Pflanzen im Wandel. Genussmittelpflanzen in unserem Alltag


Bachelorarbeit, 2017

52 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Genussmittelpflanzen
2.1 Wirkstoffe
2.1.1 Coffein
2.1.2 Nikotin
2.1.3 Theobromin

3 Ausgewahlte Beispiele von Genussmitteln
3.1 Kaffee
3.1.1 Systematik
3.1.2 Verbreitung und Standortanspruche
3.1.3 Morphologie
3.1.4 Inhaltsstoffe
3.1.5 Historische Entwicklung
3.1.6 Aktueller Stand
3.2 Tabak
3.2.1 Systematik
3.2.2 Verbreitung und Standortanspruche
3.2.3 Morphologie
3.2.4 Inhaltsstoffe
3.2.5 Historische Entwicklung
3.2.6 Aktueller Stand
3.3 Kakao
3.3.1 Systematik
3.3.2 Verbreitung und Standortanspruche
3.3.3 Morphologie
3.3.4 Inhaltsstoffe
3.3.5 Historische Entwicklung
3.3.6 Aktueller Stand

4 Zusammenfassung

5 Literatur

Anhang

I Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kaffeegurtel (Leaf and Bean Coffee Co.)

Abbildung 2: Coffea arabica (Stueber, 2003)

Abbildung 3: Volumen der Rohkaffeeproduktion (Brandeins, 2016, S. 16f)

Abbildung 4: Nicotiana tabacum (Wikipedia)

Abbildung 5: Holzschnitt aus dem 16. Jahrhundert (Gros, 1997, S. 108)

Abbildung 6: Tabakklistier des 18. Jahrhunderts (Wiener Zeitung, 2011)

Abbildung 7: Raucherstuhl (Landesmuseum Koblenz, 2015)

Abbildung 8: Always buy Chesterfield (Pinterest)

Abbildung 9: Heat Sticks (Vapingpost, 2015)

Abbildung 10: Verbrauch von Tabakwaren (Statistisches Bundesamt, 2016, S.7)

Abbildung 11: Ramiflorie (Dorken, 2014)

Abbildung 12: Blute & Fruchtknoten (Dorken, 2014)

Abbildung 13:Kakaofrucht (Dorken, 2014)

Abbildung 14: SCHO-KA-KOLA (Pinterest)

Abbildung 15: Rohkakaoanbau weltweit (Bundesverband derdt. SuRwarenindustrie)

Abbildung 16: Pro-Kopf-Verbrauch von Schokolade 2015 (Infozentrum Schokolade, 2016)

1 Einleitung

Schon vor langer Zeit haben diverse Genussmittel neben unserem reichhaltigen Nahrungsmittelangebot, Einzug in unser Leben gehalten und sind mittlerweile sogar vollkommen selbstverstandlich in unsere Alltagskultur integriert. Auch wenn nicht alle, in dieser Arbeit thematisierten Genussmittel, mit rein positiven Attributen beschrieben werden konnen, sind sie dennoch in ihrer Popularity bis heute ungebrochen. Max Pettenkofer stellte bereits 1873 fest: pie Genuftmittel sind wahre Menschenfreunde, sie helfen dem Organismus uber manche Schwierigkeiten hinweg, ich mochte sie mitder Anwendung der richtigen Schmiere bei Bewegungsmaschinen vergleichen“ (Hengartner, 1999, S.82).

Obwohl die Nutzung von Genussmitteln bereits viele Jahrhunderte in der Geschichte der Menschheit zuruckreicht, so sind die genauen Anfange nicht immer eindeutig und das Wissen uber die Historie, im Gegensatz zum heutigen Bekanntheitsgrad in der Gesellschaft wahrscheinlich eher gering.

In dieser Arbeit wird der Fokus auf die drei Genussmittel Kaffee, Tabak und Kakao gelegt, die in unseren Breiten sehr bekannt und aus unserem alltaglichen Leben kaum mehr wegzudenken sind. Im ersten Teil werden die jeweiligen Stammpflanzen hinsichtlich ihrer Systematik, Verbreitung und Standortanspruchen, Morphologie, sowie ihrer Inhaltsstoffe bzw. Wirkstoffe genauer betrachtet. Im Anschluss wird, getrennt voneinander, die historische Entwicklung der Genussmittel, bis hin zum neuzeitlichen Gebrauch beleuchtet. In der abschlieGenden Zusammenfassung werden die unterschiedlichen Gebrauchsweisen und Entwicklungen miteinander verglichen. Es stellt sich durchaus die Frage, wieso und auf welche Weise diese Pflanzen den Siegeszug Richtung Europa antreten konnten und heutzutage aus unseren Supermarktregalen nicht mehr wegzudenken sind.

2 Genussmittelpflanzen

Genussmittelpflanzen konnen durch ihre verschiedenen Pflanzenteile dem Menschen zutragliche Wirkstoffe liefern, wobei fur die positive Oder negative Wirkung, die Dosis entscheidend ist. Paracelsus brachte es 1538 bereits auf den Punkt:

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“ (Frey, 2010, S.599)

Die Grenze vom Genussmittel zum Rauschmittel ist daher gelegentlich flie- R>end. Im Sinne dieser Arbeit sind jedoch mit dem Begriff Genussmittel keine psychoaktiven Stoffe, die oftmals ein hohes Abhangigkeitsund Missbrauchspotential bieten, gemeint.

Primar werden Genussmittel aber dennoch nicht wegen ihres Nahrwertes, sondern wegen ihrer leicht anregenden bzw. beruhigenden Wirkung Oder ihres Geschmacks konsumiert und nehmen auf individueller, als auch auf sozialer Ebene eine wichtige Stellung ein. Die Kategorisierung des Begriffs ist nicht immereindeutig gestaltet. Laut Zielinski (2012, S.170) lassen sich die Genussmittel in Lebensmittel und Nichtlebensmittel einordnen. Lieberei (2007, S.288) macht dagegen klar, dass heutzutage im Lebensmittelrecht keine Unterscheidung mehr in Nahrungsmittel und Genussmittel erfolgt, sondern alle Genussmittel unter den erstgenannten Begriff fallen. Menninger (2004, S. 13)gelingt daruber hinaus eine weitere Abgrenzung zu den Gewurzen, die ihrer Meinung nach, ausschlieGlich als pflanzliche Speisezutat zur Verbesserung des Geschmacks und Aromas verwendet werden.

Die in dieser Arbeit vorgestellten Genussmittelpflanzen haben die elementaren Wirkstoffe Nicotin, Coffein und Theobromin, die mitunter dafur verantwortlich sind, dass diese Genussmittelpflanzen weitreichende Popularity erlangt haben.

2.1 Wirkstoffe

2.1.1 Coffein

Coffein istein pflanzlicher Inhaltsstoff und gehort zu den Methylxanthinen, die methylierte Derivate der Harnsaure sind. Genauer bestimmt, ist Coffein ein 1,3,7-Trimethylxanthin und kann heutzutage auch synthetisch hergestellt werden. Es ist vor allem Bestandteil von Kaffee, Tee, Mate, Guarana, Kolanuss und Kakao. In Kaffee ist Coffein hauptsachlich an Chlorogensaure gebunden, in anderen Pflanzen uberwiegend an Gerbsauren.

Das Alkaloid Coffein liegt im Korper in freier Form vor, da der Coffeinkomplex durch die Magensaure aufgespalten wird und innerhalb von ca. 20-60 Minuten vom Magen und dem Zwolffingerdarm resorbiert wird (WeiR>, 2007, S. 210). Auch wenn das Coffein durch die parallele Aufnahme von Mahlzeiten Oder Flavonoide z.B. aus Tee, langsamer absorbiert wird, werden letztendlich immer nahezu 100% vom Korper aufgenommen. Im Zuge von Oxidation und Demethylierung werden 95% des Coffeins mit einer Halbwertszeit von 3-7 Stunden uber die Leber wieder abgebaut, wobei die restlichen 5% jedoch unverandert uber den Urin ausgeschieden werden.

Hauptsachlich wirkt das Coffein auf das zentrale Nervensystem ein, indem es die Adenosinrezeptoren blockiert. Weil das Adenosin dadurch seine dampfende Wirkung nicht entfalten kann, kommt es zu einer stimulierenden Reaktion, die sich in gesteigerter Herzfrequenz, erhohtem Blutdruck und in einer Verengung der BlutgefaGe aul3>ert (ebd., S.211). Da die Methylxanthine die Durchblutung der Nieren verbessert und die glomerulare Filtrationsrate erhohen, bewirktdas Kaffeetrinken eine erhohte Ausscheidung von Flussigkeit, die jedoch mit regelmaGigem Genuss zuruckgeht. Ebenso lasst sich der Energieverbrauch mit Hilfe von Coffein erhohen, da es maGgeblich die Lipolyse und Thermogenese beeinflusst, wobei dies nach heutigen Erkenntnissen nicht zu einer deutlichen Gewichtsreduktion fuhren kann (ebd., S.212). Daruber hinaus werden dieAtemwege erweitert und ihre Selbstreinigung durch dieForderung des Flimmerepithels verbessert.

WirdCoffein inhohen Dosenzugefuhrt, konnen Zittern, Unruhe und Erbrechen die Folge sein. DerGrund hierfur ist die Freisetzung von Calcium in das Cytoplasma, welche ungewollte Kontraktionen der Muskulatur begunstigt. Bei Langzeituberdosierungen gewohnt sich der Korper allerdings an das Coffein, wodurch dann mit einer Erhohung von Adenosinrezeptoren reagiertwird (ebd., S.211).

2.1.2 Nikotin

Das Alkaloid Nikotin wird vom menschlichen Organismus sehr schnell resorbiert und in der Regel oxidativ zu ungiftiger Nikotinsaure verstoffwechselt Oder ganz zerstort. Akute Vergiftungen sind daher beim Rauchen extrem selten und aul3>ern sich in Erbrechen, SchweiGausbruchen Oder im Kollaps. Vielschwerwiegender sind die allgemein bekannten chronischen Schaden durch Tabakabusus wie Atemwegsund Kreislauferkrankungen (GeGner, 1974, S.23). Jedoch istdiegiftige Wirkung von der Einnahmeart des Nikotins, dem Alter, dem Gesundheitszustand und der Gewohnung des Konsumenten abhangig. Dieletale Dosis liegt nach neuesten Erkenntnissen, nicht wie lange angenommen bei 60 mg pro Gesamtkorpergewicht, sondern bei durchaus 6,5-13 mg pro Kilogramm. Diese Mengen lassen sich allerdings kaum unabsichtlich zufuhren (Deutsches Krebsforschungszentrum, 2015, S.8).

Wird Nikotin inhaliert, erreicht es binnen Sekunden das Gehirn. Beim rauchfreien Konsum, durch beispielsweise Schnupftabak, geschieht dieAufnahme deutlich langsamer. Im Gehirn bindet sich das Nikotin an Acetylcholin-Rezeptoren, die fur verschiedene biochemische Signalprozesse verantwortlich sind. Auf diese Weise regt das Nikotin die Dopaminproduktion an und erzeugt somit ein angenehmes Gefuhl beim Konsumenten (Tabakatlas, 2015, S. 32). Ebensofuhrt eszur gesteigerten Wachheit und Aufmerksamkeitsleistung. Mit der Anregung des sympathischen und parasympathischen Nervensystems werden weitere Korperregionen aktiviert, so dass die Verdauung, die Herztatigkeit und der Abbau von Fetten und Glykogen angetrieben werden. Neben dem erhohten Energieumsatz, wird zudem der Appetit gezugelt. Daruber hinaus hat das Nikotin eine antidiuretische Wirkung, verengt die BlutgefaBe und erhoht somit den Blutdruck, wodurch aufgrund der gesteigerten Blutungsneigung dieGefahr einer Thrombose erhoht werden kann. Das Nikotin wird dann im letzten Schritt uber die Leber verstoffwechselt und uber die Blase ausgeschieden (Deutsches Krebsforschungzentrum).

2.1.3 Theobromin

Das hauptsachlich in der Kakaobohne zu findende Theobromin istahnlich wie das Coffein, ein Methylxanthin. Genauer gesagt handelt es sich um ein 3,7- Dimethylxanthin und tragt somit eine Methylgruppe mehr als das Coffein. Die beiden Stoffe sind daher klar strukturverwandt und haben auch eine ahnliche Wirkung auf den menschlichen Organismus, allerdings istTheobromin deutlich schwacher. Es wirkt milder, langanhaltend stimulierend und hat zudem einen stimmungsaufhellenden Effekt. In der Medizin wird es zudem als Diuretika und zur Erweiterung der Bronchien eingesetzt (National Center for Biotechnology Information, 2004). Theobromin hat aber im Vergleich zu Coffein keinerlei stimulierende Wirkung auf das zentrale Nervensystem und in Hinblick auf die Stimulation derSkelettmuskulatur einen nur sehr geringen Effekt (Adam, 2001, S. A2817).

3 Ausgewahlte Beispiele von Genussmitteln

3.1 Kaffee

Fur die Produktion von Kaffee werden im Grunde nur vier Varietaten genutzt. Dazu gehoren die Arten Coffea arabica, Coffea canephora (Robusta), Coffea liberica und Coffea excelsa. Wirtschaftliche Relevanz haben allerdings nur die beiden ersten Arten, weshalb ichmich in Hinblick auf die Systematik, Verbreitung und Morphologie der Kaffeepflanzen nur auf die Art Coffea arabica beziehen werden, da diese mit Abstand den groGten Produktionsanteil weltweit ausmacht (Bellmann, 2006, S. 129).

3.1.1 Systematik

Die behandelte Art Coffea arabica ist systematisch folgendermaGen einzuordnen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1.2 Verbreitung und Standortanspruche

Beheimatet ist die Art Coffea arabica in seiner ursprunglichen Form in Athiopien auf Hohen von 1.000-1.800 m. Mittlerweile wird sieallerding in fast alien aquatornahen Landern auf 600-1200 m kultiviert, wodurch sich der Begriff „Kaffeegurtel“ etabliert hat (Baumler, 2012, S. 306). Diewichtigsten Anbauflachen sind dabei mit 4 Millionen Hektar in Sudamerika zu finden. Abbildung 1: Kaffeegurtel (Leaf and Bean Coffee Co.)

Dreiviertel derweltweiten Gesamtproduktion werden nach der Ernte exportiert und nur die restlichen ein Viertel fur den Eigengebrauch genutzt (Bellmann, 2006, S. 130).

Fur das Wachstum sind Temperaturen zwischen 15-24°C optimal, denn die Pflanze ist relativ frostempfindlich. Niederschlagsmengen von 1.500-2.000 mm pro Jahr bringen, ohne die Moglichkeit von manueller Bewasserung, die besten Ertrage. Dies in Kombination mit lockeren, luftdurchlassigen Boden, die
ein freies Wurzelwachstum erlauben bzw. Staunasse verhindern, bekommt der Pflanze besonders gut (Baumler, 2012, S. 306).

3.1.3 Morphologie

Die Art Coffea arabica ist ein immergruner Strauch oderkleiner Baum, der an naturlichen Standorten bis zu 8m hoch werden kann. Im kommerziellen Anbau wird erjedoch auf knapp 3m reduziert, urn die Ernte zu erleichtern. Der Habitus ist zudem am akrotonen Verzweigungsmuster und seiner weiGen Baumrinde zu erkennen. Die unbehaarten, ledrig-glanzenden Blatter werden zwischen 6-20 cm lang bzw. 5cm breit.

Ihre Blattspitze ist deutlich ausgepragt und in lanzettlich-elliptischer Form, wobei die Rander teilweise starke Wellen aufweisen konnen (Baumler, 200, S. 306). In den Nodien entstehen vielblutige Trugdolden mit 4-16 weiGen, sternformigen Bluten. Die Kronblatter sind funfzahlig und am Grund zu einer schmalen Rohre verwachsen bzw. zusatzlich mit den Staubblattern verbunden. Der Fruchtknoten ist unterstandig ausgebildet und besteht aus zwei synkarp verwachsenen, jeweils mit einer angelegten Samenanlage versehenen, Karpellen. Die Befruchtung kann bei der Art Coffea arabica neben der Fremdbestaubung, ebenso auch durch Eigenbestaubung herbeigefuhrt werden (Lieberei, 2007, S.293f). Dann dauert es ca. sieben bisneun Monatebisaus den vorerst grunen Fruchten diereifenm, roten Steinfruchte entstehen. Dasfleischige Exound Mesokarp beranden das harte innere Endokarp, welches die zwei festen Steinkerne schutzt. Die Samenschale der Kerne ist ein Silberhautchen, die das Endosperm und den darin eingebetteten S-formigen Embryo umschlieBt. Entwickelt sich nur eine dieser Anlagen, dann wird derrunde Kern als Perlkaffee bezeichnet (Buch & Hoggemeier, 2013, S. 164f).

3.1.4 Inhaltsstoffe

Mehr als 1.000 unterschiedliche Inhaltsstoffe sind aktuell in der Kaffeebohne bekannt. Je nach Kaffeesorte, Standortbedingungen und Rostverfahren konnen die Mengenverhaltnisse variieren.

Der Hauptbestandteil der Kaffeebohne sind Kohlenhydrate und im besonderen hauptsachlich wasserunlosliche und wasserloslichen Polysaccharide. In Folge der Rostverfahren werden die Wasserloslichen meist nahezu umgewandelt, wodurch nur die Wasserunloslichen als Kaffeesatz nach dem Aufbruhen zuruckbleiben (Deutsches Grunes Kreuz fur Gesundheit). Auch die Lipide, darunter zumeist die Kaffeeole wie Triglyzeride und Diterpenester, als auch vor allem die Fettsauren Linolsaure und Palmitinsaure sind hauptsachlich wasserloslich. Daher sind sie im spateren Kaffeegetrank kaum vorhanden. Auch der Proteinanteil von etwa 9% nimmt bei der Zubereitung deutlich ab, da durch die Maillard-Reaktion, Aminosauren und reduzierende Zucker umgewandelt werden (ebd.). In der Kaffeebohne sind uber 80 verschiedene Sauren bekannt, wobei den groGten Anteil die Chlorogensaure ausmachen, die zusammen mit der Kaffeesaure antioxidative Eigenschaften besitzt. Wahrend des Rostens werden allerdings mehr als die Halfte der Sauren abgebaut. Wichtigster Bestandteil der Alkaloide ist wohl das Coffein, welches neben den in geringen Mengen vorhandenen Theobromin, Theophyllin, Trigonellin und der Nikotinsaure fur diestimulierende Wirkung verantwortlich ist (ebd.). 90% derVitamine und Mineralstoffe bleiben auch nach dem Aufbruhen im Kaffeegetrank enthalten. Von den vier Prozent Mineralstoffen sind Kalium, Kalzium, Magnesium und Phosphor die Hauptbestandteile, bei den Vitaminen machen Vitamin B2, Niacin, Panthothensaure und Vitamin B6 den groBten Teilaus (Deutscher Kaffeeverband.a)

3.1.5 Historische Entwicklung

Es existieren einige Mythen, wie sich die Entdeckung des Kaffees vollzogen hat. Einer Legende nach zu Folge, entdeckten Ziegenhirten aus der athiopischen Provinz Kaffa die stimulierende Wirkung der Kaffeepflanze, als ihre Tiere nach dem Verzehr der Blatter und Fruchte sehr aufgeweckt waren und selbst in derNacht sich nicht zu Ruhe legten. Auch wenn derSachverhalt nicht eindeutig zu bestimmen ist, kann jedoch davon ausgegangen werden, dass der Kaffee im Kaiserreich Abessinien, dem heutigen Athiopien, entdeckt wurde (Robusto, 2010)

Bereits im 12. und 13. Jahrhundert wurden vermutlich Kaffeepflanzen im Jemen angebaut, zu derZeit als der Handel mit Gewurzen bereits florierte. Bei der Schaffung neuer Handelswege stieGen die Handler in Athiopien auf die Kaffeefruchte, nahmen diesemit inihre Heimat und pflanzten dieersten groR>- angelegten Kaffeeplantagen (Zietemann 2011, S. 6). Ab der zweiten Halfte des 15. Jahrhunderts gelangte der Kaffee in die arabische Welt. Es gilt als gesichert, dass das Kaffeetrinken zuerst von den Arabern kultiviert wurde (Neuberger, 1988, S.17). Die arabische Welt sicherte sich ihr Kaffeemonopol dadurch, dass sie Kaffeebohnen vor dem Verkauf an Handelspartner mit hei- R>em Wasser ubergossen, urn sie keimunfahig zu machen. Im mittelalterlichen Europa waren Wein und Bieranfangs noch die meistverzehrten Getranke. Im Zuge der Ausbreitung der Renaissance samt dem Ideal des Humanismus, wandelte sich das Menschenund Weltbild, so dass alkoholische Getranke bald nicht mehr in das Portrat des vernunftigen, produktiven Menschen passten (ebd., S. 21). Allerdings diente das Bier den hart arbeitenden Mannern als kalorienreiches Nahrungsmittel, weswegen anfangs kaum jemand darauf verzichten wollte. Erst als die Kartoffel den Alkohol als Kalorienspender abloste, konnte der Kaffee als Genussmittel anstelle des Biers treten. Aus dieser Tatsache heraus kultivierte sich nun auch in Europa eine Trinkkultur. Der Kaffee war als Wachmacher fur den arbeitsreichen Tag vorgesehen und diente nach Feierabend dem gemutlichen Beisammensein (ebd., S. 23). Mediziner sahen aber in dem „schwarzen Trank" noch mehr: Vielfach wurde er gegen Krankheiten wie Gicht, Rheuma, Steinleiden, Odeme, Lethargie und Hysterie eingesetzt. Wie bei allem Unbekannten taten sich auch einige Gegner des Kaffees auf, die das „Teufelselixier“ ablehnten, denn „Es wurde das Leben verkurzen, dem Korper die notigen Safte entziehen und zur Impotenz fuhren“ (Hengartner, 1999, S.81f).

Mit der Expansion des Osmanischen Reiches ab dem 16. Jahrhundert gelangte der Kaffee von Mekka, Medina und Kairo nach Kleinasien, in die heutige Turkei, nach Syrien und in das sudostliche Europa. Hierwurde erschnell kulturelles Gemeingut und war in alien gesellschaftlichen Schichten vertreten, wie bereits ein italienischer Gesandter in den 1580er Jahren bemerkte: „All diese Leute [...] sitzen fast immernurherum, undzur Unterhaltung trinken sie -nicht etwa nur die untersten Schichten, sondern auch die Leute gehobeneren Standes-[...]ein schwarzes Wasser[...] dasseinenNamenvon einemSamenhat, den sie ,Cavee‘nennen und von dem sie sagen, daft er die Eigenschafthabe, die Menschen wach zu halten“. (Krieger, 2011, S.105).

Ab dem 17. Jahrhundert breitete sich der Kaffee weiter aus, was sich mitunter dadurch begrunden lasst, dass es den Niederlandern gelang keimfahig Bohnen zu exportieren und sie in ihren Kolonien auf graven Plantagen anzulegen (Zietemann, 2011, S. 6f). Auch hinterlieGen die Turken in Wien nach einer missgluckten Belagerung im Jahr 1683 Mengen an Rohkaffee, was zudem den Anfang der noch heute bekannten Wiener Kaffeehauser bezeichnete (Schmidt, 2011, S.45).

Ab dem 18. Jahrhundert expandierte der Kaffeehandel schlagartig, da die Kolonialmachte ihre Kaffeepflanzen in jedes Land verteilten, in dem die Standortanspruche genugten. Zu dieserZeit wurden unter anderem in Europa weitere Kaffeehauser eroffnet, in denen sich nach und nach eine eigene Kultur des Kaffeetrinkens entwickelte, wobei die Expansion des Kaffees von den urbanen Zentren in Richtung Land recht langsam verlief (Menninger, 2004, S. 313). Kaffeehauser waren Treffpunkte fur die reichen Bevolkerungsschichten in Europa, die sich das Kaffeetrinken leisten konnten und dies auch zeigen wollten. Im Gegensatz zum gewohnlichen Volk griff der elitare Mann nicht zum abstumpfenden Alkohol, sondern zum anregenden Kaffee (Neuberger, 1988, S.30). Auch in Frankreich etablierte sich eine Kaffeekultur, die in Cafes ausgelebt wurde. Zu Zeiten der Aufklarung und der franzosischen Revolution wurde der Kaffee, dem Bier und Wein gerne vorgezogen, da die anregende und zum Nachdenken bewegende Wirkung mehr erwunscht war, als die dampfende des Alkohols (Schmidt, 2011, S.45). Letztendlich dienten die Kaffeehauser nicht nur dem Fronen des Genusses, sondern entwickelten sich auch zu einem Ort der Sozialisation und der gesellschaftlichen Debatte. Neben Kartenund Wurfelspielen Oder Diskussionen, warderheute so bekannte „Kaffeeklatsch" nicht minder beliebt, bei dem seinerzeit mehr die Manner involviert gewesen waren, da Frauen dort eher selten als Kundinnen verweilten (Krieger, 2011, S 153).

Uber Frankreich gelangte der Kaffee erstmalig nach Deutschland. Friedrich der GroGe sorgte sich um die Entwicklung, denn er hatte zum einen Angst, sein Volk wurde dadurch zum Nachdenken angeregt und konne sichsogegen ihn stellen und zum anderen wollte er nicht, dass traditionelle Inlandsprodukte wie z.B. Malz weniger Absatz finden wurden. Aus diesem Grund reglementierte er den Kaffeehandel bald mit Steuern und Einfuhrzollen. Zusatzlich fuhrte er einen Brennzwang ein. Dieserlegte fest, dass nur staatliche Rostereien Kaffee rasten durften. Um dies zu kontrollieren setzte er sogenannte „Kaffeeschnuffler“ ein. Dieseliefen Streifedurch die Wohnsiedlungen und achteten darauf, ob der Geruch von gerostetem Kaffee wahrnehmbar war (Zietemann, 2011, S. 10). Sein errichtetes Staatsmonopol lieR> die Burger zu Ersatzkaffee greifen, der damals aus Gerste Oder Zichorien gebraut wurde. Dieser wurde auch als „Muckefuck“ bezeichnet und einer moglichen Theorie nach zu glauben, vom franzosischen Begriff „mocca faux" (Falscher Mokka) abgewandelt (Beiglbock, 2016, S. 28f).

Im Vergleichzum Kakao, war der Kaffee eher die kostengunstigere Alternative und preislich mehr dem Tee gleichzusetzen, allerdings war der Aufwand und der Gewichtsverlust bei der Zubereitung ahnlich groR>. Daher war es eher ublich Rohkaffee bzw. gerostete Kaffeebohnen zu erwerben, weil die Zubereitung erstens teuer und zweitens bislang Domane des Einzelhandels war. Nur in Metropolen etablierten sich langsam berufsmaGige Kaffeeroster im Zuge der Kaffeehauskultur (Menninger, 2004, S. 314-319).

Schon ein Jahrhundert spater vereinfachte sich der Kaffeehandel deutlich. Das 19. Jahrhundert war gepragt von dervoranschreitenden Industrialisierung. Die Erfindung der Dampfschifffahrt revolutionierte das Transportwesen, denn der Kaffee gelangte von nun an in groGeren Mengen in immer mehr Lander (Zietemann, 2011, S. 8). Im Jahre 1820 entdeckte der Chemiker Friedrich F. Runge das Coffein, was spater als Grundlage der Beweisfuhrungen von Voit und Pettenkofer bezuglich der Ungefahrlichkeit des Kaffeekonsums diente. Es lieR> sich beweisen, dass das Coffein hauptsachlich auf das Nervensystem einwirkt und nicht auf den Stoffwechsel des Menschen, wie vorher angenommen (Hengartner, 1999, S. 82). Im 20. Jahrhundert war Kaffee schlieGlich beinahe fur Jedermann zu moderaten Kosten erhaltlich. Allerdings wurde der standardisierte Kaffee allmahlich unspektakular, weswegen immer neue Varianten und Modeformen kreiert wurden. 1901 erfand ein Japaner den loslichen Kaffee, derzu Beginn von der Firma Nestle vermarktet wurde und so auch nach Deutschland gelangte (Zietemann, 2011, S. 10). Schon funf Jahre spatergelang es das erste Mai, Kaffee zu entkoffeinieren. Bekannt wurde das Produkt auf dem Markt unter dem Namen „Kaffee HAG". Als schlieGlich 1908 durch Melitta Bentz der Kaffeefilter entwickelt wurde, welchen sie anfangs mit den Loschblattern aus den Schulheften ihrer Kinder erprobte, konnte nunmehr jeder seinen Kaffee einfach und schnell selbst zubereiten (ebd., S. 10).

3.1.6 Aktueller Stand

Der Kaffee ist mittlerweile ungeschlagener Spitzenreiter in der Reihe der beliebtesten Getranke in Deutschland und das sogar noch vor Wasser und Bier. Etwa 160 Liter des popularen HeiGgetranks trinkt jeder Deutsche pro Jahr und erreicht damit im international Landervergleich allerdings nur Platz acht (Birger, 2013). Etwa 85% derdeutschen Bevolkerung ab 14 Jahren trinken mehrmals die Woche Kaffee, wovon knapp 50% zwischen 30 und 60 Jahren alt sind. Der Kaffeekonsum istzudem bei Frauen und Mannern gleich beliebt und unterliegt je nach Kaffeevariante nur geringen Schwankungen (Brandeins, S. 84f). Trotz dessen werden weltweit nur etwa 0,8% der kultivierten Flache fur den Kaffeeanbau genutzt, wobei jahrlich durchschnittlich pro Hektar 700kg Kaffeebohnen eingebracht werden konnen. Fur einen 60 kg Sack Rohkaffee mussen in etwa 100 Kaffeestraucher abgeerntet werden (Bellmann, 2006, S. 132).

Weltweit sind uber 25 Millionen Menschen jahrlich mit dem Kaffeeanbau von durchschnittlich 140 Millionen Sack Kaffee a 60 kg beschaftigt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Pflanzen im Wandel. Genussmittelpflanzen in unserem Alltag
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
52
Katalognummer
V417332
ISBN (eBook)
9783668678705
ISBN (Buch)
9783668678712
Dateigröße
1270 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pflanzen, wandel, genussmittelpflanzen, alltag
Arbeit zitieren
Susanne Schmidt (Autor), 2017, Pflanzen im Wandel. Genussmittelpflanzen in unserem Alltag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417332

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