Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Frage, inwieweit sich die Gebote in der Bibel auch im Koran finden lassen. Denn auch im Koran finden sich Anordnungen in Form von Reihen oder Prinzipiengruppen, die bereits in ihrer komprimierten Form an den Dekalog erinnern. In der Untersuchung wird insofern herausgearbeitet, ob sich inhaltliche Entsprechungen im Koran zeigen und inwiefern solche Anordnungen aber als dem Islam entsprechende Glaubensessenz modifiziert/verwirklicht erscheinen. Somit zielt das Fazit der Arbeit auf die Frage, ob sich die im Koran vorgefundenen Gebote auch als Kern deren Glaubens ausmachen lassen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Fremdgötterverbot
Bilderverbot
Namensmissbrauchsverbot
Sabbatgebot
Gebot der Elternehrung
Tötungsverbot
Ehebruchsverbot
Diebstahlsverbot
Verleumdungsverbot
Begehrensverbot
Schlusswort
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht vergleichend, inwieweit die Zehn Gebote des biblischen Dekalogs Entsprechungen im Koran finden und ob diese Anordnungen innerhalb des islamischen Glaubenssystems eine ähnliche Funktion als komprimierte Darstellung wesentlicher Glaubensgrundsätze erfüllen.
- Vergleichende Analyse von Dekalog und koranischen Prinzipiengruppen
- Theologische Einordnung des Monotheismus in Bibel und Islam
- Untersuchung von Geboten wie Fremdgötterverbot, Elternehrung und Tötungsverbot
- Modifikation und religiöse Neukontextualisierung ethischer Regeln
- Bedeutung von Handeln vor Gott und Abrechnung im Jenseits
Auszug aus dem Buch
Bilderverbot
Das Bilderverbot der Dekalogfassungen resultiert als junges theologisches Konzept laut Forschungserkenntnissen aus der mit dem Monotheismus einhergehender Gottesbildpolemik seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. Erst in der spätexilischen Zeit kann jedoch von einem etablierten Bildverbot ausgegangen werden. Köckert vermutet die Entstehungszeit des programmatischen Kultbildverbotes genauer nach dem Untergang Judas und der Zerstörung des Jerusalemer Tempels.
Ausgehend von der im Dekalog gewählten Terminologie lassen sich Schlussfolgerungen für die Bedeutung des Bilderverbotes ziehen. Wie Köckert herausarbeitet, steht der hebräische Begriff päsäl für „Bild“ im Alten Testament für das Bearbeiten von Steinen (1Kön5,32; Ex 34,1.4). Somit lasse sich zeigen: das Nomen päsäl bezeichne eine im Kult verwendete Skulptur und im Bilderverbot sei Aufgreifen dieses Begriffes das Verbot von Kultstatuen gemeint. Köckert kann damit feststellen: „Die gewählte Bilderterminologie macht aus dem Bilderverbot eindeutig ein Kultbildverbot“.
Vordergründig ist das Bilderverbot – bezogen auf die Darstellung von fremden, sondern auch dem eigenen Gott Jahwe - als Manifestation des israelischen Monotheismus zu verstehen, der sich in der Ausschließlichkeit und Einheit der Jahweverehrung abzuheben versucht von kanaanäischen Kultpraktiken, in denen die Darstellung von Göttern verbreitet war.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Bedeutung des Dekalogs und Zielsetzung der vergleichenden Untersuchung mit koranischen Prinzipiengruppen.
Fremdgötterverbot: Analyse des Monotheismus als zentrales Element und dessen Ausprägung durch das Verbot anderer Götter in beiden Religionen.
Bilderverbot: Untersuchung der historischen Entstehung und theologischen Begründung des Kultbildverbots im Alten Testament und dessen Fehlen als explizites Gebot im Koran.
Namensmissbrauchsverbot: Betrachtung der Heiligkeit des Gottesnamens und der ethischen Konsequenzen bei missbräuchlicher Verwendung, etwa bei Eiden.
Sabbatgebot: Gegenüberstellung der biblischen Ruhetagsregelung und der abweichenden islamischen Tradition des Freitags als Tag der Versammlung.
Gebot der Elternehrung: Untersuchung der Pflichten gegenüber Eltern als Ausdruck des Glaubens und der dankbaren Anerkennung der göttlichen Gnade.
Tötungsverbot: Analyse des Schutzes des menschlichen Lebens und der theologischen Auslegung von Tötungsverboten inklusive erlaubter Ausnahmen.
Ehebruchsverbot: Darstellung moralischer Regeln bezüglich außerehelicher Beziehungen und deren Schweregrad in der religiösen Bewertung.
Diebstahlsverbot: Analyse des Schutzes von Eigentum und der strafrechtlichen Konsequenzen bei Diebstahl in den jeweiligen Rechtssystemen.
Verleumdungsverbot: Untersuchung der Bedeutung von Wahrheit und Zeugenaussage vor Gericht sowie des allgemeinen Verbots der Lüge.
Begehrensverbot: Betrachtung des Begehrens als innerer Antrieb, der nach koranischem Verständnis primär auf Gott und das Jenseits ausgerichtet sein sollte.
Schlusswort: Synthese der Ergebnisse und Bestätigung, dass die Gebote im Koran eine essenzielle Rolle für islamische Verhaltensregeln spielen.
Schlüsselwörter
Dekalog, Koran, Monotheismus, Gebote, Islam, Judentum, Christentum, Gotteswille, Ethik, Offenbarung, Glaube, Sabbat, Bilderverbot, Tötungsverbot, Elternehrung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem Rechtsvergleich zwischen den Zehn Geboten des biblischen Dekalogs und den koranischen Prinzipiengruppen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die religiösen Glaubensgrundsätze, moralische Verhaltensregeln, das Verständnis von Monotheismus und die spezifische Ausprägung von Verboten wie dem Tötungs- oder Ehebruchsverbot.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszuarbeiten, ob sich inhaltliche Entsprechungen der biblischen Gebote im Koran finden lassen und inwiefern diese als Essenz islamischer Glaubensregeln dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende textanalytische Untersuchung, die sich auf Quellentexte sowie theologische und religionswissenschaftliche Sekundärliteratur stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse einzelner Gebote, angefangen beim Fremdgötterverbot bis hin zum Begehrensverbot, unter Einbeziehung biblischer und koranischer Belege.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Dekalog, Monotheismus, Ethik, Gottesergebenheit, Offenbarung und die spezifischen Gebotsinhalte wie Bilderverbot oder Elternehrung.
Wie wird das Bilderverbot im Koran im Vergleich zur Bibel interpretiert?
Während die Bibel ein explizites Kultbildverbot aufstellt, findet sich ein solches im Koran nicht in vergleichbar präziser Form, sondern wird als im Monotheismus impliziert betrachtet.
Welche Rolle spielt die „Abrechnung im Jenseits“ für die Einhaltung der Gebote im Koran?
Das Handeln im Diesseits gemäß den Geboten wird im Koran stark durch das Ziel der Abrechnung und die Hoffnung auf das Paradies legitimiert.
- Citation du texte
- Susann Prager (Auteur), 2014, Zum Vergleich der Zehn Gebote der Bibel mit Prinzipiengruppen im Koran, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417440