Pränataldiagnostik - Definition, moralische Fragen, rechtliche Grundlagen


Hausarbeit, 2005
19 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Definition

3. Die Pränataldiagnostik als ethisches Problem
3.1 Der moralische Status des Embryos
3.2 Rechtliche Sachverhalte
3.3 Pränataldiagnostik aus der Sicht der Eltern
3.4 Vorstellungen der Pränataldiagnostik bei Peter Singer

4. Persönliche Stellungnahme

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Thema dieser Hausarbeit soll die Pränataldiagnostik sein. Es handelt sich bei ihr, um einen noch gar nicht so alten Wissenschaftsstrang, so haben sich seit ihrer Entwicklung doch mehr und mehr Gegner und Kritiker gefunden, die besonders auf ethische Aspekte hinweisen und sowohl Untersuchungsmöglichkeiten als auch Konsequenzen aus dem enormen Wissenszuwachs in Frage stellen. Vor der Geburt überwachen Frauenärzte die Schwangerschaft, den Gesundheitszustand der Frau und die Entwicklung des heranwachsenden Kindes. Noch vor 30 Jahren war man dabei auf Tasten und Horchen angewiesen, Untersuchungsmethoden, die als traditionelle Mittel der Befunderhebung heute in den Hintergrund getreten sind. In der Mitte der 60er Jahre sorgte die Technikentwicklung auf mehreren Gebieten für eine Neugestaltung der Schwangerschaftsvorsorge. Durch neue technische und medizinische Möglichkeiten in der Pränataldiagnostik ist man mittlerweile soweit, viele Schädigungen der Föten schon vorgeburtlich entdecken zu können. Bei diesen Schädigungen handelt es sich zumeist um irreversible, nicht heilbare Missbildungen oder Gendefekte. Nach Feststellung einer Behinderung der Föten wird dieser in den meisten Fällen abgetrieben. In dieser Arbeit möchten wir der Frage nachgehen, was man unter Pränataldiagnostik versteht, warum man sie verwendet und ob sie moralisch vertretbar ist. Dabei betrachten wir dieses Thema als ethisches Problem, werden auf die rechtlichen Grundlagen eingehen und diese Problematik auch aus der Sicht der Eltern und des Embryonen beleuchten. Im letzten Teil der Arbeit versuchen wir eine eigene Position dazu zu entwickeln und selbst Stellung zu nehmen.

2. Definition

Unter Pränataler Diagnostik versteht man die vorgeburtliche Untersuchung nach genetischen Erkrankungen. Sie enthält alle diagnostischen Maßnahmen, durch die morphologische, strukturelle, funktionelle, chromosomahle und molekulare Störungen vor der Geburt erkannt bzw. ausgeschlossen werden können und dient der Betreuung der ratsuchenden Schwangeren und des ungeborenen Lebens. Erstmals 1966 eingeführt, ist die pränatale Diagnose heutzutage ein wesentlicher Bestandteil der pränatalen Medizin, welche als eigenständige medizinische Disziplin bereits weit über die ursprüngliche Schwangerschaftsvorsorge hinausgeht.

Anfang der 80er Jahre fanden die ersten Untersuchungen dieser Art statt. Mithilfe der Pränataldiagnostik (im weiteren als „PND“ abgekürzt) in Verbindung mit invasiven, also chirurgischen Maßnahmen, können heute gravierende Entwicklungsschäden am und in der Umgebung des Kindes behoben werden und eine Schwangerschaft in vielen Fällen problemlos zuende geführt werden. Trotzdem ist die PND nicht unumstritten, da sie die werdenden Eltern vor gravierende Entscheidungen stellen kann, nämlich ob ihr Kind weiter leben soll oder nicht. Als selektierende Methode lehnen viele Menschen, die Pränataldiagnostik ab. Da bei einem auffälligen Befund oftmals eine Abtreibung die Folge ist, sind auch die Kirchen, v.a. die katholische, gegen derartige Untersuchungen, wenn sie denn die Abtötung der Leibesfrucht zur Konsequenz hätten. Es sei auch darauf hingewiesen, dass viele Frauen sich jahrelang oft sogar ein ganzes Leben lang mit Vorwürfen und Selbstzweifeln wegen einer Abtreibung herumquälen. Auf diese beiden Punkte soll im folgenden vertiefter hingewiesen werden. Nicht alle Kinder mit genetischen Defekten kommen zur Welt. Bei vielen kann ihre Fehlentwicklung erst gar nicht Mithilfe einer PND diagnostiziert werden: „Oft läuft ein Abort spontan ab, d.h. dass nach der Befruchtung der Eizelle in den ersten Tagen und Wochen ca. 80 % der Schwangerschaften mit genetischen Defekten durch einen Spontanabgang vom Körper selbst beendet werden. Oft wird dies von den betroffenen Frauen gar nicht bemerkt, weil es in den ersten Tagen oder Wochen der Schwangerschaft passiert.“[1]

3. Die Pränataldiagnostik als ethisches Problem

Standardantworten zum Thema PND wären für viele wünschenswert und würden den Menschen Entscheidungshilfen geben, ganz besonders um zu wissen, ob die PND „gut“ oder „schlecht“ ist. Mit einer solchen Kategorisierung würde man sie aber vereinfachen und das geht bei einer solchen Problematik, in der es mehrere Ebenen und Sichtweisen gibt, nicht. Auch könnte man die heute gefundenen Antworten auf die Fragen von Schwangerschaft, Therapie und Intervention in welcher Art auch immer nicht bis ans Ende aller Zeiten für gültig erklären. Sah man vor 20 Jahren noch die PND als eine Art Wunder der Medizin, erkennt man heute doch mehr und mehr die Schwierigkeiten, die mit ihr und ihrem Zuwachs an Wissen verbunden sind. Fragen und Zweifel zur PND wird es immer geben und so wird die Suche nach Hilfestellungen wohl immer weitergehen. Es soll nun auf den ethischen Aspekt der PND eingegangen werden, denn die ethische Sichtweise erweitert den Horizont. Das Thema Pränataldiagnostik wurde aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, doch fehlen bislang die ethischen Aspekte, mit denen der Suche nach Antworten wesentliche Hilfestellungen gegeben werden können. An dieser Stelle werden zum großen Teil die großen christlichen Kirchen Deutschlands zu Wort kommen, bieten aber auch sie keine allgemeinen Lösungen; ganz im Gegenteil, denn an einigen Stellen werfen sie noch mehr Fragen auf. Die christlichen Kirchen sehen in den schwachen und bedürftigen Menschen eine besonders große Aufgabe und Herausforderung, sind gerade sie von Gott besonders geliebt und angenommen. In dem Dokument „Wie viel Wissen tut uns gut?“[2], wird die Pränataldiagnostik mit ihren verschiedenen Sichtweisen der Christen etwas näherbetrachtet. - Da ist zunächst einmal die „individuelle Betreuung der Schwangeren“ innerhalb der „ungezielten vorgeburtlichen Diagnostik“, einer zur Routine gewordenen Betreuung der Schwangeren und ihres werdenden Kindes, mit all ihren guten und sinnvollen Aspekten. Argumente wie Rückgang von Kindersterblichkeit und Komplikationen für die Schwangere werden auch hier genannt. Zudem kann der begleitende Arzt eine werdende Mutter i.d.R. beruhigen, denn „zum Glück verlaufen etwa 96% aller Schwangerschaften völlig problemlos, und die Kinder kommen gesund zur Welt.“[3] All diese Aspekte tragen zu einem Prozess von Bindungsaufbau zwischen Mutter und Kind bei und geben ihnen ein sicheres Gefühl für den weiteren Verlauf der Schwangerschaft. Bestehen aber Verdachtsmomente, wird gezielt nach Problemen gesucht; in diesem Fall spricht man von der „gezielten vorgeburtlichen Diagnostik“. Diese werden von der Kirche nicht grundsätzlich abgelehnt, macht sie aber doch darauf aufmerksam, dass die werdende Mutter auf einen potentiellen Konflikt vorbereitet werden muss, sollte mit Komplikationen oder gar der Geburt eines behinderten Kindes zu rechnen sein könnte: „Um die Ratsuchende zur Selbsthilfe und zur Wahrnehmung ihrer Verantwortung für das ungeborene Kind zu befähigen, muss die Beratung sowohl umfassend auf die Lebenssituation der Frau eingehen als auch Perspektiven für ein Leben mit dem behinderten Kind eröffnen und beiden gegebenenfalls Begleitung anbieten und Hilfen vermitteln.“[4] Erhärten sich Verdachtsmomente durch gezielte Abklärung und eindeutige Befunde, beginnen die werdenden Eltern mit dem Auseinandersetzungsprozess über ihre und die Zukunft ihres Kindes denken vielleicht sogar an den Schwangerschaftsabbruch. Je größer die Beratungshilfe seitens kompetenter Institutionen und Personen ist, desto leichter ist später die Entscheidungsfindung und desto geringer das Risiko, dass sich Eltern eines Tages schwere Vorwürfe machen die Schwangerschaft beendet zu haben. Die Gefahr für den Rest des Lebens unter dem Post-Abortion-Syndroms leiden zu müssen ist immens und sollte keinesfalls verdrängt werden.

Da sich der Schweregrad vieler Veränderungen im Vorfeld nicht voraussagen lässt, sollte auch dies gegenüber einer werdenden Mutter zum Thema gemacht werden. So kommt es vor, dass ein Kind sein Leben als Down-Mensch verbringen wird, dass es aber vielleicht gar nicht mit einer so stark ausgeprägten Symptomatik zur Welt kommen wird, wie zunächst befürchtet. Viele dieser „Down-Kinder“ haben keine Herzfehler oder sind sehr entwicklungsfähig. So schreibt Prof. C. Wunderlich in einem Buch: „In einer Arbeit [...] haben wir darauf hingewiesen, wie unterschiedlich die Sozialprognose mongoloider Kinder ist und wie stark diese Frage von vielerlei Faktoren abhängt. Die vielfach übliche Normierung und Pauschalisierung „des Mongoloiden“ halten wir für gänzlich verfehlt. Wie schon erwähnt, ist für diese verhängnisvolle Fehleinstellung in erster Linie die Orientierung an der besonders gearteten Intelligenzanlage der mongoloiden Kinder und an ihrem Unvermögen, abstrakt denken zu können, verantwortlich zu machen. Sie hat auch zur ganz ungerechtfertigten Namensgebung „mongoloide Idiotie“ geführt.[5] Es lässt sich also keinesfalls vorhersagen, welche Zukunftsprognose ein Kind hat. Wo die eine Schwangere ganz bewusst die gezielte Pränataldiagnostik in Anspruch nimmt, um konkrete Ergebnisse zu erfahren oder der Geburt einfach nur ohne Befürchtungen entgegen blicken möchte, verzichtet die andere genauso bewusst darauf. Ist sie sich wahrscheinlich im klaren darüber, dass ihr Kind behindert zur Welt kommen kann, hielte aber auch solches Kind für entwicklungs- und förderungswürdig. In einem solchen Fall fordern katholische und evangelischen Kirche nicht nur uneingeschränkten Respekt für eine solche Mutter sondern auch den Einsatz der Umwelt, welche sie in diesem Sinne zu unterstützen hat. Hilfen dieser Art findet man nicht nur in speziellen Einrichtungen, die auch den Kontakt zwischen der Ratsuchenden und Selbsthilfegruppen herstellen, sondern auch in einer aufgeschlossen, toleranten und freundlichen Nachbar- und Verwandtschaft. An dieser Stelle soll auf das Interview verwiesen werden, in dem die Mutter des Down-Kindes feststellt, wie wichtig ihre bereits gemachten Erfahrungen mit diesen Menschen gewesen sind, sich auf das werdende Leben einstellen zu können.

[...]


[1] Vorgeburtliche Untersuchungen im Überblick, Medicine worldwide, Mai 2004

[2] Gemeinsames Wort der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Woche für das Leben, 1997

[3] ZDF Ratgeber, 15.10.2002, http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/13/0,1872,2018989,00.html

[4] Wie viel Wissen tut uns gut?, Gemeinsames Wort der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Woche für das Leben, 1997, S. 3

[5] Das mongoloide Kind, Christof Wunderlich, Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart, 1977, S. 200

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Pränataldiagnostik - Definition, moralische Fragen, rechtliche Grundlagen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2
Autoren
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V41709
ISBN (eBook)
9783638399180
ISBN (Buch)
9783638749978
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pränataldiagnostik, Definition, Fragen, Grundlagen
Arbeit zitieren
Patricia Detto (Autor)Doreen Krzmarik (Autor), 2005, Pränataldiagnostik - Definition, moralische Fragen, rechtliche Grundlagen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41709

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