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Entwicklungsethnologie und postdevolopment

Titel: Entwicklungsethnologie und postdevolopment

Seminararbeit , 2010 , 27 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Karin Riedl (Autor:in)

Ethnologie / Volkskunde
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Als Paradebeispiel für ethnologische Arbeitsfelder ist uns Entwicklungshilfe allen wohl bekannt. Ganz problemlos ist das allerdings nur auf den ersten Blick: Fachintern existiert eine Unterscheidung in Entwicklungsethnologie (Anthropology within Development), also die Beteiligung an konkreten Projekten im Rahmen einer Anstellung oder eines Forschungs- oder Gutachterauftrags bei staatlichen Entwicklungshilfeinstitutionen oder Nichtregierungs-organisationen (NRO), und Ethnologie der Entwicklung (Anthropology of Development), die lokale soziokulturelle Effekte und Rezeptionen von Entwicklungshilfe untersucht sowie deren Prämissen, Hintergründe, Diskurse, Politiken und Praktiken analysiert, hinterfragt, kritisiert. Ein zentrales Werk, das diese Thematik behandelt, ist Encountering Development. The making and unmaking of the Third World von Arturo Escobar (1995). Nach einer Analyse des Entwicklungsdiskurses, wie er von Politikern und Institutionen geführt wurde und wird, fordert Escobar „the rejection of the entire paradigm altogether“ und formuliert die Vorstellung einer postdevelopment era – eine polemische, jedoch argumentativ fundierte Haltung, die jeden Ethnologen, der für, in, mit „Entwicklung“ arbeitet oder arbeiten will, ins Denken und ins Wanken bringen kann.

Absicht dieses Textes ist es, zunächst einen kurzen historischen Abriss der Entwicklungshilfe, ihrer aktuellen Tendenzen und Strategien, und der Rolle der Ethnologie im Rahmen dieser „klassischen“ Entwicklungshilfe zu liefern. Danach soll der Ansatz des postdevelopment anhand seiner Hauptvertreter und Kritiker diskutiert werden. Fragen, die sich aus der Beschäftigung mit diesem Ansatz im Hinblick auf die angewandte Ethnologie ergeben können, sind folgende: Ist „nach Escobar“ eine Tätigkeit in der klassischen Entwicklungshilfe überhaupt noch vertretbar? Oder doch…? Sind die Verhältnisse grundlegend anders? Und wenn dies alles nicht zutrifft: Welchen Beitrag kann die Ethnologie in einer postdevelopment era leisten? Welchen leistet sie? Welche Konzepte könnten dazu von Nutzen sein? Welche konkreten Tätigkeiten sind vorstellbar?

Der regionale Fokus dieser Arbeit liegt, aus Gründen der persönlichen Verbundenheit und der guten Verfügbarkeit einschlägiger Literaturbeispiele, auf Lateinamerika.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Entwicklungsethnologie within development

1. Geschichtlicher Abriss der Entwicklungshilfe

a) Entwicklungshilfe – ein Kind der Nachkriegszeit

b) Neuere Strategien

c) Die Rolle der Weltbank

d) Neueste Trends

2. Die Rolle der Ethnologie

a) Die Entdeckung des kulturellen Faktors

b) Ethnologen in staatlicher und internationaler Entwicklungshilfe

C. Der Diskurs der Entwicklung und postdevelopment

1. Analyse des Entwicklungsdiskurses

a) Schlüsselbegriffe

b) Wie „Entwicklung“ funktioniert

c) Assimilation neuer Elemente

d) Entpolitisierung

2. Postdevelopment

a) Das Ende von „Entwicklung“

b) Alternativen zu „Entwicklung“

c) Was ist „das Lokale“?

3. Die konzeptuelle Debatte

a) Kritik

b) Reaktionen auf die Kritik

4. Fünfzehn Jahre später: ist postdevelopment Realität?

a) Ecuador, Bolivien

b) Mumbai Alliance

c) Red Enlazando Alternativas

D. Der praktische Beitrag der Ethnologie in einer postdevelopment era

1. „Antidevelopment“

a) Räume im öffentlichen Diskurs schaffen

b) Unterstützung lokaler Aktivitäten gegen Interventionen

2. Hilfreiche Konzepte zur inhaltlichen Arbeit

a) Etnodesarrollo und indigenes Wissen

b) Action Research

E. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen klassischer Entwicklungsethnologie und dem postdevelopment-Ansatz. Das primäre Ziel ist es, zu hinterfragen, ob eine Tätigkeit in der klassischen Entwicklungshilfe nach der radikalen Kritik von Autoren wie Arturo Escobar noch vertretbar ist und welche alternativen praktischen Beiträge die Ethnologie in einer sogenannten postdevelopment era leisten kann.

  • Historischer Abriss und Wandel der Entwicklungshilfe seit 1949.
  • Diskursanalyse des Entwicklungsbegriffs nach Foucault und Escobar.
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem postdevelopment-Konzept und dessen Realitätsgehalt.
  • Analyse von Fallbeispielen sozialer Bewegungen in Lateinamerika und Indien.
  • Möglichkeiten ethnologischer Arbeitsweisen wie Etnodesarrollo und Action Research.

Auszug aus dem Buch

Die Rolle der Ethnologie

Entwicklungshilfe war von Beginn eine von Ökonomen und Ingenieuren dominierte Disziplin. Die Erkenntnis, dass Fragen der kulturellen Kompatibilität ausschlaggebend für den Erfolg von Projekten sein können, brach sich erst langsam Bahn. Der Ethnologe Conrad Kottak evaluierte im Auftrag der Weltbank 68 Projekte der 60er und 70er Jahre zur ländlichen Entwicklung im Hinblick auf die Auswirkung soziokultureller Faktoren auf den Projektausgang und kam zu dem Ergebnis, dass erstens wirtschaftlicher Erfolg mit einer negativen Entwicklung der Lebensqualität einhergehen kann und zweitens beide Formen von Erfolg von soziokulturellen Faktoren abhängig sind. Zu den größten Fehlern auf diesem Gebiet zählt Kottak Überinnovation (das Anstreben allzu heftigen und raschen Wandels); soziokulturelle Inkompatibilität (z.B. das Sesshaftmachen von Nomaden); zu geringe Differenzierung (gleiches Projektdesign in verschiedenen Situationen) und die Nichtbeachtung von bereits bestehenden Organisationen und Autoritätswegen.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Einführung in die fachinterne Unterscheidung von Entwicklungsethnologie und Ethnologie der Entwicklung sowie Darstellung der zentralen Forschungsfrage anhand von Arturos Escobars postdevelopment-Ansatz.

B. Entwicklungsethnologie within development: Historischer Rückblick auf die Entwicklungshilfe seit Truman, die Rolle internationaler Institutionen sowie der Einzug der Ethnologie in diese Strukturen.

C. Der Diskurs der Entwicklung und postdevelopment: Theoretische Analyse des Entwicklungsdiskurses als Machtinstrument sowie Vorstellung der radikalen Gegenposition des postdevelopment und Diskussion der Realität dieses Ansatzes anhand aktueller Beispiele.

D. Der praktische Beitrag der Ethnologie in einer postdevelopment era: Untersuchung praktischer Handlungsmöglichkeiten für Ethnologen, die sich jenseits oder kritisch zur klassischen Entwicklungshilfe positionieren, unter Einbeziehung von Konzepten wie Etnodesarrollo und Action Research.

E. Schlussbetrachtung: Ethische Reflexion über die Möglichkeiten ethnologischer Arbeit in einem komplexen Umfeld und das Plädoyer für eine lokale, situationale Entscheidungsfindung.

Schlüsselwörter

Entwicklungsethnologie, postdevelopment, Arturo Escobar, Entwicklungshilfe, Diskursanalyse, Weltbank, soziokulturelle Faktoren, Etnodesarrollo, indigenes Wissen, Action Research, Machtverhältnisse, moderne Entwicklung, soziale Bewegungen, Partizipation, Advocacy Anthropology.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Rolle der Ethnologie im Kontext der Entwicklungshilfe und hinterfragt kritisch den dominierenden Entwicklungsdiskurs sowie die Möglichkeiten für Ethnologen, in einer postdevelopment-Ära tätig zu sein.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Geschichte der Entwicklungshilfe, die Anwendung ethnologischen Wissens in Entwicklungsinstitutionen, die theoretische Dekonstruktion von "Entwicklung" sowie praktische Gegenentwürfe durch soziale Bewegungen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Vereinbarkeit von ethnologischer Praxis mit der Kritik am Entwicklungsmodell zu untersuchen und praktische Ansätze für eine engagierte, sozialverträgliche Ethnologie zu identifizieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse, der diskursanalytischen Methode im Sinne Foucaults und der Auswertung von Fallbeispielen aus der Entwicklungsanthropologie.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Entwicklungshilfe, eine dekonstruktive Diskursanalyse, die Diskussion der postdevelopment-Schule und eine explorative Darstellung praktischer ethnologischer Arbeitskonzepte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie postdevelopment, Entwicklungsethnologie, Diskursanalyse, Etnodesarrollo und Empowerment lokaler Akteure charakterisiert.

Welche Bedeutung kommt dem Konzept der "labels" in der Entwicklungshilfe zu?

Labels wie "Kleinbauern" oder "Slumbewohner" dienen laut der Arbeit nicht der Neutralität, sondern der stereotypisierenden Reduktion und dienen als Machtinstrumente des Entwicklungsapparates zur Verwaltung von Zielgruppen.

Wie bewertet die Autorin die Rolle der Ethnologen innerhalb der Weltbank?

Die Autorin stellt die Ambivalenz dar: Während manche Ethnologen versuchen, innerhalb der Institution innovative Nischen zu schaffen, kritisieren andere, dass sie lediglich dazu beitragen, bestehende Modernisierungsdiskurse zu "maskieren".

Warum ist das Projekt PRATEC als Beispiel so relevant?

PRATEC zeigt konkret, wie lokales andines Wissen und Bildungskonzepte (Iskay Yachay) durch eine nicht-staatliche Organisation gefördert und in das Lehrangebot integriert werden können, als Gegenentwurf zur technokratischen Entwicklung.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Entwicklungsethnologie und postdevolopment
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Autor
Karin Riedl (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V417475
ISBN (eBook)
9783668666696
ISBN (Buch)
9783668666702
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklungshilfe Postdevelopment
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Karin Riedl (Autor:in), 2010, Entwicklungsethnologie und postdevolopment, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417475
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  27  Seiten
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