Das globale Gesellschaftssystem als kosmopolitisch-soziales Netzwerk

Gestaltung postnationaler Konstellationen


Essay, 2017
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Nach Industrie- und Informationsgesellschaft entwickelt sich die Menschheit im 21. Jahrhundert zur Netzwerkgesellschaft – so die Einschätzung des deutschen Politikwissenschaftlers und Experten für Entwicklungspolitik Dirk Messner (1995) sowie des spanischen Soziologen und Medientheoretikers Manuel Castells (1996). Weiter diagnostizierte Dirk Baecker (2007) in seinenStudien zur nächsten Gesellschaft, nicht nur eine Bedeutungszunahme heterogener Netzwerkphänomene, sondern eine zukünftige Gesellschaft, „deren Differenzierungsstruktur sich zwar noch nicht erkennen lasse, die sich aber von Strukturen funktionaler Differenzierung bereits verabschiede.“[1]

Messner versteht die Netzwerkgesellschaft, welche ihm zufolge im Besonderen geprägt ist durch ihre wirtschaftliche Entwicklung und internationale Wettbewerbsfähigkeit, als Lösung für Probleme gesellschaftlicher Steuerung der Moderne. „In unserer heutigen Welt der Kommodifizierung und Lohnarbeit, der allgegenwärtigen Kommunikation und Zirkulation und des vollkommen entfesselten Kapitalismus“[2]wird die Menschheit von einer Schnelllebigkeit getrieben und mit grenzübergreifenden, kaum kontrollierbaren negativen Auswirkungen moderner Entwicklungen konfrontiert, die bei vielen Bürgern ein Gefühl des Abgehängt-Seins auslöst. Folglich steigt die Unzufriedenheit mit dem politischen System und der Groll auf das Establishment – verstärkt durch eine eher reaktionäre Aufgabenbewältigung der Politik und einer scheinbar zunehmenden Verantwortungsübertragung auf höhere Instanzen, ist eine sog. Politikverdrossenheit in der Gesellschaft zu beobachten.

In Anlehnung an die Theorien von Marshall McLuhan zum elektronischen Zeitalter, sind es – nach Castells – drei voneinander unabhängige Prozesse, die seit Ende der 1960er Jahre den Übergang von der Industriegesellschaft in das Zeitalter globaler Netzwerke kennzeichnen:dieinformations-technologische Revolution, die in der weltweiten Verbreitung des Computers, der Telekommunikation und des Internets besteht;die Krise des industriellen Kapitalismus und die Auflösung des nationalstaatlichen Etatismus, die zu dezentralen Formen der Wirtschaft und Politik geführt haben; und schließlichdas Aufblühen sozialer Bewegungen, die sich gegen die Herrschaft der globalen Systeme zur Wehr setzen.[3]Die Netzwerkgesellschaft bezeichnet die Superstruktur einer globalen Gesellschaft, die mit einer netzförmigen Verknotung bestehend aus Information, Macht, Technik und Kapital beschrieben werden kann[4]– eine Beschreibung für eine moderne globale Weltordnung?

Der französische Mathematiker und Philosoph Alain Badiou (2016) warnt vor den verheerenden Folgen des modernen Zeitalters der Globalisierung für die jungen Menschen unserer Gesellschaft, welche „die Entgrenzung der Adoleszenz, die Arbeitslosigkeit, die Differenzierung nach Herkunft und Überzeugung, die existenzielle Orientierungslosigkeit der Jugendlichen“[5]mit sich bringen. Augenscheinlich ist die Komplexität der politischen Steuerung durch die rasende Flut der vernetzten Kapital- und Datenströme, aber auch die neuen Beziehungen zwischen den Geschlechtern und den Generationen aller Länder der Welt unvorstellbar gestiegen. Gleichzeitig entflammen mit der zunehmenden Dynamisierung des globalen Verkehrs mehr und mehr lokale Widerstandsherde – das Bewusstsein fortschreitender Ungleichheit in schier allen gesellschaftlichen Bereichen der Welt wächst. Das Spektrum dieser Widerstandsbewegungen reicht von religiösen Fundamentalisten und politischen Rebellen über Umweltkämpfer, Feministinnen, Schwule und Lesben bis zur Reform der patriarchalischen Familie. Hinter dieser Entwicklung steckt nach Castells eine „dunkle Ironie“: In dem Moment, in dem der souveräne Nationalstaat seine Autorität verliert und die massenmedial inszenierte Politik ihre Glaubwürdigkeit eingebüßt hat, treten kraftvolle zivilgesellschaftliche Bewegungen in Aktion, denen jedoch eine gemeinsame "Projektidentität" fehlt.[6]Diese Lücke in der Identitätsbildung schreibt Badiou dem Untergang des symbolischen Systems der Traditionen (einer Ordnungsstruktur, die Positionen zuweist und Relationen definiert) durch den Kapitalismus (als allgemeines System der Produktion, des Tausches und der auf den Gegensatz von Arbeit und Kapital oder Lohn und Profit reduzierten sozialen Beziehungen) zu.[7]

Verständlich dieses Aufbegehren der Masse der Gesellschaften, die weltweit damit beschäftigt ist, ihr nacktes Überleben zu sichern, während eine winzige Oligarchie die Gesetze der Weltordnung diktiert. Für die Globalisierung außerordentlich prägend kann wohl der „Konsens of Washington“ bezeichnet werden. Die US-amerikanische Regierung hat mit den von ihr weitgehend beherrschten internationalen Finanzinstitutionen eine Reihe von Marktprinzipien entworfen und durchgesetzt, die unser Wirtschaften bis heute bestimmen. Die internationale Wirtschaftspresse bezeichnete diese Institutionen sogar als Kernstück einer „faktischen Weltregierung”, die in einem „neuen Zeitalter des Imperialismus” die Interessen der Transnationalen Unternehmen, Banken und Investmentfirmen vertritt.[8]Nicht genug, den Weltmarkt zu kontrollieren, führt die amerikanische Regierung einen globalen Feldzug im Namen der Demokratisierung – welcher faktisch bloß angesichts der Gefahren für den Wohlstand des kapitalistischen Weltsystems betrieben wird. Terror und Subversion rechtfertigen sie mit den Bemühungen, im Sinne desGlobal Governance, zur (Wieder-)Herstellung der Stabilität nichtdemokratischer Länder. Die CIA versteht in ihrer Aufgabe der Demokratisierung, wenn nötig, auch zu destabilisieren um Stabilität zu erreichen, so heißt es, „sollte die Subversion fehlschlagen, war eine direkte militärische Intervention geplant.”[9]

Der recht abstrakte Duktus, in dem der Begriff des komplexen Weltregierens bzw. der Global Governance ausbuchstabiert wird, findet sich ganz ähnlich auch im Bericht der Enquete Kommission des Bundestages „Globalisierung der Weltwirtschaft".[10]Definiert scheint hier das tadellose Bestreben einer modernen kosmopolitischen Gesellschaft, deren politische Ökonomie auf Kooperation, Gleichheit, Selbstverwaltung und individueller Freiheit beruht – eine Gesellschaft, die nach dem wahren Leben strebt. Dieses „wahre Leben“[11]von heute, so Badious Schluss, liegt jenseits der alten hierarchischen Welt und jenseits der marktbestimmten Neutralität des Kapitalismus. Die ungelenke elitäre Struktur verhindert systematisch die Entfaltung der jungen Generation, das Infragestellen des hierarchischen Wertesystems und somit die selbstbestimmte Identitätsbildung.[12]

Marx prognostizierte bereits, dass der Ausgang aus der Tradition eine gewaltige Krise der symbolischen Organisation der Menschheit verursacht. Wie aktuell die Lehren Marx‘ heute sind, diskutierte auch jüngst DIE ZEIT.[13]1848 beschrieb Marx die Konsequenzen des globalisierten Kapitalismus auf sozialer und subjektiver Ebene. Über Jahrtausende wurden die Unterschiede, die dem menschlichen Leben inhärent sind, in hierarchischer Form symbolisiert und kodifiziert, wonach jeder Einzelne seinen Platz innerhalb der ineinander verschachtelten Hierarchien einzunehmen hatte bzw. wusste.[14]Ferner bedeutet heute modern sein, die Welt der Tradition hinter sich zu lassen und mit der alten Welt der Kasten, des Adels und der Dynastien, der Zwangsreligionen, der Initiationsriten für die Jugendlichen und der Unterwerfung der Frauen zu brechen. Die Moderne beendet somit die Spaltung zwischen einer machthabenden Minderheit und der machtlosen Masse.[15]Für die Realisierung bedarf es jedoch eines politischen Bündnisses, so Badiou, welches die Mittelschicht, und besonders die Intellektuellen aus dieser Schicht, mit den wirklichen „Habenichtsen“ zusammenführt und mit gebündelter Kraft für ihre Rechte und Bedürfnisse einsteht.[16]Der Erfolg eines derartigen Bündnisses hängt voll und ganz davon ab, ob und wie es auf einer internationalen Ebene politisch organisiert wird. Ein Großteil der aufblühenden sozialen Bewegungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen arbeiten bereits seit den 1990er Jahren für die Entfaltung solcher ganzheitlichen Bündnisse auf lokaler, aber auch internationaler Ebene. Dank der aktuell weltumspannenden Blütezeit der digitalen sozialen Netzwerke haben diese Bestrebungen an ganz neuer Qualität gewonnen. Die wachsende globale Netzgemeinschaft ist ein Indiz dafür, dass die Individuen sich als Kosmopoliten verstehen und mehr und mehr – sich aus dem Schafott der winzigen Oligarchie befreiend – auf Selbst- und Mitbestimmung bedacht sind und dies zunehmend auch einfordern. Robert Dahl bezeichnet diese durch die Neuen Medien und sozialen Netzwerke vorangetriebene Entwicklung als die dritte Transformation der Demokratie – diee-Democracyeiner kosmopolitischenCyber Community.[17]Die vernetzt handelnden Akteure agieren im Rahmen von Organisationen, Unternehmen oder als Einzelpersonen in unterschiedlichen Netzwerken. Unternehmen und Organisationen bilden selber eigene Netzwerke und werden in größere Netzwerkstrukturen eingebunden. Von den damit verbundenen diskursiven Prozessen wird (meist in der betriebswirtschaftlichen Organisationslehre) viel erwartet, werden synergetische Effekte postuliert und Innovationen in Aussicht gestellt.[18]

Die Wahrnehmung der Lebenswelt als ein Netzwerk generell, in dem die Menschen als Systemteile in Beziehung zueinander stehen, sowie das Denken in Netzwerken ist auch ein Aspekt des Systemdenkens – des vernetzten Denkens –, dass sich in den letzten Jahrzehnten in allen Bereichen als ein vorrangiges Paradigma modernen Denkens heraus gearbeitet hat.[19]Hierbei hat sich aber herausgestellt, dass die Summe der Einzelakteure des Netzwerks nicht die Eigenschaften des Ganzen – des Gesellschaftssystems – ergibt.[20]Die systemischen Eigenschaften sind eben nicht bei jedem einzelnen Systemteil vorhanden, sondern ergeben sich durch die prozesshaften Beziehungen der Teile. So können Gesellschaften als Organisationen betrachtet werden, welche wiederum Teil des globalen Netzwerks sind. Übertragen auf den (zumeist) wirtschaftlichen Bereich bedeutet der systemtheoretische Ansatz eine Abkehr von herkömmlichen, hierarchisch-dirigistisch gesetzten Organisationsstrukturen und eine Hinwendung zu Kooperation und Kommunikation in Netzwerken in Wirtschaft und Gesellschaft. So hat auch Ulrich Beck (2007) für unsere Moderne diagnostiziert, dass „Nationale Alleingänge […] rückwärtsgewandte Idealismen [sind und], kosmopolitische Kooperationen […] der Kern der neuen Realpolitik [ist].“[21]

Veronika Tacke (2011) weist daraufhin, dass Netzwerke nur sekundär für eine Gesellschaft funktionieren, da sich Netzwerke partikularistisch bilden, d.h. im Rekurs auf bestimmte Personen, die als Adressen mobilisiert werden können, um Zugänge und Möglichkeiten zu eröffnen. Während der Zugang zu den primären Systemen prinzipiell jeder Person offen steht, der die sachlichen Kriterien der Teilnahme am System erfüllt. Als sekundär sind soziale Netzwerke aber auch und nicht zuletzt in dem Sinne zu verstehen, dass sie sich in ihrer Herstellung und Fortschreibung auf Leistungen stützen, die sie nicht selbst erzeugen, sondern die in und durch Funktionssysteme und Organisationen entstehen. Netzwerke eröffnen in diesem Sinne Ersatz- bzw. Zusatzperspektiven. Sie machen Systemleistungen partikular zugänglich, die andernfalls nicht oder nicht in gleicher Weise verfügbar bzw. erschwinglich wären.[22]Der Zugang zu Informationen, Wissen und somit schlicht zu umfassender Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist nur ein Beispiel für diese Ersatzleistung von Netzwerken zu den Primärstrukturen des vorherrschenden Gesellschaftssystems. Mit dem Vormarsch der elektronischen Technologien sind Wissen und Informationen zu "Produktivkräften" geworden, die in einer "kumulativen Rückkopplungsspirale" neue Wissensformen hervorbringen – Wissen als eine Ressource, die sich vermehrt – gerade weil sie geteilt wird.[23]Informationen bilden den Rohstoff vernetzter Handelsprozesse, in denen der Mehrwert vor allem über den Austausch von Daten, Kenntnissen und professionellem Know-how produziert wird. Der gegenwärtige "informationelle Kapitalismus" ist nicht an staatliche Grenzen und regionale Märkte gebunden, seine Akteure sind multinationale Unternehmen, Finanzdienstleister und Firmennetzwerke, die jenseits der politischen Einflussnahme ihre weltumspannenden Geschäfte tätigen.[24]Zu beobachten war also auch eine Modernisierung der Logik des Kapitalismustyps von einem markt-orientierten hin zu einem netzwerk-orientierten. Die Krux liegt eben in der Logik des Systems: „der Markt“ dreht sich um Effektivität und kurzfristige Gewinnmaximierung, doch „das Netzwerk“[25]ist um Kontinuität, Gegenseitigkeit und ein Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen bemüht. Folglich scheint einzig das Netzwerk, in einer Zeit in welcher die Ressourcen immer knapper werden und Innovationen sich scheinbar auf Faceliftings beschränken, noch langfristige zukunftsorientierte Partnerschaften zu versprechen. Netzwerkstrukturen wird, z.B. in Wissenschaft und Wirtschaft, ein größeres Innovationspotential zugeschrieben, weil sie in der Lage sind, Unstrukturiertes zu strukturieren und dennoch Flexibilität ermöglichen. Es entsteht eine Verschiebung der Macht von einer einzelnen zentralen Konzentration hin zu den Knotenpunkten[26], an denen soziale Strömungen kontrolliert werden. In- und Exklusionen von Netzwerken sind dabei entscheidend für die soziale Lage von Individuen; und durch Fortschritt, Infrastruktur, Medien, Kommunikation, gesellschaftliche Bewusstseinsveränderung etc. bietet die Moderne auch eine ganz neue Form der Vergesellschaftung.[27]

Doch Zukunft gestalten heißt proaktive Mitbestimmung aller Akteure. Exemplarisch sei hier auf die Theorie des Transnationalismus verwiesen. James Rosenau (1990) sowie Karl Deutsch (1957) setzen auf transnationale Netzwerke unterhalb der Ebene der Regierungen und kehren sich dabei radikal vom staatszentristischen Modell des Realismus und des Institutionalismus ab.[28]An die Stelle einheitlich handelnder Staaten tritt eine Vielfalt öffentlicher, privater und zivilgesellschaftlicher Akteure. Für die internationale Politik ist diese Vielfalt von Akteuren relevant, weil die Staaten nicht nur untereinander abhängig sind, sondern zunehmend auch mit nicht-staatlichen Akteuren kooperieren müssen, um ihre Ziele effektiv zu verfolgen. Transnationale Netzwerke entfalten zahlreiche friedens- und kooperationsfördernde Wirkungen, denn es gilt: „Je dichter die transnationalen Netzwerke sind, desto größer sind die Chancen grenzüberschreitender Responsivität und der Bildung zwischengesellschaftlichen Vertrauens.“[29]Folglich eröffnet sich die Frage, ob eine globale Gesellschaftsordnung (insbesondere in Form eines kosmopolitisch-sozialen Netzwerkes) überhaupt noch Nationalstaaten im herkömmlichen Sinne benötigt? Aus Sicht des kosmopolitischen Denkens bedarf es eines Staates nur noch zur Grundbedürfnissicherung der Bevölkerung. Denn durch die Sicherung des Existenzminimums[30]als Keimpflanze und somit einer Homogenisierung der Gesellschaften, folgt dieVernunftfür globale (umfassende) Kooperation von ganz alleine. So appelliert Alain Badiou für einen Entwurf einer neuen egalitären symbolischen Ordnung, „die eine pazifizierte subjektive Grundlage dafür schaffen kann, dass Ressourcen kollektiviert, Ungleichheiten tatsächlich abgebaut und Differenzen bei subjektiver Gleichheit vor dem Recht anerkannt werden, ja, dass am Ende sogar die separaten Staaten absterben.“[31]Oder wie Beck es prognostiziert: „Nicht nationale Souveränität ermöglicht Kooperation, sondern transnationale Kooperation ermöglicht nationale Souveränität.“[32]Zukünftig könnten also Netzwerke, statt Hierarchien, zur Lösung von Problemen politischer Steuerung dienen. Gegenwärtig noch eine äußerst voraussetzungsstarke Idee, deren Umsetzung erst durch staatliche Maßnahmen initiiert werden muss.

Adam Smith’ Loblied auf die Arbeitsteilung ist wohlbekannt, ignoriert wird hingegen seine Verurteilung ihrer inhumanen Auswirkungen. Arbeitsteilung, die Spezialisierung des Einzelnen auf ein Fachgebiet ganz im Gegensatz zum vernetzten Denken, würde die Menschen “so stumpfsinnig und einfältig” machen, “wie ein menschliches Wesen nur eben sein kann”.[33]Und auch Richard Buckminster Fuller (1973) kritisiert in seinerBedienungsanleitung für das Raumschiff Erdedie Spezialisierung als Tod jeder Art. So mahnt Smith, dass diese negativen Auswirkungen “in jeder entwickelten und zivilisierten Gesellschaft” durch Regierungs-maßnahmen verhindert werden müssen, die die zerstörerische Macht der “unsichtbaren Hand” überwinden sollen.[34]Es bedarf also ultimativer Verhaltensregeln und entsprechender Konsequenzen bei Regelverstößen für die Netzwerkakteure. Voraussetzung für die Entwicklung eines kosmopolitisch-sozialen Netzwerkes ist die Ausbildung eines Bewusstseins der Akteure für die Bedeutung von Partnerschaft bzw. transnationalen Interdependenzen, für die zunehmende Komplexität der politischen Steuerung global-gesellschaftlicher Prozesse. Während öffentliche Akteure nach wie vor über die legitime Autorität verfügen, verbindliche Regeln zu setzen und durchzusetzen, verfügen private Akteure über Eigentumsrechte und finanzielle Ressourcen und zivilgesellschaftliche Akteure, wie NGOs, über Informationen sowie fachliche und moralische Autorität. In vielen Bereichen internationaler Kooperation sind Staaten auf diese Ressourcen nicht-staatlicher Akteure angewiesen. Vor diesem Hintergrund ist die Bildung transnationaler Netzwerke, in denen die Ressourcen mehrerer Akteure zusammengebracht und getauscht werden, für die Zukunftsfähigkeit einer gerechten und friedlichen Weltgesellschaft richtig und wichtig. Noch nicht beantwortet bleibt in der Forschung die Frage, auf welche Weise in diesen transnationalen Netzwerken Identitäten nicht nur als autonome Akteure konstruiert, sondern auch in Beziehung zueinander gesetzt werden, so dass ein Netzwerk nicht nur als Ansammlung von Akteuren, sondern als sinnhafte Verknüpfung dieser Akteure miteinander entsteht.[35]Nichtsdestoweniger gelten globale Politiknetzwerke bereits als Hoffnungsträger einer wirksameren Global Governance, wobei staatliche, privatwirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Akteure zur Lösung eng umrissener grenzüberschreitender Probleme an einen Tisch gebracht werden und somit ein politisches Netzwerk der so genanntenPublic Private Partnerships[36]bilden. Befürworter globaler Politiknetzwerke erwarten von den neuen Partnerschaften eine Steigerung der Effektivität von Governance, aber auch der demokratischen Legitimation des Regierens jenseits des Nationalstaats.[37]Maßstab der internationalen Politik ist eine “Demokratie oder funktionierende Kooperation”[38]und eine “multipolare Weltordnung”[39]. Transnationale oder auch globale Politiknetzwerke entstehen in der Regel unabhängig voneinander als mehr oder weniger spontane Reaktion auf ein spezifisches Problem. Welche Erfolge könnten wohl erst erzielt werden, wenn eben diese kooperative Netzwerkbildung der unterschiedlichen Akteure auf allen gesellschaftlichen und globalen Ebenen zur politischen Steuerung ein fester Bestandteil der Agenda wäre und somit gefordert und gefördert wird? Möglicherweise ein erster Schritt zu einer kosmopolitischen deliberativen Demokratie[40]?

In einer globalen netzwerkartigen Weltordnung könnte die Grundbedürfnis-Sicherung durch ein übergeordnetes Sekretariat organisiert werden - globale Steuern, Geldflussverwaltung generell, die Vernetzung von Organisationen und Wahrung der gemeinsamen Vision würden zentralisiert, um dezentral individuelle Entfaltung zu sichern. So kann, im Sinne Peter Senges et al., Staat bzw. Gesellschaft als “lernende Organisation”[41]verstanden und gelebt werden; oder auch eine organisierte Interessengruppe als Abbild einer Gesellschaft betrachtet werden, welche Teil eines regionalen bzw. globalen Netzwerkes ist, in welchem diese wirkt, wächst und das Netzwerk bereichert. So konstatiert Klaus Dingwerth, dass die von globalen Politiknetzwerken ausgehandelten Regeln in der Praxis durchaus Bedeutung erlangen können. Die Netzwerke entstehen entweder aufgrund einer gesamtgesellschaftlichen Nachfrage nach einer Regulierung oder weil einzelne Akteure an einer Regelsetzung interessiert sind und andere von deren Notwendigkeit überzeugen.[42]“Je größer also die Übereinstimmung der Ideen von internationalen Akteuren und je stärker damit Gemeinschaft zwischen ihnen ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von Frieden und internationaler Kooperation.”[43]Gegenwärtig können globale Politiknetzwerke jedoch nicht als Allheilmittel für die Probleme der Weltpolitik eingestuft werden. Globale Politiknetzwerke können wichtige Themen von übergreifendem Interesse auf die weltpolitische Tagesordnung setzen, die ohne das Netzwerk ein Schattendasein fristen würden; andererseits gelingt es manchen Netzwerken auch, Themen zu platzieren, die ausschließlich die Interessen der Netzwerkteilnehmer selbst wiederspiegeln.[44]Das Potential ist aber eindeutig darin zu verorten, dass globale Politiknetzwerke Regeln auf den Weg bringen können, wo dies einzelnen Staaten oder der Staatengemeinschaft nicht gelingt. Nicht zu vernachlässigen ist jedoch auch die Kritik an politischen Netzwerken, so stellen diese eher ein Regieren in Clubs dar, eine Elitenbildung, welche legitimiertes staatliches Handeln zu übergehen sucht – sogenanntesClubgouvernance: hegemoniale Stabilität, jedoch ohne jegliche demokratische Legitimität. Globale soziale Netzwerke, wie sie in Form von Netzgemeinschaften durch die Verwendung von Sozialer Software entstehen, sind hinsichtlich ihrer soziologischen, kulturellen und politischen Folgen noch nicht hinreichend erforscht, während es zu den ökonomischen und nutzungsspezifischen Aspekten bereits eine Reihe von Studien gibt. Für die Friedensforschung wäre zum Beispiel wichtig, ob solche globalen sozialen Netzwerke eher dazu führen, neue Feindbilder (z. B. gegenüber Minderheiten) entstehen zu lassen, oder ob sie eher dem Frieden dienen, da interessengeleitete, vorgeschobene Begründungen der Machthabenden für Feindseligkeiten durch den weltweiten Austausch von Informationen rasch entlarvt und entkräftet werden können. In jedem Fall gehen globale soziale Netzwerke mit einer bislang nicht gekannten Eigendynamik der Meinungsbildung der Weltöffentlichkeit einher. Zu überprüfen wäre dann in der Forschung, inwieweit sich durch globale Diffusionsprozesse Werteauffassungen annähern oder eventuell sogar Abwehrreaktionen hervorrufen.

Was die Zukunft betrifft, ist Castells verhalten optimistisch. Sie lasse sich nur durch eine "kulturelle Politik" bewältigen, die sich offenen Auges mit den Verflechtungen, Konflikten und Ideologien auseinander setzt, die der Moloch der Netzwerkgesellschaften in ruheloser Eigendynamik gebiert.[45]Aktuell konstatiert der Psychoanalyst Dr. Hans-Joachim Maaz (2016) in seinem Buch: “Das falsche Leben” dazu den Bedarf einer innerseelischen Demokratisierung jedes Einzelnen um eine politische Haltung auszubilden, die den Abbau von Ungleichheiten unserer Zeit erst ermöglicht.[46]Voraussetzung dafür ist jedoch, dass wir unser traditionelles Beziehungsschema, welches von Machgefällen geprägt ist, überwinden - hoffnungsvoll verweist Vivian Dittmar (2016) darauf:Beziehungen kann man lernenund gibt eine Anleitung dazu, wie wir uns selbst retten und somit Vorbild sein können für kommende Generationen.[47]Ferner erfordert eine zukunftsorientierte und kosmopolitische Politik, gesellschaftliche Trends bewusst wahrzunehmen und politisch zu gestalten, d.h. Netzwerke internationaler Organisationen statt staatlich begrenzter Systeme und somit die Förderung des Spillover-Effekts auf globale Sozialisationsprozesse zur kosmopolitischen Identitätsbildung. Die optimistische Schluss-folgerung hier klingt vertraut, denn wie so manch eine theoretische Erörterung zu global gerechten Gesellschaftsordnungen endet auch diese mit der Empfehlung: Die Mischung macht‘s! D.h., eine multipolare Weltordnung als ein kosmopolitisches Netzwerk des wahren Lebens. Alle Akteure, ob Individuen, Gruppen, Organisationen oder Gesellschaften entfalten sich über eine offene Kommunikation in einer globalen Kontaktstruktur zu neuartigen organisationsgestützten, sprich systemischen Zusammenschlüssen, welche Beziehungen auf Augenhöhe fördern. Die Weltgesellschaft als lernende Organisation, deren Funktionssysteme, vernetzt durch die Disziplin des Systemdenkens, durch den Input deliberativ-demokratischer Entschlüsse gesteuert werden, an denen alle Akteure die Möglichkeit der Mitbestimmung hatten – Utopie vielleicht, doch hoffentlich ein Impuls für einen lebendigen Dialog!

Literaturverzeichnis

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Weber, Max (1922):Wirtschaft und Gesellschaft. Tübingen: Mohr.

[...]


[1]Tacke 2011, S. 8.

[2]Badiou 2016, S. 80.

[3]Vgl. Castells 2001, S. 76f.

[4]Vgl. Castells 2001, S. 34.

[5]Badiou 2016, S. 47.

[6]Vgl. Castells 2001, S. 375ff.

[7]„Der Ausgang aus der hierarchischen Welt der Tradition hat kein nichthierarchisches symbolisches System hervorgebracht, sondern nur einen gewaltsamen, realen ökonomischen Zwang, dessen Kalkühl und Regeln nach den Vorlieben einer winzigen Anzahl von Menschen gestaltet sind. Daraus resultiert eine historische Krise der symbolischen Ordnung. Die Orientierungslosigkeit, an der die Jugend von heute leidet, ist ihr Symptom.“ (Badiou 2016, S. 42).

[8]Vgl. Chomsky 2000, S. 21f.

[9]Chomsky 2000, S. 25.

[10]„Im Spannungsfeld zwischen Staaten und multinationalen Institutionen, globalisierter Wirtschaft und Finanzwelt, Medien und Zivilgesellschaft plädiert Global Governance für eine neue, kooperative Form der Problembearbeitung: Für Global Governance sind dialogische und kooperative Prozesse zentral, die über die verschiedenen Handlungsebenen subsidiär entlang der Achse lokal-global hinweg reichen sowie Akteure aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenführen und vernetzen. Global Governance setzt damit also auf das konstruktive Zusammenwirken von staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren in dynamischen Prozessen interaktiver Entscheidungsfindung von der lokalen bis zur globalen Ebene.“ (Enquete-Kommission 2002: 450, zitiert in Neyer 2013, S. 238).

[11]Vgl. Badiou 2016, S. 48ff.

[12]Vgl. Badiou 2016, S. 51: „Subjekte wie ihr [die Jugend von heute] verwirklichen sich in der Konstruktion eines soliden Hauses niemals ganz.“

[13]Titelthema „Hatte Marx doch recht?“, DIE ZEIT N° 5 vom 26.01.2017.

[14]Vgl. Badiou 2016, S. 41.

[15]Vgl. Badiou 2016, S. 35.

[16]Vgl. Badiou 2016, S. 38.

[17]Vgl. Neyer 2012, S. 26f.

[18]„Je umfangreicher und dichter die Netze erfüllen sie vor allem eine soziale Funktion, wie bei der Bildung und gesamtgesellschaftlichen Umverteilung von sogenanntem sozialem Kapital – die Netzwerke werden instrumentalisiert, insbesondere für die Förderung des beruflichen Vorankommens durchNetworking.(Schimmelfennig 2012, S. 144)

[19]Vgl. zum vernetzten Denken unteranderem Frederik Vester (1999) und Peter M. Senge et al. (1998); Vgl. zur Theorie der Gesellschaft als lernende Organisation Dörte Jacobi (2015):Gemeinwohlorientiertes und solidarisches Wirtschaften für eine prosperierende Zivilgesellschaft – Grenzen und Potenziale der gemeinnützigen GmbH

[20]Tacke 2011, S. 18 und weitergedacht unteranderem mit Georg Simmel (2006): Systeme stets in Wechselwirkung zu ihren Umwelten, Fremdbestimmung, Rückkopplungen mit Verzögerung und blinden Flecken; verschiedene Systeme mit unterschiedlichen Regeln/ Abhängigkeiten sind die Ursache für die steigende Komplexität unserer Vergesellschaftung.

[21]Beck, 2007, S. 411.

[22]Vgl. Tacke 2011,S. 13f.

[23]Vgl. Castells 2001, 229ff.

[24]Buhr/Schmid 2012, S. 241.

[25]“Netzwerk – Bezeichnung für ein Geflecht sozialer, wirtschaftlicher und oder politischer Beziehungen, das mehr oder weniger auf Kontinuität angelegt ist und auf Freiwilligkeit und Gegenseitigkeit beruht. Netzwerk ist somit ein politisch-soziologischer Begriff, der (neben den freien, i.d.R. anonymen Marktbeziehungen und den hierarchischen, auf Über- und Unterordnung beruhenden Beziehungen) auf eine dritte Kategorie von Beziehungen verweist: Personen und Organisationen unterhalten oder streben Beziehungen zu anderen Personen oder Organisationen an, mit dem Ziel der Kooperation, der Unterstützung, des Austausches etc.” (Schubert 2002)

[26]“Netzwerke als Sinnstrukturen entstehen aus der Logik des Kommunikationsprozesses, indem Kommunikation als Handeln auf personale Identitäten zugerechnet wird. Auf diese Weise werden Akteure als relativ stabile Einheiten mit Dispositionen zu bestimmten Handlungen konstruiert. Damit kristallisieren sich in der Kommunikation Erwartungen über das aufeinander bezogene Verhalten von Akteuren in relationalen Narrativen (›stories‹). Soziale Beziehungen lassen sich darauf aufbauend als soziale Systeme fassen, die mehrere Interaktionsepisoden überspannen und strukturieren, und in denen Kommunikation vor allem an der Mitteilungskomponente in vorangegangener Kommunikation ansetzt. Soziale Netzwerke bilden damit die Verknüpfung von kommunikativ konstruierten Akteuren in relationalen Stories bzw. dyadischen Sozialsystemen. Sie sind als Sinnstrukturen selbst Produkte des Kommunikationsprozesses und stabilisieren und verändern sich in diesem.” (Fuchse 2009, S. 1)

[27]Vgl. Max Weber (1922) und Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1806/07).

[28]Vgl. Schimmelfennig 2012, S. 144.

[29]Ebd.: Responsivität versteht sich hier als Wahrung der Bürgerinteressen durch poltische Amtsträger.

[30]Ziele sozialer Sicherung sind zuallererst Schutz und Abfederung von Risiken, welche die menschliche Grundbedürfnisbefriedigung beeinträchtigen, um weiter Handlungsermächtigung des Individuums bzw. der Haushalte zu sichern.

[31]Badiou 2016, S. 44/46.

[32]Beck 2007, S. 411f.

[33]Adam Smith (1776) zitiert in Chomsky 2000, S. 50.

[34]Ebd.

[35]vgl. Fuhs 2009.

[36]Funktionen: Internationale Regierungsorganisationen befinden sich spätestens seit Beginn der 1990er Jahre auf der Suche nach einer angemessenen Rolle in der Weltpolitik. Unter dem Druck rückläufiger oder unsicherer Zahlungen durch ihre Mitgliedsstaaten, anhaltender Kritik durch eine starke globalisierungskritische Bewegung, dem Verlangen von NGOs nach mehr direkter Partizipation und einer Reihe von Schwierigkeiten bei der Umsetzung entwicklungspolitischer Ziele in der Zusammenarbeit mit zentralstaatlichen Institutionen, bieten öffentlich-private Partnerschaften für internationale Organisationen einen möglichen Weg, ihre Rolle im internationalen politischen System neu zu definieren und zu stärken. (vgl. Buhr/Schmid 2012, S. 243f.).

[37]Vgl. Dingwerth 2004, S. 1.

[38]Müller 2008.

[39]Hoffmann-Plesch 2013.

[40]Deliberative Demokratie oder "Liquid Democracy" bezeichnet eine Mischform – ein fließender Übergang – zwischen indirekter und direkter Demokratie. Jeder Teilnehmer kann selbst entscheiden, wie weit er seine eigenen Interessen wahrnehmen will, oder wie weit er von Anderen vertreten werden möchte. Insbesondere kann der Delegat jederzeit sein dem Delegierten übertragenes Stimmrecht zurückfordern, und muss hierzu nicht bis zu einer neuen Wahlperiode warten. Es ergibt sich somit ein ständig im Fluss befindliches Netzwerk von Delegationen. (vgl. Die Piraten Partei. URL: https://wiki.piratenpartei.de/Liquid_Democracy.)

[41]Senge et al. 1998.

[42]vgl. Dingwerth 2004, S. 8.

[43]Schimmelfennig 2012, S. 147.

[44]Vgl. Dingwerth 2004, S. 10f.

[45]Vgl. Castells 2001, S. 527ff.

[46]Vgl. Maaz 2016.

[47]Vgl. Dittmar 2016.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das globale Gesellschaftssystem als kosmopolitisch-soziales Netzwerk
Untertitel
Gestaltung postnationaler Konstellationen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Politikwissenschaften)
Veranstaltung
Regieren in den Internationalen Beziehungen: Postnationale Demokratie
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V416785
ISBN (eBook)
9783668663428
ISBN (Buch)
9783668663435
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gesellschaftssystem, netzwerk, gestaltung, konstellationen
Arbeit zitieren
Dörte Jacobi (Autor), 2017, Das globale Gesellschaftssystem als kosmopolitisch-soziales Netzwerk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416785

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