"Alles steht Kopf" in der kindlichen Entwicklung

Disney Pixars Animationsfilm unter der Betrachtung psychologischer Entwicklungstheorien


Hausarbeit, 2016

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Disney Pixars Alles steht Kopf
1.1 Inhalt des Films
1.2. Darstellung der Emotionen im Film

2. Entwicklungstheorien
2.1. Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung
2.2. Emotionale Entwicklung im Kindesalter

3. Vergleich wissenschaftlicher Theorie mit der Darstellung im Film

4. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Filme

2. Literatur

Einleitung

Kinder verstehen manchmal ihre Eltern nicht und ebenso verstehen Eltern manchmal ihre Kinder nicht. Das kann sich sowohl auf Gedankengänge, Ansichtsweisen und Vorstellungen als auch auf konkrete Handlungen beziehen. Probleme in der Kommunikation zwischen Eltern und Kind sind dadurch oft vorprogrammiert. Wer wünscht sich da nicht, einmal in den Kopf des beziehungsweise der jeweils Anderen zu schauen und sehen zu können, wie dieser Mensch denkt und fühlt. Diesen Wunsch verwirklicht Disney Pixars Alles steht Kopf (wenn auch nur fiktiv). Der Film über die elfjährige Riley und ihre Eltern spielt sich hauptsächlich im Gehirn des Mädchens ab. Nur in einzelnen Szenen werden auch Vorgänge in den Köpfen anderer Personen, wie beispielsweise die von Rileys Eltern gezeigt. Auf diese Weise erfahren die Zuschauer, wie die drei Familienmitglieder zu völlig unterschiedlichen Interpretationen ein und derselben Situation gelangen und warum sie darauf auf eine bestimmte Weise reagieren.

So interessant die Vorstellung des Gedankenlesens auch sein mag, werden Menschen wahrscheinlich nie in der Lage sein, auf diese Weise in den Kogf eines anderen einzudringen. Aus diesem Grund wird in der vorliegenden Arbeit nicht näher auf die Interaktionen der Figuren eingegangen. Stattdessen widmet sie sich der Betrachtung von Rileys Entwicklung vom Säugling zur Zwölfjährigen. Bei der Verständigung zwischen Kindern und deren Eltern kann es bereits hilfreich sein, wenn die Eltern die verschiedenen Entwicklungsstadien ihres Kindes kennen und darauf eingehen können. Obwohl diese Entwicklung jeder Mensch selbst einmal durchlebt hat, kann sich kaum ein Erwachsener noch an sein Denken und Fühlen als Kind erinnern. Das erwachsene Denkmuster wird dann oft auf ein Kind übertragen, kann aber von diesem noch nicht genauso angewendet werden. Um dieser teilweise fehlgeleiteten Kommunikation vorbeugen zu können, hat sich unter anderem der Schweizer Entwicklungspsychologe Jean Piaget (1896-1980) mit der Ausbildung kindlicher Denkstrukturen beschäftigt. Seine Theorie der kognitiven Entwicklung gilt nach wie vor als Basis weitergehender Forschung und wurde trotz einiger Kritik bisher lediglich erweitert, nicht aber überholt. Zeitgleich zur kognitiven findet im Kindesalter auch eine emotionale Entwicklung statt. Emotionen leisten einen maßgeblichen Beitrag zum Denken und Handeln eines Menschen (vgl. beispielsweise Reisenzein 2006, S.2). Manch ein Wissenschaftler geht sogar davon aus, dass es keinen kognitiven Vorgang gibt, der frei von Emotionen ist (vgl. Izard zitiert nach Stangl 2016). Zu dieser Ansicht gibt es jedoch eine Menge abweichender Meinungen. Die Auffassung aber, dass Kognition und Emotion im menschlichen Gehirn eng miteinder verknüpft sind, teilen die meisten Psychologen, Neurobiologen und Sozialwissenschaftler (vgl. beispielsweise Schachter 1962, S.379 oder Leyh 2011). Aus diesem Grund müssen im Folgenden sowohl Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung als auch die emotionale Entwicklung betrachtet werden, um sie mit der der kleinen Riley im Film vergleichen zu können.

Im ersten Teil wird kurz auf den Inhalt von Alles steht Kopf eingegangen,ebenso wie auf die Darstellung der darin vorkommenden Emotionen. Die nächsten Abschnitte bilden eine Betrachtung der Entwicklungstheorie Piagets und verschiedener Ansätze der emotionalen Entwicklung. Anschließend wird verglichen, inwiefern die filmische Darstellung mit den wissenschaftlichen Aspekten vereinbar ist. Das Ende dieser Arbeit bildet ein zusammenfassendes Fazit.

1. Disney Pixars Alles steht Kopf

Alles steht Kopf oder, wie er im englischen Original heißt, Inside Out ist ein US-amerikanischer Animationsfilm der Walt Disney Company. Unter der Regie von Pete Docter und Ronaldo del Carmen feierte er am 18. Mai 2015 auf den 68. Internationalen Filmfestspielen von Cannes seine Premiere. Thematisch beschäftigt sich der Film hauptsächlich mit dem Zusammenspiel von fünf verschiedenen Emotionen im Kopf der elfjährigen Riley. Um dies auf einer annähernd wissenschaftlichen Basis stattfinden zu lassen, konsultierte die Produktionsfirma Pixar Animation Studios einige psychologische Berater. Darunter waren beispielsweise Dacher Keltner, ein Psychologieprofessor der University of California in Berkeley und der emeritierte Wissenschaftler Paul Ekman, seinerseits ebenfalls ehemaliger Psychologieprofessor der University of California, San Francisco (vgl. Keltner 2005) und einer der bekanntesten Psychologen der heutigen Zeit.

1.1 Inhalt des Films

„Seht ihr manchmal jemanden an und fragt euch: Was geht wohl in seinem Kopf vor?“, werden die Zuschauer zu Beginn des Films gefragt. Im Kopf der neugeborenen Riley ist es die Emotion Freude, die als erste in Erscheinung tritt. Freude betätigt den einzigen Knopf auf einer Art Konsole, in Rileys Gehirn. Das kleine Mädchen beginnt zu lächeln und bekommt von seinen Eltern die Resonanz: „Du bist das Wunderbarste auf der Welt, Riley.“ Damit leitet Freude den ersten Kontakt Rileys mit ihrer Außenwelt in die Wege. Mit Kummer, Angst, Ekel und Wut kommen vier weitere Emotionen hinzu, die von da an -unter Freudes Führung- Rileys Entscheidungen und Verhalten steuern. Gemachte Erinnerungen werden in farbigen Bällen den Tag über in der Kommandozentrale, in der sich auch die Emotionen befinden, gesammelt. Welche Farbe eine Erinnerung annimmt ist abhängig davon, welche der fünf -ebenfalls farbigen- Emotionen in der jeweiligen Situation überwiegend präsent war. Sobald Riley abends einschläft werden die Erinnerungen des Tages ins Langzeitgedächtnis abtransportiert. Besonders eindrückliche Erinnerungen werden im Film als Kernerinnerungen bezeichnet und führen zur Ausprägung eines Persönlichkeitsmerkmals, dargestellt durch jeweils eine Insel gegenüber der Kommandozentrale. Auf diese Weise bilden sich in Rileys Kopf fünf Persönlichkeitsinseln aus, die Familien-, die Freundschafts-, die Quatsch-mach-, die Eishockey- und die Gerechtigkeitsinsel. Jede dieser Inseln stellt einen wichtigen Aspekt von Rileys Persönlichkeit dar und wird in entsprechenden Situationen aktiviert.

Als Riley elf Jahre alt ist zieht sie mit ihrer Familie nach San Fransciso, wo der Vater einen neuen Job angenommen hat. Für Riley bedeutet dies nicht nur den Verlust ihres geliebten Zuhauses sondern auch ihre Freunde und die Eishockeymannschaft zurückzulassen. In San Franciso angekommen erfahren die Eltern, dass der Möbelwagen wohl erst in ein paar Tagen ankommt und die Familie so lange in der vollkommen leeren Wohnung wohnen muss. Ausgelöst durch Rileys Heimweh und den Stress der Eltern, beginnt die Emotion Kummer in Rileys Kommandozentrale wiederholt Erinnerungen zu berühren und überschreibt auf diese Weise die mit den Erinnerungen verbundene Emotion von Freude auf sie selbst. Als Riley in ihrer neuen Schule aufgefordert wird über ihre Heimat Minnesota zu erzählen, entsteht eine Kernerinnerung mit der Farbe von Kummer. Freude versucht zu verhindern, dass diese Erinnerung eine Persönlichkeitsinsel ausbildet, wodurch auch die anderen Kernerinnerungen aus ihrer Verankerung fallen. Gemeinsam mit ihnen werden Freude und Kummer aus der Kommandozentrale hinaus in Rileys Langzeitgedächtnis abtransportiert. Auf ihrem komplizierten Weg zurück durch das Gehirn begegnen Freude und Kummer Rileys ehemaligem imaginären Freund, durchqueren ihre Fantasiewelt das Unterbewusstsein, die Traumstudios und den Abgrund des Vergessens. Sie fahren mit dem Gedankenzug und nehmen eine Abkürzung durch das abstrakte Denken. Während Freude alles versucht, um möglichst schnell wieder in der Zentrale für Riley da sein zu können, scheitern die dort verbliebenen Emotionen Wut, Angst und Ekel daran, das Mädchen so zu beeinflussen, wie es Freude tun würde. Durch die fehlenden Kernerinnerungen brechen nacheinander auch die verschiedenen Persönlichkeitsinseln weg und Riley beschließt -unter Anleitung der verbliebenen Emotionen- wieder dahin zu gehen, wo noch alles in Ordnung war: Minnesota. Von der Umsetzung dieser Absicht kann sie erst im letzten Moment durch die mittlerweile wieder in der Kommandozentrale eingetroffene Kummer abgehalten werden. Die Emotionen rufen eine Erinnerung auf, die die traurige Riley nach einem verschossenen Siegtreffer im Eishockey zeigt. Nur durch das Äußern ihrer Traurigkeit wird sie von ihren Eltern getröstet und kommt über diese Enttäuschung hinweg. Durch Kummer wird sich Riley ihres Verlusts bewusst, der mit dem Umzug einher ging, und zeigt zum ersten Mal ihre Traurigkeit statt wie zuvor abwechselnd Angst, Ekel und Wut. Wieder zu Hause angekommen teilt sie sich ihren Eltern mit, wodurch diese endlich verstehen können, was in ihrer Tochter vorgeht. Der Film endet damit, dass Riley nun auch in San Francisco eine Eishockeymannschaft und neue Freunde findet und sich die Emotionen sicher sind, dass jetzt nichts mehr passieren könne, denn Riley wäre ja bereits zwölf Jahre alt.

1.2. Darstellung der Emotionen im Film

Die erste Emotion in Rileys Kopf ist Freude. Sie leitet die meisten Gespräche und Handlungen des Mädchens und ist außerdem die Anführerin der fünf Emotionen. Kummer erscheint als zweite und wird von Freude von Anfang an als störend empfunden. Ihrer Meinung nach bringt Kummer keinerlei Mehrwert für Riley und ist somit auch nicht weiter zu gebrauchen. Die übrigen Emotionen haben alle eine wichtige Aufgabe, die im Film aus Freudes Sicht erklärt wird. Sie selbst ist dafür zuständig, dass Riley fröhlich ist und Spaß dabei empfindet, Neues zu erfahren. Angst passt auf, dass dem Mädchen nichts passiert, Ekel bewahrt sie davor körperlich oder seelisch vergiftet zu werden und Wut schützt Riley vor ungerechter Behandlung. Alle Emotionen sind durch ihre Form und Farbe charakterisiert. Freude leuchtet gelb, und wirkt durch ihre Leichtigkeit in der Bewegung wie eine unbeschwerte Fee. Kummer ist blau, hat eine große Brille und ist schematisch wie ein Tropfen beziehungsweise eine Träne dargestellt. Wut ist ein roter Choleriker, eckig wie ein Ziegelstein und entflammbar, wenn Riley unfair behandelt zu werden droht. Ekel ist eine grüne, leicht zickige Diva und soll laut Regisseur Pete Docter aussehen wie Brokkoli. Angst ist ein langes dünnes Männchen, soll einen (freiliegenden) Nerv darstellen und erscheint lila bis grau.

Vieles was Riley sagt, denkt oder tut wird von den Emotionen gesteuert. Jede Erinnerung, die Riley macht, ist einer Emotion entsprechend charakteristisch gefärbt. Außerdem sind die Emotionen für Rileys Vorstellungsvermögen und Ideen verantwortlich und können diese, ebenso wie die Erinnerungen, beliebig abrufen und dem Mädchen vor Augen führen. Einige Dinge passieren jedoch auch ohne das Zutun der Emotionen. So ist es die Aufgabe bohnenförmiger Wesen im Langzeitgedächtnis, die als Löscharbeiter bezeichnet werden, die dort deponierten Erinnerungen auf ihre weitere Notwendigkeit zu prüfen. Bei dieser Tätigkeit stoßen die Löscharbeiter ab und zu auf eine Erinnerung, die sie in die Kommandozentrale schicken und gegen deren Projektion die Emotionen nichts tun können. Im Film wird dies beispielsweise durch das willkürliche und wiederholte Abspielen eines Werbesongs als „Ohrwurm“ dargestellt. In den meisten Fällen leiten die Emotionen Rileys Handlungen, in einigen bewerten sie lediglich das Geschehen. Über ihre eigenen Handlungen entscheiden sie allerdings nicht immer selbst. Als Kummer damit beginnt Rileys Erinnerungen blau zu färben versucht sie sich selbst daran zu hindern, wird aber durch eine innere Kraft weiterhin dazu angetrieben.

Die Emotionen interagieren untereinander und teilen sich selbst verschiedenen Situationen zu. Teilweise sind an einer Situation auch mehrere Emotionen nacheinander oder gleichzeitg beteiligt. Je älter Riley wird, desto öfter wird mehr als eine Emotion in einer Situation angesprochen. Hierfür ein Beispiel: Als Riley mit elf Jahren das neue Haus in San Francisco betritt reagiert Ekel auf eine tote Maus in der Zimmerecke, Wut darauf, dass die Eltern Riley überhaupt von zu Hause weg gebracht haben und Angst befürchtet, Rileys Habseligkeiten könnten für immer mit dem Umzugswagen verschollen bleiben. Hierbei bedienen die drei Emotionen Rileys Schaltpult im Gehrin simultan. Als Freude mit der Idee aufwartet, in der leeren Wohnung Hockey zu spielen, übernimmt sie die Kontrolle wieder alleine. Außer über die von Kummer herrscht unter den Emotionen völlige Klarheit über die jeweilige Zuständigkeit und sie alle haben als einziges Ziel Rileys körperliches und seelisches Wohlbefinden.

Je älter Riley wird, desto facettenreicher wird auch die Konsole in ihrem Gehirn, über welche die Emotionen sie steuern. Zu Beginn ihres Lebens konnte nur ein einziger Knopf den Kontakt zur Außenwelt herstellen. Dementsprechend konnte auch nur eine Emotion ihre Eigenschaft undifferenziert zum Ausdruck bringen. Als Säugling hat Riley entweder gelächelt oder geweint, je nachdem, ob Freude oder Kummer den Knopf betätigten. Mit zunehmendem Erlernen verschiedener Bewegungsabläufe und Worte sind die Emotionen später in der Lage vielfältiger und ausdifferenzierter zu interagieren.was man wohl als emotionale Entwicklung Rileys auf Grundlage ihrer kognitiven Entwicklung verstehen kann. Dieses Lernen von Sprache und Bewegung selbst findet jedoch unter keiner emotionalen Anleitung statt und wird im Film auch nicht genauer dargestellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
"Alles steht Kopf" in der kindlichen Entwicklung
Untertitel
Disney Pixars Animationsfilm unter der Betrachtung psychologischer Entwicklungstheorien
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Psychologie)
Veranstaltung
Emotion und Kognition
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V417477
ISBN (eBook)
9783668668775
ISBN (Buch)
9783668668782
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Disney, Alles steht Kopf, Emotion, Kognition, Entwicklung, Ekman, Piaget, Inside Out
Arbeit zitieren
Bachelor of Sience Psychologie, Soziologie Yvonne Moch (Autor), 2016, "Alles steht Kopf" in der kindlichen Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417477

Kommentare

  • Gast am 23.6.2019

    Der Film ist m.E. für Kinder ab 10 Jahren (in Begleitung) und besonders für Kinder ab der Vorpubertät, in der Pubertät, für Jugendliche, für Eltern sowie für alle Interessierten sehr zur Förderung des Verständnisses von emotionalen Prozessen geeignet und sollte auch in der Schule zur Vorführung gelangen. Ihre Arbeit kann LehrerInnen in der Vorbereitung helfen! Wichtiges Thema, danke dafür!

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