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Zeitzeugen im Geschichtsunterricht. Chance oder Risiko für historisches Lernen?

Titre: Zeitzeugen im Geschichtsunterricht. Chance oder Risiko für historisches Lernen?

Essai , 2018 , 5 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Leo Winter (Auteur)

Didactique - Histoire
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Résumé Extrait Résumé des informations

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um die Geschichtsdidaktikerin und langjährige Gymnasiallehrerin Christiane Bertram haben die Effekte von „Oral History“ in der Schule untersucht. Die 2017 veröffentlichte empirische Studie kommt zu einem zweischneidigen Ergebnis: Zeitzeugen sind ein wichtiger Baustein für das Lernen von Geschichte. Das Bewahren einer kritischen Distanz fällt vielen Schülerinnen und Schülern allerdings schwer.

Die Studie zeigt, dass Schülerinnen und Schüler durch den Einsatz der Zeitzeugen-Methode besonders motiviert werden können und das Gelernte in der Regel nachhaltig besser im Gedächtnis behalten. Andererseits kommt die Studie aber auch zu dem Ergebnis, dass Schüler häufig damit überfordert sind, das Gehörte mit einem gewissen Abstand kritisch zu reflektieren und sinnvoll in einen historischen Gesamtzusammenhang einzuordnen. Dieser Befund trifft besonders zu, wenn Zeitzeugen als reale Menschen im Klassenraum stehen. Die Frage ist: Überwiegt die Chance oder das Risiko für das historische Lernen? Im Nachfolgenden Essay von Fabian Leonhard werden die Vor- und Nacheile von Zeitzeugeninterviews im Geschichtsunterricht gegeneinander abgewogen. Eine spannende Diskussion an deren Ende eine klare Handlungsempfehlung für Lehrkräfte steht.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Faszination der Zeitzeugen im Geschichtsunterricht

3. Die Problematik der Subjektivität und Emotionalität

4. Didaktische Empfehlungen für den Unterricht

5. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die Effekte der "Oral History" im Geschichtsunterricht und analysiert, inwiefern der Einsatz von Zeitzeugen eine pädagogische Chance für das historische Lernen darstellt oder aufgrund ihrer Subjektivität und Emotionalität ein Risiko für die kritische Urteilsbildung der Schülerinnen und Schüler birgt.

  • Die didaktische Relevanz von Zeitzeugenberichten
  • Die Herausforderung der kritischen Distanz bei emotionaler Betroffenheit
  • Subjektivität und Verzerrungsrisiken in der persönlichen Erinnerung
  • Der Einfluss von Vermittlungsformaten (live vs. Video)
  • Methodische Gestaltung von Vor- und Nacharbeit im Unterricht

Auszug aus dem Buch

Die Problematik der Subjektivität und Emotionalität

Denn die Stärke der Zeitzeugenberichte ist gleichzeitig Ursache für ihre Schwäche. Zeitzeugenberichte, egal ob live oder im Videointerview, sind für den Zuhörer immer emotional packend sind. Selbst wenn sich Zeitzeugen besonders darum bemühen, möglichst nüchtern und sachlich zu berichten, lässt sich diese starke Emotionalität nicht verhindern. Gerade sie macht die Faszination für Zeitzeugen maßgeblich aus und erklärt mitunter auch deren gegenwärtigen Boom.

Durch die vielzitierte „Aura der Authentizität“ fällt es den Schülerinnen und Schülern meist schwer eine kritische Distanz zu bewahren. Gerade diese Distanz ist aber für ein erfolgreiches historisches Lernen unbedingt notwendig. Das historische Lernen in der Schule soll die Fähigkeit zum eigenständigen und reflektierten historischen Denken ausbilden. Es geht nicht darum, emotional tief berührt zu sein und mit den Opfern regelrecht mitzuleiden, sondern aus einer kritischen Distanz so objektiv wie möglich ein Geschichtsbild zu entwickeln, das der historischen Wirklichkeit möglichst nahe kommt.

Die Gefahr, dass das vielen Schülerinnen und Schülern nicht gelingt, ist groß. Denn eines ist völlig unstrittig: Zeitzeugeninterviews sind hochsubjektiv. Zeitzeugen erinnern sich oft falsch an bestimmte Daten, Orte oder Ereignisabfolgen. Zudem ist die Erinnerung des Menschen immer lückenhaft und emotional gefärbt, weil er schon während des Ereignisses, an das er sich im Nachhinein erinnert, nur Ausschnitte wahrgenommen hat und seitdem vieles vergessen, verdrängt oder abgeändert hat. Meist ohne dies selbst bewusst zu bemerken.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Zeitzeugenarbeit und Präsentation der empirischen Studie von Christiane Bertram.

2. Die Faszination der Zeitzeugen im Geschichtsunterricht: Erörterung der Vorteile von Zeitzeugen für die Motivation und die Multiperspektivität im Unterricht.

3. Die Problematik der Subjektivität und Emotionalität: Analyse der methodischen Risiken, insbesondere der mangelnden kritischen Distanz und der Verzerrungsanfälligkeit menschlicher Erinnerung.

4. Didaktische Empfehlungen für den Unterricht: Darlegung praktischer Anforderungen wie die Begrenzung emotionaler Überwältigung durch Videoeinsatz und eine sorgfältige Kontextualisierung.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Chancen von Zeitzeugen bei gleichzeitiger Betonung des notwendigen didaktischen Rahmens zur Sicherung des historischen Denkens.

Schlüsselwörter

Zeitzeugen, Oral History, Geschichtsunterricht, historisches Lernen, Multiperspektivität, Zeitzeugeninterviews, Holocaust, kritische Distanz, historische Quelle, Narrativität, didaktische Methode, Subjektivität, Authentizität, Erinnerungskultur, Reflexion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beleuchtet das Spannungsfeld zwischen dem pädagogischen Nutzen von Zeitzeugen im Unterricht und den damit verbundenen methodischen Risiken für die historische Urteilsbildung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Motivationskraft von Zeitzeugen, die Problematik der emotionalen Überwältigung, die Subjektivität von Erinnerungen und didaktische Strategien zur Distanzwahrung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Zeitzeugen gewinnbringend eingesetzt werden können, ohne dass Schülerinnen und Schüler ihre kritische Distanz zur historischen Quelle verlieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich primär auf die Ergebnisse einer randomisierten Interventionsstudie der Geschichtsdidaktikerin Christiane Bertram.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Es werden sowohl die positiven Effekte der Zeitzeugenarbeit als auch die erheblichen Nachteile wie die künstliche Sinnkonstruktion und das Risiko verzerrter Geschichtsbilder diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Oral History, Multiperspektivität, kritische Distanz, Authentizität und historisches Lernen.

Warum ist die Arbeit mit Videointerviews didaktisch wertvoller?

Videoaufnahmen ermöglichen es den Schülern laut der Studie leichter, eine notwendige kritische Distanz zum Geschehen zu wahren, als dies bei einer Live-Begegnung der Fall ist.

Welche Gefahr besteht bei der Arbeit mit Holocaust-Überlebenden?

Es besteht das Risiko, dass aufgrund der emotionalen Autorität der Zeitzeugen verzerrte oder beschönigende Darstellungen unreflektiert als historische Wahrheit übernommen werden.

Wie sollte eine Lehrkraft Zeitzeugeninterviews in den Unterricht einbetten?

Durch eine gründliche Vor- und Nacharbeit sowie die offene Thematisierung der Subjektivität als historische Quelle, um ein reflektiertes Geschichtsbild zu fördern.

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Résumé des informations

Titre
Zeitzeugen im Geschichtsunterricht. Chance oder Risiko für historisches Lernen?
Université
Free University of Berlin
Note
1,3
Auteur
Leo Winter (Auteur)
Année de publication
2018
Pages
5
N° de catalogue
V415876
ISBN (ebook)
9783668657366
ISBN (Livre)
9783668657373
Langue
allemand
mots-clé
Zeitzeugen Geschichtsunterricht Geschichtsdidaktik Holocaust
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Leo Winter (Auteur), 2018, Zeitzeugen im Geschichtsunterricht. Chance oder Risiko für historisches Lernen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415876
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