Elias und Inglehart - eine Gegenüberstellung zweier Theorien des Wandels


Seminararbeit, 2005

19 Seiten, Note: Gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1 Warum die Gesellschaft sich ändert
1.1 Elias
1.2 Inglehart
1.3 Zusammenfassung

2 Wie die Gesellschaft uns prägt
2.1 Elias
2.2 Inglehart
2.3 Zusammenfassung

3 Wo die Entwicklung anfängt
3.1 Elias
3.2 Inglehart
3.3 Zusammenfassung

4 Wo die Entwicklung hinführt
4.1 Elias
4.2 Inglehart
4.3 Zusammenfassung

5 Was die Theorien versprechen und was sie halten

Literatur

Einführung

„Gesellschaftlicher Wandel“ ist einer jener Begriffe, die anfangs einen klaren Eindruck hinterlassen. Bei näherer Betrachtung wirkt dieser Begriff jedoch oberflächlich und erfordert weitere Präzisierungen.

Die Gesellschaft verändert sich! Welche genau? Wohin denn? Was ist ihr Ausgangspunkt? Wodurch werden die Änderungen bewirkt? Was ändert sich genau: die Struktur, die Affekte, die Werte oder alles zusammen?

Diese Fragen sind präzise zu beantworten, bevor man eine Theorie gesellschaftlichen Wandels beurteilt. Sinnvoll ist es, diese Fragen in vier Gruppen einzuteilen: Was treibt die Gesellschaft an, was ist also der Motor gesellschaftlichen Wandels? Durch welche Mechanismen prägt uns die Gesellschaft? Und schlussendlich, was ist der Anfangszustand der Gesellschaft und in welche Richtung entwickelt sie sich?

Dieses Schema wird an zwei Theorien gesellschaftlichen Wandels angewendet: der Zivilisationstheorie von Norbert Elias und der Postmaterialismusthese von Ronald Inglehart.

Elias´ Theorie umfasst einem Zeitraum vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert; Inglehart indes setzt seinen zeitlichen Schwerpunkt heute an. Um besser vergleichen zu können, werden die Theorien ohne historischen Bezug wiedergeben.

Im Zentrum stehen die Schlüsselbegriffe der Autoren - in der Arbeit in GROSSBUCHSTABEN gesetzt. In Summe gibt es mehr Schlüsselbegriffe in den Ansätzen, als hier vorkommen. Dies ist besonders bei Elias der Fall, da seine Theorie breiter angelegt ist, als jene von Inglehart. Daher werden hier nur die Begriffe besprochen, die sich direkt auf den Prozess der Zivilisation beziehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Der Zivilisationsprozess nach Norbert Elias, Quelle: Eigene Darstellung

Ad 1 und 2: Eine unterbrochene Linie mit Pfeil deutet eine zeitlich-kausale Beziehung an, eine durchgehende Linie eine gleichzeitige, sich gegenseitig bestärkende Beziehung.

1 Warum die Gesellschaft sich ändert

Ist der Auslöser gesellschaftlichen Wandels unser materielles Dasein oder unsere Kultur? Hat die Entwicklung der Gesellschaft ein Ziel? Folgt ein Stadium der Geschichte notwendigerweise dem vorhergehenden?

1.1 Elias

Für Elias ist weder allein unser materielles Dasein noch unsere Kultur der Auslöser; beide tragen bei zur Entwicklung der Gesellschaft. Vielmehr leben wir in einem komplexen Gebilde, das sich aufgrund verschiedenster Gründe wandeln kann und deren Ursprünge schwer zu lokalisieren sind.

Die Entwicklung der Seele und der Gesellschaft sind hingegen zwei Seiten derselben Medaille. Jedes wirkt auf das andere zurück. Diese Verschränkung prägt sich aus in Institutionen, Psyche und Habitus.

Es ist leicht zu sehen, daß man mit einer solchen, auf Entdeckung von Tatsachenzusammenhängen und deren Erklärung ausgerichteten Fragestellung (...) , Abschied von metaphysischen Ideen nimmt, die mit dem Begriff der Entwicklung entweder die Vorstellung einer mechanischen Notwendigkeit oder die einer telelogischen Zielstrebigkeit verbinden. (Elias, 1997 a: 12)

Wie legt man ein Ziel fest, wenn man das Ziel nicht kennt (Elias, 1997 b: 323)? Niemand kannte die Zivilisation, niemand wollte sie und niemand wusste den Weg dorthin. So hätte es anders kommen können; denn nichts ist in der Gesellschaft von langer Hand geplant.

1.2 Inglehart

„It´s the economy, stupid!“[1]: Inglehart ist Anhänger einer materialistischen Sichtweise (Haller, 2002: 139), dass nämlich die Ökonomie die Kultur bestimmt und nicht umgekehrt . Dies bedeutet, dass - im Prinzip - das Verteilungssystem von Gütern und Dienstleistungen als Motor des gesellschaftlichen Wandels anzusehen ist. Dies ist die Kernaussage der Modernisierungstheorie und stammt von Marx. Inglehart betont, dass die simple Version widerlegt sei, er der Grundidee aber zustimmt. Inglehart stellt verschiedene Gründe für Wandel auf: Diese alle können mit Sicherheit umschrieben werden. Sicherheit ist mehr als nur die Verfügung über Güter und Dienstleistungen. Es ist ein Zustand, der Menschen in ihrem Innersten verändert. In diesem Sinne meint er:

Der in diesem Buch vertretene Standpunkt lautet, daß ökonomische Entwicklung, kultureller Wandel und politische Verschiebungen mit kohärenten und – bis zu einem gewissen Grade – sogar voraussagbaren Modellen zusammenpassen. Dies ist eine umstrittene Behauptung. Sie beinhaltet nämlich, daß einige Verlaufsbahnen sozioökonomischen Wandels wahrscheinlicher sind als andere und folglich bestimmte Verschiebungen vorrausagbar sind. (Inglehart, 1998: 14)

Wenn eine Entwicklung vorrausagbar ist, dann gibt es ein Ziel und einen Weg dorthin.

1.3 Zusammenfassung

Elias behauptet, dass Geschichte ziellos ist und die einzelnen Stadien von einander unabhängig sind. Inglehart hingegen behauptet, dass Wandel bis zu einem gewissen Grade voraussagbar ist.

Elias meint, dass Ökonomie und Kultur auslösende Faktoren sind. Inglehart geht davon aus, dass die ökonomische und körperliche Sicherheit, der Lebensstandard und das Bildungsniveau den Wertewandel auslösen (Klages, 2001 a: 230).

2 Wie die Gesellschaft uns prägt

Welche Bahnen nehmen nun diese Umwälzungen auf dem Weg in das Innerste des Menschen? Wie werden sie internalisiert? Man kann funktionale Ähnlichkeiten feststellen, obwohl die Ansprüche unterschiedlich sind: Der eine will die heutige Welt erklären, der andere einen Wertwandel.

2.1 Elias

Die Geschichte einer Gesellschaft spiegelt sich in der Geschichte des einzelnen Individuums innerhalb ihrer: Den Zivilisationsprozeß, den die Gesellschaft als Ganzes während vieler Jahrhunderte durchlaufen hat, muß das einzelne Individuum, abgekürzt, von neuem durchlaufen; denn es kommt nicht „zivilisiert“ zur Welt. (Elias, 1997 a: 422)

Elias nennt dies das soziogenetische und psychogenetische Grundgesetz: Jeder Mensch durchläuft in seiner Entwicklung dieselben Schritte in verkürzter Form, wie es die Gesellschaft in ihrer Geschichte getan hat (Elias, 1997 a: 265).

[...]


[1] Dies ist der Slogan mit dem Bill Clinton 1992 in den Präsidentschaftswahlkampf gegen George Bush Senior zog.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Elias und Inglehart - eine Gegenüberstellung zweier Theorien des Wandels
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Dplomandenseminar
Note
Gut
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V41561
ISBN (eBook)
9783638398015
Dateigröße
727 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elias, Inglehart, Gegenüberstellung, Theorien, Wandels, Dplomandenseminar
Arbeit zitieren
Marian Berginz (Autor), 2005, Elias und Inglehart - eine Gegenüberstellung zweier Theorien des Wandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41561

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