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Kleists Michael Kohlhaas: Verfechter einer modernen Rechtssprechung?

Titre: Kleists Michael Kohlhaas: Verfechter einer modernen Rechtssprechung?

Dossier / Travail de Séminaire , 2005 , 25 Pages , Note: 1,2

Autor:in: Jörg Walter (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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Einigkeit besteht in der Kleist-Forschung darüber, dass das Thema Recht und Gerechtigkeit in Kleists Werk eine zentrale Rolle einnimmt. So überrascht es auch nicht, dass neben Philologen auch zahlreiche Juristen und Rechtshistoriker, wie zum Beispiel Wolfgang Naucke, sich mit den Texten Kleists auseinandergesetzt haben. Am häufigsten Verwendung für juristische und rechtsphilosophische Abhandlungen findet dabei Kleists Erzählung Michael Kohlhaas. Die Erzählung eignet sich besonders, da bereits in der Figur des Michael Kohlhaas, wie noch zu zeigen sein wird, mehrere divergierende Rechtsauffassungen angelegt sind. Die vorliegende Arbeit will versuchen, diese unterschiedlichen Aspekte von Recht und Gerechtigkeit, die aus der Person des Michael Kohlhaas ableitbar sind, freizulegen. Es soll gezeigt werden, dass eine juristische, respektive rechtsphilosophische Lesart der Figur des Michael Kohlhaas für das Textverständnis erhellend sein kann und einen Einblick in die Rechtsfragen gewährt, mit denen sich Kleist auseinandergesetzt hat. Der Protagonist Michael Kohlhaas handelt teilweise so, als ob er den Beweis antreten wolle, rechtstheoretische Ideen ließen sich durchaus auch praktisch umsetzen. Exzessive Gewalttaten und eine psychotisch anmutende Verhaltensweise seitens des Kohlhaas lassen dann aber auch wieder Zweifel aufkommen, ob es Kleist beim Anlegen der Figur tatsächlich nur um eine Stellungsnahme betreffend der Theorie von der Durchsetzung des Rechts und der Gerechtigkeit ging.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Rechts- und Staatsphilosophie in Kleists Zeit

II.I Naturrecht bei Hobbes

II.II Weiterentwicklung durch Jean-Jacques Rousseau

III.III Die Staatstheorie Adam Müllers

III. Michael Kohlhaas als Verfechter einer modernen Rechtssprechung

III.I Veranlassung und Durchführung des Rachefeldzuges

III.II Das Luthergespräch

III.III Der Prozess in Dresden und die erste Verurteilung

III.IV Überführung nach Berlin und Hinrichtung

IV. Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Kleists Erzählung Michael Kohlhaas unter rechtsphilosophischen Gesichtspunkten, um die Ambivalenz der Hauptfigur zwischen einem Kämpfer für eine moderne Rechtsordnung und einem rachsüchtigen Terroristen zu ergründen und auf den interpretatorischen Wert einer solchen Lesart zu prüfen.

  • Analyse der rechtsphilosophischen Grundlagen bei Hobbes, Rousseau und Adam Müller im Kontext von Kleists Zeit.
  • Untersuchung der Legitimierung von Kohlhaas' Handeln als Widerstand gegen korrupte staatliche Strukturen.
  • Diskussion des Luthergesprächs als Wendepunkt zwischen Naturrecht und staatlicher Ordnung.
  • Interpretation des Schlusses der Erzählung sowie der Rolle der sogenannten "Zettelepisode" für das Textverständnis.
  • Reflexion über das Verhältnis von Freiheit, Rechtssicherheit und staatlicher Pflicht.

Auszug aus dem Buch

III.I Veranlassung und Durchführung des Rachefeldzuges

Einer in Abhandlungen über Michael Kohlhaas viel zitierter Abschnitt findet sich zu Beginn der Erzählung, wo es heißt:

An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Roßhändler, namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit. - Dieser außerordentliche Mann würde, bis in sein dreißigstes Jahr für das Muster eines guten Staatsbürgers haben gelten können. Er besaß in einem Dorfe, das noch von ihm den Namen führt, einen Meierhof, auf welchem er sich durch sein Gewerbe ruhig ernährte; die Kinder, die ihm sein Weib schenkte, erzog er, in der Furcht Gottes, zur Arbeitsamkeit und Treue; nicht einer war unter seinen Nachbarn, der sich nicht seiner Wohltätigkeit, oder seiner Gerechtigkeit erfreut hätte; kurz, die Welt würde sein Andenken haben segnen müssen, wenn er in einer Tugend nicht ausgeschweift hätte. Das Rechtgefühl aber machte ihn zum Räuber und Mörder. (KH 9)

Unabhängig davon, ob alles, was der Erzähler über Kohlhaas zu wissen vorgibt, für bare Münze gehalten werden muss, darf festegestellt werden, dass es sich bei Kohlhaas, vor dem Vorfall auf der Tronkenburg, offensichtlich um jemand handelt, der fest in das Staats- und Gemeinwesen eingebunden zu sein scheint. Dies ist insofern wichtig, da Kohlhaas im Laufe des ersten Abschnittes der Erzählung bis zu dem Gespräch mit Luther aus diesem Staatsverband gänzlich ausscheiden wird, was darin kulminiert, dass er eine seine eigene Regierung proklamiert. Er wird zum „Entsetzlichen“, zum „Räuber“, wie uns der Erzähler mitteilt. Dieser Darstellung durch den Erzähler stehen Äußerungen Kohlhaas gegenüber, der versuchen wird, seine Herrschaft zu legitimieren:

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Recht und Gerechtigkeit im Werk von Kleist ein und begründet den Fokus auf eine rechtsphilosophische Analyse der Figur Michael Kohlhaas.

II. Rechts- und Staatsphilosophie in Kleists Zeit: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen des Naturrechts (Hobbes), der Gesellschaftsvertragstheorie (Rousseau) und die Staatstheorie von Adam Müller skizziert, um sie mit Kohlhaas’ Handeln in Beziehung zu setzen.

III. Michael Kohlhaas als Verfechter einer modernen Rechtssprechung: Dieses Hauptkapitel untersucht die Entwicklung der Figur Kohlhaas anhand seiner Rache, des Gesprächs mit Luther, seines Prozesses und seiner letztendlichen Hinrichtung vor dem Hintergrund der behandelten Rechtstheorien.

IV. Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst zusammen, dass Kleist Kohlhaas als Grenzfall darstellt, der die notwendige, aber problematische Verrechtlichung menschlicher Beziehungen im modernen Staat kritisch beleuchtet.

Schlüsselwörter

Michael Kohlhaas, Heinrich von Kleist, Rechtsphilosophie, Naturrecht, Gesellschaftsvertrag, Thomas Hobbes, Jean-Jacques Rousseau, Adam Müller, Gerechtigkeit, Widerstandsrecht, Rechtsstaat, Rechtssprechung, Zettelepisode, Macht, Ambivalenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Erzählung Michael Kohlhaas von Heinrich von Kleist unter rechtsphilosophischen Gesichtspunkten, um die widersprüchliche Darstellung der Titelfigur zu interpretieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Individuum und Staat, die Legitimität von Widerstand gegen Unrecht, die Entwicklung von Rechtstheorien zur Zeit Kleists sowie die Ambivalenz zwischen Rechtstreue und Gewaltexzess.

Welches Ziel verfolgt der Autor mit der Untersuchung?

Das Ziel ist es, durch eine juristische und rechtsphilosophische Lesart der Figur Michael Kohlhaas ein tieferes Verständnis für die Rechtsfragen zu entwickeln, mit denen sich Kleist in seiner Erzählung auseinandergesetzt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine textanalytische Methode, indem sie die Erzählung in vier Abschnitte unterteilt und diese unter Einbeziehung zeitgenössischer rechtstheoretischer Ansätze interpretiert.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die rechtstheoretischen Hintergründe bei Hobbes, Rousseau und Müller und wendet diese Erkenntnisse auf den Handlungsverlauf von Kohlhaas' Rachefeldzug bis hin zur Hinrichtung an.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Neben dem Protagonisten und seinem Schöpfer sind Begriffe wie Naturrecht, Rechtsstaat, Staatsvertrag, Gerechtigkeit, Machtmissbrauch und Widerstandsrecht maßgebend.

Welche Rolle spielt die Zettelepisode für die Argumentation des Autors?

Der Autor gewichtet die Zettelepisode als wesentlich für eine rechtsphilosophische Interpretation, da sie darauf hindeutet, dass Kohlhaas bis zum Schluss naturrechtlich motiviert um sein Recht gekämpft haben könnte, anstatt bloß zu scheitern.

Wie bewertet der Autor den Schluss der Erzählung aus politischer Sicht?

Der Autor interpretiert den Schluss als politischen Appell, der daran erinnert, dass eine Obrigkeit Pflichten gegenüber ihren Untertanen hat, wodurch Kohlhaas in gewisser Weise als tragischer Held erscheint.

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Résumé des informations

Titre
Kleists Michael Kohlhaas: Verfechter einer modernen Rechtssprechung?
Université
Free University of Berlin  (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie)
Cours
HS Kleists Erzählungen
Note
1,2
Auteur
Jörg Walter (Auteur)
Année de publication
2005
Pages
25
N° de catalogue
V41736
ISBN (ebook)
9783638399425
Langue
allemand
mots-clé
Kleists Michael Kohlhaas Verfechter Rechtssprechung Erzählungen Thema Michael Kohlhaas Thema Kleists Kohlhaas
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Jörg Walter (Auteur), 2005, Kleists Michael Kohlhaas: Verfechter einer modernen Rechtssprechung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41736
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Extrait de  25  pages
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