Störungen sind fester Bestandteil des Unterrichts. Ob das Kippeln mit dem Stuhl, fliegende Papierschnipsel, Endlosdiskussionen mit dem Lehrer, stickige Luft im Klassenzimmer oder handfeste Auseinandersetzungen. Die Arten der Störungen und deren Auswirkungen auf den Unterricht können sehr unterschiedlich sein. Zunächst wollen wir uns daher unter Punkt 2 mit möglichen Definitionen des Begriffs „Unterrichtsstörungen“ beschäftigen. Auch wenn sich die Definitionen unterscheiden mögen, eines ist nicht von der Hand zu weisen: US stellen in jedem Fall eine Beeinträchtigung des Unterrichtsgeschehens dar und können das Lernen und Lehren in der Klasse gefährden. Was jedoch kann dagegen unternommen werden?
Bei der Literaturrecherche finden sich zahlreiche Publikationen, die sich mit US befassen und sich um Kategorien zur Einordnung und Interpretation bemühen. Konkrete Handlungsleitfäden bleiben dabei jedoch oft aus bzw. sehr theoretisch. Dies mag unter anderem daran liegen, dass sich die Auffassung von dem, was genau als US wahrgenommen wird, sehr unterscheidet. Der Anspruch auf ein Patentrezept, das für jede Situation die optimale Lösung bietet, muss demnach von vornherein verworfen werden. Dennoch gibt es einige Ansätze, die in der Präventions- und Interventionsarbeit inzwischen erfolgreich eingesetzt werden. Die Untersuchung einiger dieser Ansätze sowie die Modulanknüpfung zur pädagogischen Diagnostik und Förderung befinden sich unter Punkt 3.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Unterrichtsstörung als Begriff
2.1 Definition und Problemhorizont
2.2 Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen
3 Umgang mit Unterrichtsstörungen
3.1 Richtiges Erkennen und Zuordnen von Unterrichtsstörungen
3.2 Hypothesenbildung: Welche Ursachen kommen in Betracht
3.3 Lösungsentwurf: Prävention oder Intervention?
4 Die sich wandelnde Schullandschaft
4.1 Flüchtlingssituation
4.2 Gemeinschaftsschulen
4.3 Neuer Bildungsplan
5 Zusammenfassung/ Diskussion
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit beleuchtet das Phänomen von Unterrichtsstörungen im Kontext einer sich wandelnden Schullandschaft und untersucht professionelle Handlungsstrategien sowie Konzepte zur Prävention und Intervention für Lehrkräfte.
- Begriffsdefinition und systemische Einordnung von Unterrichtsstörungen
- Modelle zur Klassifizierung und Eskalationsstufen von Störungen
- Herausforderungen durch die aktuelle Schulentwicklung (Flüchtlingssituation, Gemeinschaftsschulen)
- Präventive Ansätze und professionelles Lehrerhandeln
- Umsetzung pädagogischer Diagnostik im Schulalltag
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition und Problemhorizont
Obwohl sich aus dem Alltagsverständnis die Bedeutung des Begriffs „Unterrichtsstörungen“ ableiten ließe, ist die Suche nach geeigneten wissenschaftlichen Definitionen doch sehr schwierig. Da es sich bei einer „Störung“ um eine subjektive Wahrnehmung handelt, erscheinen die Aussagen dazu recht willkürlich. Damit verbunden sind nicht nur Überlegungen, was generell als US verstanden wird, sondern auch wer oder was dies auslöst und welche Auswirkungen damit verbunden sind. Bis in die 60er-Jahre sprach man häufig von „Disziplinschwierigkeiten“. Da es nach dieser Definition die Aufgabe des Lehrers ist seine Schüler zu „disziplinieren“, wird auch er dafür verantwortlich gemacht, wenn sich die Schüler nicht entsprechend verhalten.
Der Vorteil dieser Definition besteht darin, dass der Lehrer mitverantwortlich für das gemacht wird, was im Unterricht geschieht. Den Nachteil kann man jedoch darin sehen, dass die Schüler in dieser Betrachtungsweise für ihr Verhalten nicht in der Verantwortung stehen. Formulierungen hingegen, die von Erziehungsberatungsstellen verwendet werden beschreiben auffälliges Schülerverhalten als „Verhaltensunsicherheit“, „Verhaltensauffälligkeit“, oder „Verhaltensstörung“. Auch diese Definition hat Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist, dass so dem Lehrer die Last der Verantwortung genommen wird. Er kann „nichts dafür“, wenn ein Schüler „verhaltensgestört“ ist. Die Gefahr dieser Termini liegt jedoch darin, dass durch die Pathologisierung auffälligen Schülerverhaltens die Zuständigkeit nur allzu schnell an dritte, wie Therapeuten oder das Elternhaus weitergegeben wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese führt in die Thematik der Unterrichtsstörungen als Spannungsfeld zwischen Rechten und Pflichten ein und verdeutlicht die Notwendigkeit professioneller Präventions- und Interventionskonzepte.
2 Unterrichtsstörung als Begriff: Das Kapitel diskutiert wissenschaftliche Definitionen, hinterfragt die historische Sicht auf „Disziplinschwierigkeiten“ und stellt ein Modell zur Einordnung von Erscheinungsformen vor.
3 Umgang mit Unterrichtsstörungen: Hier werden systematische Vorgehensweisen, von der Erkennung über die Ursachenforschung bis hin zur Wahl zwischen Prävention und Intervention, detailliert erörtert.
4 Die sich wandelnde Schullandschaft: Dieser Abschnitt analysiert den Einfluss aktueller bildungspolitischer Entwicklungen, wie die Integration von Flüchtlingen und neue Schulformen, auf den Schulalltag.
5 Zusammenfassung/ Diskussion: Das Fazit resümiert, dass Störungen kein modernes Problem sind, betont die Bedeutung des Classroom-Managements und unterstreicht die Wichtigkeit der Lehrerpersönlichkeit.
Schlüsselwörter
Unterrichtsstörungen, Classroom-Management, Prävention, Intervention, Schulentwicklung, Gemeinschaftsschule, pädagogische Diagnostik, Flüchtlingssituation, Lehrverhalten, Schülerverhalten, Eskalationsstufen, Lehrerbelastung, Inklusion, Bildungssystem, Verhaltensstörung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert den professionellen Umgang mit Unterrichtsstörungen im Kontext der sich wandelnden schulischen Rahmenbedingungen in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen die Definition von Unterrichtsstörungen, verschiedene Eskalationsstufen, präventive Classroom-Management-Strategien sowie die Auswirkungen aktueller gesellschaftlicher Veränderungen auf den Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Lehrern einen Leitfaden für professionelles Handeln in schwierigen Unterrichtssituationen zu bieten und Wege aufzuzeigen, wie durch gezielte Beobachtung und Reflexion Unterrichtsstörungen reduziert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Konzepte (wie das von Rattay et al.) sowie auf Erkenntnisse aus Forschungsprojekten, wie der wissenschaftlichen Begleitforschung an Gemeinschaftsschulen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Begriffs der Unterrichtsstörung, die praktische Einordnung nach Eskalationsstufen und die Diskussion spezifischer Herausforderungen wie Inklusion und Integration.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Classroom-Management, Prävention, Interventionskonzepte und die Heterogenität moderner Klassen geprägt.
Wie unterscheidet sich eine "Beeinträchtigung" von einer "Verhaltensstörung" laut dem Modell im Text?
Eine Beeinträchtigung ist situativ und oft durch kurzzeitige Faktoren wie Unruhe bedingt, während eine Verhaltensstörung übersituativ ist und eine tiefere, oft in der Person des Schülers liegende Ursache hat.
Welche Rolle spielt die Schulsozialarbeit bei "schweren" Fällen?
Bei Fällen, die den Rahmen des regulären Lehrerhandelns sprengen, dient die Schulsozialarbeit als externe Instanz, die eine höhere Sensibilisierung ermöglicht und ergänzende Unterstützungssysteme bereitstellt.
- Arbeit zitieren
- Adrienne Kaergel (Autor:in), 2016, Störungen im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417858