Bei dem sog. Philipperhymnus „handelt es sich um den meistkommentierten Abschnitt des Philipperbriefs und einen der meistkommentierten des Neuen Testaments.“ Kaum an einen anderen Text des Neuen Testaments sind so viele unterschiedliche Deutungen herangetragen worden, wie an den Christustext in Phil 2. Kaum ein anderer neutestamentlicher Text hat eine so schillernde Wirkungsgeschichte erfahren, wie der sog Christushymnus im Rahmen der christologischen Auseinandersetzungen der Alten Kirche. Auch gegenwärtig lässt sich in der Forschung kein Konsens bzgl. der Form, Tradition, Redaktion und Theologie des sogenannten Philipperhymnus herstellen. Die vorliegende Arbeit stellt den Versuch dar, sich dem „locus classicus paulinischer Christologie im Philipperbrief“ aus unterschiedlichen Perspektiven zu nähern. Dazu soll der Christustext zunächst auf synchroner Ebene untersucht werden. Aus rezeptionshermeneutischer Sicht ist der Text allerdings zunächst ein Teil des paulinischen Schreibens an die christliche Gemeinde in Philippi und soll als solcher auch gewürdigt werden. Der erste Hauptteil dieser Arbeit untersucht daher zunächst das Philipperschreiben in seiner Gesamtheit und versucht aus der Perspektive des Briefes erste Rückschlüsse auf die Funktion des Christustextes innerhalb seines Kontextes zu ziehen. Im zweiten Hauptteil der Arbeit soll dann die Perspektive gewechselt werden und der Christustext selbst zu Gehör kommen. Dabei sollen synchrone Zugangswege zum Text genauso Berücksichtigung finden wie diachrone Betrachtungsweisen. Der letzte Hauptteil der Arbeit ist dann dem theologischen Gehalt des Christustextes gewidmet und versucht die exegetischen Beobachtungen zu Phil 2,6-11 unter theologischen, christologischen, soteriologischen, eschatologischen und ethischen Gesichtspunkten zu systematisieren und zu diskutieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die christliche Gemeinde in Philippi
3. Der Philipperbrief
3.1. Abfassungsort und -zeit des Briefes
3.2. Die literarische Integrität des Briefes
3.3. Aufbau und Inhalt
3.4. Gute und schlechte Vorbilder im Philipperbrief
3.5. Die Schlüsselstellen Phil 2,6-11 und Phil 3,17-21
3.6. Zwischenfazit
4. Exegetische Beobachtungen zu Phil 2,6-11
4.1. Eigene Übersetzung
4.2. Syntaktische Analyse
4.2.1. Syntax, Sprache und Stil
4.2.2. Gliederung
4.3. Semantische Analyse und Gedankengang
4.3.1. Die Selbsterniedrigung Jesu Christi (Phil 2,6-8)
4.3.2. Die Erhöhung des Gekreuzigten (Phil 2,9-11)
4.4. Formbestimmung und Verfasserschaft
4.5. Traditionsgeschichte
4.5.1. Alttestamentlich-jüdische Traditionen
4.5.2. Römisch-hellenistische Einflüsse
5. Der theologische Gehalt des Christustextes
5.1. Herr ist Jesus Christus
5.2. Die Königsherrschaft Christi
5.3. Ethische Implikationen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende wissenschaftliche Examensarbeit untersucht den sog. Philipperhymnus (Phil 2,6-11) hinsichtlich seiner Form, Tradition, Redaktion und Theologie. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie der Christustext in den paulinischen Briefkontext eingebettet ist, welche christologischen Aussagen er trifft und inwiefern er als ethisches Vorbild für die christliche Gemeinde fungiert.
- Analyse der Einbettung des Christushymnus in den paulinischen Briefkorpus
- Exegetische Untersuchung von Phil 2,6-11 (Syntax, Semantik, Traditionsgeschichte)
- Reflektion des Verhältnisses von christologischer Aussage und ethischer Konsequenz
- Einordnung in den alttestamentlich-jüdischen Kontext sowie zeitgenössische Einflüsse
Auszug aus dem Buch
4.1. Eigene Übersetzung
6a Er, der in Gestalt Gottes war,
b hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,
7a sondern er beraubte sich selbst,
b indem er Gestalt eines Knechts annahm.
c Zu einem Ebenbild der Menschen werdend
d und der Erscheinung nach als Mensch erkannt,
8a erniedrigte er sich selbst,
b indem er gehorsam ward bis zum Tod,
c zum Tode aber am Kreuz.
9a Deshalb hat Gott ihn auch zur höchsten Höhe erhoben
b und ihm den Namen geschenkt, der über jedem Namen steht,
10a damit im Namen Jesu
b sich jedes Knie beuge, derer im Himmel auf der Erde und unter der Erde
11a und jede Zunge frei heraus bekenne: „Herr ist Jesus Christus.“
b zur Ehre Gottes, des Vaters.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Forschungsgeschichte des Philipperhymnus und Vorstellung der methodischen Herangehensweise der Arbeit.
2. Die christliche Gemeinde in Philippi: Darstellung des sozialen und religiösen Kontextes der Gemeinde im 1. Jh. n. Chr. als Adressaten des Schreibens.
3. Der Philipperbrief: Analyse der Struktur, Integrität und des Anliegens des Briefes, inklusive der Bedeutung von Vorbildern.
4. Exegetische Beobachtungen zu Phil 2,6-11: Detaillierte synchrone und diachrone Exegese des Hymnus, einschließlich syntaktischer und traditionsgeschichtlicher Analysen.
5. Der theologische Gehalt des Christustextes: Systematisierung der theologischen, christologischen und ethischen Erkenntnisse der Exegese.
6. Fazit: Zusammenfassende Würdigung des Hymnus als zentrales Kunstwerk paulinischer Theologie.
Schlüsselwörter
Philipperhymnus, Paulus, Christologie, Selbsterniedrigung, Kenosis, Erhöhung, Kyrios, Gottgleichsein, Briefkontext, Ekklesiologie, Exegese, Traditionsgeschichte, Ethik, Kreuzestod, Menschenwerdung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit untersucht den sog. Philipperhymnus (Phil 2,6-11) eingehend auf seine Form, Tradition und Theologie, um seine zentrale Funktion innerhalb des paulinischen Briefes zu ergründen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Felder sind die Christologie, die Einbettung in den Briefkontext, die ethischen Implikationen für die Gemeinde und die Traditionsgeschichte des Hymnus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Bedeutung des Christustextes für die Philipper zu erschließen und zu zeigen, dass er eng mit dem Briefkontext und dem Aufruf zu einem demütigen Gehorsam verknüpft ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine exegetische Methode angewandt, die synchrone syntaktische Analysen mit diachronen traditionsgeschichtlichen Betrachtungen verbindet.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des Briefkontextes, eine detaillierte exegetische Analyse der Verse 6-11 sowie eine Systematisierung der theologischen und ethischen Inhalte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Begriffe wie Kenosis, Christologie, Präexistenz, Kyrios-Bekenntnis, Vorbildfunktion und Traditionsgeschichte sind zentral.
Welche Rolle spielen die "Feinde des Kreuzes" in dieser Arbeit?
Sie dienen als negativer Kontrastpunkt zur Christusnachfolge, an denen Paulus die Gefahren für die Gemeinde aufzeigt.
Wie bewertet der Autor die Verfasserschaft des Hymnus?
Der Autor argumentiert, dass Paulus den Hymnus speziell für diesen Brief komponiert hat und ihn daher als authentisches paulinisches Werk betrachtet.
- Arbeit zitieren
- Stefan Prill (Autor:in), 2017, Der sogenannte Philipperhymnus (Phil 2, 6-11), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415717