Die "Megalithkulturen" in Europa. Zur Teufelsküche im Haldenslebener Forst


Hausarbeit, 2017
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Megalithik allgemein
1.1. Was heißt Megalithik?
1.2. Formen der Megalithik
1.2.1. Menhire
1.2.2. Steinreihen
1.2.3. Steinkreise
1.2.4. Dolmen
1.2.5. Ganggrab
1.2.6. Steinkiste
1.2.7. Galeriegrab
1.2.8. Funde
1.3. Entstehung und Verbreitung von Megalithik
1.4. Funktion und Bedeutung der Megalithik
1.5. Ende der Megalithkultur

2. Die Teufelsküche
2.1. Die Megalithgräber in Haldensleben
2.2. Der Weg zur Teufelsküche
2.3. Beschreibung des Grabes
2.4. Die Näpfchen auf dem Grab

3. Abbildungen

4. Bildnachweise

5. Literaturnachweise

1. Megalithik allgemein

1.1. Was heißt Megalithik?

Befasst man sich mit der Vorgeschichte des Menschen, so stößt man über die Megalithbauten, also Großsteingräber und Menhire. Sie gehören zu den Hinterlassenschaften der zahlreichen Kulturen im Neolithikum. Der Begriff Megalithik stammt aus dem Altgriechischen. „Megas“ bedeutet „Groß“ und „Lithos“ steht für „Stein“[1]. Megalith- Anlagen sind Grabanlagen oder Großsteingräber. Volkstümlich wurden diese Anlagen auch als Hünengrab bezeichnet, da nur Riesen diese diese riesigen Steine bewegt haben konnten. Die größte Konzentration von Großsteingräbern in Mitteleuropa findet man südlich und westlich von Haldensleben.

1.2. Formen der Megalithik

Neben den Gräbern gibt es noch andere Formen der Megalithik, so z.B. die Menhire. Die megalithischen Bauten bestehen meistens aus Findlingen. Dies sind große Steine, welche durch die Eismassen der Eiszeit in ihre heutige Lage geschoben wurden. Dann wurden sie in einer Art Baukastensystem zusammen gefügt, wobei die Baudauer bis 12 Monate betragen konnte. Verwendet wurden häufig Gesteine wie Granit oder Sandstein. Die Grabbauten bestehen aus Wand- bzw. Trägersteinen und mindestens einem großen Deckstein. Das Zentrum bildet die Kammer. Nicht alle Gräber haben einen Zugang. Dieser hebt die einmalige Nutzung auf und sorgt für eine vielfache Nutzung des Grabes. Die Steinblöcke sind in der Regel außen unbearbeitet und innen Glatt. Die Grabkammer kann von einem Hügel bedeckt sein und von Umfassungssteinen gesäumt.[2]

1.2.1. Menhire

Menhire bedeuten übersetzt „ langer Stein“. Es sind aufgerichtete häufig längliche Steine, welche bearbeitet sein können (Abb.1). Einige mit Verziehrungen und Symbolen, z.T. auch tief in den Boden eingegraben. Verziehrte Menhire nennt man auch „ Menhirstatuen“, man findet sie in Mitteldeutschland jedoch selten. Manche Menhire stehen auf Grabhügeln oder neben Gräbern, weshalb man sie oft „Grabstelen“ nennt. Die Große kann stark variiren. Während man z.B. in der Bretagne Giganten von 7 Meter Höhe findet, sind mitteleuropäische Menhire meist kleiner.

1.2.2. Steinreihen

Steinreihen, auch Alignements genannt, sind parallele alleeartig aufgestellte Monolithe (Abb.2). Sie können sich bis zu 4 km erstrecken. Sie finden sich vor allem auf den britischen Inseln und in Frankreich (z.B. Carnac). Der genaue Sinn der Steinreihen ist noch unklar, sie könnten jedoch als Wegweiser gedient haben. In Mitteldeutschland sind sie jedoch unbekannt.

1.2.3. Steinkreise

Steinkreise, oder auch Cromlechs, schließen „heiliges Land“ oder gehegten Raum ein und haben manchmal einen Menhir in der Mitte. In Mitteldeutschland sind sie nicht erhalten. Das bekannteste Beispiel ist Stonehenge (Abb.3).

1.2.4. Dolmen

Der Dolmen ist die einfachste oberirdische Grabform der Megalithgräber. Oft findet sich kein Zugang, welches ein Hinweis auf eine Einmalbestattung ist. Der Urdolmen besteht aus einem Deckstein (Abb.4). Der erweiterte Dolmen hat zwei Joche und so mit zwei Decksteine. Dagegen kann der Großdolmen drei und mehr Decksteine besitzen. Der Polygonaldolmen besitzt eine vieleckige Kammer mit einem Deckstein und einem seitlichen Zugang.

1.2.5. Ganggrab

Das Ganggrab (Abb.5) ist die am häufigsten vorkommende Grabform. Der Gang besteht aus aufrecht stehenden Wandsteinen und mehreren Decksteinen. Der Boden kann mit Steinplatten gepflastert sein. Oft ist das Grab von einem Hünenbett eingefasst (Abb.6). Der Zugang befindet sich meist im Süden an der Längsseite. Meistens lässt sich eine Ost- West- Ausrichtung nachweisen. Der Zugang weist auf eine Kollektivgrabsitte hin.

1.2.6. Steinkiste

Im Gegensatz zu den vorher erläuterten Grabformen ist bei dem Steinkistengrab die Kammer eingesenkt (Abb.7). Es ist kein Zugang angelegt. Die Deckplatte ist meiste sehr leicht.

1.2.7. Galeriegrab

Das Galeriegrab besitzt eine rechteckige eingesenkte Kammer mit vielen Jochen (Abb.8). Der Zugang befindeet sich axial über einen kurzen Vorraum. Es ist die längste Grabform der Megalithik. Das Galeriegrab kann unter einem Langhügel vorkommen.

1.2.8. Funde

Die Funde fallen in den Megalithgräbern eher spärlich auch. Meist sind auch die Skelettreste auf Grund der Boden- und Witterungsverhältnisse kaum noch erhalten. Daneben lassen sich Steinwerkzeuge, Keramikscherben und Feuersteinartefakte nachweisen[3]. Da sich die Scherben besonders im Eingangsbereich konzentrieren wird eine gesonderte Opfergabe angenommen, oder die Ausräumung der Beigabenreste für eine erneute Bestattung. Dennoch bemerkt man die besondere Armut der Beigaben.

1.3. Entstehung und Verbreitung von Megalithik

Die früheste Form der Megalithgräber findet sich um 5000 v.Chr in der Bretagne und Normandie. Bereits zuvor gab es Tumuli, Erdhügel, welche über Urnengräbern oder Körperbestattungen errichtet wurden. Doch vor allem an den Küstenregionen war die Verwendung eines dauerhaften Materials möglich. Erste Megalithbauten in Westeuropa finden sich im Westen der iberischen Halbinsel, von wo aus sie sich über die atlantischen Küsten bis Südskandinavien verbreiteten (Abb.9). Die Verbreitung lässt sich nach West-, Nord-, und Mitteleuropa nachweisen, womöglich auch über den Seeweg. Das südliche Mitteleuropa und Teile Osteuropas blieben davon unberührt. Die östlichsten Grenzen finden sich in Türkei, Georgien, Syrien und der Osterinsel. In unserer Region entstehen die ersten Megalithanlagen um 3500 v.Chr., also im Spätneolithikum. Die jüngsten wurden noch in der Bronzezeit um 1500 v.Chr. errichtet. Man geht davon aus, dass sich die Megalithik unabhängig bei verschiedenen Kulturen zu unterschiedlichen Zeitpunkten entwickelte. Diskutiert wird noch, ob die Verbreitung hauptsächlich durch Wanderungen voran getrieben wurde oder ob es eher missionierende Seefahrer gab, welche an der Atlantikküste entlang reisten.

1.4. Funktion und Bedeutung der Megalithik

Megalithanlagen sind vor allem Bodendenkmäler. Man jedoch nicht immer genau sagen wozu sie genutzt wurden, da es nur selten ungestörte Funde gibt. Meistens waren die sie jedoch rituelle Begräbnisstätten, oft auch kollektiver Bestattungen, also Bestattungen über mehrere Generationen. Es wurden Reste von Individuen unterschiedlichen Alters und Geschlechts gefunden. Es scheint also eine gewisse Gleichberechtigung bestanden zu haben. Zerbrochene Knochen und nur teilhafte Reste von Skeletten verweisen jedoch auf kannibalische Riten, Menschenopfer oder Vampirismus. Betrachtet man die Megalithen als Teil eines religiösen Kultes, so repräsentieren sie Wertevorstellungen und die Glaubenswelt der Früheren Kulturen. Die Bauten waren oft auch die Zentralheiligtümer, somit auch Schauplatz regelmäßiger Rituale und Zeremonien. Der Kult der Toten und Ahnen wurde an ihnen vollzogen. Es bestand der Glaube, dass die Ahnen in den Gräbern wohnten, und somit eine Transformation der Toten zu den Ahnen stattfand. Eine andere Interpretation wäre, dass schon in der Altsteinzeit der Glaube an eine Erdgöttin bestand, die Erde selbst als Gottheit angesehen wurde und deshalb das Grab in die Erde gebracht wurde. Der Tote kehrt so in den Schoß der Mutter zurück.[4] Ein astronomischer Bezug, wie z.B. bei Stonehenge nachgewiesen, konnte bisher bei den einfachen Megaluíthgräbern nicht nachgewiesen werden. Auffällig ist jedoch, dass bei den meisten Grabanlagen keine Sichtverbindung zu den Wohnorten besteht, somit die Welt der Toten von der der Lebenden abgegrenzt ist. Bei freistehenden sichtbaren Monumenten stellt sich jedoch die Frage, ob sie als Grenzmarker gedient haben können. Auch heute könnte man noch Formen der Megalithik nachweisen, betrachtet man z.B. die Denkmale und Grabstätten der heutigen Gesellschaft. Auch unsere heutigen Sagen und Bräuche können auf die ursprünglichen Mythen und Rituale der Megalithiker zurück gehen.

1.5. Ende der Megalithkultur

Als im Endneolithikum (2800- 2200 v.Chr.) die Schnurkeramiker kamen, brachte sie ihre eigenen religiösen Vorstellungen mit, so auch die neue Form der kleinen individuellen Gräber. Die Megalithiker wurden nach und nach angepasst oder vertrieben. Die Grabstätten wurden aber noch Jahrhunderte lang benutzt. Das Ende der Megalithkultur hat sich wahrscheinlich ganz unspektakulär vollzogen. Die Kultur hatte sich nach zwei bis drei Jahrtausenden selbst überlebt. Ab dem Mittelalter wurden die Anlagen jedoch bewusst zerstört, da eine gewisse Bedrohlichkeit von ihnen ausging. Zum Teil vielen sie auch einfach dem Straßenbau zum Opfer, vor allem im 19 Jahrhundert.[5] Vermehrt wurden die Steine auch als Baumaterial verwendet. So können heutige Kirchen noch auf Fundamenten aus Steinen der Hünengräber stehen.

2. Die Teufelsküche

2.1. Die Megalithgräber in Haldensleben

Von den einst über 130 Großsteingräbern sind heute noch 85 erhalten, die Restlichen wurden größtenteils im 19. Jahrhundert zerstört. Sie befinden sich südwestlich von Haldensleben im Gebiet zwischen Haldensleben, Süplingen, dem Bebertal und Hundisburg (Abb.10). Der Grund warum noch so viele Gräber erhalten sind ist, dass sie durch das umgebende Waldgebiet geschützt werden. Sie verteilen sich auf 8 Gemarkungen: Bebertal I, Bebertal II, Emden, Erxleben, Haldensleben (Alt), Haldensleben (Neu), Hundisburg und Süplingen.[6] Erste Untersuchungen wurden von P. Wegener um 1896 und W. Blasius 1901 durchgeführt. Später wurden Vermessungen der Gräber durch das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle vorgenommen. Insgesamt liegen nun Ausgrabungsergebnisse von 15 Gräbern vor, welche Material der Walternienburger Gruppe und der Alttiefstichkeramik zu Tage brachten.

2.2. Der Weg zur Teufelsküche

Die Teufelsküche findet man rechts von der Chaussee von Neuhaldensleben nach Dönstedt kurz vor der Ziegelei im Wald, oder auch Nähe Klausort (Schräbergartenanlage). An der B 245 flolgt man dem Trampelpfad von der Gaststätte „Alte Ziegelei“ in den Wald (Abb.11).

2.3. Beschreibung des Grabes

Die Teufelsküche (Abb.12/13) ist ein recht kleines Ganggrab, mit einer kurzen Grabkammer. Erhalten sind acht Tragsteine und zwei Decksteine. Ein Deckstein fehlt. Einige Steine liegen um das Grab verstreut. Es zeigt sich eine Ost- West- Ausrichtung, wobei sich der Zugang auf der Südseite befindet (Abb.14/15). Das Grab ist nicht rekonstruiert und wurde auch nicht gegraben, was es schwierig macht eine eindeutige Datierung, sowie Aussagen über Funde zu beschreiben. Man geht jedoch davon aus, dass die Teufelsküche auch in das Spätneolithikum datiert. Auch der Zweck der Teufelsküche ist nicht genau bekannt. Es ist eher unwahrscheinlich, dass das Grab als Grenzmarker diente, da das Gebiet wahrscheinlich immer bewaldet gewesen war. Bekannt ist auch die Sage welche von dem Grab handelt und wie es zu dem Namen Teufelsküche kam. Es soll eine Opferstätte zur Zeit der Heiden gewesen sein, an der man durch Opferung von Tieren und Gefangenen dem Gott Wodan huldigte.[7] Außerdem fanden Weissagungen der Zukunft durch den Priester statt. Der Opferdienst soll nachts mit Murmelgesang und Waffengeklirre zwischen mit Lichtern behangenen Bäumen stattgefunden haben. Als jedoch im 9. Jahrhundert das Christentum kam wurden die alten Stätten als Wohnplätze des Bösen betrachtet. Man bezeichnete sie als Teufelswerk, womit auch die Teufelsküche ihren Namen bekam.

2.4. Die Näpfchen auf dem Grab

Auch auf den Decksteinen der Teufesküche lassen sich Näpfchen(Abb.16/17/18) nachweisen, vermehrt auf dem westlichen Deckstein. Näpfchensteine werden auch als heidnische Kultsteine gedeutet. Die Nutzung der Näpfchen kann nicht genau nachgewiesen werden, es werde jedoch einige Theorien aufgestellt. Eine Möglichkeit ist, dass sie als Opfersteine benutzt wurden und so z.B. Fette, Öle und Kräuter in die Näpfchen gegeben wurden. Sie könnten auch als Art Schälchen zum zerkleinern von Nahrung mit einem Mörser genutzt worden sein. Eher unwahrscheinlicht ist, dass die Näpfchen als Sternenkarte angeordnet wurden und somit ein astronomischer Bezug besteht. Man geht eher von einer kultischen Deutung aus. Dass die Näpfchen einem höheren Zweck gedient haben müssen, zeigt der Aufwand der Herstellung solcher Näpfchen. Die starke Verwitterung der Schälchen macht jedoch genauere Untersuchungen oft unmöglich.

3. Abbildungen

Abb. 1 Menhir vom Champ-Dolent, ca. 9,5 m hoch; bei Dol-de-Bretagne (Ille-et-Vilaine)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 Steinreihen von Carnac

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Britta Schulze- Thulin, Großsteingräber und Menhire, Halle 2011, S. 13

[2] Beier, Megalithische Bauten zwischen Ostsee und Thüringer Wald, Wilkau- Haßlau 1991, S. 12 ff.

[3] K.Bock, Heimatkunde des Kreises Neuhaldensleben, Emde, Neuhaldensleben 1920, S.217

[4] Vgl. Beier, S. 6-7

[5] M. Schmidt, Die alten Steine. Reisen zur Megalithkultur in Mitteleuropa, Rostock 1998

[6] J.Preuss, Megalithgräber mit Alttiefstichkeramik im Haldenslebener Forst, in: Neolithische Studien, Berlin 1973, S.129

[7] Archiv des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Halle, Karton Haldensleben II, Blatt 173

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die "Megalithkulturen" in Europa. Zur Teufelsküche im Haldenslebener Forst
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltung
Seminar: Prähistorische Grablandschaften
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V415680
ISBN (eBook)
9783668655003
ISBN (Buch)
9783668690158
Dateigröße
7765 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
megalithkulturen, europa, teufelsküche, haldenslebener, forst
Arbeit zitieren
Monique Feistel (Autor), 2017, Die "Megalithkulturen" in Europa. Zur Teufelsküche im Haldenslebener Forst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415680

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