Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Berufung der ersten Jünger am See Gennesaret aus dem Lukasevangelium. Es werden die gängigsten Methodenschritte der historisch-kritischen Bibelexegese durchgeführt und persönliche Reflexionen zum Text angeführt. In der heutigen Zeit weist das Thema der Perikope noch eine erhebliche Relevanz auf, denn Berufung, in dem ja der Begriff „Beruf“ steckt, betrifft jeden von uns aufs Neue. Ob in der Schule, in der Universität oder im „Beruf“sleben – immer wieder stehen neue Aufgaben an, zu denen wir berufen werden. Zwar geht nicht immer ein lebensverändernder Wandel davon aus, doch jede Berufung zu Veränderung verlangt eine neue Entscheidung von uns.
Inhaltsverzeichnis
0. Die Perikope nach Lk 5,1-11
I. Assoziationen und Fragen an die Perikope
II. Vergleich der Übersetzungen in Einheitsübersetzung (EÜ) und Luther-Bibel (LB) und Begründung der Übersetzungswahl
III. Abgrenzung des Textes als Perikope
IV. 1. Syntaktisch-narrative Analyse des Textes
2. Semantische Analyse des Textes
V. Analyse der Funktion(en) der Perikope im unmittelbaren Kontext
VI. Analyse der Funktion(en) der Perikope im Makrotext
VII. Intertextualität
VIII. Der Text unter diachroner Betrachtung
IX. Textpragmatische Erwägungen
X. Schlussfolgerung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Perikope von der Berufung der ersten Jünger (Lk 5,1-11) einer fundierten historisch-kritischen und semiotischen Analyse zu unterziehen, um deren narrative Struktur sowie theologische Bedeutung im Kontext des Lukasevangeliums zu erhellen.
- Narrative Analyse des Textaufbaus mittels des Schemas von Vladimir Propp.
- Semantische Untersuchung von Oppositionen und Bedeutungsinhalten.
- Synoptischer Vergleich mit den Parallelstellen bei Markus und Matthäus.
- Untersuchung der kirchengeschichtlichen Wirkungsgeschichte und der Bedeutung der Petrus-Figur.
- Kontextuelle Einordnung der Perikope in das gesamte Lukasevangelium.
Auszug aus dem Buch
IV. Die Analyse der Perikope: 1. Syntaktisch-narrative Analyse des Textes
Im ersten Vers sind schon drei Handlungen zu erkennen. Zunächst „steht“ Jesus, das Subjekt der Handlung, am Ufer des See Gennesaret, was die Funktion hat, dass Jesus mit den Menschen der dortigen Region etwas vorhat. Er steht sicher nicht zufällig da, denn wie ich aus der vorangegangenen Perikope erfahren habe, ist er mit dem Ziel aus Kafarnaum aufgebrochen, in anderen Gegenden das Reich Gottes zu verkündigen (Lk 4,43: „[…] Ich muss auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich Gottes verkünden; denn dazu bin ich gesandt worden.“)
Besonders im letzten Teil dieses Verses wird deutlich, dass Jesus einen konkreten Auftrag an den Menschen hat, er tut dies, wie oben schon erwähnt, keinesfalls zufällig oder nach Belieben. Er ist gesandt worden um den Menschen in ganz Israel das Wort Gottes zu überbringen. Folglich ist auch der Ort See Gennesaret mit seinen Bewohnern dazu bestimmt von der frohen Botschaft zu erfahren.
Die folgende Handlung besteht darin, dass sich das Volk um Jesus zusammenzieht. Die Funktion hier ist das Interesse des Volkes an diesem Jesus. Auf der einen Seite waren da vielleicht Menschen, die Jesus noch gar nicht kannten und ihn an diesem Tag zum ersten Mal sahen. Die Beachtung schenkten sie Jesus wahrscheinlich deswegen, weil es zu jener Zeit immer etwas Besonderes gewesen sein muss, wenn ein Prediger aus der Fremde vorbei kam. Man erfuhr viel Neues, denn mündliche Überlieferung war damals die beinahe einzige Form des Austauschens von Informationen, Geschichten, Neuigkeiten usw., da vergleichbare Medien, wie wir sie aus der heutigen Zeit kennen, nicht existierten. Auf der anderen Seite gab es möglicherweise auch Menschen, die Jesus schon öfter gehört hatten und von ihm begeistert wurden, so dass sie seine Erzählungen und Predigten immer wieder hören wollten.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Die Perikope nach Lk 5,1-11: Vorstellung des primären Textauszugs aus der Einheitsübersetzung.
I. Assoziationen und Fragen an die Perikope: Persönliche Reflexion und erste Fragestellungen zum Text.
II. Vergleich der Übersetzungen in Einheitsübersetzung (EÜ) und Luther-Bibel (LB) und Begründung der Übersetzungswahl: Analyse sprachlicher Unterschiede zwischen EÜ und LB, mit Entscheidung für die EÜ.
III. Abgrenzung des Textes als Perikope: Begründung der textlichen Abgrenzung durch Personen-, Orts- und Zeitwechsel sowie thematische Einbettung.
IV. 1. Syntaktisch-narrative Analyse des Textes: Anwendung des narrativen Schemas nach Propp auf die Handlungsphasen der Perikope.
2. Semantische Analyse des Textes: Untersuchung der Textoppositionen zur tieferen Sinnerschließung.
V. Analyse der Funktion(en) der Perikope im unmittelbaren Kontext: Prüfung auf formale und inhaltliche Gemeinsamkeiten mit dem direkten Umfeld im Lukasevangelium.
VI. Analyse der Funktion(en) der Perikope im Makrotext: Kontextualisierung innerhalb des gesamten Lukasevangeliums.
VII. Intertextualität: Erörterung der biblischen und kulturgeschichtlichen Hintergründe des Begriffs "Berufung".
VIII. Der Text unter diachroner Betrachtung: Synoptischer Vergleich der Berufungsgeschichte bei Lukas, Markus und Matthäus.
IX. Textpragmatische Erwägungen: Betrachtung der Intention des Autors und der kirchlichen Wirkungsgeschichte.
X. Schlussfolgerung: Synthese der Ergebnisse und hermeneutische Reflexion über die Bedeutung der Berufung.
Schlüsselwörter
Lukas 5,1-11, Berufung, Perikope, Fischer, Jesus, Petrus, Fischzug, Narrative Analyse, Synoptischer Vergleich, Exegese, Einheitsübersetzung, Wundererzählung, Reich Gottes, Semantische Analyse, Urgemeinde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit einer exegetischen Untersuchung der Perikope der Berufung der ersten Jünger gemäß Lukas 5, 1-11.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben der sprachlichen und narrativen Analyse stehen die Einordnung des Textes in das Lukasevangelium sowie der synoptische Vergleich mit Markus und Matthäus im Fokus.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Untersuchung zielt darauf ab, die spezifische narrative Struktur bei Lukas und die Bedeutung der eingebetteten Wundererzählung für das Berufungsmotiv zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt historisch-kritische Methoden, das narrative Schema nach Wladimir Propp sowie semiotische und intertextuelle Ansätze.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine syntaktisch-narrative sowie eine semantische Analyse, gefolgt von einer Untersuchung der Kontextfunktionen und synoptischen Vergleichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den zentralen Begriffen zählen Berufung, Perikope, Fischer, narrative Analyse, Exegese und Lukasevangelium.
Warum unterscheidet der Autor zwischen der Einheitsübersetzung und der Luther-Bibel?
Aufgrund stilistischer Unterschiede in der Verständlichkeit und Wortwahl entscheidet sich der Autor für die Einheitsübersetzung, da sie für seine Exegese den treffenderen Zugang bietet.
Welche Erkenntnis gewinnt der Autor aus dem synoptischen Vergleich?
Er stellt fest, dass Lukas die Berufungsgeschichte im Vergleich zu Markus und Matthäus durch eine eigene, eingebettete Wundergeschichte des Fischfangs deutlich ausführlicher und symbolträchtiger gestaltet.
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- Tobias Kollmann (Author), 2003, Kritische Exegese der Perikope Lk 5,1-11, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41677