Beim Erarbeiten, der Erwählungslehre von Karl Barth, stellte ich fest, dass ich um diese zu verstehen mich erst mit den Lehren Barth´s über "Schöpfung und Bund", "Evangelium und Gesetz" und "Das Nichtige" auseinandersetzen muss. Losgelöst von diesen Themen, die Karl Barth in seinem Buch „Die Kirchliche Dogmatik“ zweiter Band Die Lehre von Gott erarbeitet hat, kommt es zu Missverständnissen im Verständnis seiner Lehre. Denn seine besondere und einflussreich gewordene Form der Erwählungslehre ist ohne diese Lehren, zu kennen und sich in dies hineinzulesen, nicht zu verstehen. Aus diesem Grund werde ich zuerst versuchen die Gedanken Barth´s hierzu zusammenzufassen und zu erklären.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schöpfung und Bund
3. Evangelium und Gesetz
4. Das Nichtige
5. Die Erwählungslehre
6. Erwählungslehrer und Missionsverständnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht kritisch die Erwählungslehre des Theologen Karl Barth. Dabei wird analysiert, wie Barth die traditionelle Prädestinationslehre neu deutet und in sein gesamttheologisches System, insbesondere in Bezug auf Schöpfung, Bund und das Verhältnis von Evangelium und Gesetz, einbettet.
- Analyse der untrennbaren Verbindung von Schöpfung und Bund bei Barth.
- Untersuchung der Umkehrung des Verhältnisses von Evangelium und Gesetz.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff "Das Nichtige".
- Evaluation von Barths universalistischer Tendenz in der Erwählungslehre.
- Auswirkungen der Barthschen Theologie auf das christliche Missionsverständnis.
Auszug aus dem Buch
Die Erwählungslehre
Mit der Erwählungslehre sind wir im Kern von Karl Barths Denken angelangt. Hier bei "Erwählung" und "Prädestination" wird ein Bereich angesprochen, den wir als Menschen nie ganz ausloten können, der letztlich ein Geheimnis Gottes bleibt. Dennoch wurden und werden verschiedene Lösungsversuche vorgenommen, so auch bei Barth und dem für ihn vorbildhaften Calvin. Mit Barths revolutionärer Deutung der Erwählungslehre werde ich mich nun beschäftigen.
Barth knüpft in seiner Erwählungslehre an die Lehre Calvins von der doppelten Vorherbestimmung an, aber deutet diese in umwälzender Weise neu. Calvin war davon ausgegangen, dass es nicht nur eine Erwählung zum Heil, sondern auch eine "Erwählung" – oder besser: Verwerfung – zur ewigen Verdammnis gibt. Die Menschheit war für ihn deutlich in zwei Gruppen geteilt.
Anders bei Karl Barth! Auch für ihn gibt es Erwählung und Verwerfung, aber die Verwerfung lädt Gott in Christus auf sich selbst und dadurch wird sie aufgehoben. Christus ist der erwählende Gott und der erwählte Mensch zugleich. In Christus hat Gott die gesamte Menschheit erwählt und die Verwerfung aller stellvertretend auf sich selbst genommen. Die Verwerfung wird aufgehoben durch die Übermacht der im Kreuzesopfer Christi manifest gewordenen Gnade.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Person Karl Barth ein und begründet die Notwendigkeit, sein Verständnis von Schöpfung, Bund, Evangelium und Gesetz zu verstehen, um seine Erwählungslehre korrekt einzuordnen.
2. Schöpfung und Bund: In diesem Kapitel wird erläutert, warum der Bund Gottes mit den Menschen bei Barth den inneren Grund der Schöpfung bildet und somit zeitlich vor der Schöpfung angesiedelt ist.
3. Evangelium und Gesetz: Hier analysiert der Autor Barths Umkehrung der lutherischen Reihenfolge von Gesetz und Evangelium und übt Kritik an der damit verbundenen Verharmlosung der Gesetzeswirklichkeit.
4. Das Nichtige: Dieses Kapitel setzt sich mit Barths Begriff des "Nichtigen" als einer Form von Sünde und Bösem auseinander, das zwar besiegt, aber dessen ontologische Realität problematisiert wird.
5. Die Erwählungslehre: Der Kernteil der Arbeit diskutiert Barths Umdeutung der doppelten Prädestination Calvins hin zu einer universalistischen Erwählungsgnade in Christus.
6. Erwählungslehrer und Missionsverständnis: Dieses Kapitel zeigt auf, wie Barths universales Erwählungsverständnis die klassische christliche Mission untergräbt, da die Heilsentscheidung faktisch bereits universal vollzogen ist.
Schlüsselwörter
Karl Barth, Erwählungslehre, Prädestination, Schöpfung, Bund, Evangelium, Gesetz, Das Nichtige, Allversöhnung, Erlösung, Christologie, Mission, Gnade, Dogmatik, Verwerfung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer kritischen theologischen Bewertung der Erwählungslehre nach Karl Barth.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Schöpfungstheologie, dem Bund, dem Verständnis von Gesetz und Evangelium sowie dem Konzept des "Nichtigen".
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die verständliche Zusammenfassung und kritische Würdigung der Barthschen Erwählungslehre, die stark von der klassischen Lehre Calvins abweicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine dogmatische und theologiegeschichtliche Analyse auf Basis der Primärliteratur (Die Kirchliche Dogmatik) und kritischer Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Barths Verständnis von Schöpfung und Bund, die Umkehrung von Gesetz und Evangelium, die Definition des Nichtigen und schließlich die zentralen Thesen zur Erwählung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Erwählung, Prädestination, Christus als Grund der Erwählung, das "Nichtige" und das Verhältnis zur Allversöhnung.
Wie unterscheidet sich Barths Lehre von der Calvins?
Während Calvin die Menschheit in Erwählte und Verworrene teilt, sieht Barth in Christus die Aufhebung der Verwerfung, da Christus diese stellvertretend auf sich nahm.
Warum wird Barth eine Tendenz zur Allversöhnung vorgeworfen?
Aufgrund seiner starken Betonung der Übermacht der Gnade Gottes neigt sein System in der Konsequenz dazu, eine ewige Verdammnis auszuschließen, was viele Kritiker als faktische Allversöhnung interpretieren.
Welchen Einfluss hat diese Lehre auf die Mission?
Wenn jeder Mensch in Christus bereits erwählt ist, verliert die traditionelle Mission, die Menschen zur Rettung vor der Verdammnis aufrufen will, ihre biblische Dringlichkeit und Spitze.
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- Stephan Langenfeld (Author), 2017, Beschreibung und Bewertung der Erwählungslehre bei Karl Barth, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416980