Zum Streit gehören immer zwei. Eine Fallanalyse zum Thema Kommunikation


Hausarbeit, 2018
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kommunikation

3. Das Vier-Ohren-Modell von Schulz von Thun

4. Ich-Botschaften

5. Fallsituation

6. Diskussion der Forschungsfrage

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

9. Anlage

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: https://management-akademie-nrw.de/wp-content/uploads/2016/03/kommunikationsquadrat.gif aufgerufen am 10.02.18

1. Einleitung

Haben Sie schon mal versucht in einem Raum mit anderen Menschen nicht zu kommunizieren? Eine schier unmögliche Aufgabe, denn es ist nicht möglich, nicht zu kommunizieren. Viele Menschen beschränken den Begriff Kommunikation auf die verbale Sprache. Wenn nicht geredet wird, wird also auch nicht kommuniziert. Das aber ist ein Irrglaube, denn auch wenn nichts gesagt wird, ist das Kommunikation!

Kommunikation beinhaltet jede Art von Interaktion, also auch die Körpersprache oder das Schweigen. Wenn eine Person im Bus aus dem Fester guckt, signalisiert sie beispielsweise, dass sie nachdenklich ist oder nicht mit anderen Mitfahrern ins Gespräch kommen möchte. Eine Person die lacht signalisiert Freude. Auch wenn jemand auf eine Frage bewusst nicht antwortet, hat das eine Bedeutung.

Diese Erkenntnisse lassen einen großen Freiraum für Missverständnisse. Es kommt nämlich zusätzlich darauf an, wie der Empfänger diese Botschaften deutet. Für den einen ist Schweigen vielleicht eine Zustimmung, für den nächsten wiederrum ein „Nein“. Ebenfalls spielt der Tonfall eine Rolle. Durch ihn kann bewusst oder unbewusst ein Satz in seiner Bedeutung komplett verändert werden, man denke an den Sarkasmus beziehungsweise die Ironie. Weiter gibt es Menschen, die Aussagen schnell persönlich nehmen, oder als Aufforderung empfinden. Andersrum versuchen manche Menschen durch bestimmte Aussagen ihr Gegenüber zu etwas zu animieren, beispielsweise durch den Satz „Ich habe so einen Durst und keine Lust aufzustehen“. Die Verarbeitung und Umsetzung der versteckten Aufforderung scheitert aber wiederrum, weil das Gegenüber die Aussage nicht als solche erkennt.

Diese Hausarbeit soll anhand eines Fallbeispiels aufzeigen, wie Kommunikation besser gelingen kann. Sie geht der Fragestellung nach, wo genau es im Fallbeispiel zu Kommunikationsschwierigkeiten gekommen ist und wie diese Konversation hätte besser verlaufen können. Inhaltlich wird daher auf das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun und das Senden der „Ich-Botschaften“ eingegangen. Das Kommunikationsmodell soll helfen, das Senden und Empfangen der Nachrichten besser verstehen und somit gezielter anwenden zu können. Die Ich-Botschaften vermitteln hierbei einen guten Weg, um auf eine vorwurfsfreie Art Wünsche und Kritik äußern zu können.

Zuerst wird hierfür der Begriff Kommunikation definiert und näher erläutert. Als nächstes wird dann Friedemann Schulz von Thun und seine Kommunikationstheorie, bzw. das „Vier-Ohren-Modell“ vorgestellt. Im weiteren Verlauf werden die „Ich-Botschaften“ dargestellt und erklärt. Weiter wird das Fallbeispiel beschrieben und analysiert, um schließlich aufzuzeigen, wie diese Situation besser hätte gelöst werden können.

2. Kommunikation

„Kommunikation umfasst alle Fähigkeiten des Menschen, sich anderen mitzuteilen und andere zu verstehen. Sie ist das Mittel, um Botschaften, Wünsche, Erwartungen und Gefühle auszudrücken“ (Hesse/Schrader, o.J.).

„Wenn Signale ausgesendet werden und das eine Wirkung zeigt, ist das Kommunikation!“ (Weber, 2018).

Kommunizieren zu können ist eine Fähigkeit aus dem Bereich der sozialen Intelligenz. Durch diese können wir mit anderen Menschen in Kontakt treten, uns mit ihnen verstehen und die eigenen Interessen erfolgreich umsetzen. Damit Kommunikation gelingen kann, ist das Wissen und die Facetten und Funktionsweisen von Bedeutung. Im beruflichen Kontext wird beispielsweise anders kommuniziert, als im Freundeskreis. Das Wissen um die Unterschiede und die verschiedenen Rollen innerhalb des sozialen Umfelds und die damit verbundene angemessene Form der Kommunikation haben die meisten Menschen verinnerlicht. Die Beziehungsebene wird hierbei überwiegend unbewusst und automatisch berücksichtigt (vgl. Hesse/Schrader, o.J.).

Kommunikation kann grundsätzlich auch als Informationsaustausch bezeichnet werden. Die Voraussetzung ist, dass mindestens zwei Personen beteiligt sind. Einer sendet in dem Fall die Signale, die der andere aufnimmt und deutet. Hierfür bedarf es nicht unbedingt einen gesprochenen Satz, auch Gestik und Mimik dienen der Kommunikation. Somit kann der Begriff in verbale- und nonverbale Kommunikation unterteilt werden.

Verbale Kommunikation besteht aus Sprache, also aus Worten die ausgesprochen oder aufgeschrieben werden. Gebärdensprache zählt ebenfalls zur verbalen Sprache, da die Gesten klar definiert und einer Bedeutung zugeordnet sind. Verbale Kommunikation ist digital.

Nonverbale Kommunikation hingegen meint jene, die nicht über Worte ausgedrückt wird. Gemeint sind also die Mimik und Gestik, wie z.B. ein Blick oder ein Lächeln. Ebenfalls zählen die Betonung des Gesprochenen, Laute wie z.B. ein Seufzen und sogar Schweigen zur nonverbalen Kommunikation. Die Körperhaltung sagt ebenso etwas aus. Auch auf etwas nicht zu reagieren ist eine Form der Kommunikation und kann bewusst oder unbewusst eingesetzt werden (vgl. Müller, 2007, S.3).

3. Das Vier-Ohren-Modell von Schulz von Thun

Friedemann Schulz von Thun ist für viele Menschen durch sein „Vier-Ohren-Modell“, oder auch „Vier-Seiten-Modell“ genannt, bekannt geworden. Entwickelt wurde es in den 70er Jahren in Deutschland (comexperts AG).

Dieses Modell besagt, dass eine Nachricht immer auf vier Ebenen gesendet und empfangen wird. „Ein und dieselbe Nachricht enthält viele Botschaften; ob er will oder nicht – der Sender sendet immer gleichzeitig auf allen vier Seiten“ (Schulz von Thun, 2017, S.34).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vier-Seiten-Modell

Sachinhalt

Eine Seite der Nachricht ist die Sachinhaltsebene. Auf dieser Ebene wird die reine Sachinformation gesendet bzw. empfangen. Sie dient also der Informationsweitergabe, bzw. Aufnahme. Beispiel: Die Suppe ist heiß.

Selbstoffenbarung

Eine weitere Seite einer Nachricht ist die Selbstoffenbarungsebene. Auf dieser gibt der Sender Informationen über sich preis und teilt etwas von sich mit. Beispiel: Ich kann die Suppe noch nicht essen, da sie für mich so zu heiß ist und ich mir sonst möglicherweise meine Zunge verbrenne.

Beziehung

Weiter gibt es die Seite der Beziehungsebene. Auf dieser wird mitgeteilt, was der Sender vom Empfänger hält, bzw. was dieser glaubt, was der Sender von ihm hält. Beispiel: Mir ist aufgefallen, dass die Suppe noch sehr heiß ist. Da du mir wichtig bist, möchte ich dich warnen, damit du dich nicht verbrennst.

Apell

Die vierte Seite einer Nachricht ist die Apellebene. Dieser Teil der Nachricht fordert den Empfänger zu etwas auf. Beispiel: Achtung! Sei vorsichtig! Warte noch mit dem Essen oder puste vorher! (vgl. Schulz von Thun, 2017, S.28-33).

Wenn eine Person sehr stark auf einer der Seiten sendet oder empfängt, kann das zu Missverständnissen und Konflikten führen. Sender und Empfänger hören bzw. senden nämlich nicht immer auf derselben Seite.

Schulz von Thun schließt sich der Aussage von Paul Watzlawick an und beschreibt in seinem Buch „Miteinander reden: 1“, dass auch ein „nicht reagieren“ eine Form der Kommunikation ist. Wenn der Sender in einen Raum kommt und dort jemanden grüßt, derjenige aber nicht reagiert, dann veranlasst dieses Verhalten den Sender zu denken, dass der Empfänger sich offensichtlich nicht unterhalten möchte. (vgl. Schulz von Thun, 2017, S.37 f).

Schulz von Thun erwähnt in diesem Zusammenhang auch, dass der Tonfall einer Äußerung mit einer dazu passenden Mimik verbunden wird. Stimmen diese Komponenten nicht überein, kann es zu Irritationen kommen. Wenn beispielsweise eine Person äußert, dass sie Trauer empfindet, dabei aber lacht, wirkt das unglaubwürdig. Schulz von Thun nennt diese Nachrichten kongruent bzw. inkongruent. Kongruent sind sie, wenn alle Signale übereinstimmen, inkongruent, wenn dies nicht der Fall ist (vgl. Schulz von Thun, 2017, S.38).

„Grundsätzlich glauben Menschen, bei einer inkongruenten Nachricht, häufiger den nonverbalen Signalen“ (Weber, 2018).

4. Ich-Botschaften

Wenn ich möchte, dass andere Menschen mich verstehen, muss ich über mich selbst sprechen. (Gordon 2013)

„Ich-Botschaften“ sind Nachrichten, die aus der Ich-Perspektive gesendet werden, somit können sie der Selbstoffenbarungsebene zugeordnet werden (vgl. Schulz von Thun 2017, S.123). Sie beinhalten eigene Gedanken, Wünsche oder Vorstellungen und sind frei von „Du-Botschaften“.

Du-Botschaften sind das Gegenteil von Ich-Botschaften. Sie übersetzen das eigene innere Erleben in eine Aussage über den anderen (vgl. Schulz von Thun 2017, S. 125). Beispielsweise enthält folgende Aussage eine Du-Botschaft: „Musst du eigentlich immer dazwischenreden? Du solltest mal in einen Diskutierkurs gehen.“ Die passende Ich-Botschaft könnte wie folgt lauten: „Ich bin sauer, wenn ich unterbrochen werde. Ich denke dann, das ist nicht interessant genug, was ich erzähle.“ (Schulz von Thun 2017, S. 125). Du-Botschaften enthalten also Kritik, Schuldzuweisungen, Bestrafungen oder Ablehnung. Dies ist keine gute Grundlage um den Gesprächspartner zur Kooperation zu motivieren. Wahrscheinlicher wird dieser sich nicht an den Äußerungen interessiert zeigen und sogar in eine Ablehnungshaltung gehen, bzw. Gegenargumente bringen, die die Aussagen wiederlegen oder abschwächen.

Wichtig bei Ich-Botschaften ist, dass die eigenen Beobachtungen ohne eine Bewertung zum Ausdruck gebracht werden. Hierbei gilt es Begriffe wie „dauernd“, „immer“ und „ständig“ zu vermeiden (vgl. o.V. 2015). Somit wird dem Gesprächspartner die Chance gegeben sich und die Situation zu erklären. Wenn die Abrechnung einer Kollegin beispielsweise Anfang des Monats nicht bei der Chefin vorliegt, kann diese die Kollegin darauf ansprechen, indem sie sagt: „Ich kann deine Abrechnung nicht finden.“ Das ist ein reiner Sachinhalt, ohne Wertung oder Beschuldigungen. Nun kann die Kollegin darauf eingehen indem sie entweder mitteilt, dass die Abrechnung beispielsweise noch nicht fertig ist, oder aber sie diese schon längst abgeschickt hat, aber möglicher Weise ein Fehler im System vorliegt.

Ich-Botschaften verstehen sich also als situatives Feedback und werden in einem engen zeitlichen Zusammenhang zum Geschehen übermittelt. Sie sind sinnvoll, wenn kein längeres Klärungsgespräch erwartet wird und passen zu allen hierarchischen Beziehungen, da sie auf Augenhöhe gesendet werden. Des Weiteren sind sie nicht wiederlegbar (vgl. Weber 2018, S.17f).

Nachdem das nötige theoretische Wissen zur Fallbearbeitung aufgezeigt wurde, wird im folgenden Kapitel die Fallsituation geschildert.

5. Fallsituation

Beschrieben wird eine Situation aus dem beruflichen Alltag der Autorin. Die Namen der Personen wurden aus datenschutzrechtlichen Gründen verändert.

Frau Meier arbeitet als sozialpädagogische Familienhelferin und ist für Familie Berger zuständig. Immer wieder kommt es zum Streit zwischen Herrn und Frau Berger, der sich auf die ganze Familie auswirkt. Frau Berger fühlt sich oft überlastet und gibt an, alles alleine machen zu müssen. Herrn Berger machen diese Aussagen wütend, da er voll berufstätig ist und in der Woche erst spät abends nach Hause kommt. Frau Berger arbeitet auf Teilzeitbasis in einem Bekleidungsgeschäft und kümmert sich um die beiden Kinder Sonja, 3 Jahre und Joel, 6 Jahre. Für den Haushalt ist Frau Berger aktuell allein verantwortlich.

An einem Tag, an dem die Familienhelferin bei Familie Berger war, kam es in einem Gespräch mit Frau und Herrn Berger erneut zu einem Konflikt. Frau Berger schilderte wie so oft, dass es ihr aktuell gar nicht gut gehe, sie habe keine Kraft mehr. Alles müsse sie alleine machen und Herr Berger helfe ihr in keinster Weise. Ihre Körperhaltung machte einen gedrückten Eindruck. Sie saß grade auf dem Stuhl, die Beine waren x-förmig an den Knien zusammengedrückt und die Hände lagen auf ihrem Schoß. Ihr Rücken und ihr Kopf waren dabei nach vorne gebeugt, der Blick ging nach unten. Herr Berger schnaufte in dem Moment, in dem Frau Berger den Satz aussprach und begann zu grinsen. Er rollte seine Augen und drehte dabei den Kopf zur Seite. Seine Arme waren vor der Brust verschränkt und er wippte mit seinem rechten Bein. Frau Berger zeigte keine Reaktion darauf. Die Familienhelferin Frau Meier sprach Herrn Berger auf sein Schnaufen und grinsen an. Er entgegnete, dass er die Aussage lachhaft fände und Frau Berger maßlos übertreiben würde. Frau Meier fragte ihn, wie er zu dieser Annahme komme. Er antwortete, dass sie lediglich ein paar Stunden in das Bekleidungsgeschäft gehen müsse und dass es keine richtige Arbeit sei, ein paar Kleidungsstücke wegzuräumen. Herr Berger schaute Frau Berger dabei nicht an. Frau Berger ergänzte, dass sie sich nach der Arbeit um die Kinder kümmern müsse und zusätzlich alleine den Haushalt erledige und das auch am Wochenende. Sie sagte ihm, dass er ja den ganzen Tag auf der Couch liegen würde, sobald er zu Hause sei. Dabei wendete sie ihm ihren Blick zu. Herr Berger entkräftete folgend jegliche Aussagen von Frau Berger damit, dass diese Aufgaben keine Anstrengung seien und er derjenige sei, der hart arbeiten würde. Frau Berger entgegnete immer wieder mit Aussagen darüber, wofür sie alles verantwortlich sei.

[...]

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Details

Titel
Zum Streit gehören immer zwei. Eine Fallanalyse zum Thema Kommunikation
Hochschule
Fachhochschule der Diakonie GmbH
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V417234
ISBN (eBook)
9783668666733
ISBN (Buch)
9783668666740
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation, Streit, Fallanalyse, Schulz von Thun, von Thun, Vier Ohren Modell, Vier Seiten Modell, Sprache, Familienberatung, Beratung
Arbeit zitieren
Marie Steinkamp (Autor), 2018, Zum Streit gehören immer zwei. Eine Fallanalyse zum Thema Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417234

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