zur politischen und militärischen Elite sind sich die Autoren darüber einig, dass der gehegte Krieg ein Rudiment vergangener Epochen ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Neue Kriegsformen

2.1 Fazit

3 Die Demontage des Nationalstaats

3.1 Die Privatisierung der Gewalt von unten

3.2 Die Privatisierung der Gewalt von oben

3.3 Krieg und Ökonomie

4 Lösungsansätze

4.1 Weltinnenpolitik?

4.2 Rückfall in Anachronismen?

5 Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die zunehmende Privatisierung und Kommerzialisierung von Gewalt im 20. und 21. Jahrhundert und analysiert deren destabilisierende Konsequenzen für den Nationalstaat sowie die moderne Weltpolitik.

  • Wandel von traditionellen Staatenkriegen hin zu asymmetrischen Konfliktformen.
  • Die Rolle wirtschaftlicher Interessen als Triebkraft für moderne Kriegsökonomien.
  • Herausforderungen durch nichtstaatliche Akteure wie Warlords, Terroristen und private Sicherheitsfirmen.
  • Der Legitimationsverlust staatlicher Gewaltmonopole und das daraus resultierende Sicherheitsvakuum.
  • Diskussion aktueller Lösungsansätze unter Einbeziehung von Völkerrecht und globaler Governance.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Privatisierung der Gewalt von unten

Die Genfer Konventionen wurden 1977 um Zusatzprotokolle erweitert um das Aufstreben gegen Kolonial- und Rassismusherrschaft als völkerrechtliches Subjekt zu etablieren. In diesen Fällen handelte es sich um einen gerechten Kampf für die eigene kulturelle Identität. Die bis dato vorhandene Kodifizierung bewertete diese Konflikte als innere Angelegenheit der Staaten. Dies hatte zur Folge, dass es den Staaten möglich war die betroffene Volksgruppe, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen, unterdrücken konnte. D.h. es existiert auch legale Gewalt von unten, die der demokratischen Idee durchaus dienlich ist, doch diese Konflikte waren hauptsächlich ein Phänomen der Dekolonialisierung, die nach dem Zweiten Weltkrieg begann.

Die legale und illegale Bewaffnung von Zivilisten, abseits dieser Kategorien, ist derweil zu einem Problem geworden. Siedler in Israel drohen immer wieder mit Gewalt gegen den Staat zu agieren, sollte dieser die Zwangsräumung der Siedlungen zu vollstrecken versuchen. In den Favelas (Armenvierteln) Brasiliens sind Staat und Polizei keine Autorität mehr. Die Polizisten sind als brutal, korrupt und wenig vertrauenswürdig verschrien. Hingegen gelten lokale Drogenbosse als Wohltäter. So meinte ein Bewohner der „Rocinah“ (Favella in Rio de Janeiro) über Luciano Barbosa da Silva „Er bezahlte bedürftigen Kindern den Schulbus, teilte Gratisessen aus half der Gemeinde.“ Die Tötung des Kriminellen im April 2004 hinterließ ein Vakuum zurück, das Polizei und Armee vermutlich für einige wenige Wochen füllen können, danach wird aber vermutlich ein Konflikt um die Nachfolge ausbrechen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen des Wandels von klassischen Kriegen hin zu neuen, entstaatlichten Konflikten ein und verortet die Problematik im Kontext der Globalisierung.

2 Neue Kriegsformen: Dieses Kapitel beschreibt die Auflösung der klassischen Unterscheidung zwischen Zivilisten und Kombattanten sowie das Entstehen asymmetrischer Konflikte.

2.1 Fazit: Das Fazit fasst die Parallelität verschiedener Gewaltformen zusammen und betont die Eigendynamik, der Gewalt in aktuellen Konflikten unterliegt.

3 Die Demontage des Nationalstaats: Hier wird der Druck auf den Nationalstaat durch die Privatisierung von Gewalt von oben und unten sowie durch ökonomische Interessen analysiert.

3.1 Die Privatisierung der Gewalt von unten: Der Abschnitt untersucht die Bewaffnung von Zivilisten und das Entstehen informeller Machtstrukturen in Gebieten mit schwacher staatlicher Autorität.

3.2 Die Privatisierung der Gewalt von oben: Dieses Kapitel behandelt den Einsatz von Paramilitärs und privaten Sicherheitskräften durch staatliche oder elitäre Akteure.

3.3 Krieg und Ökonomie: Hier wird die Verflechtung von wirtschaftlichem Profitstreben und militärischen Interessen in sogenannten Kriegsökonomien dargestellt.

4 Lösungsansätze: Das Kapitel diskutiert Reformmöglichkeiten zur Stärkung der internationalen Handlungsfähigkeit der UNO und zur Bewältigung der Gewaltproblematik.

4.1 Weltinnenpolitik?: Der Abschnitt befasst sich mit den Vorschlägen von Mary Kaldor und Erhard Eppler zur Wiederherstellung von Legitimität und staatlichem Gewaltmonopol.

4.2 Rückfall in Anachronismen?: Hier wird die Kritik an Huntington und anderen Modellen formuliert, die Krieg als unvermeidbares Resultat kultureller Gegensätze interpretieren.

5 Schluss: Die Schlussbetrachtung fasst die Notwendigkeit einer koordinierten globalen Sicherheitsstrategie und einer Stärkung der Staatsethik zusammen.

Schlüsselwörter

Privatisierung von Gewalt, Nationalstaat, Neue Kriege, Kriegsökonomie, Asymmetrische Konflikte, Kindersoldaten, Terrorismus, Sicherheitsvakuum, Völkerrecht, Global Governance, Paramilitär, Gewaltmonopol, Staatenzerfall, Internationale Sicherheit, Identitätspolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Wandel von Kriegen im 20. und 21. Jahrhundert, insbesondere die Abkehr vom klassischen Staatenkrieg hin zu privaten, kommerzialisierten Gewaltformen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Im Zentrum stehen die Privatisierung von Gewalt, die Erosion staatlicher Souveränität, die Bedeutung wirtschaftlicher Interessen in Konfliktzonen und die Auswirkungen auf die globale Sicherheit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie die Privatisierung und Kommerzialisierung von Gewalt den Nationalstaat destabilisiert und welche Konsequenzen dies für die internationale Weltpolitik hat.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor stützt sich auf eine Analyse aktueller politikwissenschaftlicher Literatur, Fachzeitschriften und tagesaktueller Berichterstattung zur Untersuchung der neuen Kriegsformen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung neuer Kriegsformen, die Analyse der Demontage des Nationalstaates durch Gewalt von oben und unten sowie die ökonomischen Hintergründe dieser Konflikte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind unter anderem Privatisierung von Gewalt, Nationalstaat, Kriegsökonomie, Terrorismus, asymmetrische Konflikte und Global Governance.

Wie bewertet der Autor den Einsatz von Kindersoldaten in Konflikten?

Der Autor sieht darin ein Zeichen der Totalisierung des Konflikts, bei der zivile Strukturen zerstört werden und Kinder als billige, rücksichtslose Kämpfer in einem Entmenschlichungsprozess instrumentalisiert werden.

Welche Rolle spielen Private Military Companies bei der Privatisierung der Gewalt?

Private Military Companies verstärken die Krise, indem sie als unkontrollierbare Akteure agieren, die primär profitorientiert handeln und die Friedensperspektiven in Krisengebieten durch ihre Unberechenbarkeit belasten.

Was schlägt der Autor zur Lösung der aktuellen Gewaltproblematik vor?

Der Autor schlägt eine Modernisierung des Völkerrechts und eine stärkere, global koordinierte Sicherheitsstrategie vor, wobei die Stärkung staatlicher Legitimität und der Schutz des Individuums zentral bleiben sollten.

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Details

Title
Das Chamäleon 'Krieg' - Privatisierung und Kommerzialisierung von Gewalt im 20. und 21. Jahrhundert und die Konsequenzen für Nationalstaat und Weltpolitik
College
University of Freiburg  (Wissenschaftliche Politik)
Course
Politische Theorie und Ethik im 20. Jahrhundert
Grade
1,7
Author
Philip Baum (Author)
Publication Year
2004
Pages
28
Catalog Number
V41525
ISBN (eBook)
9783638397674
Language
German
Tags
Chamäleon Krieg Privatisierung Kommerzialisierung Gewalt Jahrhundert Konsequenzen Nationalstaat Weltpolitik Politische Theorie Ethik Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Philip Baum (Author), 2004, Das Chamäleon 'Krieg' - Privatisierung und Kommerzialisierung von Gewalt im 20. und 21. Jahrhundert und die Konsequenzen für Nationalstaat und Weltpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41525
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