Auch wenn Flucht und Migration nicht als zwangsläufige Begleiterscheinungen der Globalisierung auftreten, wurden sie durch Internationalisierungsprozesse erheblich beschleunigt und intensiviert. Migration bedeutet Mobilität von Menschen, die das Ziel verfolgen, den Lebensmittelpunkt aus verschiedenen Motiven freiwilliger oder unfreiwilliger Natur dauerhaft an einen anderen Ort zu verlagern. Mit einer entscheidenden Einschränkung jedoch: Es sind einerseits die neuen wirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Eliten, die nach freiem Wunsch Grenzen überschreiten oder sogar mit der Zusage lukrativer Arbeitsplätze jenseits nationaler Grenzen angeworben wurden. Andererseits sind es auch diejenigen, die sich innerhalb der Europäischen Union (EU) durch zunehmende Freizügigkeit des Personenverkehrs bewegen. Was geschieht aber mit denjenigen, die vor den Toren der EU stehen? Die afrikanischen Flüchtlinge auf den Kanaren bilden nur ein Beispiel. Migration bedeutet nicht nur Binnenmigration, sondern auch Migration von Menschen aus außereuropäischen Regionen, seien es Flüchtlinge, Arbeitsmigranten oder Saisonarbeiter, denen für eine Einreise kaum (legale) Möglichkeiten bleiben. Migration, die sowohl Ursache als auch Folge von sozioökonomischen Ungleichheiten ist, wird damit zum „Machtfaktor“, denn es sind nationalstaatliche Regierungen, die mit restriktiven Einwanderungsregularien darüber entscheiden, wer ihre Grenzen überschreiten darf und wer nicht.
Diese Arbeit soll den engen Zusammenhang zwischen den Ursachen und den Folgen von Migration und Flucht anhand des regionalspezifischen Fallbeispiels Nordafrika/Spanien herstellen. Sowohl bei den Ursachen als auch bei den Folgen ist Ungleichheit die entscheidende Erklärungsvariable für Migration. Denn während sich die Ursachen primär aus dem Entwicklungsgefälle Nord/Süd bzw. den damit verbundenen Schub- und Sogfaktoren ableiten lassen, definieren sich die Auswirkungen von Migration prinzipiell über Exklusion, die sich bereits an den Grenzen nieder schlägt. So geht es um Dynamiken von Mobilität, in deren Rahmen institutionelle, macht- und sicherheitspolitische Instrumente für Migrationskontrolle und -restriktion aufgedeckt werden sollen. Durch die von Politikern im Jahr 2004 diskutierten Auffanglagerpläne für Flüchtlinge und Migranten in den maghrebinischen Staaten zeichnet sich eine Regionalisierung und Reduzierung des Flucht- und Migrationsproblems auf eine rein geo- und sicherheitspolitische Perspektive ab.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung - inwieweit manifestiert die europäische Migrationspolitik Exklusion im Spiegel der Globalisierung?
- 2 Migration und Flucht im Spiegel der Globalisierung - Wirkungszusammenhänge
- 2.1 Begriffsbestimmung
- a) Migration und Flucht
- b) Globalisierung und Exklusion
- 2.2 Wirkungszusammenhänge (Variablen): Migration, Exklusion, Globalisierung
- 3 Exklusion (abhängige Variable) durch Migrationsrestriktion (unabhängige Variable).
- 3.1 Restriktive Migrationspolitik (I) durch politisch-administrative Maßnahmen in Spanien: Europäisch verordnete Exklusionspolitik?
- 3.2 Restriktive Migrationspolitik (II) durch militärisch - polizeiliche Maßnahmen in Spanien: Kontrolle durch Grenzsicherung oder Ausgrenzung durch Grenzabriegelung?
- 4 Schub- und Sogfaktoren (Push- und Pullfaktoren) als Erklärungsvariablen von Migration anhand des Migrationsbeispiels Nordafrika - Spanien
- 4.1 Schubfaktoren - Herkunftsgebiet Nordafrika (Maghreb)
- 4.2 Sogfaktoren - Zielgebiet Europa (Südeuropa - Spanien)
- 5 Regulierungsoptionen und Handlungsmöglichkeiten durch ein Migrationsregime?
- 6 Zusammenfassung und Ausblick: Enger werdende „gates of entry“ in die EU - Wie europäische Immigrationspolitik die Selektion verschärft und Exklusion manifestiert
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen den Ursachen und Folgen von Migration und Flucht anhand des Fallbeispiels Nordafrika/Spanien. Die zentrale Fragestellung ist, inwieweit die europäische Migrationspolitik durch restriktive Einwanderungsregularien für Migranten aus Nordafrika Ungleichheit und Ausgrenzung manifestiert.
- Die Paradoxie der Mobilität in Zeiten der Globalisierung: Während Güter- und Kapitalmärkte geöffnet werden, bleiben die Grenzen für Menschen in Not geschlossen.
- Wirkungszusammenhänge zwischen Globalisierung, Migration und Exklusion: Sozioökonomische Ungleichheit als Triebkraft für Migration und die Rolle des Staates bei der Kontrolle und Restriktion von Migration.
- Restriktive Migrationspolitik in Spanien: Politisch-administrative Maßnahmen, militärische Grenzsicherung und die Bedeutung von Push- und Pullfaktoren.
- Die Bedeutung von institutionellen, macht- und sicherheitspolitischen Instrumenten für Migrationskontrolle und -restriktion.
- Das Scheitern von Migrationspolitiken durch die Vernachlässigung von Migration als dynamischem sozialen Prozess und Spiegelbild einer politischen Ökonomie im globalen Wandel.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet die Problematik der exklusiven Zugangsbedingungen für Menschen in Not im Kontext der Globalisierung. Das zweite Kapitel definiert die Begriffe Migration und Flucht im Zusammenhang mit Globalisierung und Exklusion. Es werden die Wirkungszusammenhänge zwischen diesen Variablen untersucht. Das dritte Kapitel analysiert die Exklusion durch Migrationsrestriktion anhand von politisch-administrativen und militärisch-polizeilichen Maßnahmen in Spanien. Das vierte Kapitel behandelt Push- und Pullfaktoren als Erklärungsvariablen für Migration am Beispiel Nordafrika/Spanien. Das fünfte Kapitel befasst sich mit Regulierungsoptionen und Handlungsmöglichkeiten durch ein Migrationsregime.
Schlüsselwörter
Migration, Flucht, Globalisierung, Exklusion, Nord-Süd-Gefälle, Migrationspolitik, Restriktive Einwanderungsregularien, Spanien, Nordafrika, Push- und Pullfaktoren, Grenzsicherung, Ausgrenzung, Mobilität, Sozioökonomische Ungleichheit, Politische Ökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Wie hängen Globalisierung und Migration laut dieser Arbeit zusammen?
Internationalisierungsprozesse haben Flucht und Migration beschleunigt. Während Eliten mobil sind, führt die Globalisierung für Menschen aus ärmeren Regionen oft zu Exklusion und restriktiven Grenzen.
Was ist die zentrale Erklärungsvariable für Migration im Fallbeispiel Nordafrika/Spanien?
Ungleichheit ist die entscheidende Variable. Das Nord-Süd-Entwicklungsgefälle erzeugt Push-Faktoren in Afrika und Pull-Faktoren in Europa.
Was versteht man unter "restriktiver Migrationspolitik" in Spanien?
Darunter fallen politisch-administrative Maßnahmen sowie militärisch-polizeiliche Grenzsicherungen, die darauf abzielen, Migration zu kontrollieren und den Zugang zur EU zu begrenzen.
Was sind "Auffanglagerpläne" und wie werden sie bewertet?
Es handelt sich um Pläne, Migranten bereits in maghrebinischen Staaten abzufangen. Die Arbeit sieht darin eine Reduzierung des Problems auf eine rein geo- und sicherheitspolitische Perspektive.
Warum scheitern viele Migrationspolitiken laut der Autorin?
Politiken scheitern oft, weil sie Migration lediglich als Sicherheitsproblem betrachten und sie nicht als dynamischen sozialen Prozess im Kontext der globalen politischen Ökonomie begreifen.
- Quote paper
- Magistra Artium (M.A.) Katja Salomon (Author), 2005, Exklusion im Spiegel der Globalisierung. Der Einfluss der europäischen Migrationspolitik am Beispiel Nordafrika – Spanien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41532