Überbetriebliche Regelwerke der Unternehmensethik. Die Norm ISO 26000 und Change Management


Studienarbeit, 2018
20 Seiten, Note: 2.3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
2.1. Corporate Social Responsibility und Change Management
2.2. Merkmale und Struktur der ISO 26000
2.3. Kernthemen und Handlungsfelder der ISO 26000

3. Die praktische Umsetzung der ISO 26000
3.1 Ausgangslage und Problemdarstellung
3.2 Gestaltung des Prozesses und Implementierungsplanung
3.3 Durchführung

4. FAZIT UND AUSBLICK

Literaturverzeichnis

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1. Umsetzungsphasen bezogen auf ein Handlungsfeld..10

1. EINLEITUNG

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Aufgabe auseinander, eine Implementierung der Norm ISO 26000 unter Beachtung der Changemanagementansätze vorzunehmen. Die stän-dige Veränderung des Unternehmens wird zur Selbstverständlichkeit für den Umgang mit der Dynamik und der Komplexität der Umwelt[1]. Um die Chancen des digitalen Wandels für sich nutzen zu können, ist die strategische Ausrichtung von Unternehmen als existenzsichernd zu betrachten. Infolge der Globalisierung, Digitalisierung und Veränderung der gesellschaftlichen Prozesse stehen die Unternehmen vor der Herausforderung, ihre bestehende Strategie zu überdenken. Dabei muss der von der Gesellschaft geforderte zusätzliche Mehrwert generiert werden, der allen Stakeholdern gerecht wird. Die Wertschöpfung des Unternehmens soll neben dem unternehmerischen Mehrwert auch gesellschaftliche Werte entwickeln, die in einem nachhaltigen Geschäftsmodell verknüpft werden. Die Zukunftsfähigkeit dieses Modells realisiert sich in Innovationsprozessen; die Basis dafür bilden die CSR-Strategien. Die 2011 veröffentlichte ISO Norm 26000 stellt einen Leitfaden mit Handlungsempfehlungen für gesellschaftlich verantwortliche Organisationen dar, der Empfehlungscharakter hat, womit ihn jedes Unternehmen nach eigener Spezifik ausgestalten kann. Es stellt sich jedoch die Frage, inwieweit dieser von einem Unternehmen praktisch angewandt werden kann. Zwar liefert Bay[2] die Beschreibung des praktischen Ansatzes zur Implementierung der Norm anhand genereller Projektphasen und Gold[3] erarbeitet einen eigenen Umsetzungszyklus, aber keiner der Autoren betrachtet die Implementierung der Norm als Change Management Prozess. Diese Arbeit zeigt eine mögliche Realisierung basierend auf den CM-Phasen, auf die bisher nicht einge-gangen wurde. Nach Einleitung in Kapitel 1 werden in Kapitel 2 die Definition von CSR, die Merkmale und Struktur der ISO 26000, die Kernthemen und Handlungsfelder der Norm vorge-stellt, auf die sieben Kernthemen der Norm sowie den jeweils vorgeschlagenen Handlungs-empfehlungen eingegangen und kritische Punkte genannt. In Kapitel 3 wird die Umsetzung der ISO 26000 an einem beispielhaften Fall ausgearbeitet. Der Abschluss der Arbeit in Kapitel 4 fasst die Ergebnisse zusammen und liefert Vorschläge für weitere Forschung. Es ist anzumerken, dass es nicht möglich ist, eine grundsätzlich optimale und feste Lösung auszu-arbeiten, da das Vorgehen stark durch situative Besonderheiten und Auswahl der Branche beeinflusst wird. Dennoch wird angestrebt das Ergebnis anwendungstauglich zu präsentieren.

2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN

2.1. Corporate Social Responsibility und Change Management

Die Norm ISO 26000 liefert einen Rahmen für die gesellschaftliche Unternehmens-verantwortung und befasst sich mit dem Thema „Social Responsibility“. An diesem Punkt ist hinzuweisen, dass die Norm sich nicht nur an Unternehmen richtet, sondern an Organisatio-nen aller Art (Unternehmen, NGOs, Universitäten oder öffentliche Einrichtungen); aus diesem Grund wird in der Norm der breite Begriff SR und nicht CSR verwendet. Lin-Hi[4] betrachtet CSR als eine Leitidee, die unternehmensspezifisch unter Einbeziehung der grundlegenden Orientierungspunkte wie das Leitbild der Nachhaltigkeit sowie die Sustanainable Development Goals zu konkretisieren ist. Nach Bassen[5] stellt CSR ein dynamisches Konzept dar, welches einen gesellschaftlichen Diskurs um die moralische Verantwortung von Unternehmen für die ökologischen und sozialen Konsequenzen Ihrer Aktivitäten reflektiert. Die Europäische Kommision[6] bestimmt CSR als Verantwortung der Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft. In der Definition der EK[7] ist CSR ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmens-tätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren. Bay[8] sieht CSR als „über rechtliche Pflichten hinausgehende freiwillige Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung durch Unternehmen“. Dabei ist anzumerken, dass Loew et al.[9] in seiner Ausarbeitung eine deutliche Abweichung des Begriffs CSR im angloamerikanischen Raum von dem der EK ausführlich behandelt, worauf nicht näher eingegangen wird. In dieser Arbeit wird die Definition von EK als primär angesehen. Als gemeinsame Punkte aus den verschiedenen Definitionen lassen sich festhalten, dass es sich bei CMR um die Verantwortung von Unternehmen gegenüber Gesellschaft und Umwelt handelt; es eine freiwillige Option für die Unternehmenstätigkeit nach gesellschaftlichen Normen verantwortungsbewusst zu gestalten darstellt; als ein Teil der Unternehmensstrategie und somit als eine Management- und Führungsaufgabe anzusehen ist. Somit wird deutlich sichtbar, dass die Implementierung der Grund-sätze der ISO 26000 in Unternehmen als ein langfristiger Prozess mit Einbeziehung von vielen Stakeholdern auf strategischen und taktischen Ebenen[10] gestaltet werden muss. Die erfolgreiche Durchführung dieses Veränderungsprozesses muss als CM betrachtet werden. In der Definition von Wagner[11] ist unter CM ein Änderungsprozess zu verstehen, dessen Fokus auf einer langen und umfassenden Änderung beruht und im Sinne eines Programms durch zeitlich und inhaltlich gut abgestimmte Einzelprojekte zu organisieren ist. Lindinger[12] betrachtet es als die Summe aller bewussten Konzepte und Methoden zur Steuerung und Begleitung von Veränderungsprozessen in Organisationen. Somit ist festzuhalten, dass CM nicht nur die Erreichung eines konkretes Zieles verfolgt, sondern darüber hinaus auch die Implementierung einer spezifischen Art der Umsetzung darstellt, die die Hauptaufgabe des Unternehmens reflektiert, was auch die Implementierung einer ISO Norm 26000 ausmacht.

2.2. Merkmale und Struktur der ISO 26000

ISO 26000 ist ein international annerkanter Standard von Prinzipien und Handlungsfeldern, der einen Rahmen aus Empfehlungen ohne Festlegung auf Vorschriften liefert. Die ISO Norm ist nicht zertifizierbar, um ein funktionierendes CSR-Management vorzuweisen und ist eher als ein Leifaden zur gesellschaftlichen Verantwortung zu betrachten. Dazu stellt ISO 26000 einen Handlungsrahmen u.a. für die organisatorische Gestaltung, das Management der Kunden-beziehungen, Umweltverhältnisse und eine Liste der Best Practices bereit. Die korrekte Übernahme der Empfehlungen lässt sich auch von Experten nicht bestätigen. Die ISO 26000 ist in 7 Abschnitte aufgeteilt. In den ersten 3 Abschnitten wird der Anwendungsbereich beschrieben, Schlüsselbegriffe werden beleuchtet und erklärt, was unter einem gesellschaftlich verantwortlichem Handeln und gesellschaftlicher Verantwortung zu verstehen ist. In Abschnitt 4 werden die Grundsätze gesellschaftlicher Verantwortung offengelegt: Rechenschaftspflicht, Transparenz, ethisches Verhalten, Achtung der Interessen der Anspruchsgruppen, Achtung der Rechtsstaatlichkeit, Achtung internationaler Standards, Achtung der Menschenrechte. Abschnitt 5 geht auf die grundlegenden Ansätze (Prinzipien) zur Umsetzung gesellschaftlicher Verantwortung ein: Anerkennung der gesellschaftlichen Verantwortung und Identifizierung und Einbindung der Anspruchsgruppen. Abschnitt 6 beschäftigt sich mit den Kernthemen und Handlungsfeldern, Abschnitt 7 der Norm gibt Empfehlungen zur Integration gesellschaftlicher Verantwortung hinsichtlich der gesamten Organisation. Abschnitte 4 und 5 sind bereits handlungsbezogen, Abschnitte 6 und 7 liefern konkrete Handlungsempfehlungen, die für diese Arbeit relevant sind, weswegen auf sie im folgenden Unterkapitel detaillierter eingegangen wird. Abschließend stellt die Norm Literaturhinweise (verbindliche Instrumente und zusätzliche Orientierung) und einen Anhang (Beispiele freiwilliger Initiativen und Hilfsmittel für die gesellschftliche Verantwortung) bereit.

2.3. Kernthemen und Handlungsfelder der ISO 26000

Anlehnend an die 7 Grundprinzipien wurden die Kernthemen der gesellschaftlichen Verant-wortung entwickelt, die sich auf Menschenrechte, Arbeitsbedingungen, Umwelt, verant-wortungsvolle Handlungsweisen von Organisationen, Konsumentenfragen, regionale Einbindung und Entwicklung des Umfeldes beziehen. Die Kernthemen und Handlungsfelder sind in einzelne Bereiche aufgeteilt. Diese Kernthemen (KT) stehen zwar in Bezug zueinander, die Priorisierung und Reihenfolge wird aber der Organisation überlassen. Die Organisationsführung stellt das KT dar, denn nur, wenn der Rahmen für die gesellschaftliche Verantwortung in Führung und Steuerung der Organisation implementiert ist, ist die Organisation in der Lage andere Handlungsfelder umzusetzen. Die Prozesse und Strukturen werden angestoßen durch die Etablierung der Verfahren mit Bezug auf strategische Aufgaben wie Zielsetzung und Orientierung auf die Werte der gesellschaftlicher Verantwortung, Nutzung der Ressourcen in Bezug auf Nachhaltigkeit, Schaffen von Anreizsystemen zur Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verantwortung, Gestaltung einer Organisationskultur, die verantwortungsbewusstes Handeln erlaubt und unterstützt. Das KT Menschenrechte bezieht sich auf das Verhältnis zwischen der Organisation und Einzelpersonen. Die Menschenrechte müssen von jeder Organisation anerkannt, geachtet und geschützt werden. Die Rechte dürfen nicht verletzt werden, Verletzungen dürfen von einer Organisation nicht passiv oder aktiv unterstützt werden. Dazu stellt ISO 26000 acht Handlungsfelder vor. Das Handlungsfeld (HF)1 „Gebührende Sorgfalt“ weist die Organisationen auf ihre Verantwortung hin, bei ihren unternehmerischen Aktivitäten Menschenrechte nicht zu verletzen. Dabei ist anzumerken, dass die Verantwortung sich nicht nur auf die Organisation, sondern auch auf die Partner bezieht, mit denen diese Organisation Beziehungen pflegt. Der Organisation wird damit die Option gegeben, das Verhalten der anderen Partner zu beeinflussen. Das HF2 „Menschen-rechte in kritischen Situationen“ räumt der Achtung der Menschenrechte Vorrang bei allen komplexen Entscheidungen ein, z.B. durch Risikoanalyse des Umfelds und Aktivitäten einer Organisation. Das HF3 „Mittäterschaft vermeiden“ verlangt von Organisationen, direkte oder indirekte Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen auszuschliessen. Das HF4 „Missstände beseitigen“ fordert von Organisationen Etablierung transparenter Wege, Einführung eines Beschwerdemanagements und Unterstützung der Betroffenen, was auf bestehenden Rechts-wegen basieren soll. Das HF5 „Diskriminierung und schutzbedürfige Gruppen“ bezieht sich auf die Gleichbehandlung und die Sicherstellung der Chancengleichheit. HF6 „Bürgerliche und politische Rechte“ und HF7 „Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte) widmen sich dem Schutz der Invidualrechte und den Rechten des Menschens als Mitglied der Gesellschaft. Das HF8 „Grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit“ liefert arbeitsbezogene grund-legende Rechte, die beachtet werden müssen wie Abschaffung der Kinderarbeit, Beseitigung der Diskriminierung im Beruf, Abschaffung der Zwangsarbeit und Anerkennung des Rechts auf Kollektivverhandlungen. Das KT Arbeitspraktiken betrifft die gesellschaftliche Verant-wortung der Organisation bezüglich aller Arbeiten, die innerhalb oder im Auftrag von dieser Organisation geleistet werden. Das HF1 „Beschäftigung und Beschäftigungsverhälnisse“ behandelt die Einhaltung der gesellschaftlichen Vorschriften und rechtlichen Pflichten im Rahmen von Beschäftigungsverhältnissen. Das HF2 „Arbeitsbedingungen und Sozialschutz“ verdeutlicht die Aufgabe der Organisation die Fairness der Arbeitsbedingungen zu gewährleisten, inbesondere in Ländern, in denen Sozialschutz und genaue gesetzliche Regelungen fehlen. Das HF3 „Sozialer Dialog“ bezieht sich auf den Austausch zwischen Regierungen, Arbeitgebern und Arbeitnehmern und vertieft die Bedeutung der Mitbestimmung im Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis. Das HF4 „Gesundheit und Sicherheit am Arbeits-platz“ behandelt die Fragen des Schutzes der Arbeitnehmer vor gesundheitlichen Risiken am Arbeitsplatz und im beruflichem Umfeld. Das HF5 „Menschliche Entwicklung und Schulung am Arbeitsplatz“ fokussiert die Rechte der Arbeitnehmern auf diskriminierungsfreie Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung. Das dritte KT fokussiert Umwelt als natürliche Umgebung der Organisation, die einen wichtigen Aspekt der gesellschaftlichen Verantwortung darstellt. Das HF1 „Umweltbelastung“ führt verschiedene Aufgaben bezüglich der Minimierung von Umweltauswirkungen ins Feld. Das HF2 „Nachhaltige Nutzung von Ressourcen“ stellt die Effizienz in den Umgang mit Ressourcen in Vordergrund. Im HF3 „Abschwächung des Klimawandels und Anpassung“ handelt es sich um die Umsetzung der Maßnahmen zur Reduzierung von THG-Emissionen und zur Anpassung an den Klimawandel. Das HF4 „Umweltschutz, Artenvielfalt und Wiederherstellung natürlicher Lebensräume“ behandelt direkte und indirekte Auswirkungen auf die Biodiversität und Ökosysteme und fordert die Organisationen auf, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, falls derartige nachteilige Wirkungen identifiziert sind. Das KT Faire Betriebs- und Geschäftspraktiken widmet sich dem Aufbau legitimer Beziehungen zwischen der Organisation und Regierungs-behörden, Partnern, Lieferanten, Auftragsnehmern, Kunden und Mitbewerbern. Das HF1 „Korruptionsbekämpfung“ präzisiert verschiedene Formen der Korruption, die die Identifikation der Korruptionsrisiken einer Organisation erleichtern und zur Vorbeugung der Korruption durch geeignete Maßnahmen dienen. Im HF2 „Verantwortungsbewusste politische Mitwirkung“ empfiehlt ISO 26000 den politischen Einfluss durch transparente Unterstützung politischer Prozesse einzusetzen. Das HF3 „Fairer Wettbewerb“ weist die Organisation auf die Achtung und das Bewusstsein der Bedeutung des Wettbewerbsrechts hin. Das HF4 „Gesellschaftliche Verantwortung in der Wertschöpfungskette“ erläutert die Anforderungen für eine nachhaltige Entwicklung der Organisation in den Beziehungen zu den Partnern und Lieferanten durch Kaufentscheidungen und Nutzung des eigenen positiven Einflusses. Das HF5 „Eigentumsrechte achten“ widmet sich der Beachtung und Anerkennung materiellen und geistigen Eigentums. Das KT Konsumentenanliegen stellt die Verantwortung der Organisation gegenüber dem Konsumenten in Mittelpunkt. Die gesellschaftliche Verantwortung in Bezug auf Konsumentenanliegen beruft sich auf faire Werbung und Vertrieb, Datenschutz, Schutz von Gesundheit und Sicherheit, Beachtung benachteiligter Konsumenten (z.B. mit Leseschwäche). Das HF1 „Faire Werbe-, Vertriebs- und Vertragspraktiken sowie sachliche und unverfälschte, nicht irreführende Informationen“ behandelt die Wahrhaftigkeit und Korrektheit der Informationen, Zugänglichkeit von den Informationen und Sicherstellung der Nachprüfbarkeit von Angeboten. Das HF2 „Schutz von Gesundheit und Sicherheit der Konsumenten“ bezieht sich auf Bewahrung von Sicherheitsvorschriften, Risikominimierung und Schadensverringerung bei der Bereitstellung von Produkten und Dienstleistungen. Das HF3 „Nachhaltiger Konsum“ betont die Wichtigkeit des Beitrags zum nachhaltigen Konsum durch Förderung von nachhaltigen Produkten (Beachtung der Lebenszyklen, Berücksichtigung nachhaltiger Wertschöpfungsketten) und Lieferung der Informationen an Konsumenten über nachhaltige Produkteigenschaften. Das HF4 „Kundendienst, Beschwerdemanagement und Schlichtungsverfahren“ betont die Notwendigkeit von Aktivitäten und Maßnahmen, die die Kundenzufriedenheit steigen lassen (Produktqualität, Gebrauchsanweisungen, Ersatzansprüche). Das HF5 „Schutz und Vertraulichkeit von Kundendaten“ unterbreitet die Empfehlungen zum Schutz personenbezogenen Daten und Gewährleistung von Datensicherheit. Das HF6 „Sicherung der Grundversorgung“ behandelt die Bereiche der Absicherung der Grundversorgung, die durch den Staat nicht abgedeckt werden. Das HF7 „Verbraucherbildung und Sensibilisierung“ räumt den Verbrauchern das Recht zur Bewusstseinsbildung ein, das von Organisationen aktiv unterstützt werden muss. Das KT Einbindung und Entwicklung der Gemeinschaft sieht die Integration der Organisation in die Gemeinschaft vor. Das HF1 „Einbindung der Gemeinschaft“ vermittelt der Organisation die Bewusstheit sich aktiv mit den Bedürfnissen der Gemeinschaft auseinanderzusetzen und an lokalen Prozessen teilzunehmen. Das HF2 „Bildung und Kultur“ weist die Organisation auf die Aktivitäten zum Erhalt und Förderung der Kultur und Bildung hin. Das HF3 „Schaffen von Arbeitsplätzen und berufliche Qualifizierung“ räumt den Organisationen eine wichtige Rolle zur Bekämpfung der Armut und Qualifizierung der Beschäftigten vor Ort ein. Das HF4 „Technologien entwickeln und Zugang dazu ermöglichen“ konzentriert die Aufmerksamkeit von Organisationen auf die Aktivitäten, die den Zugang zu modernen Technologien und Verbreitung von Fachwissen in einer Gemeinschaft fördern. Das HF5 „Schaffung von Wohlstand und Einkommen“ sieht Aktivitäten vor, die zur Entwicklung der Gemeinschaft beitragen, wie z.B. Entwicklung lokaler Lieferanten und Unterstützung lokaler Anbieter. Das HF6 „Gesundheit“ weist den Organisationen Aufgaben in Bezug auf die Beseitigung negativer gesundheitlicher Auswirkungen und Unterstützung der Gesundheitsvorsorge zu. Das HF7 „Investition zugunsten des Gemeinwohls“ bezieht sich auf Ausbau von Kompetenzen und Berücksichtigung des Gemeinwohls durch Investitionen in Programme und Initiativen.

3. Die praktische Umsetzung der ISO 26000

3.1 Ausgangslage und Problemdarstellung

Folgende Daten werden für diese Arbeit angesetzt: in einem Unternehmen sollen die CSR-Ansätze der ISO Norm 26000 verankert werden. Dabei stellt sich die Frage inwieweit das Konzept der gesellschaftlichen Verantwortung in der Praxis angewandt werden kann. Die praktische Umsetzung wird bereits von einigen Autoren[13] prozessphasenbezogen gestaltet, allerdings wurde nicht in Betracht gezogen, dass es sich um eine erhebliche Anpassung bzw. Veränderung der Struktur handelt, die durch das CM abgedeckt werden könnte. Aus dieser Ansicht wird folgendes Ziel abgeleitet: Anhand eines beispielhaften Falls sollen die CM-Prozessphasen die praktische Anwendbarkeit der CSR-Massnahmen der ISO Norm 26000 unterstützen. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind von Bedeutung, da die erfolgreiche Imple-mentierung der relevanten CSR-Handlungsfelder eine direkte Auswirkung auf die zukünftige Entwicklung des Unternehmens hat. Diese Ausarbeitung soll zu einem Lernzyklus mit laufender Verbesserung der Implementierungsmethoden führen, Änderungen am Ablauf selbst oder am verwendeten Instrumentarium sind denkbar.

3.2 Gestaltung des Prozesses und Implementierungsplanung

Ziel der Implementierung der Ansätze der ISO 26000 Norm ist das Bewusstsein in der Organisation zu schaffen, dass ihre Entscheidungen und Aktivitäten ebenfalls auf die Umwelt und die Gesellschaft reflektieren. Im Fallbeispiel ist dies bezogen auf Handlungsfeld 5 (KT3), welches allerdings nicht separat betrachtet werden kann, sondern mit anderen Feldern (wie z.B. KT2:HF2,7,8; KT7:HF2) eng in Verbindung steht. Am Anfang ist die gesellschaftliche Verantwortung im Unternehmen durch eine strategische Ausrichtungsweisung zu verankern. Das Führungsteam für den Changeprozess wurde gegründet, der besteht aus CEO, Abteilungsleitern und CSR-Verantwortlichen. Darauf aufbauend soll der Umsetzungsprozess realisiert werden. Die Phasen nach Bay[14], Gold[15], Lotter[16] und Kleinfeld[17] werden nicht als Grund-lage genommen, denn das Vorhaben wird als Veränderungsprozess angesehen, der von CM-Phasen abgedeckt wird. Generell gliedert Lindinger[18] CM in 4 Stufen: Information, Dialog, Training, Mitgestaltung. Für ein projektbezogenes Modell werden 5 Phasen definiert: Ideenphase, Konzeptphase, Umsetzungsphase, Betriebs- bzw. Evaluationsphase, Nachhaltigkeitsphase[19]. Beide Aufteilungen sind für diese Arbeit ausschlaggebend, im Fallbeispiel wird detaillierter auf sie eingegangen. Erfolgsentscheidend für die Erreichung des Wandlungsziels ist die umfassende Organisation der Abläufe und der Handlungsanweisungen. Sie ist in ISO Norm 26000 im übergreifenden Kernthema „Organisationsführung“ verdeutlicht. Das Managementsystem ist geprüft, den Wandel hindernde Strukturen sind identifiziert, die horizontale Struktur ausgebaut, die Abläufe angepasst. Als Ergebnis ist die Basis für die konsequente Erweiterung um Sozial- und Nachhaltigkeitsaspekte der ISO 26000 aufgebaut. Die Norm ist strukturell in 7 Kernthemen und 36 Handlungsfelder unterteilt. Nach Kleinfeld et al.[20] sind die aktuellen Aktivitäten des Unternehmens katalogisiert, die relevanten HF, die aufgebaut werden müssen, sind auf Basis der betroffenen Stakeholder ermittelt. Die bereits bei der Ist-Analyse ermittelten Merkmale der vorhandenen Inhalte der ISO 26000 sind protokolliert und der Liste hinzugefügt. Zur Priorisierung der Aufgabenfelder wird die Matrix für die strategische CSR-Ausrichtung nach Lotter[21] angewandt. Auf eine alternativ mögliche Anwendung einer Chance-Risiko-Analyse oder die Entwicklung eines eigenen Scoring-Modells wurde wegen des Ressourcenaufwands verzichtet. Dabei stellte sich heraus, dass u.a. KT3: HF5 (in dieser Arbeit wird beispielhaft nur auf ein HF eingegangen) strategisch konsistent für die Zielsetzung ist. Auf Basis der priorisierten HF ist die CSR-Strategie definiert (s. Kapitel 3.3). Um die Zwischenziele festzulegen und Erfolgskriterien zu bestimmen, sind die Indikatoren[22] festgelegt. Mit dem Ziel die Veränderungen fest in der Unternehmenskultur zu verankern ist für das Erreichen der Zwischenziele ein Belohnungssystem implementiert; die Erfolge werden nach Außen kommuniziert. Basierend auf den CM-Phasen von Lindinger[23], Aufgabenzusammenstellung für KT3: HF5 von Vitt et all.[24] und der von Gold[25] ermittelten Indikatoren zu den Handlungsfeldern der ISO Norm 26000 ist der Ablauf zusammengestellt (s.Tabelle 1).

[...]


[1] Grannemann et al. (2016), S.10

[2] Bay (2010), S.155

[3] Gold (2014), S.26

[4] Vgl. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/corporate-social-responsibility.html, Abruf von 11.03.2018

[5] Bassen et al. (2005), S.235

[6] Vgl. http://ec.europa.eu/growth/industry/corporate-social-responsibility_de, Abruf von 11.03.2018, Übersetzung durch den Autor

[7] Europäische Kommission (2011), S.366

[8] Bay (2010), S.3

[9] Vgl. Loew et al. (2013)

[10] Vgl. Merlin (2012), S.2739

[11] Vgl. Wagner et al. (2015), S.342

[12] Vgl. Lindinger et al. (2004), S.27

[13] Bay (2010), S.155; Gold (2014), S.26; Kleinfeld et al. (2014), S.27

[14] Bay (2010), S.155

[15] Gold (2014), S.26

[16] Lotter et al.(2010), S.46

[17] Kleinfeld et al. (2014), S.27

[18] Vgl. Lindinger et al. (2004), S.44

[19] Vgl. Lindinger et al. (2004), S.46

[20] Kleinfeld et al. (2014), S.48

[21] Lotter et al. (2010), S.60

[22] Gold (2014), S.93-198

[23] Vgl. Lindinger et al. (2004), S.44-46

[24] Vgl. Vitt et al. (2011), S. 67

[25] Vgl. Gold (2014), S.97 ff

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Überbetriebliche Regelwerke der Unternehmensethik. Die Norm ISO 26000 und Change Management
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
2.3
Autor
Jahr
2018
Seiten
20
Katalognummer
V416802
ISBN (eBook)
9783668664128
ISBN (Buch)
9783668664135
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ISO 26000, Wertemanagement, Unternehmensethik, Social Responsibility, Corporate Social Responsibility, Compliance
Arbeit zitieren
Larissa Petersen (Autor), 2018, Überbetriebliche Regelwerke der Unternehmensethik. Die Norm ISO 26000 und Change Management, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416802

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