Im Dezember 2010 zündete sich in Tunesien ein Gemüsehändler an, um gegen Polizeiwillkür und die schlechte wirtschaftliche Situation zu protestieren. Er löste damit die Revolution in Tunesien und die Bewegung des Arabischen Frühlings aus. So erreichte eine islamische Reformbewegung aus dem 19. Jahrhundert ihren vorläufigen Höhepunkt.
Susann Prager erklärt in ihrem Buch die Hintergründe und Ziele dieses politischen Islam. Im Westen fand die Bewegung erst mit dem Aufkommen terroristischer Anschläge Beachtung.
Doch wie genau legitimieren Akteure des 20. Jahrhunderts ihren Befreiungskampf? Gegen welche Regime und deren Fremdherrschaft kämpfen sie an? Um das zu klären, setzt Prager sich intensiv mit Sayyid Qutb und Abu Maududi auseinander. Sie vermittelt so ein im Westen weitgehend unbekanntes Verständnis vom Islam sowie dem Konzept des Jihad.
Aus dem Inhalt:
- Islam;
- Jihad;
- Arabischer Frühling;
- Politischer Islam;
- Sayyid Qutb;
- Abu Maududi
Inhaltsverzeichnis
„Der Ruf zur Freiheit“
1 Bezeichnungen muslimischer Bewegungen
1.1 Zu „Vätern einer Ideologie“
1.2 Zu Ideologien islamischer Aktivisten
2 Entwicklung von Jihadkonzepten
2.1 Jihadbedeutung in Koran und Hadithen
2.2 Entwicklung von Jihadkonzepten im islamischen Recht
3 Sayyid Qutb
3.1 Zur Biografie
3.2 Jihadkonzept
4 Sayyid Abul A’la Maududi
4.1 Zur Biografie
4.2 Jihadkonzept
5 Vergleich und Ausblick
5.1 Neue Begriffe und Konzepte
5.2 Eschatologische Motive
5.3 Einfluss auf islamistische Bewegungen des Jahrhunderts
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist die Analyse der Legitimierung des Kampfes (Jihad) bei zwei der bedeutendsten muslimischen Aktivisten des 20. Jahrhunderts: Sayyid Qutb und Abu Maududi. Die Forschungsfrage untersucht, wie diese Autoren in ihren Schriften den Jihad interpretieren, rechtfertigen und in einen zeitgenössischen ideologischen Rahmen einbetten, der über das klassische juristische Verständnis hinausgeht.
- Analyse der Jihad-Begrifflichkeit und Ideologiebildung im 20. Jahrhundert
- Untersuchung der biographischen Einflüsse auf Qutb und Maududi
- Gegenüberstellung der Jihad-Konzepte mit der klassischen islamischen Rechtslehre
- Herausarbeitung des revolutionären Charakters der Konzepte und der Rolle der "Avantgarde"
- Diskussion des Einflusses der Autoren auf moderne islamistische Bewegungen
Auszug aus dem Buch
3.2.7.2 Die zwei Prinzipien des Jihad
Aus den vier koranischen Phasen zum jihad hebt Qutb zwei Mittel hervor, welche zur Bekämpfung der modernen jahilia anzuwenden sein.
Er kommt in Anbetracht der modernen Umstände zu dem Schluss, dass die Wiederbelebungsbewegung beide Mittel, die dawa und den kämpferischen Jihad anwenden muss: beide Prinzipien seien „gleichermaßen wichtig in der Weisung dieser Religion“ und müssten „Seite an Seite“ arbeiten. Sie seien beide notwendig, um die jahilia zu besiegen, wobei sich die dawa auf die Überzeugung der Gesellschaft und der Jihad sich gegen die materiellen Hindernisse und die politischen Herrscher richten soll. Qutb warnt davor, nur eines der Mittel anzuwenden, was für die unbedingte Notwendigkeit des Jihad spricht: „Diese Bewegung beschränkt sich nicht selbst auf alleiniges Predigen, um der physischen Macht (der jahilia) gegenüberzutreten“. „Es wäre naiv davon auszugehen, dass ein Ruf sich erhebt, die Menschheit auf der ganzen Welt zu befreien, und dieser dann begrenzt ist auf das Predigen und das Erklären“. Den Jihad sieht er als notwendig, um die Herrschaft der Jahilia zu beenden, denn: „Diejenigen, die sich die Autorität Allahs widerrechtlich angeeignet haben und Allahs Geschöpfe unterdrücken, geben ihre Macht nicht aufgrund von Predigten ab“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Bezeichnungen muslimischer Bewegungen: Dieses Kapitel legt die begrifflichen Grundlagen der Arbeit, indem es die Problematik westlicher Terminologien wie "Fundamentalismus" oder "Islamismus" erörtert und den wertfreieren Begriff des "muslimischen Aktivismus" einführt.
2 Entwicklung von Jihadkonzepten: Es wird die historische Entwicklung des Jihad-Begriffs dargelegt, von den koranischen Ursprüngen über die klassische Rechtslehre bis hin zu den verschiedenen juristischen Kategorisierungen.
3 Sayyid Qutb: Dieser Abschnitt widmet sich der Biografie und dem Jihad-Konzept von Sayyid Qutb, wobei insbesondere seine Radikalisierung während der Haft und sein Konzept der "Jahilia" im Zentrum stehen.
4 Sayyid Abul A’la Maududi: Hier werden die Biografie und das revolutionäre Jihad-Modell Maududis analysiert, inklusive seiner Konzeption der "Theo-Demokratie" und seiner Kritik an säkularen politischen Systemen.
5 Vergleich und Ausblick: Dieses Kapitel stellt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Qutb und Maududi gegenüber und beleuchtet deren langfristigen Einfluss auf moderne islamistische Strömungen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, wonach der Jihad bei beiden Autoren als zentrales, revolutionäres Mittel zur Wiederherstellung einer göttlichen Ordnung verstanden wird, die im Konflikt zur modernen, als "jahili" bezeichneten Welt steht.
Schlüsselwörter
Jihad, Politischer Islam, Sayyid Qutb, Abu Maududi, Islamismus, Jahilia, Souveränität Gottes, Hakimiyya, Dawa, Muslimbruderschaft, Revolution, Islamische Ordnung, Scharia, Avantgarde, Befreiungsideologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Legitimierung des Jihad bei zwei einflussreichen muslimischen Denkern des 20. Jahrhunderts, Sayyid Qutb und Abu Maududi, und analysiert deren revolutionäre Umdeutung islamischer Konzepte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Herleitung des Jihad-Begriffs, der Wandel von der klassischen Jurisprudenz hin zum politisch-aktivistischen Jihad-Verständnis sowie die Konzepte von "Jahilia" (Gottlosigkeit) und "Hakimiyya" (Souveränität Gottes).
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist zu verstehen, wie Qutb und Maududi durch eine eigene Interpretation der Quellen einen "politisierten Jihad" legitimieren, der als notwendiges Mittel zur Errichtung einer islamischen Weltordnung gesehen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Fallstudien-basierte Analyse von Schriften und Lehren, die den Kontext der Autoren sowie deren Rezeption der islamischen Quellen im Lichte ihrer Zeit untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-theoretische Einleitung zu Jihad-Konzepten sowie detaillierte Einzelanalysen zu Leben und Werk von Qutb und Maududi.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Jihad, Jahilia, Hakimiyya, Politischer Islam, Souveränität Gottes und revolutionäre Ideologie.
Was genau meint Qutb mit dem Begriff "Jahilia"?
Qutb weitet den ursprünglich historischen Begriff für die vorislamische Unwissenheit auf die gesamte Moderne aus, um den Zustand heutiger Gesellschaften und Regierungen, die nicht strikt nach islamischen Gesetzen leben, als "gottlos" oder "barbarisch" zu markieren.
Wie unterscheidet sich Maududis Ansatz von einer klassischen Theokratie?
Maududi entwickelt das Modell einer "Theo-Demokratie", in der die Souveränität zwar bei Gott liegt, das Volk aber innerhalb der Scharia als Stellvertreter (khilafa) agiert und seine Regierung durch Konsultation (shura) selbst wählt.
- Citar trabajo
- Susann Prager (Autor), 2018, Der politische Islam. Die Legitimation des Kampfes bei muslimischen Aktivisten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417429