Nahtoderfahrungen. Inwieweit sind sie gesellschaftlich akzeptiert?


Hausarbeit, 2015

17 Seiten, Note: 2,0

Rebecca K. (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Soziologie des Todes

Definition Nahtoderfahrung

Verlauf einer NTE und häufige Elemente

Folgen einer NTE

Schluss

Einleitung

Nahtoderfahrung ist ein Thema mit dem sich noch nicht viele beschäftigt haben. Außerdem handelt es sich hierbei um ein sehr strittiges Thema, da es für die Wissenschaft schwierig ist Nahtoderlebnisse als reale Tatsache anzusehen.

Kann man in ihnen wirklich eine Art Jenseits erkennen? Und gibt es ein Leben nach dem Tod? Auf diese und viele weitere Fragen gibt es keine klare Antwort.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich hauptsächlich mit den Folgen einer Nahtoderfahrung (NTE), wie Betroffene damit umgehen und inwieweit solche Erlebnisse gesellschaftlich akzeptiert sind.

Reagiert das Umfeld positiv oder eher negativ? Wird den Betroffenen Glauben geschenkt oder werden sie für verrückt gehalten? Auf diese Fragen versucht diese Hausarbeit zu antworten. Dabei wird als Einführung zuerst eine soziologische Definition des Todes gegeben um sich in das Thema Nahtod einzufinden.

Danach gibt diese Arbeit eine Definition von Nahtoderfahrungen wieder und geht dabei speziell auf das Standardmodell des Forschers Moody ein. Auch thematisiert werden die häufig wiederkehrenden Elemente einer NTE und wie Betroffene diese wahrnehmen. Die vorliegende Hausarbeit geht ebenfalls der Frage auf den Grund, ob alle NTEs gleich ablaufen und ob es kulturelle Unterschiede im Ablauf gibt.

Im nachfolgenden Teil wird detailliert auf die Folgen einer NTE und die Wirkung der Reaktion von Bekannten oder Freunden. Im Schlussteil werden die Hauptinformationen zusammengefasst und die Frage geklärt, inwieweit NTEs gesellschaftlich akzeptiert sind.

Soziologie des Todes

Wie befasst sich die Soziologie mit dem Thema Tod? Hierzu kann man Fuchs-Heinritz Ausgangsthese betrachten:

„Die Soziologie hat sich bis heute außerordentlich schwer getan, den Tod als Gegenstand zu betrachten“.[1]

Bei dem Versuch dabei wurde höchstens dazu beigetragen die medizinische Verfügung über den Tod zu unterstützen, jedoch nicht Tod und Sterben anwendungsorientiert zu thematisieren.

Anfänge einer soziologischen Thematisierung des Todes finden sich bei Comte, Durkheim und Simmel.

Comte beispielsweise spricht von einer Kooperation der Generation, die geschichtliche Entwicklung der Menschheit ergibt sich nach Comte durch die Kooperation der Generationen, indem sich jede Generation die nächste erzieht. Trotz des individuellen Todes wird durch diese Generationenfolge die Geschichte der Menschheit möglich. Die Duldung des Selbstmordes ist nach Comte verwerflich, da Menschen nicht das Recht haben dürfen sich dem sozialen Leben zu entziehen. Eine Gesellschaft die den Selbstmord duldet verliert ihr Kontroll- und Steuerungspotential.[2] Humanité besteht bei Comte nicht aus der Gesamtheit der gegenwärtig lebenden Menschen, sondern aus der Gesamtheit der Toten. „Die Toten regieren die Lebenden“.[3]

Emil Durkheim verfasste die erste empirische soziologische Studie zum Thema Selbstmord. Er erforschte die Selbstmordrate in einer Region, Nation und Gruppe. Ebenfalls unterschied er nach Geschlecht und Konfession. Durkheim fasst die Selbstmordrate als Eigenschaft der Untersuchungsgruppe im Sinne einer fördernden oder hindernden Disposition auf.

Laut Georg Simmel sind wir in jedem Moment unseres Lebens Sterbende[4] und der Tod formt unser ganzes Leben. Das Bewusstsein der Endlichkeit prägt unser Denken und Handeln und somit unsere Persönlichkeit. Das Todesproblem tritt nur in Kulturen auf in denen es eine entwickelte Identität gibt.[5]

Parsons hingegen befasste sich mit dem Zustand der Krankheit im Vergleich zum Zustand des Sterbens. Laut Parsons heißt Kranksein in der modernen Gesellschaft, dass die Ausübung der sozialen Rolle nicht mehr gewährleistet ist. Die Aufgabe des Arztes ist es nun diese Rollenkompetenz wieder herzustellen. Bei Sterbenden kann diese Rolle nicht mehr hergestellt werden, aber Sterbende werde wie Kranke behandelt und therapiert, auch wenn die Lebensverlängerung keinen Sinn mehr macht.[6]

Definition Nahtoderfahrung

In allen Kulturbereichen sind Nahtoderfahrungen vorzufinden, besonders jedoch in der christlich theologischen Tradition sind zahlreiche überliefert. Diese können als historische Vorläufer moderner Sterbeerlebnisse gesehen werden.[7] Phänomene wie diese sind aber nicht auf die Neuzeit oder den abendländischen Kulturkreis beschränkt. Man findet bereits in den schriftlich überlieferten Zeugnissen antiker Hochkulturen das Motiv der Reise in das Totenreich.

Obwohl es schon früher einzelne Arbeiten zum Thema Nahtod gab, erwuchs das wissenschaftliche Interesse an diesen Erfahrungen erst wieder in den 60er und 70er Jahren. Anstoß dazu war Moodys Buch „life after life“.[8]

Nahtoderfahrungen sind Situationen in denen Menschen selbst erfahren wie es nach dem Tod weitergeht. Viele behaupten sie hätten eine Art Grenze überschritten und gesehen was jenseits des menschlichen Daseins liegt[9]. Nahtoderfahrungen sind häufig mit Qualen verbunden, welche die Betroffenen erleiden, da sie teils sehr lange zwischen Leben und Tod schweben oder sogar klinisch tot sind.[10]

Nach dem Kardiologen Pim van Lommel umfasst eine NTE (Nahtoderfahrung) alle aus der Erinnerung geschilderten Eindrücke während eines ungewöhnlichen Bewusstseinszustandes. Meist verbunden Elementen wie der Erfahrung eines Tunnels, Lichts, Lebenspanoramas, Begegnung mit Verstorbenen oder der Wahrnehmung der eigenen Reanimation.[11]

Viele sprechen von einem unbeschreiblichen Glücksgefühl, andere jedoch auch von beklemmender Angst. Jeder beschreibt sein Erlebnis anders, auch wenn es parallelen wir wiederkehrende Elemente gibt. Da ein Bezugsrahmen fehlt, ist das Vokabular mit dem eine solche Erfahrung beschrieben wird, durch individuelle, kulturelle und religiöse Faktoren geprägt[12]. Ein Kind wird seine NTE also anders beschreiben als ein Erwachsener und beispielsweise ein Christ anders als ein Buddhist oder Atheist.

Des Weiteren findet eine Nahtoderfahrung im inneren Erfahrungsbereich statt[13] und sind somit nur für die erfahrbar, die sie durchmachen. Sie ähneln stark dem als Vision bezeichnetem Phänomen aus dem religiösen Bereich.

Nicht zu verwechseln sind NTEs jedoch mit beispielsweise Sterbebettvisionen, Ahnungen wenn ein geliebter Mensch stirbt oder okkulten Geschehnissen, wie z.B. dass die Uhr plötzlich still steht oder Dinge umfallen. Denn Nahtoderfahrungen passieren Menschen und nicht Dingen[14].

Der NTE-Forscher Bruce Greyson beschreibt ein solches Phänomen so:

„Nahtoderfahrungen sind tief gehende psychische Ereignisse mit transzendenten und mystischen Elementen, die vor allem bei Menschen auftreten, die dem Tode nahe sind oder sich in einer Situation ernster körperlicher oder emotionaler Gefährdung befinden“[15]

NTEs treten also meistens dann auf, wenn sich ein Mensch in Lebensgefahr befindet, schwer verletzt ist oder einfach fest überzeugt ist zu sterben. Auch ein Herzstillstand- die Person ist klinisch tot- kann eine NTE zur Folge haben. NTEs treten aber auch bei einem zugespitzten Zustand einer ernsthaften Krankheit auf, manchmal sogar ohne klare medizinische Ursache.

Verlauf einer NTE und häufige Elemente

Die meisten Menschen denen eine NTE wiederfahren ist, berichten davon, dass sie ihren Körper verlassen, über diesem schwebte und alle Geschehnisse von oben beobachtet haben. Diese Beobachtung geschah ohne Anteilnahme. Außerdem berichteten viele Betroffene dass sie eine neuen Körper gehabt hatten, welcher aus Nebel oder Licht bestand.

Von dieser neuen Position heraus konnten Betroffene teilweise genau sehen welche medizinischen Maßnahmen an ihrem alten Körper durchgeführt wurden, und konnten später genau davon berichten. Auch erwähnten einige, dass sie zwar gesprochen haben, beispielsweise den Arzt anschrien er solle mit den Reanimationsversuchen aufhören, jedoch nicht gehört wurden.

Hier zwei Beispiele aus der Schilderung einer NTE:

„Der Betroffene versuchte, dem Arzt mitzuteilen, dass es ihm gut gehe und er nicht möchte, dass dieser etwas unternimmt, um ihn ins Leben zurückzuholen. Aber seltsamerweise konnte er sich trotz größter Anstrengungen nicht verständlich machen“.[16]

„[…] und habe der Ärztin zugesehen, die versuchte, mir zu helfen. Ich habe dann immer gerufen, sie solle aufhören, es sei hier so wunderschön“.[17]

Sobald der Mensch seinen Körper verlassen hat, wird er von einem Licht magisch angezogen. Während die Betroffenen dann diesem Licht entgegen schwebten, waren sie meist von Gefühl von Freude, Geborgenheit und unendlicher Liebe erfüllt. Meist kamen sie dann zu einer Wiese mit wunderschönen Blumen und begleitet von einer traumhaften unbeschreiblich schönen Musik, welche mit nichts hier auf Erden zu vergleichen sei.[18] Die meisten Betroffenen wollen gar nicht mehr zurück, da sie sich unbeschreiblich geborgen und glücklich fühlen sobald sie von ihrem Körper getrennt sind. Die Rückkehr in den eigenen Körper beschreiben sie hingegen als schmerzvoll und unangenehm.

Viele berichten, dass sie, um weiterreisen zu können, einen Tunnel, ein Tor, ein Zaun oder einen Fluss durchqueren mussten. Begegnungen mit Verstorbenen sind auch sehr wichtig, da meist geliebte, bereits verstorbene Menschen den Sterbenden den Weg weisen.

Die Begegnungen sind alle nonverbal, trotzdem sei es ganz leicht gewesen und klar zu verstehen welcher Weg gegangen werden muss.[19] Bei vielen NTEs folgt eine Bewertung des eigenen Lebens, ebenfalls nonverbal. Der berühmte „Film des Lebens“ wurde aber überraschender Weise nicht oft erwähnt. Das Leben des Sterbenden wird eher in ganzen Bildern oder einem einzigem Panorama dargestellt: „Ich sah meinen gesamten Lebenslauf in einem Bild“[20]. Nun wird das Leben beurteilt, dies erfolgt entweder durch einen Selbst oder einer anderen höheren Instanz, vorauf meist die Erkenntnis folgt, dass das eigene Leben in Ordnung ist oder für gut befunden wird.[21]

[...]


[1] Fuchs-Heinritz, Werner: Soziologisierung des Todes? Der halbherzige Diskurs über das Lebensende. In: Ambivalenz des Todes. Wirklichkeit des Sterbens und Todestheorien heute . S.15

[2] Ebd. S.16

[3] Ebd. S.17

[4] Ebd. S.19

[5] Ebd. S.19

[6] Ebd. S.19.

[7] Knoblauch Todesnäheerfahrungen, S.674.

[8] Ebd.

[9] Knoblauch, Begegnungen mit dem Jenseits, S.16.

[10] Ebd. S.19

[11] Van Lommel. Endloses Bewusstsein, S.37.

[12] Ebd. S.39.

[13] Knoblauch, Begegnungen mit dem Jenseits, S.17.

[14] Ebd. S.17.

[15] Van Lommel, Endloses Bewusstsein, S.39.

[16] Ewald. An der Schwelle zum Jenseits, S.35.

[17] Bieneck, Hagedorn, Koll. Ich habe ins Jenseits geblickt, S.21.

[18] Bieneck, Hagedorn, Koll. Ich habe ins Jenseits geblickt, S.12.

[19] Ebd. S.32.

[20] Ebd. S.32

[21] Ebd. S. 20.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Nahtoderfahrungen. Inwieweit sind sie gesellschaftlich akzeptiert?
Hochschule
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Veranstaltung
Soziologie und Religion
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V416825
ISBN (eBook)
9783668663589
ISBN (Buch)
9783668663596
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nahtoderfahrungen, inwieweit
Arbeit zitieren
Rebecca K. (Autor), 2015, Nahtoderfahrungen. Inwieweit sind sie gesellschaftlich akzeptiert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416825

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