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Die Frage nach der rechtmäßigen Nachfolge des Propheten - Theologie und Bedeutung der Charigiten im 7. und 8. Jahrhundert

Titel: Die Frage nach der rechtmäßigen Nachfolge des Propheten - Theologie und Bedeutung der Charigiten im 7. und 8. Jahrhundert

Hausarbeit , 2004 , 12 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Marko Tomasini (Autor:in)

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der Zeit nach Muhammads Tod im Jahr 632, sah sich die islamische Welt mit dem Problem beauftragt, die Nachfolge des Propheten zu regeln, da dieser selbst keine Regelung festgelegt hatte.

Viele Anhänger Muhammads, vor allem in Medina, konnten zunächst nicht glauben, dass der Prophet gestorben war. Alte Gegensätze drohten wieder aufzubrechen. In den verschiedenen Vorstellungen, wie der Nachfolger des Propheten zu wählen ist, spiegelten sich auch verschiedene politische und religiöse Interessen wieder.
Dass die islamische Welt nicht gleich nach dem Tod Muhammads zerbrach, war zunächst einer kleinen Gruppe der engsten Vertrauten und Wegbegleiter Muhammads zu verdanken, die Abu Bakr an die Spitze der islamischen Gemeinde brachten. Er und sein Nachfolger Omar schafften es die Theokratie zu stärken und das islamische Reich weiter auszudehnen. Allerdings lagen schon in der Wahl Abu Bakr als Chalif, und dem Übergehen Alis, die Wurzeln für das spätere Schisma der Umma in den schiitischen und sunnitischen Islam im Jahre 680.
Abu Bakr (632 – 634) und Omar (634 – 644) stärkten das islamische Reich durch geschickte Reformen im Verwaltungs- und Finanzbereich und konnten so die unterschiedlichen Interessengruppen bündeln. Auch hatten sie die dazu gehörige starke Persönlichkeit, die ein solches Amt fordert. Diese Fähigkeiten hatte deren Nachfolger Uthman allerdings nicht mehr. Er wusste sich nur dadurch zu helfen, indem er die wichtigsten Stellen mit Mitgliedern seines Klans besetzte, was Unmut in der islamischen Gemeinde hervorrief und erneut die Frage aufbrachte, inwieweit Uthman als Chalif legitimiert war, bzw. unter welchen Kriterien der Chalif zu wählen sei.
Als es nach der Ermordung Uthmans endlich Ali schaffte als Chalif gehuldigt zu werden, brachen die Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Interessengruppen wieder in vollem Umfang auf. Viele verweigerten die Huldigung Alis und rebellierten z.T. offen gegen ihn. In dieser Zeit kam es zu Ausbildung verschiedenster Ansichten über die Wahl des Chalifen und somit auch zur Bildung verschiedenster islamischer Gruppen. Eine dieser Gruppen waren die Charigiten, welche die Ansicht vertraten, dass nur derjenige Chalif werden kann, welcher der Frömmste aus der Gemeinde war und wenn es ein schwarzer Sklave wäre.1 Fester Bestandteil der Argumentation der Charigiten war auch die Überzeugung, dass nur Gott allein diese Wahl treffen kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Herkunft der Charigiten

2.1 Die politische Situation unter Uthman und Ali

2.2 Die Abspaltung der Charigiten

3. Theologie und Moral

3.1 Allgemeine Ansichten

3.2 Fundamentalismus und religiöser Mord

4. Die Ibaditen

5. Resümee

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entstehung, die politische Entwicklung sowie die theologischen und moralischen Dogmen der Charigiten im 7. und 8. Jahrhundert. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie der interne islamische Streit um die rechtmäßige Nachfolge des Propheten zur Bildung dieser radikalen Gruppierung und zur späteren moderaten Abspaltung der Ibaditen führte.

  • Historischer Kontext der Nachfolgeproblematik nach dem Tod Muhammads
  • Politische Ursachen der Abspaltung der Charigiten während der Amtszeit von Uthman und Ali
  • Theologische Grundsätze und moralische Vorstellungen der Charigiten
  • Fundamentalismus, religiöser Extremismus und die Rolle des religiösen Mordes
  • Die Entstehung und Bedeutung der moderaten Ibaditen

Auszug aus dem Buch

3.1 Allgemeine Ansichten

Zunächst muss gesagt werden, dass für die Charigiten Staat und Religion zwei untrennbare Bereiche waren. Grundlage für jede Staatliche Entscheidung (somit auch die Wahl des Chalifen), kann nur der Koran und die von Muhammad gegründete Umma sein und dürfen nicht durch menschliche Willensakte beeinflusst werden – ein Vorwurf, wie er Uthman und später auch Ali gemacht wurde. Vorbild hierbei war für die Charigiten die medinensische „Ur-Gemeinde“, wie sie Muhammad geschaffen hatte. In dieser Vorstellungen, begab sich jeder Gläubige erneut auf den Weg der Hitschra, wenn er dem Vorbild Muhammads folge, einen solchen Staat zu schaffen (letztlich also, wenn er den Kampf der Charigiten unterstützte).

Ausgangs- und Mittelpunkt der Frage nach Staat und Glauben, war natürlich die Chalifenfrage, die es zulässt, jedem Chalifen die Gefolgschaft abzusprechen, wenn dieser vom rechten Weg abkommt, so wie die Charigiten selbst Ali verlassen hatten. Staatliche Verordnungen, die nach Meinung der Charigiten nicht mit dem Koran zu vereinbaren waren, wurden abgelehnt, wie am Beispiel von Basra, unter dem Stadthalter Zijád. Dieser wollte, um die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, die Stadt in Bezirke unterteilen, die von Obmännern verwaltet werden sollten. Im Falle von Verstößen gegen die öffentliche Ordnung, sollten dann die Obmänner so bestraft werden, als hätten sie selbst das Vergehen begangen, sofern sie die Schuldigen nicht fassen konnten. Die Charigiten wiederum lehnten diese Form der Stadtverwaltung ab. Mit Verweis auf Sure 53, Vers 38, argumentierten sie, das diese Verordnung der Offenbarung widerspreche: „Keiner soll die Last des anderen tragen“. An diesem Beispiel sieht man den Rigorismus, mit dem die Charigiten ihre Meinung durchzusetzen versuchten – eine Form „fundamentalistisch gedachter, religiöser Anarchismus“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Nachfolgeproblematik nach dem Tod des Propheten und die daraus resultierenden politischen Spannungen, die zur Entstehung der Charigiten führten.

2. Herkunft der Charigiten: Dieses Kapitel analysiert die politischen und religiösen Rahmenbedingungen unter den Kalifen Uthman und Ali, die schließlich die Abspaltung der Charigiten provozierten.

3. Theologie und Moral: Hier werden die theologischen Kernansichten und das moralische Selbstverständnis der Charigiten, insbesondere ihre Auslegung von Staat und Glauben, detailliert erörtert.

4. Die Ibaditen: Das Kapitel befasst sich mit der gemäßigten Abspaltung der Ibaditen, die durch eine pragmatischere Haltung eine dauerhaftere politische und religiöse Kontinuität erreichen konnten.

5. Resümee: Das Resümee fasst die historische Bedeutung der Charigiten zusammen und hebt ihren Einfluss auf die spätere islamische Dogmenbildung hervor.

Schlüsselwörter

Charigiten, Ibaditen, Kalifat, Nachfolge des Propheten, Uthman, Ali, Islamische Theologie, Fundamentalismus, Umma, Koran, Heilsverantwortlichkeit, Schisma, Religiöser Mord, Dogmenbildung, Mu'awija.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?

Die Arbeit behandelt die geschichtliche Entstehung und die theologisch-moralischen Grundsätze der Charigiten im 7. und 8. Jahrhundert sowie deren Einfluss auf die islamische Gemeinde.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen sind das Problem der rechtmäßigen Nachfolge des Propheten, die politische Zersplitterung der frühen islamischen Welt und die Radikalisierung religiöser Gruppen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die politischen Umstände der charigitischen Abspaltung zu erläutern und deren spezifische dogmatische Auslegung des Islams zu analysieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer historisch-theologischen Analyse, die sich auf etablierte Fachliteratur zur Religionswissenschaft stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit primär diskutiert?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Charigiten als Reaktion auf die Kalifen Uthman und Ali, ihren fundamentalistischen Ansatz und die spätere Entwicklung der moderaten Ibaditen.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Charigiten, Kalifenstreit, individuelle Heilsverantwortlichkeit und islamische Identitätsfindung.

Inwiefern unterscheidet sich die Haltung der Ibaditen von der der radikalen Charigiten?

Die Ibaditen wählten eine gemäßigte Linie, lehnten den ständigen bewaffneten Kampf ab und konnten so stabilere Imamate in Regionen wie Oman und Nordafrika errichten.

Welche Rolle spielte der Koran in der Argumentation der Charigiten?

Für die Charigiten war der Koran die alleinige und unumstößliche Grundlage für jegliches staatliche und religiöse Handeln, was zu einer kompromisslosen Auslegung und der Ablehnung menschlicher Schiedsgerichte führte.

Warum wird der Begriff "religiöser Anarchismus" in der Arbeit verwendet?

Der Begriff wird verwendet, um den Rigorismus zu beschreiben, mit dem die Charigiten ihre eigene Koraninterpretation über staatliche Autorität stellten und staatliche Anordnungen ablehnten, sofern sie nicht direkt in der Offenbarung begründet waren.

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Details

Titel
Die Frage nach der rechtmäßigen Nachfolge des Propheten - Theologie und Bedeutung der Charigiten im 7. und 8. Jahrhundert
Hochschule
Universität Erfurt  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Mohammed in Anlehnung und Distanz zu Judentum und Christentum und der islamische Monotheismus
Note
1,3
Autor
Marko Tomasini (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
12
Katalognummer
V41557
ISBN (eBook)
9783638397988
ISBN (Buch)
9783638824187
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frage Nachfolge Propheten Theologie Bedeutung Charigiten Jahrhundert Mohammed Anlehnung Distanz Judentum Christentum Monotheismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Marko Tomasini (Autor:in), 2004, Die Frage nach der rechtmäßigen Nachfolge des Propheten - Theologie und Bedeutung der Charigiten im 7. und 8. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41557
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Leseprobe aus  12  Seiten
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