Das Lager Auschwitz: Ein Ort – viele Gefangene – und ein Ziel: Die wirtschaftliche Ausbeutung und die anschließende Vernichtung. Obwohl der Name „Auschwitz“ wohl fast jeder Person in unserer Gesellschaft ein Begriff sein dürfte, herrscht im allgemeinen Bewusstsein teilweise Verwirrung über die Vorkommnisse und Gräueltaten an Orten wie diesem. Berichte über Auschwitz hört man immer wieder aus verschiedenen Medien, doch die Ereignisse aus der Zeit des zweiten Weltkrieges verlieren zusehends ihre Bedeutung für nachkommende Generationen. Dies mag unter anderem mit der Art der Berichterstattung zu tun haben, die von der Bevölkerung langsam als totgekaut empfunden wird. Aus Gründen der immerwährenden Aktualität und der Wichtigkeit dieses Themas haben die Verfasser dieser Arbeit im Rahmen dieser Lehrveranstaltung Auschwitz als Überthema gewählt und versuchen dies für den GW-Unterricht aus einer neuen Perspektive, die vielen nicht Bewusst ist, nämlich der wirtschaftlichen Ausbeutung der dortigen Gefangen, zu beleuchten. Im Rahmen eines fächerübergreifenden Unterrichts wird dabei nicht nur versucht geographisches Wissen zu vermitteln, sondern es wird auch der historischen und ethischen Ebene große Bedeutung zugeschrieben. In Bezug auf die wirtschaftliche Ausbeutung werden im Rahmen des Unterrichts konkret Parallelen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart gezogen. Den Schüler und Schülerinnen soll dabei in weiterer Folge Bewusst werden, dass Ausbeutung in leicht veränderten Formen auch heute noch omnipräsent ist und dass gerade unsere westliche Gesellschaft davon profitiert, diese sogar fördert. Bei der Bearbeitung des Themas, sowohl für die Präsentation, als auch für die Endarbeit, wurde stets versucht Wert darauf zu legen sowohl das Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Gegenwart, als auch unsere Rolle die wir als Gesellschaft bei der modernen wirtschaftlichen Ausbeutung spielen, darzustellen. Um einen optimalen Lernerfolg zu erzielen, wird für die Erarbeitung des Themas ein Ausmaß von zwei Unterrichtseinheiten eingeplant, die entweder geblockt oder auch als Einzelstunden gehalten werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. SACHANALYSE
2.1 KONZENTRATIONSLAGER VERSUS VERNICHTUNGSLAGER
2.2 ANTISEMITISMUS IN DER NS-IDEOLOGIE
2.3 LAGERGESCHICHTE
2.4 ZIELE DER LAGERRICHTUNG
2.4.1 WIRTSCHAFTLICHE AUSBEUTUNG
2.4.2 VERNICHTUNG
2.5 DIE MODERNE WIRTSCHAFTLICHE AUSBEUTUNG
2.5.1 KINDERARBEIT
2.5.2 LOHNSKLAVEREI
2.5.3 ZWANGSPROSTITUTION
3. DIDAKTISCHE ANALYSE
3.1 LEHRPLANBEZUG
3.2 FACHDIDAKTIK UND METHODEN/MEDIEN
3.3 UNTERRICHTSVERLAUF
4. RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das komplexe Thema der wirtschaftlichen Ausbeutung von Gefangenen im Konzentrationslager Auschwitz für den Geographie- und Wirtschaftskundeunterricht aufzubereiten und dabei eine Brücke zur modernen Problematik der Ausbeutung in der Gegenwart zu schlagen.
- Historische Aufarbeitung des Lagersystems Auschwitz und dessen wirtschaftliche Funktion
- Vergleich der historischen NS-Ausbeutung mit modernen Phänomenen wie Kinderarbeit, Lohnsklaverei und Zwangsprostitution
- Didaktische Einordnung des Themas in den Geographie- und Wirtschaftskunde-Lehrplan
- Entwicklung von Unterrichtsmethoden zur Förderung der Methoden- und Sozialkompetenz
- Reflexion des Spannungsfeldes zwischen historischer Vergangenheit und aktueller Relevanz
Auszug aus dem Buch
2.1. Konzentrationslager versus Vernichtungslager
Im Laufe des Unterrichts, aber auch schon zu Beginn der Unterrichtseinheiten, ist es sinnvoll Begrifflichkeiten einzuführen und zu definieren, vor allem dann, wenn diese häufig vorkommen und falsch im Sprachgebrauch verwendet werden. Die beiden Termini Konzentrationslager und Vernichtungslager gehören unserer Meinung nach zu dieser Gruppe. Während es Konzentrationslager, kurz KZ genannt, schon vor Aufkommen des Nationalsozialismus gegeben hat, stellen Vernichtungslager eine Sonderform dieser dar.
Konzentrationslager gab es nämlich schon vor Aufkommen des NS-Regimes und sind somit keine Erfindung der Nazis. Im Deutschen Reich wurden beispielsweise erstmals Konzentrationslager beziehungsweise Internierungslager ab März 1915 als solche bezeichnet. Hinzu kamen unzählige Lager während des Ersten Weltkrieges und der frühen Nachkriegszeit, die vor allem für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, aber auch politische „Schutzhäftlinge“ Verwendung fanden. Juden, hauptsächlich Migranten und Migrantinnen die in das Deutsche Reich geflohen waren, wurden damals schon in Internierungslager gesammelt. Die bayrische, aber auch die preußische Regierung ließ dazu 1920 in Ingolstadt beziehungsweise 1921 in Cottbus-Sielow und Stargard in Pommern Konzentrationslager für zur Abschiebung vorgesehene „Ostjuden“ errichten. (vgl. Wippermann 2015)
Im Kontext des nationalsozialistischen Regimes bekommt der Begriff Konzentrationslager fälschlicherweise sofort eine weitere Bedeutung zugeschrieben, nämlich die eines Vernichtungslagers. Insgesamt gab es 24 KZ-Stammlager und weit mehr als 1000 Außenlager, von denen aber nur ein Bruchteil auch als reines Vernichtungslager dienten. Vor allem gegen Ende des Zweiten Weltkrieges kam es zwar auch in Konzentrationslagern zu Szenen die denen in Vernichtungslagern ähnelten, Erschießungen standen auch diesen an der Tagesordnung. Der Punkt ist aber: Konzentrationslager waren bei weitem nicht in solchem Maße als reine Tötungsmaschinen konzipiert wie dies bei Vernichtungslagern der Fall war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung motiviert die Wahl des Themas Auschwitz im Geographieunterricht und erläutert die Absicht, durch den Vergleich mit heutiger Ausbeutung ein Bewusstsein für aktuelle gesellschaftliche Probleme zu schaffen.
2. SACHANALYSE: Dieses Kapitel analysiert historisch und fachlich die Unterschiede zwischen Konzentrations- und Vernichtungslagern, die NS-Ideologie, die Entwicklung von Auschwitz sowie die wirtschaftliche Ausbeutung und Vernichtungslogik.
3. DIDAKTISCHE ANALYSE: Hier wird die Verankerung des Themas im Lehrplan diskutiert, Lernziele definiert und eine methodisch-didaktische Unterrichtsplanung für zwei Einheiten inklusive Tabellen vorgestellt.
4. RESÜMEE: Das Resümee bewertet die Komplexität der Thematik für den Unterricht und betont, dass trotz der methodischen Herausforderungen eine sensible Aufarbeitung möglich und lohnenswert ist.
Schlüsselwörter
Auschwitz, Konzentrationslager, Vernichtungslager, NS-Ideologie, wirtschaftliche Ausbeutung, Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Lohnsklaverei, Zwangsprostitution, Geographieunterricht, Wirtschaftskunde, Didaktik, Holocaust, Menschenrechte, historisches Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Planung einer Unterrichtseinheit zum Thema Auschwitz, wobei der Fokus gezielt auf die wirtschaftliche Ausbeutung der Gefangenen gelegt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft historische Aspekte des Nationalsozialismus, insbesondere die Struktur und Ökonomie der Konzentrationslager, mit zeitgenössischen Formen globaler Ausbeutung wie Kinderarbeit und moderner Sklaverei.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein fachdidaktisch fundiertes Konzept zu erstellen, das Schülern ermöglicht, Parallelen zwischen historischer Unmenschlichkeit und heutigen ökonomischen Missständen kritisch zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literatur- und Quellenanalyse zur Sachdarstellung und eine fachdidaktische Modellierung zur Entwicklung eines strukturierten Unterrichtsentwurfs.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Sachanalyse der Lagerstrukturen und eine didaktische Analyse, die den Lehrplanbezug sowie konkrete Unterrichtsmethoden (z.B. fiktives Interview) darlegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Auschwitz, Konzentrationslager, wirtschaftliche Ausbeutung, Menschenrechte, Geographieunterricht und Didaktik.
Warum wird Auschwitz für den Unterricht als komplex bewertet?
Aufgrund der Schwere der Thematik besteht die Herausforderung darin, den Lernstoff sachlich und reflektiert aufzubereiten, ohne in eine sensationsheischende „Katastrophendidaktik“ zu verfallen.
Welche moderne Form der Ausbeutung wird in der Arbeit neben Kinderarbeit hervorgehoben?
Neben der Kinderarbeit wird explizit auf das Phänomen der „Lohnsklaverei“ in modernen Arbeitsverhältnissen sowie auf die Zwangsprostitution als globale Menschenhandelsproblematik eingegangen.
- Citar trabajo
- Daniel Senekowitsch (Autor), Kevin Klemm (Autor), 2018, Unterrichtsplanung "Die wirtschaftliche Ausbeutung der Gefangenen von Auschwitz" inklusive methodisch-didaktischer Analyse und Stundenbild, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417917