Kunstdidaktische Theoriebildung. Einsatzmöglichkeiten im modernen Kunstunterricht


Hausarbeit, 2017

13 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Kunstdidaktische Konzepte – Ein historischer Überblick

2. Inhaltsanalyse

3. Konstruktion der Aufgabenstellungen
3.1 Das Konzept der Musischen Erziehung
3.2 Das Konzept des „bildnerischen Denkens“ (nach Pfennig)
3.3 Das Konzept der Visuellen Kommunikation

4. Reflexion

Literaturverzeichnis

Einleitung

Warum möchte ich Kunstlehrer/-in werden? Welche Aufgaben hat das Fach Kunst? Wie kann ich flexibel den Unterricht gestalten und meine Methodenwahl begründen? Welche Möglichkeiten aber auch Schwierigkeiten sind damit verbunden? Diese und weitere grundlegende didaktische Fragen wurden im Seminar „Kunstdidaktische Theorienbildung“ diskutiert. Sie sind nicht ohne grundlegende Kenntnisse über die Geschichte des Fachs zu beantworten und bilden die Basis für die Ziele, die wir heute verfolgen. Wichtig dabei ist ein Verständnis von Kunst als ein sich mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen veränderndes Phänomen. Davon ausgehend, lässt sich die Kunstpädagogik als ein „[…] Teilgebiet einer umfassenden Wissenschaft vom Menschen […]“ verstehen (Vgl. Bering C. & K. 2012, S. 10).

In dieser Arbeit soll ein grundlegendes Verständnis von verschiedenen kunstdidaktischen Ansätzen und deren Einsatzmöglichkeiten im modernen Kunstunterricht gezeigt werden. Der Einstieg erfolgt in Punkt 1 mit einem kurzen geschichtlichen Überblick über grundlegende kunstdidaktische Strömungen. Unter Punkt 2 wird ein konkretes Beispiel aus einem Schulbuch (Kunst entdecken 3) erörtert und unter dem Einsatz der Kenntnisse über verschiedene kunstdidaktische Konzepte entsprechend modifiziert (Punkt 3). Ziel ist es ein vertieftes Bewusstsein für die unterschiedlichen Möglichkeiten der Aufgabenkonstruktion zu gewinnen um dadurch im späteren Schulalltag souveräne kunstdidaktische Entscheidungen treffen zu können. Die gewonnenen Erkenntnisse werden unter Punkt 4 in einer Abschlussreflexion zusammengefasst und bilden damit den Abschluss der Arbeit.

1. Kunstdidaktische Konzepte – Ein historischer Überblick

Vor 1933 – Das Konzept der Musischen Erziehung:

Vor 1933 hatte die Kunsterziehungsbewegung als Musische Erziehung einen entscheidenden Einfluss auf viele Bereiche des Unterrichts. Sie fußte auf einer langen Tradition holistischen Lernens, die sich von der griechischen Antike über die Klosterschule, Ideen Goethes und Humboldts bis hin zu reformpädagogischen Konzepten erstreckte. Zeichnen und Malen waren auf die Erlebnisformen der kindlichen Entwicklungsstufen ausgerichtet, sodass die Musische Erziehung zu einem allgemeinen Erziehungsprinzip wurde, das sich durch alle Fächer zog und den gesamten Wissenserwerb auf sinnliche Erfahrung aufbauen wollte. Dieses Konzept könnte als ein Protest des damaligen weit verbreiteten und fortschreitenden Intellektualismus und Rationalismus verstanden werden. Wesentliche Impulse für die Kunstdidaktik gingen dabei vom britischen Schriftsteller HERBERT READ aus, für den eine geistig-seelische Entwicklung des Menschen im Mittelpunkt stand (Vgl. Bering C. & K. 2012, S. 69-70).

Nationalsozialismus (1933 – 1945):

Mit dem Aufkommen der nationalsozialistischen Bildungspolitik wurde der Kunstunterricht, ebenso wie viele andere Schulfächer, für die Zwecke missbraucht, die weltanschaulichen Grundsätze des Nationalsozialismus zu verbreiten. (Vgl. Bering C. & K. 2012, S. 42 ff.). Aus der Musischen Erziehung wurde „musische Nationalerziehung“, die darauf abzielte auch politische und militärische Inhalte in die Ausbildung der „inneren Schaukräfte“ einzubringen. Im Kunstunterricht wurden so auch chauvinistische und rassistische Unterrichtsthemen behandelt (Vgl. Legler, W. 2013, S. 243 f.).

Nachkriegszeit - Von der Kunst erziehung zum Kunst unterricht:

Nach dem 2. Weltkrieg versuchte man quasi dort weiterzumachen wo man aufgehört hatte. Dementsprechend dominierten noch bis in die 1960er die Prinzipien der Musischen Erziehung. Wirklich neue Ideen wurden erst unter REINHARDT PFENNIG und GUNTER OTTO eingebracht. PFENNIG verband erstmals den Begriff der Kunst mit der Erziehung. Sein Konzept "Gegenwart der bildenden Kunst. Erziehung zum bildnerischen Denken" (1974) hatte zum Ziel, die SuS über das Verständnis der Gegenwartskunst zur Teilhabe an der Kunst und Kultur ihrer Zeit zu verhelfen. Er spricht von dem „[…] Hunger, sich dieser Kunst nach ihrer vollständigen Unterdrückung zwischen 1933 und 1945 nach dem Kriege endlich (wieder) zuzuwenden.“ (Vgl. Legler 2013, S. 273). Zum ersten Mal wurde die moderne Kunst unter den Prinzipien der Bauhauslehre auch in der Schule behandelt. Entsprechende Anregungen und Methoden sind auf einen der ersten Meister des staatlichen Bauhauses in Weimar, JOHANNES ITTEN zurückzuführen. Dieser vertrat die These, dass die gesamte Wahrnehmung auf Kontrasten beruhe. Entsprechend wurden in der damaligen Kunst erziehung besonders Hell-Dunkel-, Material- und Textur-, Farb- und Formkontraste sowie der Rhythmus und die expressiven Formen durchgenommen (Vgl. Oswald 2003, S.35).

Etwa zur selben Zeit forderte OTTO in seinem Buch "Kunst als Prozess im Unterricht“ (1963) jedoch eine Erneuerung des Faches, um sich von eben jener Kunst erziehung abzugrenzen. Ein Anliegen von ihm war es Kunst als Fertigkeit zu verstehen, die lehr- und lernbar sei. Er war es, der die heutige Bezeichnung des Kunst unterrichts prägte. Seiner Meinung nach war ein Verständnis von der Kunst ohne eine Strukturierung der Lernprozesse und eine Erweiterung des ästhetischen Potentials der Kunstpädagogik um Sachinformationen nicht möglich (Vgl. Gensbaur 2012, S. 2).

1968-Bewegung – Visuelle Kommunikation:

Seit der 1968er-Bewegung bestimmten Schlagworte wie „Selbstbestimmung und „Emanzipation“ die Diskussion über die Aufgaben des Faches. Kinder und Jugendliche wurden stärker als Teil der Gesellschaft gesehen und sollten sich in einer Visuellen Kommunikation kritisch mit den Medien auseinandersetzen. Geprägt wurde der Begriff der Visuellen Kommunikation ursprünglich von der neomarxistischen Kulturkritik der Frankfurter Schule. Die Verfechter dieses Konzeptes prangerten den Warencharakter der Kunst und die Möglichkeiten der Manipulation durch die Massenmedien an. Zwischen Kunst und Medien wurde diesbezüglich kein Unterschied gemacht. Typisch für die 1968er-Bewegung ging es hauptsächlich darum bestehende Herrschaftssysteme zu durchbrechen. Kritisiert wurde an diesem Ansatz die „kunstferne“ Position der Kunsterziehung, die als Medium zur politischen Bildung instrumentalisiert wurde (Vgl. Oswald 2003, S. 52). Innerhalb dieser neuen Sichtweise des Faches rückten jedoch Medien, Film und Fernsehen, Plakatgestaltungen, Layout, Schriftarten und der Comic in den Vordergrund der fachlichen Kompetenzen der SuS, die bis heute einen wichtigen Teil in der bildenden Kunst einnehmen (Vgl. Grünewald 1973, S. 65 ff.).

1980er Jahre – Ästhetische Erziehung:

Die 1980er Jahre waren in Deutschland geprägt von einer umgreifenden Umweltschutzbewegung, die kulturkritische, teils auch technikfeindliche Bestrebungen hatte. Dies führte auch im Fach Kunst zu einem Paradigmenwechsel, weg von der Visuellen Kommunikation zu einer stärker alle Sinne ansprechenden Ästhetischen Erziehung. Das Konzept, welches das Bedürfnis nach ganzheitlichen Lebens—und Handlungsvollzügen in den Mittelpunkt stellte, wurde von HARTMUT VON HENTIG und DIETHART KERBS bereits Ende der 1960er Jahre entwickelt und orientierte sich an dem ursprünglichen Gedanken Schillers „über die ästhetische Erziehung des Menschen“ (1795). In seinem Aufsatz „Ästhetische Erziehung im politischen Zeitalter“, fordert HENTIG die systematische Ausbildung der Wahrnehmungsmöglichkeiten, des Wahrnehmungsgenusses und der Wahrnehmungskritik (Von Hentig 1969, S.25. In: Staudte 1995, S. 1). KERBS schreibt der Ästhetischen Erziehung darüber hinaus noch weitere Funktionen zu – die kritische, utopische, hedonistische und pragmatische Funktion. Allerdings bleiben diese Ansätze für die konkrete Unterrichtspraxis relativ allgemein und konnten beliebig ausgedehnt werden. Die Kunstdidaktik befand sich in den 1980er Jahren also in einem Dilemma, da jeder neue Begriff (wie „Alltagsbezug“, „Subjektivität“ oder „Sinnlichkeit“) ohne Weiteres als ein sinnvoller Bestandteil Ästhetischer Erziehung begründet werden konnte. Die beliebig erscheinenden Auswahlmöglichkeiten für den Unterricht führten zu einer Auflösung eines klaren Profils der bildenden Kunst (Vgl. Legler 2013, S. 312 - 323).

Gegenwärtige Situation:

Mit dem „Iconic turn“ in den 1990er Jahren geriet wieder die Welt der Bilder in den kunstdidaktischen Mittelpunkt. Im Gegensatz zum Bildbegriff der Visuellen Kommunikation zählen zum zeitgenössischen Bildbegriff jedoch alle Arten von Bildern aus verschiedenen künstlerischen Bereichen, wie der darstellenden Kunst, Installationen, Plastiken, Architektur usw. Dies führte nicht zuletzt zu einer eigenständigen Disziplin, der Bildwissenschaft. Im Schulfach Kunst an allgemeinbildenden Schulen geht es unter anderem um die Ausbildung der bildenden Kunst in allen Bereichen. In einigen deutschen Bundesländern (z. B. Baden-Württemberg) heißt das Schulfach deshalb Bildende Kunst. Darunter ist jedoch kein systematischer Gesamtentwurf, sondern vielmehr eine Vielzahl verschiedener Positionen aufzufassen, die aufeinander unterschiedlich Bezug nehmen und sich gegenseitig ergänzen. Dabei wird sie von drei grundlegenden Positionen geprägt, die hier der Übersichtlichkeit halber nur kurz zusammengefasst werden:

1.) Bildorientierung:

Weltaneignung und Persönlichkeitsentwicklung der SuS werden zweifellos von ihrer Wahrnehmung, den Bildern ihrer Umgebung, geprägt. Gerade im Zeitalter der digitalen und interaktiven Medien und sozialen Netzwerke ergibt sich ein ständig wachsender Bedarf an „Bildkompetenz“. Diese bezieht sich nicht nur auf die Rezeption, sondern auch auf die eigene Gestaltung und den Ausdruck durch Bilder. Die rezeptive Komponente könnte man als „Visuelle Kompetenz“ bezeichnen, die eine analysierende Auseinandersetzung mit visuellen Reizen durch die SuS fordert. Erfahrungs- und Lernprozesse mit Bildern sind somit unverzichtbare Elemente der Allgemeinbildung und gehören, nach Peez, neben den Basisqualifikationen Lesen, Schreiben und Rechnen zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Bildung. (Vgl. Peez 2007, S. 5)

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Kunstdidaktische Theoriebildung. Einsatzmöglichkeiten im modernen Kunstunterricht
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V417868
ISBN (eBook)
9783668671188
ISBN (Buch)
9783668671195
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kunstdidaktische, theoriebildung, einsatzmöglichkeiten, kunstunterricht
Arbeit zitieren
Adrienne Kaergel (Autor), 2017, Kunstdidaktische Theoriebildung. Einsatzmöglichkeiten im modernen Kunstunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417868

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kunstdidaktische Theoriebildung. Einsatzmöglichkeiten im modernen Kunstunterricht



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden