„Die SPD hatte mit nur 4,4 % Stimmenzuwachs weiter deutlich aufgeholt – ein Lohn für ihren Wandel von 1959 mit dem neuen „Godesberger Programm“, das alte marxistische Zöpfe abschnitt und der Partei ein modernes, für Angestellte und Freiberufler weit offenes Image als linke Volkspartei verpasste.“1
Diese Aussage von Ulrich von Alemann stellt den entscheidenden Wendepunkt der Programmgeschichte der SPD dar. In dieser Arbeit soll unter anderem der Weg der SPD bis zu diesem Wendepunkt aufgezeigt werden sowie die weitere programmatische Entwicklung. Kann man die These vertreten, dass sich die SPD aufgrund der Wahlerfolge der CDU immer mehr an deren Programm orientiert hat? Die Arbeit will zudem versuchen, die Programme der behandelten Parteien zu vergleichen, um die Frage zu beantworten, ob es zu einer Konvergenz der Programme kam und welchen Einfluss die Grünen auf die anderen Parteien und deren Programme ausübten. Um diese Fragen zu beantworten, wird in der Arbeit die Entwicklung der wirtschaftspolitischen Programme der Parteien CDU, SPD, FDP und Die Grünen bis 1990 aufgezeigt. Man muss sich vergegenwärtigen, dass es verschiedene Arten von Programmen gibt, die verschiedene Funktionen haben. Hier wären Wahlprogramme (z.B. Werbefunktion), Grundsatzprogramme (z.B. Integrationsfunktion), Aktionsprogramme oder Spezialprogramme zu nennen. In dieser Arbeit kann aus Platzgründen bei der Darstellung der Programme auf diesen Aspekt nicht eingegangen werden. Ebenso kann nicht auf jedes einzelne Parteiprogramm eingegangen werden. Die Arbeit will deshalb versuchen, einen Überblick über die wichtigsten Veränderungen in den wirtschaftspolitischen Aussagen der Programme zu geben. Das Aufzeigen der Entwicklung der Programme soll folgendermaßen geschehen: Zunächst werden die Programme der CDU, SPD und FDP nach 1945 nacheinander dargestellt. Darauf wird die Entwicklung der Programme der Parteien bis Anfang der 80er Jahre einzeln dargestellt. Anschließend wird die Entwicklung der Programme der Grünen aufgezeigt. Als Nächstes werden die Programme der drei anderen Parteien nach dem Aufkommen der Grünen bis 1990 dargestellt. Im Fazit sollen dann die in der Einleitung aufgeworfenen Fragen beantwortet werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Die wirtschaftspolitischen programmatischen Äußerungen von CDU, SPD und FDP nach 1945
1.1 CDU
1.2 SPD
1.3 FDP
1.4 Zwischenbilanz
2. Die Entwicklung der Programme bis zum Einzug der Grünen in den Bundestag
2.1 CDU
2.2 SPD
2.3 FDP
2.4 Zwischenbilanz
3. Die Grünen
4. Der Einfluss der Grünen auf die Parteiprogramme bis 1990
4.1 CDU
4.2 SPD
4.3 FDP
III. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung der wirtschaftspolitischen Parteiprogramme von CDU, SPD, FDP und den Grünen in der Bundesrepublik Deutschland bis zum Jahr 1990. Im Fokus steht dabei die Analyse, ob sich die Parteien programmatisch angenähert haben und welchen spezifischen Einfluss das Erstarken der Grünen ab den 1980er Jahren auf die wirtschaftspolitischen Konzepte der anderen Parteien ausübte.
- Programmatische Entwicklung von CDU, SPD, FDP und den Grünen bis 1990
- Analyse der Konvergenz wirtschaftspolitischer Parteiprogramme
- Einfluss ökologischer Themen auf die etablierten Parteien
- Vergleich von Wirtschaftsmodellen: Soziale Marktwirtschaft, demokratischer Sozialismus und ökologische Orientierung
- Historischer Wandel von Wirtschaftsleitbildern und -konzeptionen
Auszug aus dem Buch
1.1 CDU
Die programmatischen Äußerungen der CDU begannen nach 1945 auf Landesebene. So formulierte beispielsweise die Kölner CDP die Kölner Leitsätze und die Berliner CDU den Aufruf zur Parteigründung. In diesen Äußerungen kamen bereits Ansätze einer christlich-demokratischen Politik zum Vorschein. Rückblickend zogen die wirtschaftlichen Konzeptionen die stärkste Aufmerksamkeit auf sich. Zunächst war es jedoch schwierig, eine einheitliche wirtschaftliche Konzeption zu finden, was auch an der personellen Zusammensetzung der Partei lag, denn in fast allen Unionsgruppen arbeiteten ehemalige Mitglieder des linken Zentrums und der Christlichen Gewerkschaften.
Dennoch gab es auch Gemeinsamkeiten, so wurde beispielsweise Privateigentum in allen frühen Programmen ausdrücklich bejaht. Das bekannteste Programm der Gründungsphase ist das Ahlener Programm, in dem der Gegensatz, der in der Partei herrschte, vermittelt werden sollte. Das Ahlener Programm ging aus Beratungen des Wirtschafts- und Sozialausschusses der CDU der britischen Zone über die Umgestaltung der Wirtschaft hervor und galt somit nur für die Britische Besatzungszone; es wurde im Februar 1947 veröffentlicht. Dennoch bringt das Programm das Nebeneinander von christlich-sozialistischen und kapitalistischen marktwirtschaftlichen Kräften in der CDU zum Ausdruck.
In diesem Sinne ist das Ahlener Programm eine Mischung aus katholischem Solidarismus, liberaler Marktwirtschaft und sozialistischen Elementen. Die CDU richtete sich in dem Ahlener Programm gegen ein rein kapitalistisches Wirtschaftssystem ebenso wie gegen ein planwirtschaftlich reglementiertes. Privater Kapitalismus in seiner Reinform wurde ebenso abgelehnt wie der von der Sozialdemokratie geforderte Staatssozialismus, Planwirtschaft wurde für gewisse Krisensituationen als notwendig bezeichnet, als Regelfall aber abgelehnt.
Zusammenfassung der Kapitel
Die wirtschaftspolitischen programmatischen Äußerungen von CDU, SPD und FDP nach 1945: Das Kapitel beleuchtet die wirtschaftspolitischen Anfänge der drei großen Parteien nach dem Zweiten Weltkrieg, wobei die heterogenen Ausgangspunkte und fehlenden einheitlichen Konzepte der frühen Gründungsjahre analysiert werden.
Die Entwicklung der Programme bis zum Einzug der Grünen in den Bundestag: Hier wird der Prozess beschrieben, wie sich die Parteien mit ihren jeweiligen Wirtschaftstheorien, wie der sozialen Marktwirtschaft bei der CDU oder dem Wandel der SPD hin zum Godesberger Programm, etablierten.
Die Grünen: Dieses Kapitel widmet sich der Entstehung und der programmatischen Ausrichtung der Grünen als ökologische Systemopposition, die den Fokus auf die Unterordnung der Ökonomie unter die Ökologie legte.
Der Einfluss der Grünen auf die Parteiprogramme bis 1990: Die Analyse zeigt auf, wie die Etablierung der Grünen die anderen Parteien dazu zwang, ökologische Aspekte in ihre Wirtschafts- und Finanzprogramme zu integrieren.
Schlüsselwörter
Parteiprogramme, Wirtschaftspolitik, CDU, SPD, FDP, Die Grünen, soziale Marktwirtschaft, ökologische Erneuerung, Konvergenz, Wirtschaftsordnung, Programmgeschichte, Umweltschutz, Wirtschaftsdemokratie, politischer Wandel, 1945-1990
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die inhaltliche Entwicklung und den Wandel der wirtschaftspolitischen Programme der vier einflussreichsten deutschen Parteien (CDU, SPD, FDP, Die Grünen) im Zeitraum von 1945 bis 1990.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte zur Wirtschaftsordnung, der Wandel von der Planwirtschaft zur sozialen Marktwirtschaft, die Rolle des Staates sowie die Integration ökologischer Fragestellungen in die Parteiprogrammatik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklung der Programme nachzuvollziehen und zu prüfen, ob es im Laufe der Jahrzehnte zu einer programmatischen Konvergenz der Parteien gekommen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse politischer Grundsatz- und Wahlprogramme unter Berücksichtigung historischer Kontextualisierungen und parteispezifischer Programmgeschichten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der wirtschaftspolitischen Anfänge nach 1945, die weitere programmatische Evolution bis zur Bundestagseinzug der Grünen sowie deren Einfluss auf die etablierten Parteien bis 1990.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Parteiprogrammatik, Wirtschaftsordnungen, soziale Marktwirtschaft, Ökologisierung der Wirtschaft und parteiübergreifende programmatische Konvergenz.
Welche Bedeutung hatte das Ahlener Programm für die CDU?
Das Ahlener Programm war ein prägender, wenn auch nur für die britische Zone geltender, Kompromissversuch zwischen christlich-sozialistischen und marktwirtschaftlichen Vorstellungen innerhalb der frühen CDU.
Wie reagierte die SPD auf den wirtschaftspolitischen Erfolg der CDU?
Die SPD vollzog mit dem Godesberger Programm 1959 einen bedeutenden Wandel, bei dem sie sich von marxistischen Zielen distanzierte und den Weg zur Marktwirtschaft als Volkspartei einschlug.
- Quote paper
- Alice B (Author), 2005, Die Entwicklung der wirtschaftspolitischen Programme der Parteien CDU, SPD, FDP und Die Grünen bis 1990, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41782