Textgestaltung im Web am Beispiel von Print- zu Online-Zeitungen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unterschied Print- und Onlinemedium
2.1 Vorteile der Print- Publikation
2.2 Vorteile der Online- Publikation
2.3 Probleme bei der Übertragung vom Print- zum Onlineprodukt

3. Gestaltungsprinzipien zur optimalen Lesbarkeit am Bildschirm
3.1 Hintergrund
3.2 Schrift
3.3 Zeilen

4. Gestaltungsprinzipien zum Aufbau eines Online-Textes
4.1 Struktur
4.2 Textumfang
4.3 Aufteilung und inhaltliche Übersicht
4.4 Inhaltliche Entlinearisierung

5. Orientierungs- und Navigationshilfen im Online-Medium
5.1 Orientierung
5.2 Navigation

6. Schlussbemerkung

7. Checkliste zur optimalen Textgestaltung am Bildschirm

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Durch die stetigen Verbesserungen der Technik breitete sich das Internet in rasender Geschwindigkeit aus, sodass immer mehr Menschen Zugang dazu haben und die Angebote im Netz nutzen.[1] Angesichts dieser Entwicklung, ist es selbstverständlich, dass viele Verbreitungsformen, die früher auf den Print- Bereich beschränkt waren, nun auch im Internet zu finden sind. Heutzutage ist jegliche Art der Textverbreitung auch online verfügbar: Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Doktorarbeiten und vieles andere.

Geoffrey Nunberg prognostiziert in seinem Aufsatz „The Places of Books in the Age of Electronic Reproduction“, dass für Belletristik das gedruckte Buch vorerst als Hauptform bestehen bleiben wird. Die Publikationsform Zeitung dagegen ist als Print- sowie auch als Online- Medium besonders geeignet, sodass sich Online-Zeitungen immer stärker als Teil der täglichen Mediennutzung etablieren. Doch diese beiden Formen von Nachrichtenverbreitung unterscheiden sich in einem höheren Maße, als es vielen bewusst ist.

In dieser Arbeit sollen daher die Vor- und Nachteile der beiden Publikationsformen Print und Online sowie die Möglichkeiten aufgezeigt werden, die sich sowohl für den Autor als auch für den Leser durch die Digitalisierung des Mediums Zeitung ergeben.

Der Hauptteil befasst sich mit der idealen Textgestaltung im Online-Medium, denn der Text steht aus der Sicht von Online-Redakteuren auch beim Thema Weblayout im Vordergrund. Eyetracking- Studien belegen, dass die meisten User zuerst auf den Text schauen, denn Online-Leser sind sehr viel textfixierter als Zeitungsleser, so eine Studie der Stanford University.[2]

Von der Wichtigkeit der richtigen Textgestaltung ist auch Webdesign- Spezialist Dr. Thomas Wirth überzeugt. Auf seiner Internetseite www.kommdesign.de weist er darauf hin, „dass man die Benutzerfreundlichkeit einer Webseite allein durch die Umgestaltung des Textes um bis zu 159% verbessern kann.“[3]

Aus diesem Grund wird ab Kapitel 3 anhand von Praxisbeispielen gezeigt, welche Textgestaltungsprinzipien bei Online-Zeitungen beachtet werden sollten und inwieweit diese in der Realität umgesetzt werden. Als Hauptbeispiel wird die Online- Ausgabe der Tageszeitung “Die Welt“ analysiert, die durchgängig positive Aspekte aufweist.

2. Unterschied Print- und Onlinemedium

Im Hinblick auf das Organisationsprinzip eines Mediums, das dem Nutzer Texte anbietet, lässt sich seit einigen Jahren eine Dreiteilung erkennen.

Das Buch ist noch immer ein Medium zum durchlesen, ebenso wie es die Zeitung einmal war. Doch diese hat sich im Verlauf ihrer Geschichte zu einem Medium für den selektiven Leser entwickelt. Mithilfe von Überschrift, Vorspann, ressort- und themenorientierten Seitenköpfen und Inhaltskästen haben die Zeitungsmacher ihren Lesern Orientierungs- und Selektionshilfen gegeben, die eine individuelle Artikelauswahl ermöglichen.[4]

Noch einen Schritt weiter geht nun die Online-Zeitung, die ihre Texte mithilfe der technischen Möglichkeiten noch weiter modularisieren kann und dem Nutzer ein Höchstmaß an Entscheidungsfreiheit und individuellem Lesen bietet.

Die Hauptaspekte, in denen sich das Print- vom Online- Medium unterscheidet, lassen sich durch einige Schlagworte verdeutlichen. Vor allem sind es technische Weiterentwicklungen, die im Bereich der Online- Publikation einige Veränderungen ausgelöst haben:

- Nicht-Linearität: Die Rezeptionsabfolge ist nicht mehr vorgegeben, es gibt keinen direkten Anfang und keinen endgültigen Schluss. Der Nutzer kann selbst bestimmen, in welche Richtung es gehen soll.
- Multimedialität: Es können schriftliche, auditive, visuell-dynamische und grafische Elemente zusammengefasst werden.
- Interaktivität: Es stehen interaktive Kommunikationsformen zur Verfügung wie E-Mail Leserbriefe, Chat-Foren oder Online-Abstimmungen.
- Aktualität: Als ein besonders wichtiger Aspekt bei der Nutzung von Online-Zeitungen gilt die laufende Aktualisierung der Inhalte besonders im Bereich von Online-Nachrichten. Dies ist ein enormer Vorteil zu Print- Produkten.
- Virtualität: Es gibt keine Raum-Zeit-Begrenzung mehr, die Informationen können jederzeit aktualisiert werden und sind immer verfügbar. Außerdem ist eine gezielte Suche und Abfrage möglich, ähnlich elektronischer Datenbanken[5]

Zusätzlich verändert sich auch die Rolle des Rezipienten. Liest dieser ein Buch oder sieht fern, so verhält er sich eher passiv. Das Internet ist dagegen ein aktives Medium, in dem man meist gezielt nach Informationen sucht. Somit nimmt der Internet- User eine aktive Rolle ein und muss in seinen Handlungen viel intensiver unterstützt werden als bei der Nutzung anderer Medien.

2.1 Vorteile der Print- Publikation

Der Nutzer benötigt für das Lesen einer gedruckten Zeitung keinerlei technische Hilfsmittel und ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Außerdem hält er ein abgeschlossenes Produkt in den Händen, eine feste Einheit, die Vollständigkeit vermittelt. Die gedruckte Zeitung bietet zusätzlich vertraute Orientierungspunkte, an die der Leser gewöhnt ist und denen er vertrauen kann.

2.2 Vorteile der Online- Publikation

Der Autor ist nicht an eine beschränkte Fläche gebunden und hat die Möglichkeit, die Konzeption flexibel zu gestalten. Der Leser hat Zugriff auf alle weltweit bereitgestellten Informationen und kann sie von überall aus erreichen.

So ist das Internet vor allem für die inhaltliche Erschließung, die elektronische Archivierung und Wiederverwertung von Zeitungsbeiträgen sehr viel besser geeignet, als das gedruckte Pendant.

Das Recherchieren von Informationen wird aufgrund der Hypertext-Struktur sehr vereinfacht. Mithilfe von Links werden Texte in Beziehung zu anderen Texten gesetzt, die durch nur einen Klick zu erreichen sind.

Die Methode, Themen in Teilbereiche aufzuspalten oder aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, kann digital viel besser umgesetzt werden.

Außerdem bietet das Internet viel umfangreichere visuelle Möglichkeiten: Farben, Bilder und Grafiken sowie Ton- und Videodateien können direkt beigefügt werden und veranschaulichen ein Thema noch ausführlicher.

2.3 Probleme bei der Übertragung vom Print- zum Onlineprodukt

Im Gegensatz zum Print- Produkt kann sich der Besucher eines Internet-Angebots nur schwer einen ersten Überblick über dessen Umfang und Aufbau verschaffen.

Das Buch hat in diesem Fall den Vorteil, dass Benutzeroberfläche und Datenträger nicht nur zusammenfallen, sondern darüber hinaus auch noch physisch fassbar sind. Gerade die Simplizität des Benutzens macht einen der großen Vorteile des Printmediums aus. Der Leser kann in Druckerzeugnissen blättern und erhält somit die Möglichkeit, bei der Nutzung nicht nur passiver Betrachter, sondern zugleich auch aktiver Benutzer zu sein. Das Aufschlagen, Durchblättern, Erfühlen eines Buches erlaubt es, sich einen Zugang zum darin präsentierten Datenangebot zu erschließen, dessen Umfang zu sichten und sich einen Überblick über seinen Aufbau und mögliche Zugriffsstrukturen zu verschaffen.

Ein Online-Angebot kann man dagegen nicht in die Hand nehmen. Ob und wie sich ein Nutzer einen Überblick verschaffen kann, hängt maßgeblich davon ab, inwieweit ihm der Autor bzw. Produzent durchdachte Orientierungs- und Navigationshilfen bereitstellt, damit er sich auf Anhieb gut zurechtfindet.

Eine weitere Schwierigkeit stellt das Lesen am Bildschirm dar. Es ist unangenehmer und belastender für die Augen als das Lesen eines gedruckten Textes. Daher ist die Zeitspanne, die der Leser auf einer Internetseite verweilen möchte viel kürzer.[6] Dies bedeutet für den Produzenten einer Webseite nicht nur eine gewisse Umgestaltung des Textes selbst, um ihn an das Online-Medium anzupassen, sondern auch eine textgestalterische Veränderung, um das Lesen der Texte am Bildschirm so angenehm wie möglich zu machen.

Diese Probleme, die sich bei der Übertragung von Print- in Online-Texte ergeben, verweisen auf grundlegende Gestaltungsprinzipien für hypertextuelle Beiträge, die in den folgenden Punkten beschrieben werden.

3. Gestaltungsprinzipien zur optimalen Lesbarkeit

3.1 Hintergrund

Entscheidend für die Lesbarkeit am Bildschirm ist ein ausreichender Kontrast des Vordergrundes zum Hintergrund. Ein ruhiger Hintergrund erlaubt dem Betrachter, sich auf das Wesentliche - die Inhalte - zu konzentrieren.

Da Monitorfarben aus Licht bestehen, das direkt auf die Netzhaut strahlt, ermüden die Augen beim Lesen am Bildschirm schneller. Je heller die Farben und somit auch das Licht, desto stärker wird die Netzhaut belastet. Harte Schwarz-Weiß-Kontraste sollten daher vermieden werden, sofern relativ viel Text am Bildschirm zu Lesen ist. Eine etwas weniger grelle Farbe wie etwa hellgrau oder auch Pastelltöne sind nicht nur auf Webseiten, sondern auch bei digitalen Präsentationen besser für die Augen des Lesers geeignet. Der Kontrast zur Schriftfarbe darf dabei allerdings nicht verloren gehen.[7]

Besonders unvorteilhaft sind Hintergrundbilder. Sie verursachen meist einen Kontrastwechsel, der quer durch den Text verläuft und das Lesen zu einer überaus anstrengenden und ermüdenden Aufgabe werden lässt. Im Verlauf einer Textzeile sollten sich keine Helligkeitsunterschiede ergeben, denn diese stören die Blickbewegung des Lesers.[8]

3.2 Schrift

Bei der Wahl der Schriftgröße sollte bequeme Lesbarkeit die oberste Gestaltungsmaxime darstellen. Im Idealfall wird ein Schriftgrad von mindestens 12pt, am besten 14pt gewählt.

Der Schriftart kommt eine ebenso große Bedeutung zu, hier besteht jedoch ein sehr wichtiger Unterschied zwischen Print- und Onlineprodukt. Im gedruckten Medium werden serifenbetonte Schriften wie die bekannte Times New Roman verwendet.

Diese gilt für das Print- Medium nicht nur als ästhetischer, sondern auch als besser lesbar. Schriften mit Serifen haben feine Häkchen und Striche an den Buchstaben, die den Blick des Lesers durch den Text leiten.

Genau umgekehrt verhält es sich bei den bildschirmorientierten Medien. Die dünneren und unterschiedlich starken Striche der Serifenschriften bestehen aus weniger Pixeln und flimmern daher viel eher als serifenlose Schriften.

Was bei gedrucktem Material den Lesefluss fördert, wirkt am Bildschirm verschwommen. Somit werden im digitalen Medium serifenlose Schriften wie Arial bevorzugt.[9]

Der Großteil aller Online-Zeitungen befolgt diese begründete Regel. Als Negativ-Beispiele sind an dieser Stelle jedoch die Online-Version der “New York Times“ und die “Netzeitung“ aufzuführen. Beide Online-Angebote verwenden Schriften mit Serifen, die am Bildschirm merklich schlechter zu Lesen sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Erste Seite der Online-Ausgabe Abb. 2 Erste Seite der Netzeitung

der New York Times (Ausschnitt)[10] (Ausschnitt)[11]

[...]


[1] vgl. Nina Hautzinger: Vom Buch zum Internet S. 12

[2] vgl. Roman Mischel: Studie „Wie Online-Leser wahrnehmen“ http://www.onlinejournalismus.de/forschung/eyetrack_studie.shtml

[3] Zitat Dr. Thomas Wirth http://www.kommdesign.de/fakten/seite1.htm#Textgestaltung

[4] vgl. Hans-Jürgen Bucher: Die Zeitung als Hypertext. S. 11

[5] vgl. Hans-Jürgen Bucher: Die Zeitung als Hypertext. S. 9/10

[6] vgl. http://www.e-teaching.org/didaktik/gestaltung/navigationen/hilfen

[7] vgl. http://www.scoreberlin.de/website-analyse/web-usability

[8] vgl. http://www.kommdesign.de/fakten/seite1/htm#Textgestaltung

[9] vgl. Melanie Wieland: Schreiben fürs Web. S. 124-126

[10] New York Times Online vom 23.12.2004 (http://www.newyorktimes.com)

[11] Netzeitung vom 23.12.2004 (http://www.netzeitung.de)

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Textgestaltung im Web am Beispiel von Print- zu Online-Zeitungen
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V41539
ISBN (eBook)
9783638397803
ISBN (Buch)
9783638656115
Dateigröße
1159 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Unterschiede von Print zu Online werden herausgestellt. Ebenso Gestaltungsprinzipien zur optimalen Lesbarkeit am Bildschirm und zum allgemeinen Aufbau eines Online-Textes. Im Anhang befindet sich eine Checkliste zur optimalen Textgestaltung am Bildschirm.
Schlagworte
Textgestaltung, Beispiel, Print-, Online-Zeitungen
Arbeit zitieren
Nicole Streich (Autor), 2005, Textgestaltung im Web am Beispiel von Print- zu Online-Zeitungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41539

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