Farbkonzepte bei Kindern und Jugendlichen. Fachdidaktische Forschung in der Kunstpädagogik


Hausarbeit, 2017

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Aufgabenstellung, Rahmenbedingungen und Hypothesen
1.1 Aufgabenstellung
1.2 Rahmenbedingungen
1.3 Hypothesen

2. Datenerhebung und -auswertung
2.1. Datenerhebung
2.2 Datenauswertung
2.3 Befunde

3. Ergebnisse und Diskussion

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Hausarbeit stellt einen Portfolio-Baustein der Modul 3-Kunstprüfung dar und wurde im Rahmen des Seminars „Fachdidaktische Forschung in der Kunstpädagogik – Farbkonzepte bei Kindern und Jugendlichen“ erarbeitet.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen möglichen Zusammenhang von Sprache und künstlerisch bildnerischen Prozessen von Schülerinnen und Schülern (im Folgenden abgekürzt mit SuS) einer fünften Jahrgangsstufe empirisch zu untersuchen.

Während sich zur zeichnerischen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen einschlägige Literatur findet, etwa zu Stufenmodellen, welche die Entwicklung der entsprechenden Fertigkeiten und der dazugehörigen Aspekte der Entwicklung der Kognition, Persönlichkeit und visuellen Wahrnehmung untersuchen, sind kunstdidaktische Forschungsergebnisse im Bereich der Sprachentwicklung und der damit verbundenen Zugänge zur Kunst noch sehr rar. Forschungsergebnisse zur Parallelisierung von Spracherwerb und bildhaften Äußerungen beziehen sich meist auf das Sprechen und nicht auf das Schreiben und nehmen daher oft nur die frühkindliche Entwicklung bis ins Grundschulalter ins Blickfeld. Daher ist es mein Anliegen, mögliche Zugänge durch schriftliche Bildbeschreibungen in der Sekundarstufe I zu untersuchen. Die im Rahmen einer Dissertationsarbeit von Martin Oswald durchgeführten Studien ( 2003: Aspekte der Farbwahrnehmung: bei Schülern im Alter zwischen 11 und 16 Jahren (1. Auflage). Weimar: VDG©) bieten diesbezüglich gute Ansatzpunkte, die mich zu weiteren Untersuchungen auf dem Gebiet motiviert und zu folgender zentralen Forschungsfrage gebracht haben:

Gibt es eine Korrelation zwischen der Qualität der Beschreibung eines Bildes und der Qualität der bildnerischen Arbeiten?

„Qualität“ ist dabei als objektiver Maßstab zu verstehen, welcher mit Hilfe gewisser Kriterien die Ergebnisse zu quantifizieren sucht. Dies ist Teil des methodischen Vorgehens, welches in Kapitel 2 beschrieben wird. Dem voraus gehen in Kapitel 1 die Beschreibung der Aufgabenstellung, der Rahmenbedingungen, sowie weitere Teilfragen und Hypothesen, die sich daraus ergeben. Das Kernstück der Arbeit bildet unter Punkt 3 die Auswertung und Interpretation der Untersuchungsergebnisse. Unter dem letzten Punkt 4 erfolgt eine abschließende Zusammenführung der Ergebnisse und ein Fazit.

Aufgrund der vorgegebenen Seitenzahl muss sich die Ausarbeitung auf den empirischen Teil beschränken, wodurch der Anspruch auf Vollständigkeit nicht gegeben sein kann. So ist die vorliegende Arbeit als erster Versuch einer kunstdidaktischen Forschung zu verstehen, dessen theoretische Grundlagen mithilfe der Angaben im Literaturverzeichnis vertieft werden können.

1. Aufgabenstellung, Rahmenbedingungen und Hypothesen

1.1 Aufgabenstellung

An dem Forschungsprojekt beteiligten sich insgesamt 16 SuS einer fünften Jahrgangsstufe der Gemeinschaftsschule Amtzell, die zum Untersuchungszeitpunkt zwischen 10 und 11 Jahre alt waren. Aufgabe war es, eine Reproduktion des Gemäldes „Landschaft mit Kirche und Weg“ von AUGUST MACKE (1887-1914) - mit Buntstiften - so genau wie möglich nachzuzeichnen (Vgl. Abb. 1). Untersucht werden sollte ein möglicher Zusammenhang zwischen den Aspekten der Sprache und der bildnerischen Arbeiten und damit verbundene Teilfragen zur Wahrnehmung und Kognition. Dazu wurden die Probanden in vier Gruppen eingeteilt. Je zwei Versuchs- und die dazugehörigen Kontrollgruppen. Die Versuchsgruppen sollten das Bild vorab schriftlich beschreiben, die Kontrollgruppen entsprechend nicht. Die Aufgaben wurden so angepasst, dass folgende Teilfragen untersucht werden konnten:

1.) Gibt es einen qualitativen Unterschied der bildnerischen Ergebnisse bei vorheriger schriftlicher Beschreibung oder Nichtbeschreibung, wenn die Bildvorlage nicht verwendet werden darf?

Aufgabe Versuchsgruppe 1 (V1): Die SuS bekommen ein Arbeitsblatt mit der Bildvorlage. Dieses Bild soll 10 Minuten lang genau betrachtet und in einem dafür vorgefertigten Feld, schriftlich beschrieben werden. Anschließend wird das Arbeitsblatt abgegeben und das Bild aus der Erinnerung nachgemalt.

Aufgabe Kontrollgruppe 1 (K1): Unter selben Voraussetzungen soll das Bild ohne vorherige schriftliche Beschreibung aus der Erinnerung nachgemalt werden.

2.) Gibt es einen qualitativen Unterschied der bildnerischen Ergebnisse bei vorheriger schriftlicher Beschreibung oder Nichtbeschreibung, wenn die Bildvorlage verwendet werden darf?

Aufgabe Versuchsgruppe 2 (V2): Die SuS bekommen ein Arbeitsblatt mit der Bildvorlage. Das Bild soll 10 Minuten lang genau betrachtet anschließend, in einem dafür vorgefertigten Feld, schriftlich beschrieben und dann nachgemalt werden. Das Arbeitsblatt darf auf dem Tisch bleiben.

Aufgabe Kontrollgruppe 2 (K2): Unter selben Voraussetzungen soll das Bild ohne vorherige schriftliche Beschreibung nachgemalt werden.

1.2 Rahmenbedingungen

Damit sich die SuS nicht gegenseitig beeinflussen, arbeiteten sie je an einem separaten Tisch. Der Bearbeitungszeitraum betrug für alle 25 Minuten. Probanden, die schon vorzeitig fertig waren, durften mit vorheriger Abmeldung den Raum verlassen. Um gleiche Voraussetzungen zu schaffen, bekam jeder der Probanden ein Set, bestehend aus je 24 verschiedenfarbigen Buntstiften, sowie einen Kugelschreiber, für die schriftliche Bildbeschreibung.

Für die Auswahl des Materials sprach die einfache und den SuS bekannte Handhabung, sodass mögliche Schwierigkeiten auf der handwerklich-technischen Ebene den Untersuchungsgegenstand möglichst wenig beeinflussten.

Die Bildauswahl erfolgte, unter anderem, aufgrund der konkret-gegenständlichen Darstellung der Objekte, deren Erfassung und Beschreibung auch für SuS einer fünften Jahrgangsstufe keine größere Hürde darstellen sollte. Dabei wurde bei der Ausformulierung der Aufgabe jedoch explizit offengelassen, was genau beschrieben werden soll. So konnte untersucht werden, worauf sich die SuS bei der Bildbeschreibung überhaupt konzentrieren. Aspekte der Bildanalyse wie z.B. der Gesamteindruck (was ist zu sehen?), der Betrachterstandpunkt (von wo aus sieht der Betrachter die Szene?), sowie kompositorische Elemente und gestalterische Mittel (Form und Farbe, Hell- und Dunkel usw.) wurden laut Kunstlehrerin schon im Unterricht behandelt, sodass von etwas Vorerfahrung mit Bildbeschreibungen auszugehen war. Unter dem Gesichtspunkt der Vergleichbarkeit von Ergebnissen dieser Kriterien empfand ich das Bild von MACKE für mein Forschungsvorhaben als geeignet.

1.3 Hypothesen

Hypothesen, die sich aus eigenen Erwartungen ableiten lassen, sind:

1. Die vorherige schriftliche Beschreibung führt zu besseren bildnerische Ergebnissen.
2. Die Qualität der bildnerischen Ergebnisse ist höher bei der Permanenz der Bildvorlage.
3. Der Einfluss einer vorherigen Bildbeschreibung übt unter der Permanenz der Bildvorlage keinen nennenswerten Einfluss auf das bildnerische Ergebnis aus.
4. Probanden, die mehr Farbe beschreiben, malen auch mehr Farbe (eher Mädchen?).
5. Probanden, die mehr die räumlichen Verhältnisse beschreiben, konzentrieren sich auch beim Malen mehr darauf (eher Jungen?).

2. Datenerhebung und -auswertung

2.1. Datenerhebung

Das Forschungsdesign wurde bewusst als Experiment gestaltet, da hiermit am besten die Kausalzusammenhänge zwischen den beiden Variablen, schriftliche Beschreibung (a) und bildnerische Arbeit (b), überprüft werden konnten. Variable b gilt dabei als abhängige Variable, die von der unabhängigen Variable a beeinflusst und verändert werden kann. Wenn es tatsächlich einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen den beiden untersuchten Variablen geben sollte, dann müsste eine Veränderung der unabhängigen Variable (Qualität der schriftlichen Beschreibung) eine Veränderung der abhängigen Variable (Qualität der bildnerischen Arbeit) mit sich ziehen. Im Vergleich der Qualität der bildnerischen Ergebnisse beider Übergruppen (V1 & K1 vs. V2 & K2) können schließlich Rückschlüsse auf die Auswirkungen von Bildbeschreibungen auf das Gedächtnis gezogen werden.

Um ausschließen zu können, dass die Ergebnisse nicht das Resultat der Unterschiedlichkeit der Probanden in den beiden Gruppen sind, wurden die teilnehmenden SuS zufällig ausgewählt und hinsichtlich ihres Geschlechts gleichmäßig auf die Gruppen verteilt. So befanden sich in jeder der vier Gruppen je zwei Mädchen und zwei Jungen. Mögliche geschlechtsspezifische Unterschiede konnten so im weiteren Verlauf ebenfalls untersucht werden. Für die Auswertung wurde ein sogenanntes „Mixed Methodologies“ Modell gewählt, das sowohl qualitative, als auch quantitative Forschungsmethoden miteinander vereint (vgl. Hug/ Poscheschnik 2010, S. 90 f.). Wie im nächsten Punkt ersichtlich wird, konnten damit die Resultate aufeinander bezogen werden und sich gegenseitig validieren und ergänzen. Um den subjektiv wirkenden Aspekt der Qualität einer bildnerischen Arbeit zu objektivieren und mit dem sprachlichen Ausdruck der Probanden in Verbindung zu bringen, mussten zunächst Bewertungskriterien aufgestellt werden. Eine differenzierte Analyse der Probandentexte würde sich auf unterschiedlichen Ebenen, wie etwa der kognitiven, sprachlichen oder organisatorischen anbieten, um fundierte Aussagen des direkten Einflusses von Sprache auf die bildnerischen Ergebnisse zu ermöglichen (Vgl. Feilke, H./ August, G., 1989, S. 297 ff.). Die Untersuchungen im Rahmen dieser Hausarbeit sollen sich jedoch lediglich auf einen Aspekt, nämlich den Umfang und die quantitative Menge der schriftlich beschriebenen Details, beschränken. Für diesen Zweck wurden die Probandentexte, sowie das bildnerische Ergebnis nach drei Bewertungskriterien (Detail I-III) aufgeteilt, die sich miteinander vergleichen und qualitativ auswerten ließen: 1. Anzahl der Objekte im Bild, 2. Anzahl der verwendeten Farben und 3. Darstellung der Objekte im Raum. Um mögliche Zusammenhänge zwischen den Variablen a (schriftliche Beschreibung), sowie Variable b (bildnerisches Ergebnis) zu untersuchen, wurden innerhalb der Versuchsgruppen für a die schriftliche Beschreibung, (Gesamtzahl der beschriebenen Objekte (Detail I), die Gesamtzahl der beschriebenen Farben (Detail II) und die Gesamtzahl der genannten räumlichen Verhältnisse (Detail III - entsprechend beschreibende Adjektive wie vor, in der Mitte, hinter, über, unter, rechts, links…) ausgewertet. Für b wurden nach gleichen Gesichtspunkten die bildnerischen Ergebnisse untersucht (Anzahl der dargestellten Objekte, Anzahl der verwendeten Farben und Anordnungen der Objekte im Bild). Innerhalb der Kontrollgruppen, die das Bild vorher nicht schriftlich beschreiben sollten, wurde entsprechend nur das bildnerische Ergebnis ausgewertet. Zur Auszählung der verschiedenen Details wurde eine Gliederung des Bildes in vier Ebenen vorgenommen, die gleichzeitig die Entfernungsebenen im Bild darstellt (vgl. Abb. 1). So konnte nicht nur die Anzahl der sich in entsprechenden Ebenen befindlicher Objekte und Farben, sondern auch die räumlichen Verhältnisse auf vier Ebenen leichter voneinander abgegrenzt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: MACKE, August (1887-1914): „Landschaft mit Kirche und Weg“. 1911.

Öl auf Leinwand 46 x 62 cm. Privatbesitz. Beschreibung in: Heiderich 2008, S. 397

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[1]

2.2 Datenauswertung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Ergebnisse der 16 Probanden wurden nach der beschriebenen Methode ausgezählt und ergaben folgende Befunde:

Abb.2: Befunde des „Macke – Tests“

[...]


[1] Mit Hilfe der drei Variablen ‚Farbton‘, ‚Helligkeit‘ und ‚Sättigung‘ ließen sich noch einige weitere Farbtöne definieren. Aufgrund des Forschungsinteresses, ausschließlich den mögliche Zusammenhang zwischen der festgestellten Wahrnehmungsleistung und der gezeigten Bildproduktion der Probanden zu untersuchen, zählt jedoch vorrangig die Gesamtsumme der genannten Farben, weshalb eine weitere Ausdifferenzierung keinen Sinn macht. Dasselbe gilt für die Auszählung der dargestellten Objekte. Die Summe soll ausschließlich als Orientierungsgrundlage dienen, mit der die Leistung der Probanden grob eingeschätzt werden kann.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Farbkonzepte bei Kindern und Jugendlichen. Fachdidaktische Forschung in der Kunstpädagogik
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V417869
ISBN (eBook)
9783668669338
ISBN (Buch)
9783668669345
Dateigröße
711 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
farbkonzepte, kindern, jugendlichen, fachdidaktische, forschung, kunstpädagogik
Arbeit zitieren
Adrienne Kaergel (Autor), 2017, Farbkonzepte bei Kindern und Jugendlichen. Fachdidaktische Forschung in der Kunstpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417869

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