Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen aus der Wachstumstheorie. Ein Vergleich der Beiträge Solows und Kaldors


Bachelorarbeit, 2016
56 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Wachstumstheorie: Wissenschaftshistorischer Kontext
2.1 Wachstum als Forschungsgegenstand
2.1.1 Der Wachstumsbegriff: Wachstum versus Konjunktur
2.1.2 Wachstumstheoretische Erkenntnisse vor
2.1.3 Keynes als Ausgangspunkt der Wachstumstheorie
2.2 Die postkeynesianische Wachstumstheorie
2.3 Die neoklassische Wachstumstheorie
2.4 Die Neue Wachstumstheorie

3 Die Beiträge Solows und Kaldors zur Wachstumstheorie
3.1 Robert M. Solow
3.1.1 Biografischer Hintergrund Ausgangspunkt der Analyse
3.1.1.1 Biografischer Hintergrund
3.1.1.2 Wissenschaftliches Umfeld
3.1.1.3 Ausgangspunkt der Analyse Zielsetzung
3.1.2 Das Solow-Modell: Annahmen und Ergebnisse
3.1.2.1 Rahmenbedingungen
3.1.2.2 Der Produktionsfaktor Arbeit
3.1.2.3 Der Produktionsfaktor Kapital
3.1.2.4 Produktion unter neoklassischen Standardannahmen: Die Produktionsfunktion
3.1.2.5 Grenzproduktivitätstheorie der Verteilung: Löhne Gewinne
3.1.2.6 Der gleichgewichtige Wachstumspfad: Flexibles Faktorein- satzverhältnis
3.1.3 Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen
3.2 Nicholas Kaldor
3.2.1 Biografischer Hintergrund Ausgangspunkt der Analyse
3.2.1.1 Biografischer Hintergrund
3.2.1.2 Wissenschaftliches Umfeld
3.2.1.3 Ausgangspunkt der Analyse Zielsetzung
3.2.2 Das Kaldor-Mirrlees-Jahrgangsmodell: Annahmen und Ergebnisse
3.2.2.1 Rahmenbedingungen
3.2.2.2 Autonomie der Investitionsnachfrage
3.2.2.3 Investitionsverhalten der Unternehmer unter Unsicherheit
3.2.2.4 Der Kapitalstock
3.2.2.5 Alterung von Maschinen und physische Abschreibung
3.2.2.6 Einkommensverteilung: Löhne Gewinne
3.2.2.7 Der technische Fortschritt: Die Fortschrittsfunktion
3.2.3 Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen

4 Vergleichende Betrachtung der Beiträge
4.1 Die Wachstumsmodelle im Vergleich
4.1.1 Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen im Vergleich
4.1.2 Wachstumstheoretische Ergebnisse im Vergleich
4.1.3 Anfängliche Zielsetzungen im Vergleich
4.1.4 Modellstruktur und Annahmen im Vergleich
4.1.4.1 Die Rahmenbedingungen
4.1.4.2 Die Produktionsfaktoren Arbeit Kapital
4.1.4.3 Die Produktion
4.1.4.4 Die Verwendung und Verteilung des Einkommens
4.2 Ein Deutungs- und Erklärungsversuch der Gemeinsamkeiten und Unterschiede
4.2.1 Biografische Einflüsse
4.2.2 Wissenschaftsverständnis
4.2.3 Wissenschaftliches Umfeld
4.2.4 Der Einfluss neoklassischer und keynesianischer Theorie
4.3 Ergebnisse aus der vergleichenden Betrachtung der Einflussfaktoren
4.4 Abschließende Bewertung der Beiträge Solows und Kaldors
4.4.1 Resümee der Autoren
4.4.1.1 Robert M. Solow
4.4.1.2 Nicholas Kaldor
4.4.2 Bewertung der Beiträge
4.4.2.1 Beitrag zur Erklärung des technischen Fortschritts
4.4.2.2 Wirtschaftspolitischer Beitrag

5 Fazit

Literaturverzeichnis I

Abbildungsverzeichnis

2.1 Abbildung: Idealtypischer Wachstums- und Konjunkturverlauf

2.2 Abbildung: Entwicklungen in der Wachstumstheorie: Ein Überblick

2.3 Abbildung: Wachstum auf des Messers Schneide

3.1 Abbildung: Solow-Modell

3.2 Abbildung: Konvergenz zum langfristigen Wachstumspfad

3.3 Abbildung: Fortschrittsfunktion

Kapitel 1 Einleitung

Das Thema „Wirtschaftswachstum“ scheint in politischen, wirtschaftlichen und gesellschaft- lichen Debatten allgegenwärtig. Eine langfristig positive wirtschaftliche Entwicklung gilt als Grundvoraussetzung gesellschaftlichen Wohlstands, denn diese fördert die Beschäftigung und generiert somit Einkommen, die persönliche und gesellschaftliche Perspektiven sowie staatliche Handlungsspielräume erst eröffnen. Das Wachstum ist deshalb in vielen Volks- wirtschaften als entwicklungspolitisches und wirtschaftspolitisches Ziel im Gesetz verankert1 und gilt allgemein als erstrebenswert. Während das Wachstum in der Praxis offenbar ein wünschenswertes Ziel ist, scheinen aus theoretischer Sicht die Wachstumsursachen unklar und die Einflussfaktoren auf den Wachstumsprozess strittig. Die möglichst fundierte Kennt- nis dieser stellt jedoch eine notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Gestaltung der wirtschaftlichen Entwicklung dar.

Ein Blick auf die wissenschaftlichen Beiträge der Wachstumstheorie zeigt eine Vielzahl an mathematischen Modellen, welche das Wachstum und dessen Verlauf in ganz unterschiedli- cher Weise zu erklären versuchen.2 Die neoklassischen Ökonomen scheinen das Wachstum - unter Bezugnahme auf das mit Abstand bekannteste Wachstumsmodell des Ökonomen Robert Solow - zwischenzeitlich als gänzlich autonom und unabhängig von ökonomischen Entscheidungen zu begreifen. Das Wachstum bestimmt sich nach ihrer Ansicht durch einen technischen Fortschritt, welcher, so das biblische Bild, wie ’Manna vom Himmel’ falle (vgl. 2. Buch Mose, 16,4 [Bib01]).

Angesichts des pragmatischen Entstehungshintergrunds der Wachstumstheorie vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Notlagen infolge zweier Weltkriege stellt sich jedoch die Frage nach der praktischen Verwertbarkeit dieser theoretischen Erkenntnisse. Denn trotz der Heterogenität der Ansätze scheint auch die Neue Wachstumstheorie mit ihren praktischen wirtschaftspolitischen Empfehlungen das Wachstum zumindest nicht als gänzlich autonom zu betrachten [Sei96, S.264]. Die einflussreiche neoklassische Wachstumstheorie hält eine rein theoretische Beschäftigung mit der Wachstumsthematik scheinbar für möglich, wohingegen die wenig beachtete postkeynesianische Wachstumstheorie diese Ansicht nicht teilt und dagegen, ähnlich der Neuen Wachstumstheorie, den politischen Einfluss auf das Wachstum betont. Es zeigt sich also innerhalb der Wachstumstheorie eine Diskrepanz zwischen den Vorstellungen über die Einflussmöglichkeiten der Wirtschaftspolitik, die zunächst einen scheinbar unüberwindbaren Gegensatz darstellt. Ist also das Wachstum aus theoretischer Sicht wirtschaftspolitisch steuerbar oder nicht und sind die theoretischen Erkenntnisse der

Wachstumstheorie überhaupt pragmatisch verwertbar? Ein Vergleich der Ausgangsbeiträge beider Theorien soll zeigen, dass die vermeintlichen Divergenzen hinsichtlich theoretischer und wirtschaftspolitischer Schlussfolgerungen aus der Wachstumstheorie nicht ganz so verschieden sind wie vermutet.

Die Arbeit widmet sich der Frage, welche wachstumstheoretischen Ergebnisse und wirt- schaftspolitischen Schlussfolgerungen sich aus den Beiträgen Robert Solows und Nicholas Kaldors ergeben. Die Auswahl genau dieser Beiträge ist besonders wegen des unterschiedli- chen Bekanntheitsgrades der Wachstumsmodelle interessant. Während das Solow-Modell [Sol56] bis heute Hauptreferenzwerk wachstumstheoretischer Forschung geblieben ist und Solow für seinen Beitrag zur Wachstumstheorie 1987 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, ist das Kaldor-Mirrlees-Modell [KM78] weitgehend unbekannt geblieben. Darüber hinaus spiegelt sich in den Modellen der Gegensatz zwischen den beiden wichtigsten kon- kurrierenden makroökonomischen Grundpositionen, der keynesianischen Position einerseits und der neoklassischen andererseits. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird anfangs - zwecks Einordnung der Beiträge in ihren theoretischen Hintergrund - die Entwicklung der Wachstumstheorie und der Stand der Forschung auf dem Gebiet zusammengefasst (Kap. 2). Im Hauptteil der Arbeit werden die Beiträge Solows und Kaldors zur Wachs- tumstheorie dargestellt und die theoretischen und wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen herausgearbeitet (Kap. 3). Anschließend folgt eine vergleichende Betrachtung der Beiträge (Kap. 4). Im Rahmen dieser soll über den Vergleich der Modelle und Ergebnisse hinaus auch ein Deutungsversuch der Differenzen unternommen werden. Besonders interessant ist dabei die Frage nach dem Einfluss der unterschiedlichen Herangehensweisen neoklassischer und keynesianischer Theorie auf die Ergebnisse der beiden Ökonomen. Die abschließende Bewertung widmet sich einerseits der Frage, welchen wirtschaftspolitischen Beitrag beide Ökonomen zur Gestaltung des Wachstumsprozesses leisten und andererseits, was sie zur theoretischen Erforschung der Wachstumsursachen beitragen. Es wird weiterhin zu klären sein, ob sich die Ergebnisse gegenseitig ausschließen oder sogar ergänzen können. Das letzte Kapitel schließt mit der Zusammenfassung der Ergebnisse aus der vergleichenden Betrachtung (Kap. 5).

Insgesamt können die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der theoretischen und wirtschafts- politischen Schlussfolgerungen aus den betrachteten Modellbeiträgen aufgezeigt werden. Die sich ergebenden Divergenzen können durch eine differenzierte und umfassende Betrach- tung der Modellbeiträge in ihrem wissenschaftlichen Kontext nachvollzogen werden. Die Arbeit zeigt somit, dass durch eine integrative Perspektive zwischen den konkurrierenden ökonomischen Theorien und Methoden die Wachstumstheorie insgesamt an Relevanz und Pragmatismus gewinnen kann.

Kapitel 2

Die Wachstumstheorie: Wissenschaftshistorischer Kontext

Im Folgenden werden die zu betrachtenden Beiträge Solows und Kaldors in ihren theoreti- schen Kontext eingebettet. Beginnend mit einer Definition des Wachstumsbegriffs, wobei insbesondere die Abgrenzung zum Konjunkturbegriff verdeutlicht werden soll, wird an- schließend die Entwicklung der Wachstumstheorie skizziert. Im Vordergrund steht dabei nicht die Diskussion über die Messgrößen für Produktion und Produktionspotenzial, wel- che unbestritten von großer Bedeutung ist, sondern vielmehr eine historisch verstehende Betrachtung der Wirtschafts- und Theoriegeschichte im Kontext der Wachstumsthematik. Die Entstehung der Wachstumstheorie als Teildisziplin ökonomischer Theorie wird dabei anhand der Erkenntnisse vor 1945 nachvollzogen (Kap. 2.1). Einer Klassifizierung von Kromphardt und Lutz folgend, zählen dazu die Überlegungen von Adam Smith, Karl Marx, Joseph A. Schumpeter und John M. Keynes. Besonders letzterer wird dabei hervorgehoben [Kro93][Lut97]. Darauffolgend werden die Beiträge postkeynesianischer und neoklassischer Schulen zur Wachstumstheorie zusammengefasst, wobei zunächst die grundlegenden makro- ökonomischen Differenzen zwischen beiden Perspektiven festgehalten werden. Dies scheint zum einen aus Verständnisgründen wichtig, zum anderen bedeutsam, da sowohl Solow als auch Kaldor ihre Beiträge ausdrücklich in einen der beiden Kontexte einordnen. An- schließend werden die wichtigsten Ergebnisse für die Erklärung des Wachstumsprozesses festgehalten (Kap. 2.2; 2.3). Von zentraler Bedeutung sind die Erkenntnisse von Roy F. Harrod und Evsey Domar, da sie den Ausgangspunkt für die Modelle Solows und Kaldors bilden. Die Merkmale und der Erkenntnisstand der Neuen Wachstumstheorie geben einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung (Kap. 2.4).

2.1 Wachstum als Forschungsgegenstand

2.1.1 Der Wachstumsbegriff: Wachstum versus Konjunktur

Im wirtschaftswissenschaftlichen Kontext wird das Wachstum üblicherweise über das Brut- toinlandsprodukt (BIP) bzw. die Produktion (Y) gemessen. Es bezeichnet den Gesamtwert aller jährlich innerhalb der geografischen Landesgrenzen produzierten Güter und Dienstlei- stungen und dient als Maß für die Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft [DES]. Korrigiert um unterschiedliche Kaufkraft und Bevölkerungszahlen bietet die Pro-Kopf-Größe eine Vergleichsmöglichkeit der Wirtschaftsleistung verschiedener Länder. Das BIP ist in erster Linie ein Wachstumsindikator, die Eignung der Größe als Maß für den Wohlstand einer Gesellschaft ist fragwürdig. Die Wachstumsrate des BIPs beschreibt die relative Verände- rung der Produktion im kontinuierlichen Zeitverlauf und bemisst sich als Veränderung im Verhältnis zur Ausgangsgröße (siehe Formel 2.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die langfristige Entwicklung der Produktion lässt sich als Trend darstellen (vgl. Abb. 2.1). Der Wachstumstrend gibt Auskunft über die Entwicklung des Produktionspotenzials einer Volkswirtschaft. Eine langfristige Zunahme des Produktionspotenzials wird in der theore- tischen Diskussion als ’Wachstum’ bezeichnet [Kro93, S.1]. Die kurzfristige Entwicklung verläuft hingegen in Schwankungen um den langfristigen Trend und wird als ’Konjunktur ’ bezeichnet. Sie gibt Auskunft über den Auslastungsgrad der Kapazitäten bzw. über das Verhältnis von tatsächlicher und potenzieller Produktion.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: Idealtypischer Wachstums- und Konjunkturverlauf (Quelle: Eigene Darstel-

lung, angelehnt an Heubes (vgl. [Heu91]) Während in der Wirtschaftshistorie Wachstum und Konjunktur zunächst in einheitlichen Theorien betrachtet wurden (vgl. z.B. [Sch11, Kap.6]), ist heute eine isolierte Betrachtung kurz- und langfristiger wirtschaftlicher Entwicklung zum Standard geworden, weshalb hier die Erklärung der langfristigen Zunahme des Produktionspotenzials als Forschungsgegenstand der Wachstumstheorie bezeichnet wird.1

2.1.2 Wachstumstheoretische Erkenntnisse vor 1945

Ein Blick auf die theoretischen Erkenntnisse von Beginn der Industrialisierung bis zum Ende des 2. Weltkrieges zeigt die enge Verknüpfung theoretischen Erkenntnisstandes mit geschichtlichen Entwicklungsprozessen. Zentraler gemeinsamer Gedanke in dieser Phase ist die Vorstellung, dass insbesondere das Unternehmerverhalten Aufschluss über die Ursachen des Wachstums geben müsse, denn die Entscheidung über Beschäftigung, Produktions- und Investitionsniveau obliege in einer dezentral organisierten Marktwirtschaft vorrangig privaten Unternehmern [Kro93, S.27]. Das Hauptwerk des schottischen Ökonomen und Mo- ralphilosophen Adam Smith (1723-1790) „Eine Untersuchung über Natur und Ursachen des Wohlstands der Nationen“ von 1776 [Smi76] wird im allgemeinen als erster wachstumstheo- retischer Beitrag und Smith damit als Begründer der Nationalökonomie bezeichnet [MK96]. Im historischen Kontext der beginnenden Industrialisierung erkennt Smith die Arbeit als Quelle von Wachstum und Wohlstand. Dabei sieht er zum einen die quantitative Zahl der Beschäftigten, zum anderen jedoch auch die Geschicklichkeit, mit der die Arbeit verrichtet wird, als entscheidend an. Die Qualität der Arbeit könne durch eine Aufteilung dieser nach den Begabungen des Einzelnen verbessert werden. Smith sieht den Wachstumsprozess des- halb als eine Folge der Arbeitsteilung an. Auch Karl Marx (1818-1883) teilt die Vorstellung der Arbeit als Wachstumsquelle. Marx sieht jedoch vor allem die gesellschaftlichen Folgen der industriellen Produktion in den Städten, während Smith sich lediglich den Anfängen der Industrieproduktion gegenüber sieht. Von diesen Eindrücken ausgehend, bezeichnet er den Wachstumsprozess als Ergebnis der Akkumulation eines aus nicht bezahlter Arbeit stammenden Mehrwerts. Marx zeichnet ein negatives Bild des Unternehmers, welcher al- leiniger Eigentümer aller Produktionsfaktoren sei und deshalb seine von Konkurrenz und Gewinnerwartung getriebene wirtschaftliche Betätigung nicht am Gebrauchs- sondern am Tauschwert eines Gutes auf dem Markt orientiere. Im Gegensatz dazu bezeichnet Joseph Alois Schumpeter (1883-1950) die Innovationstätigkeit der Unternehmer als den Antrieb des Wachstumsprozesses [Kro93, S.43;52]. Die Erfindung und kommerzielle Nutzung neuer Güter stellt nach Schumpeter die Hauptmotivation zur Akkumulation von Kapital dar, da sie durch Gewinn belohnt wird. Die Kapitalakkumulation begünstige wiederum eine Ausweitung der Produktion [Sch11].

2.1.3 Keynes als Ausgangspunkt der Wachstumstheorie

John Maynard Keynes (1883-1946) widmet sich, im Rahmen seines 1936 erschienenen Haupt- werks “The General Theory of Employment, Interest and Money”, den konjunkturellen Schwankungen und der Erklärung von Weltwirtschaftskrise und anhaltender Unterbeschäf- tigung zwischen den beiden Weltkriegen. Der langfristige Wachstumsprozess steht bei ihm nicht im Vordergrund. Im Mittelpunkt seiner Theorie steht ebenfalls der Unternehmer und dessen Unsicherheit über die Rendite aus seiner Investition. Da diese von der Nachfrage abhängt, trifft der Unternehmer seine Investitionsentscheidung auf Basis seiner Erwartung über die Nachfrageänderung. Diese Form der Investitionsbestimmung nach dem sogenannten ’Akzeleratorprinzip’ findet sich auch in den ersten Wachstums- und Konjunkturmodellen [Har39][Dom46][Sam39]. Produktionsniveau und Beschäftigung werden folglich bestimmt von der gesamtwirtschaftlichen ’effektiven Nachfrage’, welche der Unternehmer bestmöglich zu antizipieren sucht. Nach dem ’Multiplikatorprinzip’ führen zusätzliche Investition2 nach Keynes zu einer überproportionalen Einkommenssteigerung, da aus dem Einkommen immer nur ein Teil konsumiert und der Rest gespart bzw. investiert wird. Den Anteil der Ersparnis am Einkommen, die Sparquote (s), nimmt Keynes als konstant an. Die Keynesianische Sparfunktion stellt sich deshalb wie folgt dar: (S = sY ). Keynes betrachtet damit lediglich den Einkommenseffekt der Investition und vernachlässigt den langfristigen Effekt der Kapa- zitätserweiterung. Der Konjunkturzyklus ergibt sich nach Keynes durch Schwankungen in der effektiven Nachfrage. Ursache der Krise sei das Ausbleiben von Investitionen ohne die der Multiplikatorprozess nicht in Gang kommen könne. Die Problematik bei der Krisenbe- kämpfung sieht Keynes vor allem in der Schwierigkeit die pessimistischen Erwartungen der Unternehmer zu überwinden [Key02]. Keynes liefert keine oder allenfalls eine lückenhafte Erklärung des Zustandekommens von Investition und kann damit einen wiederkehren- den Aufschwung nicht erklären. Da diese Tatsache die wachstumstheoretische Forschung jedoch erst anregte, kann Keynes als Ausgangspunkt der Wachstumstheorie betrachtet werden. Die folgende Grafik bietet eine Übersicht über die anschließende Entwicklung der Wachstumstheorie, welche in den folgenden Abschnitten erläutert wird (vgl. Abb. 2.2.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.2: Entwicklungen in der Wachstumstheorie: Ein Überblick (Quelle: Eigene Darstellung, angelehnt an Bretschger [Bre96, S.8].

2.2 Die postkeynesianische Wachstumstheorie

Um das keynesianische Theoriegebäude zu verstehen, muss zunächst auf die grundlegenden Vorstellungen über die Funktionsweise von Märkten eingegangen werden. Diese geht zurück auf Keynes’ Lehrer Alfred Marshall (1842-1924). Der Unternehmer findet sich danach auf einem Markt, auf dem er zu herrschenden Preisen nur eine begrenzte nachgefragte Menge absetzen kann. Mittelfristig passt er deshalb sein Angebot der Nachfrage an. Darüber hinaus passt sich die Ersparnis durch den Mulitplikatorprozess oder staatliche Regulierung der geplanten Investition an, die als autonom betrachtet wird [Kro93, S.63 ff.].

Die Wachstums- und Konjunkturtheorie, welche die Überlegungen aus Keynes’ ’General Theory’ aufgreift, weiterentwickelt und teils uminterpretiert, wird als postkeynesianisch bezeichnet. Die Cambridger Ökonomen, wozu insbesondere Joan Robinson und Piero Sraffa zählen, werfen Keynes seine Vernachlässigung der Bedeutung von Investitionen für die langfristige Wirtschaftsentwicklung vor und machen es sich zur Aufgabe, die Keynes’schen Überlegungen in die lange Frist zu übertragen [Kin09].3 Den ersten Versuch der Erklärung langfristiger Entwicklungen unternimmt Roy F. Harrod in seinen Artikeln von 1936 und 1948 [Har39] [Har70]. Auch Evsey D. Domar betreibt einen ähnlichen Versuch [Dom46]. Während Keynes in statischer Perspektive verbleibt, versuchen Harrod und Domar Wachstum im Zeitverlauf mittels eines dynamischen Modells abzubilden. Unter Verwendung der keynesia- nischen Sparfunktion und der Investitionsbestimmung über das Akzeleratorprinzip erhalten sie eine gleichgewichtige Wachstumsrate, die sie als sogenannte ’warranted rate of growth; dt. die sich bewährende Wachstumsrate’ bezeichnen (gy = s/v). Jedes Auseinanderfallen von Investition (I = v ΔY ) und Ersparnis (S = sY ) führt zum Abkommen von jenem Gleichgewichtswachstum. Ergebnis des Harrod-Domar-Modells ist folglich eine gefährliche Instabilität von Wachstumsverläufen, welche durch die falsch antizipierte Nachfrageände- rung des Unternehmers verursacht wird. Bei einer Überschätzung des Nachfragezuwachses (Fall A) wird zu viel investiert, es kommt zum inflationären Nachfrageüberschuss. Wird der Nachfragezuwachs hingegen unterschätzt (Fall B), bleiben die Investitionen aus und es kommt zur deflationären Abschwächung der Nachfrage (vgl. Abb. 2.3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.3: Wachstum auf des Messers Schneide (Quelle: Eigene Darstellung, angelehnt an Kromphardt [Kro93, S.78])

Während sich die Wachstumstheorie bis zu Beginn der Nachkriegszeit hauptsächlich um den Nachweis der Instabilität des Wachstums bemüht, widmen sich die Ökonomen weltweit ab den 1950er Jahren stärker der Frage, warum das Wachstum sich nicht so instabil zeigte, wie zuvor prognostiziert. Als Antwort auf das Harrod-Domar-Modell entstanden neben einer Reihe an Konjunkturmodellen auch das neoklassische Wachstumsmodell Solows (1956/57) und das keynesianische Kaldor-Mirlees-Modell (1962).

2.3 Die neoklassische Wachstumstheorie

Hintergrund der neoklassischen Theorie ist die auf Leon Walras (1834-1910) zurückgehende allgemeine Gleichgewichtstheorie. Im Gleichgewichtsmodell werden Angebot und Nachfrage der aggregierten Einzelinteressen zu jeder Zeit von den Marktkräften ins Gleichgewicht gebracht. Voraussetzung dafür sind homogene Güter, vollständig flexible Faktorpreise, preiselastische Angebots- und Nachfragepläne der Marktteilnehmer sowie die hinreichende Substituierbarkeit der Produktionsfaktoren. Die hohe Flexibilität garantiert einen ständigen Vollbeschäftigungszustand. Wichtigste methodische Besonderheit ist die Verwendung einer makroökonomischen Produktionsfunktion, welche den aggregierten Output als Funktion der Inputfaktoren Kapital (K) und Arbeit (L) darstellt (Y = F(K,L)). Die Funktion weist konstante Skalenerträge auf, d.h. jede Erhöhung der Inputfaktoren um einen beliebigen Faktor führt zur Erhöhung des Outputs um denselben Faktor (F (αK, αL) = αY )). Darüber hinaus wird angenommen, die Funktion weise positive, aber abnehmende Grenzerträge auf, d.h. eine Erhöhung der Faktoren erhöht immer auch den Output (F/K,L 0), dieser nimmt jedoch für eine zusätzliche Inputeinheit immer langsamer zu, je mehr dieses Inputs bereits vorhanden ist (2F/2K, L < 0). Die Entlohnung der Faktoren wird bestimmt durch deren Grenzprodukt, auch bezeichnet als die ’Grenzproduktivitätstheorie der Verteilung’. In Gegensatz zur keynesianischen Vorstellung wird nicht von einer autonomen Investition ausgegangen. Vielmehr ist diese begrenzt und wird bestimmt von der Ersparnis. Der Einfluss unternehmerischer Entscheidungen auf das Wachstum ist somit, ähnlich wie der staatlicher Eingriffe in den Marktmechanismus, aus neoklassischer Sicht von vornherein beschränkt [Kro93, S.27].4 Das Grundmodell der neoklassischen Wachstumstheorie ist das Solow- Modell [Sol56]. Dazu zählt auch die von ihm entwickelte empirische Methode des ’Growth Accounting’ zur Ermittlung des technischen Fortschritts als Residualgröße zwischen Output- und Inputzuwachs [Sol57]. Das Modell weist aus neoklassischer Sicht zwei Schwachstellen auf. Zum einen eine fehlende mikroökonomische Fundierung von Konsum- und Sparverhalten.5 Zum anderen fehlt eine endogene Erklärung des technischen Fortschritts, welchen Solow als Hauptwachstumsdeterminante bezeichnet [MK96, S.24]. In den 60er Jahren versuchen Cass und Koopmans [Cas65][Koo65] die Mängel des Modells zu überwinden. Dabei nutzen sie die Idee der Endogenisierung der Ersparnis mittels intertemporaler Nutzenoptimierung, welche bereits 1928 von dem genialen, jedoch früh verstorbenen Mathematiker und Freund Keynes’, Frank Plumpton Ramsey, in seinem Aufsatz “A mathematical theory of saving” [Ram28] beschrieben wurde. Dieser kommt allerdings zu einem ähnlichen Ergebnis wie Harrod und Domar und hält zudem den Wachstumsprozess für zumindest kurzfristig durch wirtschaftspolitische Maßnahmen beeinflussbar. Die neoklassische Wachstumstheorie verbleibt deshalb mit dem Problem des nicht erklärten technischen Fortschritts bis in die späten 1980er Jahre. Die, insbesondere durch den Aufsatz “The Limits to Growth” [Mea72] angeregte, aufkommende Diskussion über die Endlichkeit des Wachstums, die anhaltende Stagnation der 1970er Jahre sowie die Ölpreiskrisen haben vermutlich ebenfalls zum weitgehenden Erliegen wachstumstheoretischer Forschung beigetragen.

2.4 Die Neue Wachstumstheorie

Als Kritik an der mangelhaften Erklärung des technischen Fortschritts entsteht in den 1980er Jahren die Neue Wachstumstheorie. Im Zentrum steht der Versuch die Unabhängigkeit der langfristigen Wachstumsrate von ökonomischen Spar- und Investitionsentscheidungen zu überwinden [Sei96, S.152]. Die Neue Wachstumstheorie distanziert sich teilweise von der neoklassischen Wachstumstheorie, bleibt den Annahmen allerdings weitgehend treu. Eine systematische Einteilung scheint aufgrund der Heterogenität der Ansätze und der Vielzahl an unterschiedlichen Modellen nicht einfach [Ram92]. Die Neue Wachstumstheorie bedient sich insbesondere der neuesten statistischen und ökonometrischen Methoden und Möglichkeiten.6 Eine Aufstellung empirischer Fakten von Paul Romer nach dem Vorbild Kaldors zeigt den stärker empirisch ausgerichteten Fokus der Neuen Wachstumstheorie [Rom94]. Des weiteren greift sie einige Ansätze aus den Jahren vor 1945 wieder auf und verwendet diese bei dem Versuch den technischen Fortschritt endogen zu erklären.7 So etwa die Smith’sche Vorstellung steigender Skalenerträge durch die Arbeitsteilung z.B. durch Lerneffekte, welche von Arrow als ’Learning-By-Doing’ bezeichnet wurden [Arr62]. Als Durchbruch der Neuen Wachstumstheorie gelten die Beiträge des amerikanischen Ökono- men Paul Romer von 1986 und 1990 [Rom86][Rom90]. Das Romer-Modell argumentiert ähnlich wie bereits Schumpeter und erklärt den technischen Fortschritt durch Produktviel- falt und Innovation. Die Wachstumsrate hängt dabei von der Zahl der Beschäftigten im Forschungs- und Entwicklungssektor ab. Eine neue Komponente ist insbesondere der Begriff des sogenannten ’Humankapitals’, welcher bspw. von Homburg als Produktionsfaktor in die Produktionsfunktion integriert wird und somit den technischen Fortschritt durch die Zunahme von Wissen endogen zu erklären sucht[Hom95][AH09]. Die Investition gewinnt gegenüber den Einsichten von Smith und Schumpeter für den Wachstumsprozess zusätzlich an Bedeutung [Sei96, S.264]. Die Neue Wachstumstheorie kommt zu den folgenden wirt- schaftspolitischen Schlussfolgerungen: Sie empfiehlt die Verbesserung der unternehmerischen Infrastruktur (d.h. Unterstützung bei Forschungs- und Entwicklungsaktivität, Kommuni- kationstechnologie, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie die Förderung des Dialogs zwischen Wissenschaft und Wirtschaft [Sha92].) Insbesondere der Bildung von Humankapi- tal werden wissensvermehrende externe Effekte zugesprochen. Allerdings bedeute dies keine bloße Vermehrung der Zahl an Universitätsabschlüssen, sondern vielmehr flexible, kreative Arbeitskräfte auszubilden und Anreize zur Aus- und Weiterbildung zu schaffen. Es wird außerdem auf den Trade-off zwischen wachstumsfördernden und wachstumshemmenden Begleiterscheinungen (bspw. durch öffentliche Güter) hingewiesen. Wenngleich Methodik und Erkenntnisse der Neuen Wachstumstheorie ebenfalls nicht unbestritten sind 89, zeigt sie doch einen besonders pragmatischen Anspruch.

Kapitel 3

Die Beiträge Solows und Kaldors zur Wachstumstheorie

Nachdem im vorangegangenen Kapitel ein Überblick über die Entwicklungen auf dem Gebiet der Wachstumstheorie gegeben wurde, sollen nun die Wachstumsmodelle Robert Solows und Nicholas Kaldors dargestellt und ihre praktischen Hinweise für eine nachhaltige Wachstumspolitik herausgearbeitet werden. Beide Ökonomen werden separat und, soweit möglich, nach analogem Vorgehen behandelt, um den anschließenden Vergleich vorzubereiten (Kap. 3.1; Kap. 3.2). Die Darstellung der Modelle basiert dabei auf den Originalbeiträgen der Ökonomen [Sol56][Sol57][KM78]. Der Schwerpunkt liegt auf der Zusammenfassung der Annahmen sowie theoretischer und expliziter wirtschaftspolitischer Ergebnisse (Kap. 3.1.2; Kap. 3.1.3; Kap.3.2.2; Kap. 3.2.3). Methodisch orientiert sich die Darstellung an der verbalen Erläuterung, wobei die mathematischen Modellgleichungen der Vollständigkeit und zusätzlichen Veranschaulichung dienen. Zur Beantwortung der Frage, welche biogra- fischen Faktoren die Arbeiten der beiden Ökonomen prägten, wird zuvor der persönliche Hintergrund betrachtet. Die Einbeziehung dieser Informationen dient der möglichst voll- ständigen Betrachtung und erweist sich als hilfreich für eine Einordnung der Beiträge in ihren Kontext. Für die Modellbeschreibung werden Zielsetzung und Ausgangspunkt der Analyse festgehalten (Kap. 3.1.1; Kap. 3.2.1). Ergebnis des Kapitels ist die Antwort auf die Frage, ob und wie der Wachstumsprozess nach Solow und Kaldor wirtschaftspolitisch beeinflusst werden kann.

3.1 Robert M. Solow

3.1.1 Biografischer Hintergrund Ausgangspunkt der Analyse

3.1.1.1 Biografischer Hintergrund

Robert Merton Solow wird am 23. August 1924 als Kind zweiter Einwanderergeneration in Brooklyn, New York, geboren. Das Amerika der 1930er Jahre ist vor allem geprägt von wirtschaftlicher Stagnation, Perspektivlosigkeit und hohen Arbeitslosenzahlen infolge der im Oktober 1929 durch den ’Schwarzen Freitag’ eingeleiteten Großen Depression. Im Alter von 16 Jahren erhält Solow ein Stipendium für die Harvard University und beginnt zunächst mit dem Studium der Soziologie, Anthropologie und elementaren Ökonomie. Er beschreibt sich selbst als ’Kind der Depression’ mit einer Neugierde auf die Funktionsweisen der Gesellschaft [Sol87a]. Der Kriegseintritt der USA im Sept. 1942 veranlasst den 18-jährigen Solow zum Beitritt zur Armee, den er wie folgt kommentiert: “By the end of 1942, (...) it seemed that there were more urgent and exciting matters than what I was doing, so I left the university and joined the U.S. Army. I think that those three years as a soldier formed my character” [Sol87a]. Im Anschluss setzt Solow sein Studium im Schwerpunkt Ökonomie fort. Dabei entwickelt er seine Faszination für die Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung. Um Kurse in Statistik und Ökonometrie zu unterrichten, wird Solow als Assistenzprofessor am Institut für Ökonomie des Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.) eingestellt, wo er fast 40 Jahre seines Lebens forscht, unterrichtet und gleichzeitig beratend für die US-Regierung tätig ist.

3.1.1.2 Wissenschaftliches Umfeld

Solow bezeichnet seinen Lehrer Wassily Leontief (1905-1999) als wegweisend für sein Inter- esse an der modernen Ökonomie der Nachkriegszeit [Sol87a]. Als dessen wissenschaftlicher Mitarbeiter wird Solow von Leontief schließlich besonders zur empirischen Arbeit angeregt.

Leontief selbst erhält 1973 den Wirtschaftsnobelpreis für die Entwicklung der Input-Output- Analyse, welche heute in der empirischen Wirtschaftsforschung unter anderem im Rahmen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung verwendet wird [Was73]. Eine weitere prägende Persönlichkeit im Leben Solows ist Paul Samuelson (1915-2009), mit dem Solow während

seiner gesamten Zeit am M.I.T. zusammenarbeitet. Samuelson erhielt bereits 1970 den Nobelpreis für seinen Beitrag zur Weiterentwicklung und Anregung der Forschung auf dem Gebiet statischer und dynamischer Ökonomie [Sam70b].

[...]


1Für die Bundesrepublik Deutschland seit 1967 im „Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft (§1, StabG).“

2Der Ökonom H.J. Ramser verdeutlicht die Dissonanzen innerhalb der Wachstumstheorie wie folgt: „Für eine Systematisierung der ständig zunehmenden Zahl von Modellen fehlt ein überzeugendes Konzept“[Ram92, S.9].

1Die Unterscheidung von kurzer und langer Frist ist weder trivial noch unumstritten und wird auch im Rahmen der Betrachtung der Beiträge Solows und Kaldors zu diskutieren sein. Unter anderem versucht

Kromphardt diese Trennung in seiner Lehrbuchdarstellung zu überwinden [Kro93].

2bei einem Unterbeschäftigungsgleichgewicht und nicht voll ausgelasteten Kapazitäten 7

3Robinson bezeichnet dies als ’Generalisierung der General Theory’.

4Alle in diesem Abschnitt erläuterten Voraussetzungen und methodischen Besonderheiten werden im Folgenden zur Vermeidung von Wiederholungen unter dem Begriff der ’neoklassischen Annahmen’ zusammengefasst.

5Solow verwendet zunächst die keynesianische Sparfunktion mit exogen gegebener Sparquote.

6Der Titel eines Artikels von Sala-i-Martin “I Just Ran a Two Million Regressions” verdeutlicht sowohl die Möglichkeiten als auch eine gewisse Verwirrung, die die neuen statistischen Methoden mit sich zu

bringen scheinen [SIM97].

7Dunn kommentiert die vermeintlich neuen Ansätze wie folgt: „Es gibt keine Fragen der Wachs- tumstheorie des ausgehenden 20. Jahrhunderts, die nicht schon vor 200 Jahren gestellt worden wären.“

[Dun02]

8Seiter kommentiert den Erkenntnisgehalt der Neuen Wachstumstheorie wie folgt: „Die Neue Wachs- tumstheorie liefert in gewissem Sinne die wirtschaftstheoretische Fundierung für bisher getätigte Wirt-

schaftspolitik“ [Sei96, S.267].

9„Die Neue Wachstumstheorie reduziert (...) die Erklärung des Wachstums auf die Investitionstätigkeit. Umso mehr muß das (...) Fehlen einer eigenständigen Investitionsfunktion bemängelt werden“ [Sei96, S.153].

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen aus der Wachstumstheorie. Ein Vergleich der Beiträge Solows und Kaldors
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
56
Katalognummer
V415804
ISBN (eBook)
9783668658769
ISBN (Buch)
9783668658776
Dateigröße
718 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wachstum, Wachstumstheorie, Solow, Kaldor, Wirschaftspolitik, Schefold
Arbeit zitieren
Janina Meister (Autor), 2016, Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen aus der Wachstumstheorie. Ein Vergleich der Beiträge Solows und Kaldors, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415804

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