Die Entstehung und Entwicklung der Atomkriegsuhr während der Zeit des Kalten Krieges

Wie entstand und entwickelte sich die Atomkriegsuhr ab Beginn des Kalten Krieges bis zum Ende des Kalten Krieges im Jahre 1991 und welche okkulten Bezüge lassen sich in der Fünf-vor-Zwölf-Metapher finden?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
27 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenkritik: ״Rate mal, wer“ (New York: Herald Tribune)

3. Entstehungshintergrund der Atomkriegsuhr
3.1 Bulletin of the Atomic Scientists
3.2 Design der Atomkriegsuhr
3.3 Fünf-vor-Zwölf-Metapher

4. Entwicklung der Atomkriegsuhr von 1947 bis 1991

5. Okkulte Bezüge der Fünf-vor-Zwölf-Metapher

6. Schlussbetrachtung

7. Quellenverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Hausarbeit ״Die Entstehung und Entwicklung der Atomkriegsuhr vor und während der Zeit des Kalten Krieges“ ist in vier Teile gegliedert, welche jeweils die Zugänge zu der Atomkriegsuhr aufbauen. Anhand der Fragestellung ״Wie entstand und entwickelte sich die Atomkriegsuhr ab Beginn des Kalten Krieges bis zum Ende des Kalten Krieges im Jahre 1991 und welche okkulten Bezüge lassen sich in der “Fünf-vor-Zwölf-Metapher“ finden?“ wird ein Gesamtüberblick über den Entstehungshintergrund, aber auch über die Entstehungsvoraussetzungen der Atomkriegsuhr gegeben. In Kapitel zwei wird die ausgesuchte Quelle ״Rate mal, wer“ einer kritischen Analyse unterzogen, um diese für den Fortlauf der Hausarbeit einsetzbar zu machen. Mithilfe dieser Quelle wird ein gelungener Einstieg garantiert. Es wird dabei die äußere sowie die innere Quellenkritik berücksichtigt, um ein bestmögliches Ergebnis in den fortlaufenden Kapiteln zu gewährleisten. In Kapitel 3.1 wird explizit die Armbanduhr der Comicfigur aus der Karikatur von Herbert Lawrence Block in Verbindung zur Zeitschrift mit dem Titel “Bulletin of the Atomic Scientists“ gebracht. Das nächste Kapitel (3.2) durchleuchtet die Designerin der Atomkriegsuhr sowie deren Gestaltung. In Kapitel 3.3 wird die “Fünf-vor-Zwölf-Metapher“ in ihrem Kern erklärt und mithilfe dieser Metapher wird anhand vorheriger Entwicklungen einer ähnlichen aussagekräftigen Metapher eine Beeinflussung der Fünf-vor-wölf-Metapher hervorgehoben. Im darauffolgenden Kapitel wird versucht, einen historischen Überblick von 1947 bis 1991 zu geben, mit welchem die Atomkriegsuhr in einer engen Verbindung steht. Die Atomkriegsuhr wurde durch diese historischen Ereignisse essentiell in ihrer Gestalt beeinflusst. Es darf bei dem Überblick keine Vollständigkeit aller Ereignisse während des zeitlichen Rahmens erwartet werden. Ich habe die für mich am wichtigsten Ereignisse herausgezogen. Das letzte Kapitel bezieht sich auf die okkultistischen Bezüge der “Fünf-vor-Zwölf-Metapher“, welche einerseits eine Weltuntergangsstimmung prognostizieren, aber auch auf der anderen Seite mit der Magie der Zahlen zu tun haben. Die Atomkriegsuhr steht in dieser Hausarbeit im Fokus. Auf dieser Basis bauen die Themen aufeinander auf. Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, dass die Atomkriegsuhr in ihrem politischen, aber auch okkultischen Verständnis gegenübergestellt wird, um somit zu einer erweiterten Erkenntnis zu gelangen. Beide Themenbereiche werden somit innerhalb der Hausarbeit mithilfe der Atomkriegsuhr in eine nähere Verbindung gebracht.

2. Quellenkritik: ״Rate mal, wer“ (New York: Herald Tribune)

Quelle: Block, Elerbert Lawrence: ״Rate mal, wer“. In: o. V.: Kurz vor Ultimo. In: Der Spiegel. Das deutsche Nachrichten-Magazin Jhrg. 16, Heft 44 (1962), s. 25).

Die Karikatur mit der Unterschrift ״Rate mal, wer“ wurde bereits zuvor in der New Yorker Zeitschrift namens Herald Tribune veröffentlicht. Daraufhin veröffentlichte der Spiegel diese Karikatur am 31. Oktober 1962 ein zweites Mal, um die Auswirkungen der Atombombe mit dieser Darstellung der überdimensionalen Atombombe als Comicfigur deutlich zu machen.1 Der Verfasser der Karikatur ist Herbert Lawrence Block. Er fungiert als ein politischer Karikaturist, der bei der Washington Post als Chefkarikaturist angestellt war. Er war ein angesehener Zeichner, welcher mit seinen Cartoons mehrere Preise gewann.2 Sein Namenskürzel lautet “Herblock“, mit welchem er seine Bilder signierte3. Aufgrund des Datums der Veröffentlichung (31.10.1962) und dem Inhalt der Karikatur bezieht sich diese unumschränkt auf die Kuba-Krise4. Der Bildinhalt der Karikatur von Herbert Lawrence Block zeigt eine menschlich wirkende Bombe, genauer gesagt im Zusammenhang mit der Kuba­Krise eine Atombombe, welche der vermenschlichten Weltkugel die Augen zuhält. Der böse Blick der Atombombe lässt Schreckliches erahnen. Die Weltkugel ist der Macht der Atombombe hilflos ausgeliefert, welche dies mit den nach unten gerichteten Mundwinkeln signalisiert. Außerdem wird die Übermacht der Atombombe durch ihre Größe im Gegensatz

ZU der Weltkugel unterstrichen. Am linken Arm trägt die Atombombe eine Uhr, welche fünf vor zwölf auf dem Zifferblatt anzeigt. Durch die angezeigte Uhrzeit soll den Menschen bewusst gemacht werden, wie nah die Katastrophe mit der völligen Vernichtung der Erde, also der Tag des Jüngsten Gerichts, noch entfernt ist.5 Die Welt Stand kurz vor dem Weltuntergang. Das Ausmaß der Zerstörung hätte nichts mehr übrig gelassen, wenn Russland Amerika und Amerika Russland mit Atomraketen beschossen hätte. Jedoch kam zum Glück alles anders. Die Weltkugel konnte sich gegen die Übermacht der Atombombe behaupten.

Der geschichtliche Hintergrund der Karikatur bezieht sich auf die Kuba-Krise, welche sich im Zeitraum vom 14. Oktober bis zum 28. Oktober 1962 ereignete6. Der Startschuss zur Kuba­Krise wurde durch die Invasion in der Schweinebucht ausgelöst, welche dazu führte, dass die Kubaner sich vor den Amerikanern schützen mussten. Bei der Invasion in der Schweinebucht landeten 1500 ehemalige Kubaner, welche aus Kuba vertrieben wurden und von dort an in der Vereinigten Staaten von Amerika ihren neuen Wohnsitz fanden. Ihr Auftrag von der CIA war es, Fidel Castro zu Stürzen. Diese Operation scheiterte.7 Daraufhin stationierten die Kubaner mithilfe der Sowjetunion zum eigenen Schutz Atomraketen auf ihrer Insel8. Ein amerikanisches Spionageflugzeug entdeckte die Atomraketen auf Kuba und es kam zu einer Seeblockade durch die Amerikaner vor Kuba, um die weitere Anlieferung von Teilen für die Atomraketen zu unterbinden und der Sowjetunion zu signalisieren, dass die Grenze überschritten ist9.

Mit dem historischen Hintergrund in Bezug zu der Karikatur wird deutlich, dass Herbert Lawrence Block keine natürliche Propaganda betreiben wollte, sondern eine eindringliche Warnung an die Welt herausgab. Nicht nur seine gut in Szene gesetzten Hauptfiguren spielten ihre Rollen innerhalb der Karikatur perfekt, sondern auch die düstere Stimmung, welche im Hintergrund mit dichtem Rauch bestehend aus Rußpartikeln benetzt erscheint, wurde gut platziert. Block schaffte durch die Karikatur eine dunkel wirkende Zukunftsaussicht, die mit

3. Entstehungshintergrund der Atomkriegsuhr

Herbert Lawrence Block hat die Armbanduhr, welche sich an der linken Hand der Comicfigur befindet, bewusst mit der fünf vor zwölf Uhrzeigerstellung gewählt, weil diese auf die Weltuntergangsuhr, die sogenannte Atomkriegsuhr von Martyl Langsdorf hindeutet. Umso mehr der Uhrzeiger an die Zwölf heranrückt, umso näher steht die Menschheit vor dem Weltuntergang.13

3.1 Bulletin of the Atomic Scientists

Die Urheber der “Bulletin of the Atomic Scientists“ fungieren als eine Gruppe von Atomwissenschaftlern aus Chicago, die sich ab dem 26. September 1945 zu der Organisation “The Atomic Scientists of Chicago“ zusammengeschlossen haben und gemeinsam ihre Verfassung ausarbeiteten, in welcher die Grundsätze ihrer Gruppierung festgeschrieben wurden. Die Verfassung wurde am 30. Oktober 1945 durch das Unterschreiben von 200 Atomwissenschaftlern verabschiedet und zum Hauptbestandteil der Organisation. Der Kern dieser Verfassung basiert auf der Aufklärung der Menschheit bezüglich der Atomenergie und der daraus resultierenden wissenschaftlichen, technologischen und sozialen Probleme.14 Die Ziele der Atomwissenschaftler lauten wortwörtlich:

,,7. To explore, clarify and formulate the opinion and responsibilities of scientists in regard to the problems brought about by the release of nuclear energy, and 2.

To educate the public to a full understanding of the scientific, technological and social problems arising from the release of nuclear energy!. ‘ ‘15

Außerdem waren einige der Atomwissenschaftler an dem damaligen “Manhatten-Projekt“ beteiligt, welches am 17. September 194216 gestartet wurde. Es besteht ein Zusammenhang !6 d

dem Untergang der Welt manifestiert wird. Außerdem wirft der Karikaturist den Kemgedanken auf, dass wir die Atombombe unterschätzen. Somit löst diese Karikatur die eigentliche Gegenüberstellung der Feindeslager zwischen der Sowjetunion und Amerika auf und regt die Menschen dazu an, dass wir einer weitaus größeren Gefahr gegenüberstehen. Nicht der Mensch ist unser Feind, sondern die vom Menschen hergestellten Massenvernichtungswaffen. Die Indoktrination, welche die Karikatur verfolgt, ist klar und deutlich die Aufhebung von Atombombentests sowie der Stopp des Baus von Atombomben. Dies stellt das Motto von Herbert Lawrence Block innerhalb dieser erstellten Karikatur dar. Dieser Leitspruch trifft direkt in das Herz der westlichen und östlichen Ordnung. Der Adressat, welchen Block mit dieser Zeichnung anspricht, bezieht sich auf die gesamte Menschheit. Somit muss die östliche und westliche Welt zueinander finden, um dem Ende der Welt entgegenzuwirken. Nach der Kuba-Krise kam es zu einer deutlichen Entspannung zwischen den beiden Feindeslagern, aber von einer Versöhnung kann nicht die Rede sein, weil das Wettrüsten um die Macht mit Hilfe von anderen Mitteln weiter ausgetragen wurde. Diese Karikatur wirkt nicht als eine handelsübliche Propaganda, da der Mensch im Allgemeinen zum Handeln gegen die Massenvernichtungswaffen aufgerufen wird. Außerdem spiegelt die Karikatur das Ende der heißen Phase des Kalten Krieges wieder.5

Weiterführend kommt es aufgrund der Erfahrung mit der Kuba-Krise und des Endes der angespannten Phase des Kalten Krieges zu einer Errichtung einer direkten Verbindung zwischen dem Kreml in Moskau sowie dem Weißen Haus in Washington, welcher als ‘Heißer Draht‘ in die Geschichte einging. Dabei handelt es sich um keine Telefonverbindung, sondern um einen Nachrichtenschreiber, welcher den Umfang eines uns heute bekannten Faxgerätes aufweist. Dieser “Heiße Draht“ dient dazu, im Ernstfall miteinander zu kommunizieren. Damit soll einer herannahenden Katastrophe entgegengewirkt werden. Dieser “Heiße Draht“ besteht noch heute.6

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Karikatur von Herbert Lawrence Block ein Aufruf an die Gesamtbevölkerung der Erde symbolisiert, sich gegen den Einsatz von Atombomben zu entsagen. Die Armbanduhr an der linken Hand der atombombenähnlichen Comicfigur spitzt die Lage weiter zu, indem diese nur einen kleinen Zeitraum (fünf Minuten) einräumt, in welcher die Menschheit noch eine Handlungsfähigkeit besitzt, um den Einsatz von Atombomben zu widerrufen12.

zwischen den Mitarbeitern des “Manhatten Projekts“ und der Organisation “The Atomic Scientists of Chicago“, weil beide Gruppierungen als ehemalige Mitarbeiter der “Metallurgual Laboratory of the University of Chicago“ beschäftigt waren.7 Weiterführend findet zwei Mal im Monat eine Versammlung aller Mitglieder der “ The Atomic Scientists of Chicago‘ ‘ statt, um die aktuellen Bedrohungen durch die Atomenergie zu untersuchen. Das exekutive Organ der Organisation wurde am 7. November 1945 ins Leben gerufen. Die Mitglieder der ausführenden Gewalt waren: J.R. Simpson, Jr. (Vorsitzender), Austin Brues, Francis L. Friedman, Arthur H. Jaffrey, Robert L. Moon, J. J. Nickson und E. Rabinowitch. Wenn einer der Mitglieder verhindert war, dann gab es Ersatzmänner wie A. Wattenberg, R. Adams und weitere. Zudem gab es noch ein Komitee, welches aus Beratern für die Wissenschaftler aus Chicago zusammengesetzt war. Die Mitglieder dieser Abteilung waren: Thorfin Hogness (Vorsitzender), Kenneth c. Cole, James Franck und weitere.8 Die Organisation “ The Atomic Scientists of Chicago “ veröffentlichte am 10. Dezember 1945 die erste Ausgabe der Zeitschrift “Bulletin of the Atomic Scientists“, welche mit dieser auf die Probleme der Atomenergie hinwiesen und damit versuchten, die Menschen zum cimdenken zu bewegen. Sie hatten einen fatalen Fehler in der Vergangenheit begangen, weil sie mithilfe anderer Atomwissenschaftler die atomare Energie entwickelt hatten und wollten dies nicht unberücksichtigt lassen.9 Der Initiator für die Herausgabe der Zeitschrift war Hymen H. Goldsmith10. Die Juniausgabe des Jahres 1947 war ein bedeutendes Datum für die Zeitschrift. Zu diesem Zeitpunkt bekam das Bulletin sein erstes richtiges Cover, welches zum ersten Mal ein Bild und die Themenübersicht auf der Titelseite enthält. Das darauf befindliche Bild ist das Fundament für die weiteren Jahre und schmückt die darauffolgenden Ausgaben immer wieder mit einer Llhr. Bei dieser Ausgabe wurde die Uhr auf sieben vor zwölf gestellt. Diese ist nicht als eine handelsübliche Uhr aufzufassen, sondern sie zeigt wie nah die Menschen vor dem Untergang der Welt durch eine atomare Bedrohung Stehen.11 Also bezeichnet man die Uhr seit dem Beginn der Verwendung auf dem Cover der sechsten Ausgabe der “Bulletin of the Atomic Scientists“ als die Atomkriegsuhr.

3.2 Design der Atomkriegsuhr

Eine Künstlerin namens Martyl Langsdorf war die Frau eines Manhatten-Projekts Mitarbeiters mit dem Namen Alexander Langsdorf. Sie nahm sich der Aufgabe an, die Weltuntergangsuhr zu entwerfen. Beauftragt wurde die Künstlerin vom Herausgeber (Hymen H. Goldsmith12 13 ) der Zeitschrift “Bulletin of the Atomic Scientists“. Langsdorfs Entwurf schmückte zum ersten Mal das Cover der Juni Ausgabe der Zeitschrift “Bulletin of the Atomic Scientists“. Der Zeiger Stand auf sieben vor zwölf. Obwohl der Zeiger auf sieben vor zwölf stand, war Langsdorf außerdem die Gründerin der “Fünf-vor-Zwölf-Metapher“, welche an die herannahende Katastrophe oder auf den Tag des Jüngsten Gerichts hindeutet. Die Uhr nicht auf fünf vor zwölf zu stellen, wurde für Langsdorf aufgrund der Ästhetik des ersten Auftretens ihres Entwurfes der Atomkriegsuhr zugeschrieben. Nicht nur die Atomkriegsuhr war das Werk von Langsdorf, sondern auch die Auswahl der Farbe des Covers auf der Zeitschrift wurde nach ihrem Interesse gewählt. Die Farbe veränderte sich im Laufe der Jahre immer wieder.14 Die Zeitschrift wurde aufgrund der Darstellung des Covers inklusive Inhaltsangabe wegen der Designerin in ein Magazin verwandelt. Somit wertete Langsdorf die Zeitschrift zu einem Magazin auf und gab dem Bulletin ebenfalls eine Ikone in Form einer Uhr mit, welche bei der Betrachtung für jedermann als leicht verständlich bezeichnet werden kann.15 Die symbolische Bedeutung der Uhr als Weltuntergangsuhr wurde in mehreren Novellen verwendet, welche die Atomkriegsuhr als Ikone der Zeitschrift “Bulletin of the Atomic Scientists“ immer wieder aufleben lassen16. Das einzigartige Design, welches durch einen prägnanten und auffälligen schwarzen Stundenzeiger, der auf der Zwölf steht sowie dem Minutenzeiger auf der sieben in der weißen Farbe unterstrichen wird räumt
wenig Handlungsspielraum für die Betrachter ein. Es ist deutlich ersichtlich, dass der Stundenzeiger feststeht und laut der Zeichnung nicht vorrücken kann, weil innerhalb der Zeichnung keine 13 oder eins vorhanden ist. Damit kann zwölf Uhr als die Endzeit angesehen werden. Der Minutenzeiger hat einen Spielraum von einer viertel Stunde. Langsdorf war es somit wichtig eine Atomkriegsuhr zu erschaffen, welche immer auf den Tag des Jüngsten Gerichts hinzielt und die Menschen dazu bewegen soll, die atomare Energie zu verneinen. Langsdorf drückt den Betrachtern der Atomkriegsuhr eine Enge auf, welche direkt durch das Fehlen der restlichen drei Teile des Viertels der Uhr suggeriert wird. Die Rezipienten werden automatisch auf das letzte Viertel der Uhr gelenkt, in welchem sie nur noch einen kurzen Zeitraum haben, um zu reagieren. Es wird von ihnen ein schnelles Handeln erwartet. Die Farbgebung der Zeiger ist von der Designerin der Atomkriegsuhr bewusst gewählt worden, weil schwarz die Dunkelheit symbolisiert und weiß das Licht. Somit fungiert die Uhrzeit zwölf Uhr für Langsdorf immer als Untergang der Menschheit. Es ist ein enormer Appell, schon mehr eine Drohung an die Menschen, welche die Atomenergie befürworten, sich gegen die atomare Bedrohung zu entscheiden.17

3.3 Fünf-vor-Zwölf-Metapher

Die “Fünf-vor-Zwölf-Metapher“ hat ihren Ursprung bei Martyl Langsdorf, die das Cover der “Bulletin of the Atomic Scientists“ gestaltete. Die Inhaltsbedeutung der “Fünf-vor-Zwölf- Metapher“ gibt es schon lange, aber die Namensgebung sowie der symbolische Ausdruck in Form einer Uhr ist auf die Künstlerin zurückzuführen.18 Diese Metapher ist auf alle Kulturkreise übertragbar, weil die Zeit von Kultur zu Kultur sich nicht verändert. Wir leben nur in verschiedenen Zeitzonen, in welchen wir verschiedene Uhrzeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt haben, aber die Uhrzeit an sich ist unveränderbar. Jeder versteht somit die Mitteilung innerhalb dieser Metapher. Es ist also höchste Zeit sofort einzulenken. Wenn die Zeit abgelaufen ist, dann springt die Uhr auf fünf nach zwölf und die Welt ist dem Untergang geweiht. Wir haben unser Handeln nur noch vor zwölf Uhr im Griff. Alles was danach folgt steht nicht mehr in unserem persönlichen Handeln. Wenn man die Metapher nicht ganz so radikal mit dem Jüngsten Gericht in Verbindung bringt, sondern von einer einzigen Tätigkeit in seinem privaten Leben ausgeht, also das Verfassen einer Hausarbeit zum Beispiel, dann steht die Uhr auf fünf nach zwölf, wenn man die Abgabefrist bereits versäumt hat. Somit ist

[...]


1 Vgl. Block, Herbert Lawrence: ״Rate mal, wer“. In: o.v. : Kurz vor Ultimo. In: Der Spiegel. Das deutsche Nachrichten-Magazin Jhrg. 16, Heft 44 (1962), s. 25.

2 Vgl. Fischer, Erika J. / Fischer, Heinz Dietrich: Die Entlarvung Hitler-Deutschlands: das Dritte Reich in Karikaturen von Pulitzer-Preisträgem. Münster 2008, s. 40; Vgl. ״Biografie. Herbert Lawrence Block“, unter: http://www.whoswho.de/bio/herbert-lawrence-block.html (abgerufen am 19.02.2018 um 14:12).

3 Vgl. O.V.: The Hectic Daily Rat Race of a Master u.s. Cartoonist. In: Life Jhrg. 41, Heft 21 (1956), s. 155; Vgl. Block, Herbert Lawrence: ״Rate mal, wer“. In: o.v. : Kurz vor Ultimo. In: Der Spiegel. Das deutsche Nachrichten-Magazin 16, Heft 44 (1962), s. 25.

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. Block, Elerbert Lawrence: ״Rate mal, wer“. In: o.v. : Kurz vor Ultimo. In: Der Spiegel. Das deutsche Nachrichten-Magazin Jhrg. 16, Lieft 44 (1962), s. 25.

6 Vgl. Lüpke von, Marc: ״“Heißer Draht“ im Kalten Krieg. Wenn der Russe ruft“, unter: http://www.spiegel.de/einestages/der-heisse-draht-als-direktverbindung-zwischen-washington-und-moskau-im- kalten-krieg-a-95 (abgerufen am 19.02.2018 um 20:00 Uhr).

7 Vgl. O.V.: The Atomic Scientists of Chicago. In: Bulletin of the Atomic Scientists Jhrg. 1, Heft 1 (1945), s. 1; Vgl. Schüler, Andreas: Erfindergeist und Technikkritik: der Beitrag Amerikas zur Modernisierung und Technikdebatte seit 1900. Stuttgart 1990, s. 90.

8 Vgl. O.V.: The Atomic Scientists of Chicago. In: Bulletin of the Atomic Scientists Jhrg. 1, Heft 1 (1945), s. 1.

9 Vgl. Ebd., s. 6.

10 Vgl. O.V.: Hymen H. Goldsmith. In: Bulletin of the Atomic Scientists Jhrg. 5, Heft 8 (1949), s. 3.

11 Vgl. O.V.: Cover. In: Bulletin of the Atomic Scientists Jhrg. 3, Heft 6 (1947); Vgl. Kortner, Ulrich H. J.: Weltangst und Weitende. Eine thelogische Interpretation der Apokalyptik. Göttingen 1988, s. 262; Vgl. Benedict, Kennette: ,,Doomsday Clockwork“, unter: https://thebulletin.org/doomsday-clockwork8052 (abgerufen am 20.02.2018 um 22:59).

12 Nehring, Holger: Angst, Gewalterfahrungen und das Ende des Pazifismus. In: Greiner, Bemd/Müller, Christian Th./Walter, Dierk [Hrsg.]: Angst im Kalten Krieg. Hamburg 320 09, s. 441;Vgl. Benedict, Kerinette: ״Doomsday Clockwork“, unter: https://thebulletin.org/doomsday-clockwork8052 (abgerufen am 20.02.2018 um 22:59).

13 Vgl. o.v: Hymen H. Goldsmith. In: Bulletin of the Atomic Scientists Jhrg. 5, Heft 8 (1949), s. 3.

14 Colligan, Suzanne: Clock, Doomsday. In: Birx, H. James [Hrsg.]: Encyclopedia of Time: Science, Philosophy, Theology, & Culture. Kalifornien 2009, s. 194; Vgl. Macho, Thomas: Das Leben nehmen: Suizid in der Moderne. Frankfurt 2017, s. 426; Vgl. Steffen, Oie: ״Die Atomkriegsuhr wird 70“, unter: https://www.mdr.de/zeitreise/was-ist-die-atomkriegsuhr-100.html (abgerufen am 21.02.2018 um 00:19).

15 Vgl. O.V.: Cover. In: Bulletin of the Atomic Scientists Jhrg. 3, Heft 6 (1947).

16 Vgl. Schudel, Matt: ״Martyl Langsdorf, designer of Doomsday Clock, dies at 96“, unter: https://www.washingtonpost.com/local/obituaries/martyl-langsdorf-designer-of-doomsday-clock-dies-at- 96/2013/04/06/389aeab8-9ecf-l Íe2-9a79-eb5280c81c63_story.html?utm_term=2dbdel85a4d6 (abgerufen am 21.02.2018 um 12:10).

17 Vgl. O.V.: Cover. In: Bulletin of the Atomic Scientists Jhrg. 3, Eieft 6 (1947).

18 Vgl. Colligan, Suzanne: Clock, Doomsday. In: Birx, H. James [Hrsg.]: Encyclopedia of Time: Science, Philosophy, Theology, & Culture. Kalifornien 2009, s. 194

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Entstehung und Entwicklung der Atomkriegsuhr während der Zeit des Kalten Krieges
Untertitel
Wie entstand und entwickelte sich die Atomkriegsuhr ab Beginn des Kalten Krieges bis zum Ende des Kalten Krieges im Jahre 1991 und welche okkulten Bezüge lassen sich in der Fünf-vor-Zwölf-Metapher finden?
Hochschule
Universität Paderborn  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Propaganda im Kalten Krieg
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
27
Katalognummer
V417220
ISBN (eBook)
9783668666085
ISBN (Buch)
9783668666092
Dateigröße
1143 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
atomkriegsuhr, fünf-vor-zwölf-metapher, Kalter Krieg
Arbeit zitieren
Yannick Puhze (Autor), 2018, Die Entstehung und Entwicklung der Atomkriegsuhr während der Zeit des Kalten Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417220

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