Figurencharakterisierung von Ben und Gus aus "The Dumb Waiter" von Harold Pinter

Eine Dramenanalyse


Seminararbeit, 2018
14 Seiten, Note: 2.5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

1. KURZÜBERBLICK

2. DAS ABSURDE THEATER

3. HANDLUNG

4. ANALYSE
4.1. Figurencharakterisierung VON BEN
4.2. Figurencharakterisierung von Gus

5. ZUSAMMENFASSUNG

6. LITERATURVERZEICHNIS

Einleitung

Gegenstand der folgenden Arbeit ist eine Figurencharakterisierung von Ben und Gus aus Harold Pinters Drama ״The Dumb Waiter". Das Stück wurde erstmals am 21. Jänner 1960 im Hampstead Theatre Club in Englisch uraufgeführt und zählt somit zu Pinters frühen Werken. Das relativ kurze Stück, welches aus nur einem Akt besteht, kann dem Genre des absurden Theaters zugerechnet werden. Kennzeichen dieses vor allem in den 50er und 60er Jahren bekannten Genres ist, dass Dramen dieser Art grundsätzlich die Idee verfolgen, dass das Leben aus Zufall und Bedeutungslosigkeit besteht weshalb sich Menschen schwer tun Sinn und Kontrolle darüber zu finden. Diese Arbeit umfasst in erster Linie eine an Pfister angelehnte Analyse der beiden Darsteller.

1. Kurzüberblick

״The Dumb Waiter" besteht aus einem Akt, kann dem Absurden Theater zugerechnet werden und wurde 1957 von Harold Pinter verfasst. Uraufgeführt wurde das Stück in Frankfurt 1959 mit dem Titel ״Der stumme Diener" und die erste Aufführung in Originalsprache war 1960 im Hampstead Theatre Club in London. Im Stück kommen nur zwei Darsteller zum Einsatz, nämlich Ben und Gus. Eine dritte Person, Mr. Wilson, wird zwar erwähnt, wird dem Publikum aber nie als solche sichtbar. Als Setting dient ein fensterloser Raum im Keller eines Restaurants oder Cafes, der als Küche dient und dadurch mit den oberen Geschossen durch einen Essensaufzug verbunden ist.

2. Das Absurde Theater

The Dumb Waiter, eines von Harold Pinters frühen Werken, kann dem Genre des Absurden Theaters zugerechnet werden, wobei Pinter bei dieser Tradition des Theaters als Nachfolger von Größen wie Beckett und Genet gilt. Dieser Begriff wurde maßgeblich vom britischen Theaterwissenschaftler Martin Essiin und dessen Hauptwerk ״Das Theater des Absurden" geprägt. Der Theaterwissenschaftler selbst sah den Begriff des Absurden Theaters als eine Art Werkzeug um auf gewisse gemeinsame Charakteristika von verschiedenen Dramatikern aufmerksam zu machen, (vgl. Kröger 2010:1)

״Das Theater des Absurden strebt nach einer radikalen Abwertung der Sprache, nach einer Dichtung, die unmittelbaraus auf der Bühne sichtbar und gegenständlich gewordenen Bildern hervorgehen soll. Die Sprache spielt dabei zwar immer noch eine wichtige Rolle, aber das, was auf der Bühne geschieht, sagt mehr aus als die Worte, die von den Figuren gesprochen werden. [...] Die Akteure reden aneinander vorbei, ihre Worte werden nicht verstanden oder gehen ins Leere. Die Zerstörung der Sprache als Mittel der Verständigung ist im absurden Theater offensichtlich." (theater-info.de 2015) Anstatt endlosen, inhaltlich gehaltvollen Konversationen bietet diese Art von Drama dem Zuseher Szenarien mit wenig Worten, Handlung und Dekoration. Klassische Kategorien wie die Einheiten Zeit, Ort und Handlung können nur schwer ausgemacht werden: Die Zeit ist nicht messbar, vielmehr regiert Zeitlosigkeit das Stück. Orte tendieren dazu imaginärer Natur, nämlich überall und nirgends, zu sein und die Handlung ist statisch, (vgl. theater-info.de 2015)

3. Handlung

Das Stück beginnt damit, dass zwei Personen in einem Keller, ausgestattet mit einer Küche, Betten und einigen weiteren Versatzstücken, warten. Die beiden Darsteller, nämlich Ben und Gus, kommunizieren zu Beginn nicht miteinander, denn beide sind mit sich selbst beschäftigt. Während Ben die Zeitung liest und dabei In einem der Betten liegt, schnürt sich Gus seine Schnürbänder. Dieser steht dann auf und geht zur Küchentüre als er plötzlich bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Gus bleibt Stehen woraufhin er ein zusammengedrücktes Päckchen Zünder aus dem einen, und ein plattes Päckchen Zigaretten aus dem anderen Schuh hervorzaubert. Er verstaut beide Gegenstände in einer Tasche und verlässt anschließend den Raum um auf die Toilette zu gehen. Man hört mehrmals das Geräusch einer alten Klospülung mit Kette, die funktioniert jedoch nicht weshalb die Toilette nicht spült. Gus kehrt daraufhin zu Ben zurück und eine unterhaltsame, teilweise aber auch sinnlose Konversation beginnt als Ben über einen Zeitungsartikel zu sprechen beginnt.

Ben erzählt davon wie ein älterer Mann durch einen stehenden Lastkraftwagen überfahren wird. Auch befiehlt erGusTee aufzustellen. Darüber hinaus wird von Ben berichtet wie ein Kind eine Katze tötete, woraufhin Gus völlig aus dem Kontext fragt ob Ben wisse wie lange der Füllvorgang der Toilettenspülung braucht. Weiters beschwert sich Gus über die Ausstattung der Örtlichkeit, denn er habe nicht gut auf diesem Bett geschlafen und ein Fenster im Raum wäre auch wünschenswert. Zusätzlich jammert Gus, dass sich sein ganzes Leben sowieso nur darum drehen würde den Tag über in einem dunklen Zimmer zu schlafen, danach einen Auftrag auszuführen um dann wieder in der Nacht zu verschwinden. Ben begegnet ihm daraufhin damit, dass sie sich doch glücklich schätzen sollen überhaupt Aufträge zu erhalten.

Guserkundigt sich bei Benoberdenn überhaupt einmaldie Schnauze voll hat, woraufhin Stille einkehrt. Dieses Hin und Her wird neben der Stille auch vom Geräusch der Toilettenspülung unterbrochen, die ohne Zutun plötzlich doch auslöst.

Die Konversation zwischen beiden Darstellern nimmt erneut fahrt auf als Ben Gus befiehlt Tee aufzustellen. Gus begegnet mit einem Rückblick auf den vorangegangenen Morgen und fragt Ben wieso er heute morgen den Wagen mitten in der Straße angehalten hat, woraufhin Ben knapp meint sie seien zu früh dran gewesen. Danach kommt Gus auf das Fußballteam der Stadt Birmingham zu reden als Ben zu ihm sagt, dass sie sich dort befinden. Gus möchte sich nämlich ein Spiel am Samstag ansehen. Dies verneint aber Ben, denn sie hätten dafür keine Zeit weil sie doch zurückkehren müssen. Gus beginnt daraufhin über ein vergangenes Fußballspiel von Birmingham zu reden, welches sie beide zusammen sahen, aber Ben kann sich nicht mehr erinnern und verneint dies.

Plötzlich wird aber ein Kuvert mit Zündhölzern unter derTüre hindurch geschoben, aber keiner von beiden kennt den Inhalt, noch wissen beide wer das Kuvert dort deponierte. Ben befiehlt Gus sogleich den Umschlag aufzuheben und Nachschau nach dem Inhalt zu halten. Es verstecken sich darin zwölf Zündhölzer, was beide etwas verwirrt woraufhin Gus den Befehl von Ben bekommt die Türe zu öffnen um zu sehen ob sich wer dahinter befindet. Mit einem Revolver zur Verteidigung öffnet schließlich Gus, konnte aber niemanden antreffen.

Da Gus für gewöhnlich die Zünder ausgehen meint dieser, dass die Zündhölzer ihm gelegen kommen. Ben steigt aber nicht näher darauf ein und gibt Gus stattdessen den Befehl den Wasserkocher anzuzünden. Ben und Gus fangen dann aberan überdie Formulierung ״den Wasserkocher anzünden" zu debattieren, denn Gus meint man sollte sagen ״das Gas anzünden". Das ist ja schließlich das, was entzündet wird oder man solle gleich Gebrauch von einer anderen Formulierung machen. Die Mutter von Gus sagte dazu immer richtig ״den Wasserkocher aufstellen". Ben gibt sich aber uneinsichtig und konfrontiert Gus damit, dass er sich daran erinnern soll wann er seine Mutter das letzte Mal gesehen hat. Die Debatte über die richtige Formulierung geht danach noch ein wenig weiter. Klar sichtbar darin wird aber die höhere Position von Ben, der dieses Hin und Her schließlich mit dem knappen Aufschrei ״Den Wasserkessel, du Trottel!" beendet.

Gus nimmt dies so hin und probiert nun die mysteriösen Zünder aus, die sich aber nicht auf der zusammengedrückten Schachtel, sehr wohl aber an seinem Fuß entzünden lassen. Ben wird langsam ungeduldig woraufhin er Gus mit den Worten ״Stell den blöden Wasserkocher auf!" erinnert, dass der Tee noch immer nicht fertig ist, um dann zu realisieren, dass er eine von den Formulierungen von Gus verwendet hat. Daraufhin starrt er Gus an bis er den Raum verlassen hat.

Nachdem er nun endlich den Wasserkocher aufgesetzt hat kommt Gus wieder zurück. Gleichzeitig wundert er sich aber schon wer es denn heute sein wird und geht zum Bett von Ben und setzt sich auf dieses, da er ihn etwas fragen möchte. Ben missfällt das aber und fragt daher Gus warum er ihn mit so vielen Fragen bombardiert. Ben meint, Gus solle doch einfach seinen Job machen und die Schnauze halten. Gus fragt wiederholend wer denn heute das Opfer sein wird, erhält aber keine Antwort und ein Moment der Stille kehrt ein. Danach befiehlt ihm Ben abermals einen Tee zuzubereiten. Gus tut dies wozu er den Raum verlässt. Ben nützt dies und hält Nachschau, ob sein Revolver unter dem Polster geladen ist.

Gus betritt wieder den Raum und überbringt die Nachricht, dass das Gas ausgegangen sei und der Gaszähler neu mit Münzen bestückt werden muss. Ben meint dazu, dass sie dafür auf Wilson warten müssten, dieser laut Gus aber nicht immer kommt und stattdessen lieber Nachrichten verschickt. Gus kommt zum Schluss, dass alle Örtlichkeiten unter Wilsons Eigentum Stehen müssen, da niemand jemals etwas von ihm hört. Ben klärt aber Gus auf, dass dies nicht stimmt und Wilson diese immer nur mietet. Gus meint weiter, dass es sowieso schwer ist mit Wilson zu reden, er aber gerade über das letzte Opfer — ein Mädchen nachdenken muss. Er erinnert sich daran, dass der Auftrag eine Sauerei war und er sich wundert wer das alles wieder in Ordnung bringt. Ben gibt Gus nur zum Denken, dass es dafür andere Stellen innerhalb ״ihrer Organisation" gibt, die dies und Anderes übernehmen.

Ungefähr in der Mitte des Stückes beginnt sich die Situation aber plötzlich zu ändern und die Handlung gewinnt an Spannung. Der Essensaufzug im hinteren Teil des Raumes beginnt nämlich damit Bestellungen in den Kellerraum zu senden als ob Ben und Gus in einer Küche eines Restaurants oder Cafés arbeiten würden. Ben erklärt dies damit, dass die oberen Geschosse als Café Verwendung fanden und der Keller die dazugehörige Küche darstellt, diese aber oft und schnell den Besitzer wechseln. Neugierig untersuchen sie daraufhin den Aufzug näher und finden eine Schachtel mit einer Bestellung darin. Der Servieraufzug fährt wieder nach oben um danach gleich wieder mit einer weiteren Bestellung in den Keller zurückzukehren. Nach kurzem überlegen entscheidet sich Ben dazu, dass sie trotz ihrer begrenzten Mittel, sie haben nämlich nur ein wenig Proviant bei sich, etwas nach oben schicken sollen. Dazu platzieren sie alles auf einem Teller aber noch bevor sie diesen in den

Aufzug stellen können fährt dieser schon wieder nach oben. Der Essensaufzug kommt mit einer weiteren Bestellung wieder zurück. Diesmal aber mit einer ausgefallenen, gehobenen Bestellung. Beide können nicht viel Anderes tun und stellen den zuvor vorbereiteten Teller hinein. Ohne zu überlegen schreit Gus die Marken des Essens woraufhin Ben ihm gleich sagt dies zu unterlassen, da der Auftrag noch nicht erledigt sei. An den bevorstehenden Auftrag erinnert beginnt dann Gus damit seine Ängste und Sorgen darüber, und auch über Wilson, Ben kundzutun, der darauf aber nicht antwortet. Eine weitere Bestellung fährt den Schacht hinunter in den Keller. Ben und Gus können diese aber nicht erfüllen. Schlimmer noch: Der zuvor nach oben versendete Tee tritt wieder seine Rückreise an. Ben entscheidet sich daher dazu, eine Notiz nach oben zu senden, die besagt, dass sie die Bestellungen nicht erfüllen können. Da bemerken sie aber eine Sprechröhre in der Nähe des Aufzuges. Gus nützt diese sogleich und schreit nach oben, dass es kein Essen gäbe.

Ben beginnt schließlich damit Gus Anweisungen für die Ausführung des Auftrages zu erteilen. Beide müssen das Opfer nämlich mit Waffen in die Ecke treiben sobald er oder sie den Raum betritt. Gus entschuldigt sich auf die Toilette, wo wie zu Beginn des Stückes die Spülung wieder nicht funktioniert, kommt aber bald wieder zurück und fragt dann Ben wer denn eigentlich im oberen Geschoss ist. Sie streiten und Gus will wissen wieso sie diese Spielchen spielen müssen. Ben schlägt ihm zwei Mal auf die Schulter bevor eine weitere Bestellung den Aufzug hinunterfährt. Der Streit dauert solange an bis schließlich beide in Stille verfallen und Ben an seiner Zeitung weiterliest, während Gus sich ein Glas zu trinken organisiert. Plötzlich ertönt das Sprachrohr und gibt das finale OK für die Ausführung, genau dann als Gus nicht im Raum ist. Daher ruft Ben nach Gus und richtet dabei schon mal seinen Revolver für das kommende Opfer Richtung Tür. Gus kehrt nun aber plötzlich doch noch rechtzeitig zurück und steht nun unverhofft Ben mit gezogener Waffe gegenüber. Beide starren sich gegenseitig an und Stille kehrt ein.

4. Analyse

Im den nun folgenden Unterkapiteln findet eine Figurencharakterisierung der beiden Rollen von Ben und Gus statt. Bemerkenswert am ganzen Stück ist, dass sowohl Publikum als auch Leser und Leserinnen des Stückes eine kongruente Informiertheit mit Ben und Gus aufweisen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Figurencharakterisierung von Ben und Gus aus "The Dumb Waiter" von Harold Pinter
Untertitel
Eine Dramenanalyse
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Institut für Anglistik)
Veranstaltung
Introduction to Literary Studies 2
Note
2.5
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V417915
ISBN (eBook)
9783668669116
ISBN (Buch)
9783668669123
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Obwohl es eine Arbeit von der Anglistik ist, ist es im Rahmen dieser Lehrveranstaltung erlaubt die Arbeit auf Deutsch zu schreiben, da es um die richtige Analyse, und weniger um die Englische Sprache geht.
Schlagworte
figurencharakterisierung, dumb, waiter, harold, pinter, eine, dramenanalyse
Arbeit zitieren
Daniel Senekowitsch (Autor), 2018, Figurencharakterisierung von Ben und Gus aus "The Dumb Waiter" von Harold Pinter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417915

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