Untersuchung und Vergleich der Dramenform in Grabbes Hannibal und Goethes Iphigenie auf Tauris


Hausarbeit, 2003

10 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsangabe:

Einleitung:

1.1 – Handlung im Drama
1.2 – Handlung in Iphigenie auf Tauris
1.3 – Handlung in Hannibal

2.1 – Zeitstruktur im Drama
2.2 – Zeitstruktur in Iphigenie auf Tauris
2.3 – Zeitstruktur in Hannibal

3 – Zusammenführung und Schluss

Bibliographie

Einleitung:

Untersuchungen über die deutsche Literatur des 18., 19. und 20. Jahrhundert ließen die Literaturkritiker zum Schluss kommen, dass „zwei grundsätzliche, einander diametral gegenüberstehende Stiltendenzen die neuere deutsche Dramatik bestimmen“1. Bei den zur Untersuchung vorliegenden Werken Iphigenie auf Tauris von Johann Wolfgang Goethe und Hannibal von Christian Grabbe liegt uns jeweils ein typischer Vertreter je einer der beiden Tendenzen vor. Während sich Iphigenie auf Tauris einer geschlossenen, tektonischen Dramenform bedient, ist Hannibal offen, atektonisch geschrieben. Anhand zweier bestimmender Merkmale des Dramas, der Handlung und der Zeitstruktur, werde ich versuchen dies im Hauptteil meiner Arbeit darzulegen, Unterschiede herausarbeiten. Ausserdem werde ich am Ende darlegen, welche Intention die Autoren jeweils mit der Wahl ihrer Dramenform verfolgt haben könnten, aufzeigen, wieso beide Dramen nicht einfach in der jeweils gegenüberstehenden Dramenform verfasst hätten werden können.

Die einzelnen Unterscheidungsmerkmale basieren auf Volker Klotz Geschlossene und offene Form im Drama.

1.1 Handlung im Drama

Die zwei angesprochenen Dramenform unterscheiden sich in der Handlung sehr voneinander. Während im geschlossenen Drama auch die Handlung geschlossen ist, eine Einheit bildet, also auch einzeln ist, ist das führende Prinzip im offenen Drama die Vielheit der Handlungen, ein schwerer zu überblickendes Gemenge an vielen Einzelhandlungen.

1.2 Handlung in Iphigenie auf Tauris

Das Werk Goethes hat eine eindeutige Haupthandlung, die stringent vom Anfang bis zum Ende fortläuft. Es geht hier einzig um das Schicksal Iphigenies, ihre Bemühung König Thoas zu verlassen. Die Szenen laufen in einer bestimmten Reihenfolge ab, die aktuelle basiert immer auf den Ergebnissen der vorherigen, ein Austauschen der Szenen ist unmöglich. Bei Iphigenie besonders deutlich ist die Vermeidung von Sprüngen, unerwarteten Handlungslücken oder ähnlichem. So wechseln zwischen den Szenen niemals alle Darsteller, mindestens einer bleibt immer auf der Bühne. Neu hinzukommende Personen werden zusätzlich oft am Ende der vorangegangenen Szene eingeführt („Ich seh den König kommen;“2 , „Der Bote / Kommt von dem Könige mit schnellem Schritt.“3). Auch die Handlung verläuft ohne Sprünge, die Personen handeln von Szene zu Szene gleich zielgerichtet, geradlinig. Ein weiteres Zeichen für die geschlossene Dramenform ist das langsame Einführen in die Handlung, kein überraschendes Hineinspringen. In der Iphigenie wird dies durch die umfangreiche Exposition bewerkstelligt. Iphigenie führt in ihrem Monolog in der ersten Szene in die Vorgeschichte, ihre Rolle im Drama ein. In der dritten Szene wird vor König Thoas dann noch die Herkunft, die Abstammung aus dem Tantalusgeschlecht ausgebreitet, womit der Leser nun alles wichtige Vorauswissen für das Drama schon hat.

Inhalt des geschlossenen Dramas ist immer der Kampf, das Duell, dies wird im untersuchten Werk auch schnell deutlich. So kämpfen hier die Griechen gegen die Taurer. Und auch der innere Kampf des Gewissens bei Iphigenie ist Thema des Dramas („O weh der Lüge! Sie befreiet nicht, / Wie jedes andre wahrgesprochne Wort“4, „Es schlägt mein Herz, es trübt sich meine Seele, / Da ich des Mannes Angesicht erblicke, / Dem ich mit falschem Wort begegnen soll.“5). Allerdings kommt es nie zum offenen Kampf auf der Bühne, hier vermittelt entweder Iphigenie („Entheiligt / Der Göttin Wohnung nicht durch Wut und Mord.“6) oder ein Bote erzählt vom Aufeinandertreffen („Die letzten Kräfte raffen / Die Unsrigen zusammen; weichend werden / Sie nach der See langsam zurückgedrängt.“7). Dieser Konflikt wird bis zum Ende immer weiter vorangetrieben um dann im glücklichen Aussöhnen ein klares Ende zu finden. Empirisch-Faktisches wird im geschlossenen Drama absichtlich ausgespart, das Augenmerk soll hier weg vom Auftreten der Dinge hin auf die Wesenheit der Dinge,

[...]


1 Klotz, Volker:Geschlossene und offene Form im Drama. Vierte durchgesehene und überarbeitete Auflage. München: Carl Hanser Verlag 1969. Seite 14.

2 Goethe, Johann Wolfgang: Iphigenie auf Tauris. Stuttgart: Reclam Verlag 2001. Zeile 210.

3 Goethe, J.W.: Iphigenie. Zeile 1416.

4 Goethe, J.W.: Iphigenie. Zeile 1405.

5 Goethe, J.W.: Iphigenie. Zeile 1418.

6 Goethe, J.W.: Iphigenie. Zeile 1999.

7 Goethe, J.W.: Iphigenie. Zeile 2012.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Untersuchung und Vergleich der Dramenform in Grabbes Hannibal und Goethes Iphigenie auf Tauris
Hochschule
Universität Stuttgart
Veranstaltung
Einführung in die Literaturwissenschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
10
Katalognummer
V41625
ISBN (eBook)
9783638398527
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Untersuchung, Vergleich, Dramenform, Grabbes, Hannibal, Goethes, Iphigenie, Tauris, Einführung, Literaturwissenschaft
Arbeit zitieren
Dirk Lenz (Autor), 2003, Untersuchung und Vergleich der Dramenform in Grabbes Hannibal und Goethes Iphigenie auf Tauris, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41625

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