Das Essay beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen und politischen Veränderungen die zu einer veränderten Arbeitsmarktpolitik führten, insbesondere in den 1980er Jahren. Im Zentrum steht die abhängige Erwerbsarbeit und die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses.
Im folgenden Essay wird die Frage geklärt, wie sich die Erwerbsarbeit in der Nachkriegszeit bis zur Jahrtausendwende hin entwickelt hat. Wir beleuchten dabei insbesondere die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen in den 1980er Jahren. Wie wandelt sich das System der Erwerbsarbeit? Wir klären hierzu mehrere Begriffe, wie das Normalitätsmuster der Arbeit, und analysieren die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitnehmer, sowie die Auswirkungen und Entstehung der prekären Beschäftigungen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Das Normalarbeitsverhältnis
Gründe der Auflösung
Deregulierung und die daraus resultierende Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen
Demografie, Individualisierung und absinkendes Arbeitsvolumen
Bedeutung der Arbeit
Auflösung von soziostrukturellen Eindeutigkeiten
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Wandel der Erwerbsarbeit von der Nachkriegszeit bis zur Jahrtausendwende, mit einem besonderen Fokus auf die Entwicklungen und sozioökonomischen Umbrüche der 1980er Jahre sowie deren Auswirkungen auf die heutige Arbeitswelt.
- Entwicklung und Erosion des Normalarbeitsverhältnisses
- Deregulierung und Flexibilisierung der Arbeitsmärkte
- Einfluss von Demografie und Individualisierung auf das Arbeitsvolumen
- Prekarisierung als neues gesellschaftliches Phänomen
- Bedeutung der sozialen Sicherung im flexiblen Arbeitsmarkt
Auszug aus dem Buch
Deregulierung und die daraus resultierende Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen
Seit dem Amtsantritt Helmut Kohls Anfang der 1980er Jahre, trieb die Regierung eine rechtliche Deregulierung voran, um im internationalen Rennen wettbewerbsfähig zu bleiben. Technische Neuerungen in immer kürzer werdenden Zeiträumen und der Zwang, sich an die Regularien des internationalen Marktes anzupassen, führen zu einer Notwendigkeit der Produktionssteigerung und Dienstleistungen, die sich flexibel und effizient gestalten müssen. (Vgl. Kratzer, Nick et al. 1998: 180)
Die Deregulierung hatte u.a. „die Ausweitung der rechtlichen Spielräume für Leiharbeit und für befristete Arbeitsverträge; die Einschränkung des Kündigungsschutzes und der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall; Verminderung von Transferzahlungen an Arbeitslose und Verschärfung der Anspruchsvoraussetzungen“ (Dombois 1999: 5) zu folge.
Die Betriebe haben nun die Möglichkeit Ihre Standards in puncto sozialer Absicherung gelinde gesagt selbst zu steuern. Ebenso wie die Vertragslängen. Der Arbeiter wird austauschbar. Diese Entwicklung bedurfte allerdings keiner Umwälzung des gegebenen Rechts. Vielmehr wurden die Spielräume des gegebenen eingehalten. Die Möglichkeiten für die Entstehung sozialer Ungleichheiten und prekärer Beschäftigungen war also bereits im Rechtssystem verankert. (Vgl. ebd.: 5f)
All dies sind Veränderung, die zu Lasten des Arbeitnehmers fallen. Beispielsweise durch die Flexibilisierung der Tarifverträge. Die allgemeine Universalität von Tarifverträgen geht verloren und wird den einzelnen Bereichen und Branchen entsprechend angepasst. Es gibt kaum noch einen einheitlichen Standard. Dies führt wiederum dazu, dass in jedem wirtschaftlichen Bereich ein anderer und betrieblich bestimmter Tarifvertrag gilt, der den Arbeitgebern eine erhöhte Flexibilität gewährt. (Vgl. ebd. 7f)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Forschungsfrage nach der Entwicklung der Erwerbsarbeit von der Nachkriegszeit bis zur Jahrtausendwende gestellt, wobei der Fokus auf den 1980er Jahren liegt.
Das Normalarbeitsverhältnis: Das Kapitel definiert den historischen Standard der festen, sozial abgesicherten Vollzeitarbeit und beleuchtet dessen Bedeutung für die damalige Gesellschaft.
Gründe der Auflösung: Dieser Abschnitt analysiert die Ursachen für das Schrumpfen klassischer Vollzeitverträge, insbesondere durch Deregulierung und Marktdruck.
Deregulierung und die daraus resultierende Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen: Es wird erläutert, wie politische Entscheidungen in den 1980er Jahren neue Spielräume für Leiharbeit und befristete Verträge schufen.
Demografie, Individualisierung und absinkendes Arbeitsvolumen: Hier wird der Einfluss von Bevölkerungsstruktur und gesellschaftlichem Wandel auf die Verfügbarkeit von Arbeit diskutiert.
Bedeutung der Arbeit: Das Kapitel beleuchtet den Wandel der Arbeit hin zu individuelleren Lebensentwürfen und dem Aufstieg der Teilzeitarbeit als Chance zur Emanzipation.
Auflösung von soziostrukturellen Eindeutigkeiten: Es wird der Übergang zur Prekarität und das Verschwimmen der Grenzen zwischen gesicherten und unsicheren Erwerbsverhältnissen beschrieben.
Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und die Forderung aufgestellt, dass auch flexible Erwerbsformen zwingend soziale Sicherung bieten müssen.
Schlüsselwörter
Normalarbeitsverhältnis, Erwerbsarbeit, Prekarisierung, Deregulierung, Flexibilisierung, Arbeitsmarkt, Sozialstruktur, Teilzeitarbeit, Individualisierung, soziale Ungleichheit, Arbeitswelt, Nachkriegszeit, Beschäftigungssystem, prekäre Beschäftigung, Arbeitslosigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation der Erwerbsarbeit in Deutschland von der Nachkriegszeit bis zur Jahrtausendwende und der damit einhergehenden Veränderung von Beschäftigungsstandards.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Normalarbeitsverhältnisses, den Ursachen seiner Erosion sowie den Auswirkungen durch Deregulierung, Flexibilisierung und gesellschaftliche Individualisierungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie sich das System der Erwerbsarbeit gewandelt hat, welche Faktoren zu prekären Beschäftigungsverhältnissen führten und inwiefern der heutige Arbeitsmarkt von früherem Normalitätsdenken abweicht.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Ausarbeitung verwendet?
Es handelt sich um einen essayistischen, analytischen Ansatz, der auf der Auswertung soziologischer Fachliteratur zum Arbeitsmarkt und zum Strukturwandel der Erwerbsgesellschaft basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse des Normalarbeitsverhältnisses, eine Untersuchung der Gründe für dessen Auflösung (Deregulierung, Demografie, Bedeutungswandel der Arbeit) und eine soziostrukturelle Betrachtung der Prekarisierung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Erosion des Normalarbeitsverhältnisses, Prekarisierung, Flexibilisierung und die Ausdifferenzierung von Lebensstilen.
Warum wird die Rolle der Frau in diesem Kontext besonders hervorgehoben?
Die verstärkte Arbeitsaufnahme von Frauen wird als ein Faktor für den Individualisierungsprozess und die Entstehung neuer, flexiblerer Arbeitsformen wie der Teilzeitarbeit diskutiert.
Was ist mit dem Begriff der Prekarisierung im Kontext der Arbeit gemeint?
Prekarisierung beschreibt den Zustand zunehmender Unsicherheit und Unplanbarkeit, bei dem auch Erwerbstätige den Zugang zu gesellschaftlich anerkannten sozialen Schutzstandards verlieren.
Zieht der Autor eine optimistische oder pessimistische Schlussfolgerung?
Der Autor zeichnet ein differenziertes Bild: Einerseits wird die Prekarisierung als soziale Gefahr gesehen, andererseits werden flexible Formen als Chance für eine individuellere Lebensgestaltung bewertet, sofern sie sozial abgesichert sind.
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- Philip Hamdorf (Author), 2016, Die Auflösung des Normalitätsmusters der Arbeit. Entwicklung der Erwerbsarbeit in der Nachkriegszeit bis zur Jahrtausendwende, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415890