Prüfungsvorbereitung zum Thema schulische Leistungsbewertung


Prüfungsvorbereitung, 2012
28 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

1. Skizzierung der Diskussion um den Leistungsbegriff in Gesellschaft und Schule

Zur Semantik des Leistungsbegiffs:

- ahd. = bedeutet befolgen, erfüllen, nachspüren, ausfüllen
- Für Messbarkeit Einteilung in hierarchisierte Matrix
- Bildung impliziert immer Leistung (Belohnungsprinzip)

Leistung als relationaler Begriff, Leistung ist nicht nur ein Mittel, nicht aber selber Zweck:

- Wichtig ist, was geleistet wird und Qualität der Leistung
- Leistung ist aber auch ambivalent im Bezug auf Messbarkeit und Definition

Leistungsbegriff in den 70/80 Jahren

- Ivan Illich „Schulen helfen nicht“: Bildungspessimismus, Versagen der Leistungsgesellschaft, Entschulung wird gefordert, Alternativschulen sollen entstehen à Leistungsbegriff hat sich verändert
- Markuse, Habermas und Horkheimer: Kritik an instrumenteller Vernunft und gegen den eindimensionalen Menschen = Mensch wird als Leistungsbringer verstanden, übertrieben leistungsbezogen, Krankheit des Systems à keine Selbstentfaltung oder Persönlichkeitsentwicklung möglich, sondern Fremdbestimmung à Leistung = wie weit ist Fremdbestimmung erfolgt, reduziert auf Vergleichbarkeit der Leistung, falsche Identikationsmodell, repressive Gesellschaft
- Kritik an Kritik: Leistung ist ein sozialer Gütemaßstab = früher war das Leben vorherbestimmt, Erben des väterlichen Besitzes, Berufs etc. à heute herausgewachsen aus diesem Ständeprinzip, Leistung als neues, gerechtes Prinzip der Zuteilung à neue Freiheit der Berufswahl und Entwicklungsmöglichkeiten, nicht die Herkunft, sondern die Leistung wird bewertet, bei Konkurrenz entscheiden nicht äußere Faktoren, sondern Leistung à Glaube: gerecht, da objektiv
→ Ablösung des Ständeprinzips durch das Leistungsprinzip macht demokratische Gesell-schaft erst möglich

Anthropologische Begründung der Leistungsbewertung

- Arnold Gehlen: Mensch ist Mängelwesen, muss sich über Leistung Kultur aneignen à Motivation,
- Frage: natürliche Lust am Lernen oder extrinsische Motivation nötig (Belohnungssysteme, Noten)
- Für Leistung sind zwei Komponenten wichtig:
- operari: ziel- und werkorientiertes Tun (Freude u. Zufriedenheit)
- laborare: Mühsal und Schweiß
- Leistungsfähigkeit muss erlernt werden, ist individuell und inhaltlich verschieden
- Bei Leistung kann es weder inhaltlich noch individuell um dieselbe Leistung gehen. (Überforderung oder Unterforderung) à Differenzierung der Bewertung ist nötig
- Ebenso muss Leistungsbewertung Förderung der unterschiedlichen Leistungen zum Ziel haben
- Furck: „Erziehung zur Leistung wird immer in Zeiten der einseitigen Vorherschaft des Staates mit besonderem Nachdruck gefordert“ à vierfache Bedeutung im schulischen Zusammenhang:
- Leistung als schulische Forderung für den Schüler
- = Tätigkeit des Schülers
- = Ergebnis der Tätigkeit des einzelnen innerhalb der verschiedenen Leistungsbereiche
- = besonderer Beitrag der Schule für Gesellschaft, Staat, Wirtschaft und Wissenschaft
- Unzufriedenheit mit Leistungsbegriff: Pädagoge seien Außenkriterien gemessener Leistungsstandards weniger wichtig als der im Vergleich zur individuellen Vorleistung erreichte Lernerfolg
- Leistungsbegriff orientiert an kapitalistischer Wirtschaft, als würden hier vergleichbare Produktionsgesetze und Rentabilitätsanforderungen gelten à Leistung aber das Ergebnis curricular geplanter Lernprozesse = gesellschaftlich festgelegt
- Unzulänglichkeit aller Versuche, das Zustandekommen menschlicher Leistung zu erfassen à innere und äußere Faktoren àLeistung nicht nur als Prozess, sondern auch Ergebnis individueller Verhaltensweisen, Resultat sozialer Beziehungen

2. Unterschied pädagogischer (individualisierter) und gesells. Leistungsbegriff

- Heckhausen: Leistung = Phänomene, „bei denen Handlungen oder Handlungsergebnisse auf einen Tüchtigkeitsmaßstab bezogen werden, den man für verbindlich hält, so dass am Ende letztlich Erfolg oder Misserfolg steht“
- Klafki: Leistung bestimmt „als Ergebnis und Vollzug einer Tätigkeit, die mit Anstrengung und ggf. Selbstüberwindung verbunden ist und für die Gütemaßstäbe anerkannt werden, also beurteilt wird“
- Unterschied: Anstrengung und Fähigkeit à anstrengungsbezogener Leistungsbegriff vs. Fähigkeitsbezogener Leistungsbegriff
- Je nach Zweck liegen dabei Gütemaßstäbe zugrunde
- Prozess der Leistungserbringung soll berücksichtigt werden, damit individuelle Förderung möglich ist

Lernleistung hängt ab von:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Ziele von Leistung: Selbstbestimmung, Autonomie, Ichwerdung, Selbstentfaltung, Individuation, Mündigkeit, Selbst- und Mitbestimmung
- Leistung muss sich in Schule pädagogisch legitimieren
- Problem: Begabung und Intelligenz = genetisch angelegt à Forderung: Anstrengungsbereitsschaft muss mitberücksichtigt werden à Frage: Ist Selektion pädagogisch vertretbar?
- Leistung = je nach Gruppe (Wirtschaft, Gesellschaft), für die die Leistung relevant ist, anders definiertes Produkt

Klärung des Leistungsbegriffs in der Schule -Pädagogischer Leistungsbegriff

- zur Herausbildung und Entfaltung seines Menschseins dienen (Selbstbestimmung/ Mündigkeit)
- ist produkt- und prozessbezogen
- Vorrangiges Ziel, zur Leistung ermutigen (Leistungsfreude) und befähigen (Leistungserziehung), individuellen Fähigkeiten entwickeln und ausbilden, Ausdauer und Beharrlichkeit stärken und zu steigern versuchen, zu einer realistischen Einschätzung ihres Leistungsvermögens hinzuführen
- Methode: sorgfältige und verantwortungsbewussten methodischen Gestaltung leistungsorientierter Lehr- und Lernsituationen.

Wozu sind Noten da / Funktionen der Zensurengebung

Außerhalb der Schule: Regulierung von Ausbildungs- und Berufschancen (Auslese)

In der Schule:

- Orientierungs- und Berichtsfunktion für Schüler und Eltern
- Pädagogische Funktion durch Motivation und Disziplinierung
- Zuteilung von Berechtigungen zu beruflichen Positionen und Sozialisierung in der Leistungsgesells.
- Problem: schlechte Noten demotivieren, fördern nur gute Schüler, keine Orientierungspunkte

Pädagogischen Funktion nach Olechowski:

- Rückmeldefunktion für den Lehrer und Schüler
- Motivationsfunktion
- Sozialisationsfunktion
- Chancengleichheitsfunktion (Anspruch auf Objektivität)
- Platzierungsfunktion
- Lernsteuerungsfunktion
- Beratungsfunktion, Diagnosefunktion anhand wissenschaftl. Gütekriterien
- Evaluierungsfunktion
- Disziplinierungsfunktion
- Berechtigungsfunktion (Auslese)

Bedingungen der Leistungsmessung mit Noten sind ( àAuslese und Berechtigungsfunktion):

Objektivität = Unabhängig von Messenden

Validität = Gültigkeit: Es wird tatsächlich gemessen, was gemessen werden soll

Reliabilität = Zuverlässigkeit: Identische Messergebnisse zu verschiedenen Zeitpunkten = Genauigkeit

Differenziertheit = Aufschluss über Stärken und Schwächen

Ökonomie = möglichst geringer Aufwand

Wichtig:

- Alle Kriterien der Gültigkeit untergeordnet à zuerst klären, was gemessen werden soll à Definition und Messung ist abhängig von fachwissenschaftlichen Kriterien und politischen und sozialen Voraussetzungen und Wertungen
- Problem: über Dimensionierung, Stufung und Klassifikation der anzuvisierenden Ziele, Gewichtung und Ordnung der Lernziele herrscht Uneinigkeit + nur solche Lernziele lassen sich überprüfen, die operationalisiert sind = anhand eindeutiger Verhaltensmerkmale beobachtbar
- Problem: es gibt auch motivationale, ästhetische, affektive, moralische und handlungsleitende Leistung, die nicht nachweisbar ist, vor allem nicht im Bezug auf ihre langfristige Wirkungen

Möglichen Bezugsnormen (Sacher) :

Soziale Bezugsnorm (Vergleich m.Gruppeà Problem: verschiedene Gruppen = unterschiedliche Grundlage)

Kriteriale Bezugsnorm (fachlich-sachliche Anforderungen à Problem: individuelle Leistung)

Individuelle Bezugsnorm ( Lernfortschritt à Problem: von anderen Schülern als ungerecht empfunden)

Forderung: Schule braucht erweiterten Leistungsbegriff, der:

- den Lernprozess genauso stark zu berücksichtigt, wie das Lernprodukt
- über einen längeren Zeitraum sich erstreckende Lernleistungen genauso stark berücksichtigt, wie punktuell erbrachte
- überfachliche oder fachübergreifende Leistungen genauso berücksichtigt wie fachliche Leistung
- soziale und metakognitive Kompetenzen ebenso berücksichtigt, wie rein kognitive Leistungen
- den Beitrag zur effizienter Teamarbeit genauso einfließen zu lassen, wie die individuell erbrachte Leistung
- Konflikt: pädagogischer Leitungsbegriff vs. Gesellschaftlicher Leistungsbegriff

→ Forderung: sollte ergebnisorientiert, schülerorientiert und lernprozessorientiert sein

→ Problem: Objektivität, Förderung durch Elternhaus unterschiedlich, Gene

3. Die häufigsten Fehlerquellen und Erfolgskriterien der schriftl. Lb

KMK Erlass 2003:

- Leistungsbewertung = Bewertungsbereichen Klassenarbeiten & unterrichtsbegleitende Bewertung
- für andere Formen der Leistungserhebung liegen diese Entscheidungen in pädagogischer Verantwortung der Fachlehrkraft
- Unterrichtsstoff entsprechend strukturieren und Leistungserhebungen frühzeitig planen
- Erziehungsberechtigte sowie Schüler sind über Bewertungsmodalitäten in jedem Fach durch die unterrichtende Lehrkraft zu informieren àTransparenz

Definition der Noten à nicht eindeutig

1. sehr gut = Anforderungen im besonderen Maße entspricht
2. gut = Anforderungen voll entspricht
3. befriedigend = im Allgemeinen Anforderungen entspricht
4. ausreichend = zwar Mängel aufweist, aber Anforderungen noch entspricht
5. mangelhaft = Anforderungen nicht entspricht, jedoch erkennen lässt, dass notwendige Grundkenntnisse vorhanden und Mängel in absehbarer Zeit behoben werden können
6. ungenügend = Anforderungen nicht entspricht und selbst Grundkenntnisse so lückenhaft, dass Mängel in absehbarer Zeit nicht behoben werden können

Zu Klassenarbeiten = schriftliche Leistungsnachweise

- von allen Schülern einer Klasse unter gleichen Bedingungen anzufertigen
- Inhalt bezieht sich auf abgeschlossene Unterrichtseinheit
- Bewertung repräsentiert jeweils 20 von 100 der Gesamtnote des jeweiligen Halbjahres
- Schüler sind in „geeigneter Weise an diese Form der Leitungsbewertung heranzuführen“ Runderlass für Klassenarbeit des KMK 2003
- müssen so konzipiert werden, dass folgende Anforderungsbereiche angemessen repräsentiert sind :
- Reproduktionsleistung,
- Reorganisationsleistung und
- eigenständige Problemlösungen

Lerndimensionen

- Lernziele: Gliederung in Lernzieldimensionen & Lernzielhierarchien, entsprechend Anspruchsniveau,
- Aufteilung erleichtert Überprüfung, Ausformulierung und Erfolgskontrolle von Lernzielen
- Mündigkeit soll erlangt werden: begründet Stellung beziehen und Engagement, Leistungsbegriff ist zu beschränkt, da in Klassenarbeiten meist nur kognitiv
- Lernzieldimensionen unterscheiden sich in:
- kognitive Lernziele, die sich auf Wissen und Denkfähigkeit beziehen
- affektive Lernziele, die sich auf Einstellungen und Wertungen beziehen
- psychomotorische Lernziele, die sich auf motorische Fertigkeiten beziehen Das oberste Kriterium des Deutschen Bildungsrates ist die Selbständigkeit des Schülers und er unterteilt die kognitiven Lernziele in:
- Reproduktion (und Verständnis) = Wiedergabe des Gelernten
- Reorganisation = Problem lösen, wenn neu strukturiert
- Transfer
- Problemlösung

Benjamin S. Bloom: wichtigstes Kriterium für kognitive Lernziele ist das Kriterium der Komplexität und die Lernzielhierarchien heißen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

→ Checkliste während der Vor- oder Nachbereitung = zweckmäßige Methode, um Leistungen annähernd objektiver zu sichern.

Folgende Fragen wären hier z. B. zu erörtern:

1. Welche Indikatoren sind für bestimmte Lernzielkategorien geeignet? = Ziel erreicht?

2. Wer führt die Leistungsmessung durch? (Lehrer, Schülerselbst oder –mitbewertung)

3. Anteil gemeinschaftlich erbrachter Leistungen à Sozialnorm

→ wichtig: Erwartungshorizont, da sonst keine Verbesserungsvorschläge oder Fördermaßnahmen, Kommentare unter Klassenarbeiten

Bewertungsarten:

- Strenge-Milde-Effekt (1 oder 6)
- Tendenz zur Mitte
- Reihungseffekt (im Vergleich zu anderen Arbeiten)
- Haloeffekt (Eindrücke über Verhalten, Aussehen beeinflussen)
- Verknüpfungstendenz (Noten in anderen Fächern beeinflussen)

Probleme bei der Leistungsbewertung

- fehlende Transparenz der Kriterien = stärkster Faktor für Lehrer-Schüler-Konflikte
- Lösung: Kriterienschema ermöglicht Diskussion (Selbst- und Fremdeinschätzung) à kommunikativer Validierung

Bönsch: Die häufigsten Fehler der Bewertung und Beurteilung von Klassenarbeiten

Fragen:

- Identifizierung des Bezugsrahmens, in dem Klassenbeurteilungen stehen
- handelt es sich um einen objektivierten Bezugsrahmen
- einen klasseninternen Bezugsrahmen
- einen intra-individuellen Bezugsrahmen
- Wie sehen die fachspezifischen Hierarchien aus?
- Werden geschlechtsspezifische und schichtenspezifische Zensierungsunterschiede berücksichtigt?
- Ist das Beurteilungssystem „Lehrkraft“ valide, objektiv und reliabel?

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Prüfungsvorbereitung zum Thema schulische Leistungsbewertung
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
28
Katalognummer
V416270
ISBN (eBook)
9783668662858
Dateigröße
651 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
prüfungsvorbereitung, thema, leistungsbewertung
Arbeit zitieren
Anna Kuhlmann (Autor), 2012, Prüfungsvorbereitung zum Thema schulische Leistungsbewertung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416270

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