Der Bitcoin. Ökonomische Analyse digitaler Kryptowährungen


Bachelorarbeit, 2018
42 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Abstract

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen des konventionellen Geldsystems
2.1 Geldfunktionen
2.1.1 Tausch- und Zahlungsmittelfunktion
2.1.2 Funktion der Recheneinheit
2.1.3 Wertaufbewahrungsfunktion
2.2 Eigenschaften von Geld
2.3 Geldschöpfung
2.4 Geldmenge und Geldpolitik

3. Die digitale Kryptowährung Bitcoin
3.1 Technische Grundlagen
3.1.1 Distributed Ledger Technology (DLT)
3.1.2 Transaktionen mit Bitcoin
3.1.3 Mining
3.1.4 Mining Pools
3.1.5 Bitcoin in der Praxis
3.2 Eigenschaften von Bitcoin
3.3 Aktuelles zu Bitcoin
3.3.1 Marktkapitalisierung, Transaktionen & Akzeptanz
3.3.2 Volatilität
3.3.3 Regulierungen
3.3.4 Aktuelle Probleme von Bitcoin

4. Bitcoin und das Bankensystem 18
4.1 Bitcoin - Geld bzw. eine eigene Währung?
4.1.1 Erfüllt Bitcoin die Eigenschaften von Geld?
4.1.2 Erfüllt Bitcoin die Funktionen von Geld?
4.2 Risiken für Banken
4.2.1 Wie ersetzt Bitcoin die Funktionen von Zentralbanken?
4.2.2 Wie ersetzt Bitcoin die Funktionen von Geschäftsbanken?
4.3 Zentralbanken mit eigenen Kryptowährungen
4.3.1 Kryptowährungen von Zentralbanken für Privatkunden
4.3.2 Kryptowährungen von Zentralbanken für Großkunden

5. Risiken und Chancen von Kryptowährungen
5.1 Risiken
5.1.1 Bewertung und Spekulation
5.1.2 Deflationäre Tendenzen und fehlende Anpassungsmechanismen
5.1.3 Hackerangriffe
5.2 Chancen
5.2.1 Effizienteres Zahlungsmittel
5.2.2 Zugang zu neuer Form von Geld
5.2.3 Neue Anwendungsbereiche

6. Fazit und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

ABSTRACT

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit spezifischen Eigenschaften von Kryptowährungen im Vergleich zum etablierten Geldsystem. Anhand des konkreten Beispiels „Bitcoin“ wird erläutert, wie eine Kryptowährung prinzipiell funktioniert. Die sich daraus ergebenden Implikationen werden angewandt auf die wesentlichen Geldfunktionen, um die grundsätzliche Eignung von Kryptowährungen im Zahlungsverkehr näher zu eruieren. Wichtige Vorteile von Kryptowährungen wie die Schnelligkeit und Kostengünstigkeit gerade im internationalen Geldtransfer werden Nachteilen wie der extremen Volatilität sowie der immer noch geringen Akzeptanzquote gegenübergestellt. Im Gesamtresümee zeigt sich, dass der Bitcoin selbst aufgrund seiner konkreten Merkmale langfristig vermutlich keine große Rolle als verbreitetes Zahlungsmittel einnehmen dürfte, die zugrundeliegende Blockchain- Technologie jedoch sehr aussichtsreich ist und zu einer Weiterentwicklung des Geldes beitragen könnte.

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Buchungsbeispiel für Kreditgewährung (eigene Darstellung in Anlehnung an (Bundesbank, 2017b))

Abbildung 2: Komponenten der Geldmenge M3 im Euroraum (eigene Darstellung in Anlehnung an (ECB, 2017a))

Abbildung 3: Verteiltes Kontenbuch (eigene Darstellung in Anlehnung an (Geiling, 2016))

Abbildung 4: Transaktionen mit Bitcoin (Nakamoto, 2008)

Abbildung 5:Bitcoin-Blockchain (eigene Darstellung in Anlehnung an (Extance, 2015)) .

Abbildung 6: Klassifizierung von Geld (Bech & Garrat, 2017)

1. EINLEITUNG

Kryptowährungen (KW) erfreuen sich einer immer größeren medialen Beachtung sowie eines rasanten Wachstums. Es werden immer öfter Forderungen einer Regulierung gestellt. Dies führt dazu, dass neben Privatpersonen, Unternehmen und Banken auch Staaten sowie Regulatoren sich kritisch mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Die bekannteste und auch erste KW hat ihren Ursprung im Jahre 2008 und ist unter dem Namen Bitcoin bekannt. Zu dieser Zeit hatten die Menschen mit der damaligen Finanzkrise zu kämpfen. Das Vertrauen in das Bankensystem war erschüttert, was ein guter Ausgangspunkt für die Entwicklung eines dezentralen Zahlungssystems war, welches ohne Banken funktioniert und losgelöst von Staaten ist. So veröffentlichte ein Mitglied der Cryptography Mailingliste unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ ein White-Paper mit dem Titel „Bitcoin: A Peer-to- Peer Electronic Cash System“, worin er die technischen Grundlagen eines dezentralen Geldsystems erläuterte (Nakamoto, 2008). Seitdem sind viele neue KW, welche auch als Altcoins (Alternative Coins) bezeichnet werden, auf den Markt gekommen.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, mittels einer Gegenüberstellung von KW wie dem Bitcoin und dem etablierten Geldsystem die Tauglichkeit von KW als Zahlungsmittel herauszuarbeiten sowie zu untersuchen, welche Zukunftsaussichten KW bzw. die zugrundeliegende Technologie haben.

Hierzu werden in Kapitel 2 die Grundlagen des konventionellen Geldsystems beschrieben, indem Geldentstehung Geldeigenschaften, Geldfunktionen und Maßnahmen der Geldpolitik erläutert werden. Dies bildet die Grundlage für eine spätere Analyse bzw. einen Vergleich zwischen den Währungssystemen. In Kapitel 3 werden der Bitcoin und seine technischen Grundlagen sowie Eigenschaften erläutert, außerdem wird auf die aktuelle Lage Bezug genommen. In Kapitel 4 werden die Inhalte aus den Kapiteln 2 und 3 gegenübergestellt und es wird analysiert, inwiefern der Bitcoin die Geldeigenschaften und -funktionen erfüllt. Außerdem wird erläutert, wie der Bitcoin Bankfunktionen ersetzen kann und es wird die Möglichkeit der Ausgabe eigener KW seitens der Zentralbank (ZB) diskutiert. Im letzten Kapitel werden abschließend zukünftige Risiken sowie Chancen von Kryptowährungen aufgeführt, welche schlussendlich in das Fazit und einen Ausblick überleiten.

2. GRUNDLAGEN DES KONVENTIONELLEN GELDSYSTEMS

In diesem Kapitel werden die Grundlagen des bestehenden Geldsystems aufgeführt, um in den darauffolgenden Kapiteln einen Vergleich mit KW wie dem Bitcoin ziehen zu können. Es wird thematisiert, welche Funktionen und Eigenschaften unser bestehendes Geld erfüllt, wie es entsteht und wie sich die Geldmenge verändern kann.

2.1 GELDFUNKTIONEN

Der Begriff „Geldfunktionen“ umfasst drei Zwecke, durch die Geld seine spezifische Bedeutung erlangt, und zwar seine Eignung als Tauschmittel, als Recheneinheit und zur Wertaufbewahrung (Borchert, 2003). In der Nationalökonomie wird alles als Geld bezeichnet, was diese Geldfunktionen erfüllt (Issing, 2014).

2.1.1 Tausch- und Zahlungsmittelfunktion

Geld ist in erster Linie ein Tauschmittel, um so den Handel mit Gütern zu vereinfachen. In einer Wirtschaft ohne Geld wäre ausschließlich ein direkter Tausch von Waren möglich. Dafür ist es notwendig, dass zwei Akteure geleichzeitig zusammenkommen, jeweils die Ware des Anderen nachfragen und im Gegenzug dafür die eigene Ware anbieten. Durch Geld kann der Tausch in zwei Teilakte zerlegt werden: Der Verkauf einer Ware gegen Geld und den Kauf der gewünschten Ware mit dem zuvor erworbenen Geld (Issing, 2014). Wird Geld genutzt, um Kredite zu gewähren oder Schulden zu begleichen, geht es um Finanztransaktionen und man spricht von der Geldfunktion als Zahlungsmittel (Holtemöller, 2008).

2.1.2 Funktion der Recheneinheit

Durch Geld kann der Wert von Gütern und Vermögenswerten in einer allgemeinen Bezugsgröße ausgedrückt werden, so ist eine Vergleichbarkeit einfacher möglich. Durch die Funktion der Recheneinheit wird der Marktwert einzelner Waren in einem „Standardgut“ ausgedrückt. Beispielsweise bestehen bei 1000 Gütern 499.500 ሺ௡ିଵሻ). Dank der Recheneinheit Geld muss manכmögliche Austauschverhältnisse (௡

ଶ jedoch nicht 499.500 Austauschverhältnisse, sondern nur 1000 Preise betrachten (Bundesbank, 2017a).

2.1.3 Wertaufbewahrungsfunktion

Geld bietet den Vorteil, dass Waren nicht direkt getauscht werden müssen, sondern Kauf und Verkauf zeitlich auseinanderliegen können. Es lässt sich somit ein gewisser Wert in Geld speichern, um ihn zu einem späteren Zeitpunkt wieder einzutauschen. Diese Funktion wird vor allem beim Sparen deutlich, da hier Wert in Form von Geld gespeichert wird, um eine Rücklage zu bilden. Durch die Wertaufbewahrungsfunktion von Geld kann Konsum in die Zukunft verschoben werden (Jevons, 2017).

2.2 EIGENSCHAFTEN VON GELD

Um die zuvor beschriebenen Funktionen erfüllen zu können ist es notwendig, dass Geld gewisse Eigenschaften aufweist. Laut Hardes sollte Geld zumindest die folgenden vier Kerneigenschaften besitzen: Knappheit, Homogenität, Teilbarkeit und Haltbarkeit. Um in Kapitel 4 ausreichend analysieren zu können, ob der Bitcoin die Funktionen und Eigenschaften von Geld erfüllt, werden hier zusätzlich die beiden Eigenschaften der Kompaktheit und der generellen Akzeptanz aufgeführt (Hardes, 2007).

Knappheit: Geld muss begrenzt verfügbar sein, um werthaltig sein zu können, d.h. es muss gewährleistet sein, dass Personen nicht einfach ihren Geldbestand unkontrolliert erhöhen können. In unserem Geldsystem wird dies durch zentrale Institutionen wie z.B. Banken gewährleistet und überwacht (Engelkamp & Sell, 2017). Homogenität: Alle Geldeinheiten sollten die gleiche Beschaffenheit aufweisen, denn um Geld als Wertmaßstab nutzen zu können, muss es homogen bzw. gleichartig sein (Jarchow, 2003).

Teilbarkeit: Um unterschiedliche Güter mit verschiedenen Preisen bezahlen zu können, muss Geld teilbar sein. Durch diese Eigenschaft ist die Funktion der Recheneinheit gewährleistet und es ist möglich, Geld für den Austausch von Gütern mit unterschiedlichen Preisen zu verwenden (Hardes, 2007).

Haltbarkeit/ Wertbeständigkeit: Hiermit ist gemeint, dass Geld seine ursprünglichen Eigenschaften auch nach langer Zeit beibehalten und nicht verderblich sein sollte. Weiterhin ist es wichtig, dass im Laufe der Zeit der Wert bzw. die Kaufkraft des Geldes innerhalb eines begrenzten Schwankungsbereich beibehalten wird, um es so auch zu späteren Zeitpunkten gegen andere Güter austauschen zu können. Diese Eigenschaft des Geldes spiegelt sich vor allem in der Funktion der Wertaufbewahrung wieder (Bontrup, 2004).

Kompaktheit: Geld sollte kompakt sein, um es leicht mit sich führen zu können. Durch die Kompaktheit wird der Austausch zwischen zwei Person erleichtert und die Transportkosten bleiben gering (Hardes, 2007).

Generelle Akzeptanz: Um die Funktion des Tauschmittels erfüllen zu können, müssen die Marktteilnehmer das, was als Geld bezeichnet wird, generell im Austausch für Waren und Dienstleistungen akzeptieren, denn nur so kann Geld auch als Tauschmittel eingesetzt werden. Geld beruht somit ausschließlich auf dem Vertrauen der Geldnutzer und wird nicht akzeptiert, weil es einen Wert an sich hat, sondern es hat einen Wert, weil es akzeptiert wird (Gischer, 2017).

2.3 GELDSCHÖPFUNG

In diesem Kapitel soll beschrieben werden, wie durch ein Konstrukt aus Zentralbank (ZB), Geschäftsbanken und Nichtbanken neues Geld im Geldkreislauf entsteht bzw. geschaffen wird. Es wird näher auf die Buchgeldschöpfung der Geschäftsbanken eingegangen, da dieser Prozess oft nicht bekannt, jedoch wichtig für den Vergleich mit Kryptowährungen ist, welche einen komplett anderen Ansatz der „Erschaffung“ verfolgen.

Für die weitere Betrachtung ist die Differenzierung zweier Geldarten notwendig. Man unterscheidet zwischen Zentralbankgeld, zu welchem das Bargeld sowie die Reserveeinlagen der Banken bei der ZB zählen und dem Buchgeld, zu welchem vor allem Sichteinlagen (täglich fällige Einlagen) sowie Termin- und Spareinlagen von Nichtbanken zählen. Das Buchgeld wird oft auch als Giralgeld bezeichnet, da es in einer Art Kreislauf von Bankkonto zu Bankkonto weitergegeben wird. Dieses Buch- bzw. Giralgeld ist anders als Bargeld kein gesetzliches Zahlungsmittel, jedoch vom Gesamtvolumen fast sechsmal so groß wie der Bargeldumlauf (Stand: November 2017, ECB, 2017a).

Das Buchgeld kann von Geschäftsbanken durch einen Buchungssatz gewissermaßen aus dem „Nichts“ geschaffen werden, indem sie Nichtbanken einen Kredit gewähren, oder einen Vermögenswert ankaufen, und im Gegenzug der Nichtbank den entsprechenden Betrag auf deren Bankkonto gutschreiben (siehe McLeay, Radia & Thomas, 2014).

Anhand des folgenden buchungstechnischen Darstellungsbeispiels soll der Geldschöpfungsprozess durch Kreditvergabe näher erläutert werden (Bundesbank, 2017b)

Kunde X möchte für der späteren Kauf einer Maschine bei Bank A einen Kredit in Höhe von 1.000€ aufnehmen. Nach entsprechender Prüfung gewährt ihm Bank A den Kredit, und schreibt den Betrag von 1.000€ auf seinem Girokonto gut. Wie in Abbildung 1 zu sehen ist, werden in der Bilanz des Kunden X entsprechend eine Forderung gegenüber der bank sowie die Verpflichtung zur späteren Rückzahlung verbucht. Bei der Bank kommt es zu einer Bilanzverlängerung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Buchungsbeispiel f ü r Kreditgew ä hrung (eigene Darstellung in Anlehnung an (Bundesbank, 2017b))

Sie verbucht eine Forderung auf spätere Rückzahlung des Kunden und gleichzeitig auch eine Verbindlichkeit, da sie sich verpflichtet, dem Kunden X den entsprechenden Betrag von 1.000€ bereit zu stellen. Durch diese Kreditvergabe ist neues Geld in Höhe von 1.000€ entstanden, welches es davor nicht gab. Die Bilanz der Zentralbank bleibt unverändert (siehe Abbildung 1). Trotzdem kommt der Zentralbank als Produzent von Zentralbankgeld eine wichtige Rolle zu, denn Bank A muss davon ausgehen, dass Kunde X den Kreditbetrag für Zahlungsvorgänge nutzt, was dazu führt, dass die von Bank A geschaffene Sichteinlage an andere Banken abfließt. Um diesen Einlagenabfluss abzuwickeln, benötigt Bank A Zentralbankguthaben, da ein Großteil des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zwischen Banken über dieses abgewickelt wird. Weiterhin sind Geschäftsbanken verpflichtet, eine gewisse Mindestreserve, abhängig von den Sichteinlagen, an Zentralbankguthaben zu halten. Dieses können sie sich auf dem Interbankenmarkt oder direkt bei der ZB gegen Vorlage von Sicherheiten leihen.

Es ist demnach ein weit verbreiteter Irrtum, dass Geschäftsbanken bei der Kreditvergabe nur als Intermediär fungieren, also Kredite lediglich mit Mitteln, welche sie zuvor von einem anderen Kunden als Einlage erhalten haben, vergeben. Vielmehr sind sie verantwortlich für die Geldschöpfung durch Kreditvergabe (Jakab & Kumhof, 2015).

2.4 GELDMENGE UND GELDPOLITIK

Der Begriff der Geldmenge wird von der Bundesbank als der sich im Umlauf befindende Geldbestand von Nichtbanken innerhalb einer Volkswirtschaft definiert (Bundesbank, 2017a). Die für das Euro-Währungsgebiet definierte Geldmenge M3 gliedert sich in die in Abbildung 3 abgebildeten Komponenten. Hier wird deutlich, dass bereits heute der Großteil des Geldes rein digital ist und Bargeld nur ca. 10% der gesamten Geldmenge M3 ausmacht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Komponenten der Geldmenge M3 im Euroraum (eigene Darstellung in Anlehnung an (ECB, 2017a))

Wie im vorherigen Kapitel beschrieben wurde, sind die Kreditnachfrage der Nichtbanken sowie die Bereitschaft der Banken, Kredite zu vergeben, entscheidend für die Geldschöpfung und somit auch ausschlaggebend für die Veränderung der Geldmenge. Anders als bei Kryptowährungen wie dem Bitcoin (beschrieben in Kapitel 3) kann durch Geldpolitik die Geldmenge theoretisch entsprechend angepasst und je nach Wirtschaftslage beeinflusst werden.

Es werden im Folgenden zwei Möglichkeiten beschrieben, wie die Zentralbank indirekt

Einfluss auf die Geldmenge nehmen kann. Wegen des komplexen Zusammenspiels von ZB, Banken und Nichtbanken darf dabei jedoch kein mechanistischer Zusammenhang zwischen Geldpolitik und Geldmengenentwicklung unterstellt werden (Caldentey, 2017).

Veränderung des Leitzinses:

Vereinfacht lässt sich sagen, dass eine Senkung der geldpolitischen Leitzinsen mittels Anpassungen der Refinanzierungskosten der Banken bei der ZB sowie der Portfolioentscheidungen und der Kreditnachfrage der Nichtbanken das Geldmengen- und Kreditwachstum fördert. Da Banken den Zins, welchen sie bei der Kreditvergabe verlangen, unter anderem ausgehend von ihren Refinanzierungskosten bei der ZB wählen, kann so indirekt auf die Kreditzinsen der Banken Einfluss genommen werden. Die Kreditnachfrage, welche zur Geldschöpfung und somit Geldmengenerhöhung beiträgt, ist wiederrum unter anderem abhängig von den Kreditkosten. Wird also bspw. der Leitzins gesenkt, sind die Refinanzierungskosten der Geschäftsbanken bei der ZB geringer und Kreditzinsen für Kunden können gesenkt werden. Bei niedrigeren Kreditzinsen kann es zu einer erhöhten Kreditnachfrage kommen, was zu einer Erhöhung der Geldmenge führt (Wildmann, 2007).

Quantitative Easing (QE):

Direkter Einfluss: Kauft die ZB bspw. eine Staatsanleihe von einer inländischen Nichtbank, fungiert die Geschäftsbank als Intermediär, da in der Regel kein direkter Kontakt zwischen Nichtbanken und der ZB besteht. Die Geldmenge erhöht sich in diesem Fall dadurch, dass die Nichtbank für den Verkauf der Staatsanleihe eine Sichteinlage im entsprechenden Wert von der kontoführenden Geschäftsbank gutgeschrieben bekommt. Die Geschäftsbank wiederum erhält von der ZB Zentralbankguthaben für den Verkauf der Staatsanleihe (Bundesbank, 2017b).

Indirekter Einfluss: Staatsanleihenkäufe können durch den Signalkanal und über das Portfolio Rebalancing zu einem Rückgang des allgemeinen Zins- und Renditeniveaus sowie zur Lockerung der allgemeinen Finanzierungskonditionen und damit zu sinkenden Refinanzierungskosten führen (siehe Joyce, Miles, Scott & Vayanos, 2012). Diese wiederrum können, wie bereits weiter oben beschrieben wurde, in niedrigeren Kreditzinsen und somit höherer Kreditnachfrage resultieren.

3. DIE DIGITALE KRYPTOWÄHRUNG BITCOIN

In diesem Kapitel wird näher auf den Bitcoin als Vorreiter aller Kryptowährungen eingegangen. Hierfür werden zunächst die technischen Grundlagen erläutert, um die Funktionsweise des Bitcoin verständlich zu machen. Aus diesen technologischen Zusammenhängen werden Eigenschaften des Bitcoins abgeleitet und im Anschluss daran wird auf aktuelle Informationen zum Bitcoin eingegangen.

3.1 TECHNISCHE GRUNDLAGEN

Der unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto bekannte Initiator von Bitcoin schrieb in seinem erstmals 2008 veröffentlichten White-Paper:

“A purely peer-to-peer version of electronic cash would allow online payments to be sent directly from one party to another without going through a financial institution. Digital signatures provide part of the solution, but the main benefits are lost if a trusted third party is still required to prevent double-spending. We propose a solution to the double-spending problem using a peer-to-peer network” (Nakamoto, 2008).

Im Folgenden werden die technologischen Hintergründe erläutert, auf welchen Bitcoin wie auch andere KW aufbauen.

3.1.1 Distributed Ledger Technology (DLT)

Ein Distributed Ledger (DL) oder auch „verteiltes Kontenbuch“ ist ein Kontobuch, welches dezentral und öffentlich für jeden einsehbar ist. Die DLT ist die Grundlage virtueller Währungen und ermöglicht, dass es nicht mehr eine zentrale Partei (bspw. eine Bank) geben muss, um Transaktionen zu legitimieren, sondern diese von Nutzer zu Nutzer (Peer to Peer) aufgezeichnet werden können (Geiling, 2016). In Abbildung 4 ist der Unterschied eines zentralen (links) und eines verteilten Kontenbuches (rechts) graphisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Verteiltes Kontenbuch (eigene Darstellung in Anlehnung an (Geiling, 2016))

Die bekannteste Anwendung der DLT ist die Bitcoin-Blockchain, eine dezentrale Datenbank, in welcher eine chronologische Erfassung aller vergangenen Transaktionen des Bitcoin-Systems gespeichert ist. Ein Block muss dabei von den sog. Minern berechnet werden (Erklärung in Kapitel 3.1.3). Dies geschieht ca. alle zehn Minuten. Jeder Block bezieht sich dabei auch auf den vorherigen Block, so entsteht eine Kette von Blöcken (Blockchain, siehe Abbildung 5).

Hat ein Miner einen Block, welcher unter anderem die aktuellen BTC Transaktionen des Netzwerks enthält, berechnet, strahlt er diesen Block an die anderen Netzwerkteilnehmer (Knoten) aus. Diese können die darin enthaltenen Transaktionen mithilfe eines Abgleichs der BC auf Gültigkeit prüfen (siehe Abbildung 5). Die anderen Knoten drücken Ihre Akzeptanz für einen Block aus, indem sie anfangen den nächsten Block, welcher eine Referenz des aktuellen Blocks enthält, zu berechnen. Der berechnete Block wird nach Akzeptanz in die dezentrale Blockchain (BC) aufgenommen.

Diese Blockchain ist öffentlich einsehbar und kann von jedem heruntergeladen werden. Dabei ist die einzige Bedingung für eine Teilnahme am Netzwerk, der Betrieb eines mit dem Bitcoin-Protokoll kompatiblen Bitcoin-Software-Clients.

Da im Bitcoin-System Transaktionen dezentral verifiziert und validiert werden und keine zentrale Autorität die Steuerungs- oder Kontrollfunktion übernimmt, besteht die Herausforderung, einen dezentralen Konsensus zu erreichen. Damit ist gemeint, dass Konsensus zwischen den einzelnen Teilnehmern darüber herrschen muss, wem welche Werte zu welchem Zeitpunkt zugeordnet werden.

Das Bitcoin-Protokoll löst diese Schwierigkeit, indem der Proof-of-Work (PoW) Konsensus-Mechanismus dafür sorgt, dass durch Zufall immer ein anderer Nutzer seinen Block mit bestätigten Transaktionen an die anderen Knoten weiterleiten darf (Böhme, Christin, Edelman & Moore, 2015).

3.1.2 Transaktionen mit Bitcoin

Um mit Bitcoin Transaktionen durchführen zu können, werden ein sogenannter „Private Key“ und ein „Public Key“ benötigt. Diese beiden Schlüssel sind über einen kryptographischen Mechanismus miteinander verbunden. Der Public Key wird dabei auch als „Bitcoin-Adresse“ bezeichnet. Er ist vergleichbar mit einer Emailadresse und besteht aus einer zufälligen Aneinanderreihung von Buchstaben und Zahlen. Während der Public Key zum empfangen von Bitcoin benötigt wird und öffentlich für jeden einsehbar ist, wird der Private Key zum Versenden von Bitcoin benötigt und ist nur dem Besitzer bekannt (Turpin, 2014).

In Abbildung 5 ist das Zusammenspiel von „Public Key“ und „Private Key“ dargestellt. Ein Eigentümer kann einen Bitcoin auf den nächsten übertragen, indem er einen sogenannten Hash, auf welchen später noch eingegangen wird, der vorherigen Transaktion sowie den Public Key des nächsten Eigentümers digital signiert. Der Empfänger der Zahlung kann die Signatur verifizieren, um so die Kette der Eigentümer zu bestätigen (Nakamoto, 2008).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Transaktionen mit Bitcoin (Nakamoto, 2008)

Möchte Person A Bitcoins an Person B senden, publiziert sie eine Nachricht im Bitcoin- Netzwerk, welche die zu transferierende Anzahl an Bitcoins und eine Referenz darüber, von wem Person A diese Bitcoins bekommen hat, enthält. Diese Nachricht enthält des Weiteren eine digitale Signatur, indem der Private Key von Person A verschlüsselt wird. So wird garantiert, dass die Nachricht mit den zu transferierenden Bitcoins auch von demjenigen stammt, der die Bitcoins transferieren möchte (Böhme, Christin, Edelman & Moore, 2015).

3.1.3 Mining

Der Prozess des Mining leitet seinen Namen vom Goldschürfen ab. Ähnlich wie beim Goldschürfen müssen beim Bitcoin-Mining Kosten für das Gewinnen neuer Bitcoins aufgebracht werden und die Menge der minebaren Bitcoins ist wie die maximal schürfbare Goldmenge limitiert. Miner sind verantwortlich für die Erfassung und Validierung der Transaktionen. Sie stellen dem Netzwerk dafür Rechenkapazität für das Berechnen eines Blockes zur Verfügung. Im Gegenzug werden sie mit neu geschürften Bitcoins entlohnt und können eine Transaktionsgebühr erhalten. Die Miner konkurrieren dabei um das Berechnen eines Blockes, da nur derjenige, der zuerst einen Block berechnet, im Gegenzug für den Aufwand mit neuen Bitcoins entlohnt wird (Underwood, 2016).

Das Berechnen eines Blocks kann ähnlich wie das Lösen einer komplizierten mathematischen Aufgabe verstanden werden. Eine wichtige Eigenschaft ist dabei, dass diese mathematische Aufgabe zwar sehr schwer zu lösen ist, jedoch die Lösung, wenn sie erst einmal gefunden ist, sehr leicht und schnell kontrolliert werden kann. Dies wird erreicht, indem mithilfe der Hashfunktion ein sogenannter Hash-Wert berechnet werden muss. Die Hashfunktion bildet eine große Eingabemenge auf eine kleine Zielmenge ab. So lässt sich jede Form von Daten komprimiert in einem einzigartigen Hash-Wert ausdrücken. Ändert man die Daten in irgendeiner Art und Weise, so verändert sich der Hash-Wert dieser Daten ebenfalls. Die Daten eines Blocks aus welchen dessen Hash-Wert berechnet wird, gliedern sich in folgende Komponenten (siehe Abbildung 5):

- unbestätigte Transaktionen über einen gewissen Zeitraum
- den Hashwert des vorangegangenen Blocks
- die sog. Nonce, eine rein zufällige Zahl

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5:Bitcoin-Blockchain (eigene Darstellung in Anlehnung an (Extance, 2015))

Das Ändern der Nonce (eine Zufallszahl) verändert jedes Mal den Datensatz aus welchem der Hash-Wert berechnet wird und somit auch diesen selbst.

Um einen Block zu berechnen, muss nun durch Testen verschiedener Noncen ein Hash-Wert gefunden werden, welcher eine gewisse Anzahl an Nullen zu Beginn aufweist (siehe Abbildung 5). Je mehr Nullen zu Beginn eines Hash-Wertes gefordert werden, desto schwieriger ist es, die passende Nonce zu finden (Extance, 2015). Das Finden der den Anforderungen genügenden Nonce wird als Proof-of-Work bezeichnet, da der Miner mit Bekanntmachung eines berechneten Blocks beweist, Arbeit (Work) in Form von Rechenaufwand für das Testen vieler Noncen aufgewendet zu haben. Der PoW-Mechanismus ist wichtig, um eine zeitliche Abfolge der Transaktionen festzulegen und so das Problem des Double Spending, also die Mehrfachausgabe eines Coins durch eine Person, behoben werden kann. Weiterhin verhindert der PoW sog. Sybil-Attacken, diese stellen einen Angriff auf ein P2P Netzwerk dar, indem falsche Identitäten erstellt werden, um so die Mehrheitsentscheidung (Konsensus) beeinflussen zu können. Zusätzlich erfolgt durch den PoW eine Wertabsicherung, da nach dem traditionellen Grundkonzept Rechenleistung (Arbeit) bereitgestellt werden muss, um neue Währungseinheiten herzustellen (Nakamoto, 2008).

3.1.4 Mining Pools

Das Bitcoin-Protokoll sieht eine in regelmäßigen Abständen definierte Anpassung der Schwierigkeit, einen Block zu berechnen, vor. So wird gewährleistet, dass durch Anpassung der Schwierigkeit immer ca. alle zehn Minuten ein Block berechnet wird und so auch die Schöpfung neuer Bitcoins (Entlohnung für das Mining) kontrolliert stattfindet. Die Schwierigkeit kann verändert werden, indem die Anforderungen an den zu berechnenden Hash-Wert geändert werden. So steigt (fällt) die Schwierigkeit einen Block zu berechnen, wenn die geforderte Anzahl an Nullen am Anfang des Hash- Wertes erhöht (gesenkt) wird. Aufgrund der vorangeschrittenen Schwierigkeit, den passenden Hashwert eines Blocks zu finden, ist es für Einzelpersonen durch das benötigte Equipment und die Energiekosten kaum noch lohnenswert dies zu tun. Aus diesem Grund haben sich sogenannte Mining Pools etabliert. Hierbei schließen sich mehrere Personen zusammen und bündeln ihre Rechenkapazität, um einen Hashwert zu berechnen. So kann die Wahrscheinlichkeit, einen Block zu finden, erhöht werden, indem eine größere Gruppe gemeinsam versucht, die richtige Nonce für einen Hashwert durch Trial and Error zu finden. Gleichzeitig muss jedoch auch die Entlohnung in BTC, falls ein Block gefunden wird, mit den Teilnehmern des Mining Pools geteilt werden (Tschorsch & Scheuermann, 2016).

Die drei größten Mining Pools (BTC.com, AntPool und BTC.TOP) kontrollieren dabei aktuell zusammen 53,8% der Rechenleistung des gesamten Netzwerks (Blockchain Luxembourg, 2018). Diese starke Konzentration bei wenigen Mining Pools wird oft kritisiert und in Kapitel 5 bei der Besprechung möglicher Risiken aufgegriffen.

3.1.5 Bitcoin in der Praxis

In diesem Abschnitt soll geklärt werden, wie man Bitcoins erhält und wie man diese anschließend aufbewahren kann. Es gibt dabei verschiedene Möglichkeiten, an Bitcoins zu gelangen: Man kauft sie an einer Börse wie bspw. Coinbase.com, man akzeptiert sie als Zahlungsmittel im Austausch von Waren oder Dienstleistungen oder man beteiligt sich an dem Prozess des Mining. Letzteres ist wie oben bereits beschrieben jedoch aufgrund der Komplexität der kryptografischen Aufgaben für eine Privatperson in der Regel nicht lukrativ.

Hat man nun die Bitcoins bspw. über eine Börse gekauft, kann man sie von dort in ein sog. „Wallet“ transferieren. Dieses Wallet ist in die Client Software, welche man herunterlädt, um am Netzwerk teilnehmen zu können, integriert. Sie lässt sich wie ein digitaler Geldbeutel interpretieren, in welchem man die Bitcoins im übertragenen Sinne aufbewahren kann. Es gibt dabei unterschiedliche Kategorien von Wallets wie bspw. die „Mobile Wallet“, welche als App auf dem Smartphone installiert werden kann, oder die „Hardware Wallet“, bei welcher die Bitcoins bzw. der private Key auf der Hardware des Gerätes offline gespeichert werden. Die verschiedenen Varianten unterscheiden sich allerdings in ihrer Sicherheit und dem flexiblen Nutzen. Alle erfüllen dabei jedoch die folgenden Grundfunktionen: Das Senden von BTC, Anzeigen der öffentlichen Adressen als Zeichenfolge oder QR-Code, um BTC zu empfangen, Signierung von Nachrichten zum Beweis, dass man der Besitzer einer Adresse ist, Verschlüsselung der Wallets mittels eines Passworts, Sicherung der private Keys und die Speicherung der Adressen in einem Adressbuch (Sixt, 2017)

3.2 EIGENSCHAFTEN VON BITCOIN

Aus den technologischen Grundlagen des Bitcoins ergeben sich gewisse Eigenschaften, auf welche im Folgenden eingegangen wird.

Anders als bei der Geldschöpfung von Fiat-Währungen, wo es einen zentralen Emittenten von Geld gibt, liegt die Schöpfung von BTC in privater Hand und es kann sich theoretisch jeder Netzwerkteilnehmer daran beteiligen, indem er dem Netzwerk Rechenleistung für das Mining zur Verfügung stellt. Die maximal mögliche Menge an BTC ist auf ca. 21 Mio. beschränkt und kann darüber hinaus nicht ausgeweitet werden. So ist eine Einflussnahme auf die Geldmenge, wie es bei Fiat-Währungen bekannt ist, ausgeschlossen. Die Anzahl an Bitcoins, welche pro berechnetem Block geschürft werden, halbiert sich ca. alle vier Jahre, sodass man sich der Menge von 21 Mio. immer weiter annähert, sie aber nie überschritten werden kann. Dieses fixierte BTC Angebot führt zu deflationären Tendenzen (Peters, Chapelle & Panayi, 2016).

Da es sich beim Bitcoin-Netzwerk um ein dezentrales P2P-open-Source-Protokoll handelt, kann jede Person mit einer Internetverbindung von überall auf der Welt daran teilnehmen. So sind globale Transaktionen kostengünstig und schnell möglich. Weiterhin kann durch den kryptographischen Nachweis des Netzwerks auf das Vertrauen in eine zentrale Partei, welche die Transaktionen verifiziert, verzichtet werden (Peters, Chapelle & Panayi, 2016).

Durch das Nichtvorhandensein der zentralen und vertrauenswürdigen Partei, an

welche man sich wenden kann, sind Bitcoin-Transaktionen endgültig und können nicht rückgängig gemacht werden. Macht man bspw. beim Versenden von BTC einen Fehler bei der Eingabe der Empfängeradresse, kann man diesen Fehler nicht mehr nachträglich korrigieren. Eine Rücküberweisung ist somit nicht möglich. Verliert man den Private Key, so kann man auch nicht mehr auf die dazugehörigen Bitcoins zugreifen. Beim Nutzen von Bitcoin trägt also der Nutzer selber die gesamte Verantwortung für seine Aktivitäten im Netzwerk (Decker & Wattenhofer, 2013).

Nutzer sind im Bitcoin Netzwerk anonym, da die Bitcoin-Adresse nicht mit der eigenen Identität verknüpft ist. Es sind zwar alle Transaktionen und die jeweiligen Bitcoin- Adressen öffentlich und transparent in der BC einsehbar, man kann diese aber nicht zwingend den zugehörigen Identitäten zuordnen. Oft wird jedoch auch von einer Pseudoanonymität gesprochen, da Transaktionen durch eine Website immer einen digitalen Fußabdruck hinterlassen und so theoretisch über die IP-Adresse die physische Adresse nachvollzogen werden kann (Reid & Harrigan, 2013)

Das Netzwerk ist gegen Manipulation sicher, solange die ehrlichen Teilnehmer die Mehrheit der Rechenkapazität bereitstellen. So ist garantiert, dass diese die längste BC generieren, welche als die Wahre anerkannt wird (Nakamoto, 2008).

3.3 AKTUELLES ZU BITCOIN

In diesem Kapitel werden aktuelle Informationen und Zahlen zum Bitcoin und Kryptowährungsmarkt (KWM) beschrieben.

3.3.1 Marktkapitalisierung, Transaktionen & Akzeptanz

Marktkapitalisierung: Der Bitcoin hat aktuell eine Marktkapitalisierung von ca. 202,2 Mrd. USD, was einem Anteil von ca. 35% des gesamten Marktes für KW entspricht. Der KWM ist somit insgesamt aktuell ca. 571,3 Mrd. USD schwer (Stand 16.01.2018, Coinmarketcap). Geht man nur ein Jahr zurück, und betrachtet bspw. die Marktkapitalisierung am 01. Januar 2017, wird die extreme Preissteigerung in der kurzen Zeit deutlich. Zu diesem Zeitpunkt hatte der gesamte KWM nämlich eine Marktkapitalisierung von ca. 17,7 Mrd. USD und der Bitcoin wiederum einen Anteil von 88% daran (ca. 15,5 Mrd. USD). Der Bitcoin hat demnach gemessen an der Marktkapitalisierung eine Steigerung von 1.300% innerhalb eines Jahres erzielt (Coinmarketcap, 2018). Es fällt auf, dass der Bitcoin zwar innerhalb des Jahres 2017 einen starken Preisanstieg verzeichnen konnte, jedoch stark an Anteilsgröße im Vergleich zum restlichen KWM verloren hat.

Vergleicht man die Marktkapitalisierung des KWM mit der einer etablierten Währung wie dem Euro, so fällt sie mit ca. 5% vergleichsweise wenig ins Gewicht (eigene Berechnung in Anlehnung an (ECB, 2017a, Coinmarketcap, 2018)).

Transaktionen: Betrachtet man die Gesamtanzahl aller Bitcoin-Transaktionen weltweit von Dezember 2015 bis Dezember 2017, so gab es im Jahr 2016 82,9 Mio. und im Jahr 2017 103,96 Mio. Transaktionen im Bitcoin-Netzwerk. Dies entspricht einer Steigerung der Transaktionsanzahl von ca. 25% im Jahr 2017 (Statista, 2018a). Vergleicht man nun den Preisanstieg im Jahr 2017 mit dem Wachstum der Transaktionsanzahl wird deutlich, dass sich diese nicht gleich entwickelt haben. Auf diesen Aspekt wird weiter in Kapitel 5 eingegangen.

Akzeptanz bei Händlern: Die Akzeptanz von Bitcoin bei Unternehmen ist sehr regionalabhängig. Aktuell akzeptieren drei der 500 größten Onlinehändler Bitcoin als Zahlungsmethode, bekannte Unternehmen sind bspw. Overstock, Microsoft, Dell oder Tesla (Katz, 2017).

Akzeptanz bei Konsumenten: Bei einer repräsentativen Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Civey wurden rund 10.000 Deutsche zur Zahlungsbereitschaft mit Kryptowährungen befragt. Demnach bezahlen bereits 1,7% der Befragten mit Kryptowährungen wie dem Bitcoin, 11,4% können sich vorstellen, dies in Zukunft zu tun. Der Großteil der Befragten (80,5%) kann sich jedoch nicht vorstellen, Kryptowährungen als Zahlungsmittel zu verwenden (Statista, 2018b)

3.3.2 Volatilität

Um den Bitcoin in Kapitel 4 bezüglich seiner Geldfunktionen und Geldeigenschaften analysieren zu können macht es Sinn, die Volatilität des Bitcoins zu betrachten. So hat der Bitcoin durchschnittlich eine 6-7 % hohe 30 Tages-Volatilität. Gold hingegen hat eine durchschnittliche Volatilität von ca. 1,2% und andere stabile etablierte Währungen sogar nur ca. 0,5%-1% (Buybitcoinworldwide, 2018). Die hohe Volatilität spiegelt die starken Preisschwankungen und das vergleichsweise höhere Risiko wieder.

3.3.3 Regulierungen

Durch ein immer größeres Interesse an KW wie dem Bitcoin, welche in kurzer Zeit einen sehr hohen Preisanstieg verzeichnen konnten und sich großer Beliebtheit erfreuen, werden auch die Forderungen nach einer Regulierung immer lauter.

In Deutschland wird der Bitcoin bisweilen nur als Finanzinstrument in Form einer Rechnungseinheit gemäß §1 Absatz 11 Satz 1 Kreditwesengesetz eingestuft und es gibt daher noch keine gesonderte Regulierung (Münzer, 2014). Hiermit vergleichbar gibt es auch in den USA bisher keine spezifischen Regulierungen, es wurden sogar bereits Futures auf den Bitcoin zugelassen. Diese sind bisher an zwei amerikanischen Börsen handelbar (CFTC, 2017). Japan hingegen erkennt seit April 2017 KW wie den Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel an. Damit einhergehend gibt es einen gesetzlichen Rahmen und staatliche Regulierung für KW (Finanzen, 2017). In den Ländern Bolivien, Ecuador, Kirgistan, Bangladesch, Nepal und Marokko wurde Bitcoin von den nationalen Zentralbanken bzw. von der Regierung verboten. Auch Russland hat sich geäußert, dass KW 2018 eventuell gebannt oder stark reguliert werden sollen (Williams, 2017).

3.3.4 Aktuelle Probleme von Bitcoin

Das Bitcoin-Netzwerk ist aktuell aufgrund des starken Nutzerzuwachses sehr überlastet, was dazu führt, dass die Validierung von Transaktionen sehr lange dauert und mit hohen Gebühren verbunden ist. Grund für dieses Problem ist die limitierte Anzahl an Transaktionen, welche pro Block möglich sind, sowie die Tatsache, dass ein Block nur ca. alle zehn Minuten berechnet werden kann. Daraus ergibt sich eine technische Kapazitätsgrenze, welche aktuell nur ca. sieben Transaktionen pro Sekunde zulässt. Vergleicht man dies mit etablierten Zahlungsanbietern, wie bspw. Visa oder Mastercard, welche aktuell bis zu 2.000 Transaktionen pro Sekunde abwickeln, wird das Skalierungsproblem von Bitcoin deutlich, was ihn aktuell als Massenzahlungsmittel untauglich macht (Hanl & Michaelis, 2017). Es werden jedoch bereits erste Lösungen für dieses Problem diskutiert. So könnte die Integrierung des sog. Lightning-Networks dazu beitragen, dass eine sehr viel höhere Anzahl an Transaktionen in kurzer Zeit abgewickelt werden kann. Ob und wie diese neue Technologie in Bitcoin integriert wird steht noch nicht fest (Poon & Dryja, 2016)

Weiterhin wird der Bitcoin oft als ineffizient bezeichnet, da der Stromverbrauch des

Netzwerks enorm hoch ist und mit der Zeit stark ansteigt. Begründet ist dies darin, dass die Schwierigkeit der kryptographischen Aufgaben, welche beim Mining gelöst werden müssen, ansteigt und so mehr Rechenkapazität und Strom für das Berechnen aufgebracht werden müssen (Cocco, Pinna & Marchesi, 2017). Betrachtet man den „Bitcoin Energy Consumption Index“, so liegt der Stromverbrauch des gesamten Bitcoin Netzwerks aktuell bei ca. 41,79 TWh pro Jahr. Das entspricht dem Stromverbrauch eines ganzen Landes wie bspw. Neuseeland mit ca. 4,8 Mio. Einwohnern (Digiconomist, 2018).

4. BITCOIN UND DAS BANKENSYSTEM

4.1 ITCOIN - GELD BZW. EINE EIGENE WÄHRUNG?

Wie bereits erwähnt wurde, wird der Bitcoin unter rechtlichen Rahmenbedingungen nicht als Geld bzw. offizielles Zahlungsmittel angesehen. Die einzige Ausnahme bildet hier Japan. Abgesehen davon, dass Bitcoin rechtlich gesehen großenteils nicht als Zahlungsmittel betrachtet wird, wird im Folgenden analysiert, inwieweit die Eigenschaften und Funktionen von Geld beim Bitcoin gegeben sind.

4.1.1 Erfüllt Bitcoin die Eigenschaften von Geld?

Der Bitcoin wird in diesem Kapitel auf die in Kapitel 2 beschriebenen Eigenschaften von Geld hin untersucht. So lässt sich anschließend anhand der Eigenschaften analysieren, ob dem Bitcoin Geldfunktionen attestiert werden können.

Knappheit: Die Menge an Bitcoin ist durch den zugrundeliegenden Algorithmus auf maximal 21 Mio. Bitcoins begrenzt. Weiterhin wird es mit der Zeit immer schwieriger, neue Bitcoins zu minen, da die Komplexität der zu lösenden mathematischen Aufgaben zunimmt. Das Protokoll der Kryptowährung sieht außerdem eine Halbierung der Entlohnung mit Bitcoins für das Berechnen eines Blocks alle 210.000 Blöcke vor, wodurch der Anstieg der Bitcoin-Menge immer kleiner wird (McCallum, 2015). Durch die maximal beschränkte Menge und die technologische Sicherheit, welche eine Vermehrung verhindert, ist die Eigenschaft der Knappheit somit gewährleistet. Es ist jedoch fraglich, ob ein maximal beschränktes Geldangebot in einer wachsenden Wirtschaft im Sinne einer „guten Knappheit“ ist, dieser Aspekt wird in Kapitel 5 erneut aufgegriffen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Der Bitcoin. Ökonomische Analyse digitaler Kryptowährungen
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
42
Katalognummer
V416948
ISBN (eBook)
9783668672758
ISBN (Buch)
9783668672765
Dateigröße
928 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bitcoin, ökonomische, analyse, kryptowährungen
Arbeit zitieren
Jonas Noyon (Autor), 2018, Der Bitcoin. Ökonomische Analyse digitaler Kryptowährungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416948

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