Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Beispiel einer Dessous-Werbung des deutschen Unterwäscheherstellers Triumph von 1930. Betrachtet man ein solches Reklamebild, kann man nicht umhin, eine spontane Bewertung abzugeben. Man geht dabei unbewusst und automatisch von den ästhetischen Wertvorstellungen der Zeit aus, in der man lebt. Auf eine moderne Frau im 21. Jahrhundert wie mich, die im Zeitalter der Werbung groß geworden ist und geprägt wurde von der allgegenwärtigen Macht der Bilder, wirkt dieses Reklamebild auf den ersten Blick altmodisch, altbacken und nicht sonderlich reizvoll. Da Werbung den Betrachter ja ansprechen und zum Kauf der beworbenen Produkte verführen soll, frage ich mich, was dieses Reklamebild bei Frauen jener Zeit ausgelöst und inwiefern es sie zum Kauf angeregt haben mag. Ich frage mich, ob sich Frauen im Jahr 1930 mit der dargestellten Frau identifizieren konnten, ob sie an Träume und Wünsche der Frauen jener Zeit appelliert haben und inwieweit die abgebildete Person dem damaligen Frauenbild entsprochen haben mag. Die Fragestellung, die dieser Arbeit also zugrunde liegt, ist, welches Frauenbild das vorliegende Beispiel von Unterwäschereklame aus dem Jahr 1930 transportiert. Um das einschätzen zu können, ist es nötig, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie Frauen in dieser Zeit gelebt haben, welche gesellschaftliche Rolle sie innehatten, welche Frauenbilder herrschten und wie das Verhältnis von Frauen zu Mode, speziell Unterwäschemode, damals war. Man benötigt Hintergrundwissen, um zu beurteilen, ob Frauen dieses Reklamebild 1930 etwa anziehend, vielleicht sogar erotisch fanden und an welche Vorstellungen und Gefühle Triumph mit dieser Werbung appellierte. Deshalb soll es in dem Kapitel: „Die Frauenrolle im frühen 20. Jahrhundert“ zuerst einen groben Überblick geben über den geschichtlichen Hintergrund im beginnenden 20. Jahrhundert und in der Zeit der Weimarer Republik, mit dem Schwerpunkt der Frauenrolle in dieser Zeit. Es wird zu untersuchen sein, ob Veränderungen in der Frauenrolle auch in der Wäschemode sichtbar werden, ob es also einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Rolle der Frau und der Werbung der Zeit gibt. Deshalb beabsichtige ich in einem Kapitel, die Unterwäschemode um 1930 zu untersuchen, um ein genaueres Bild von den damaligen Modetrends zu bekommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung des Reklamebildes
3. Historischer Überblick: die 1920er und 30er Jahre
3.1 Die Frauenrolle im frühen 20. Jahrhundert
3.2 Unterwäschemode um 1930
3.3 Reklame zu dieser Zeit
4. Analyse des Reklamebildes im Hinblick auf das Frauenbild
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Frauenbild, das durch ein Werbeplakat des Dessous-Herstellers Triumph aus dem Jahr 1930 transportiert wird. Ziel der Analyse ist es, das Spannungsfeld zwischen der emanzipierten Frauenrolle der 1920er Jahre und dem sich wandelnden Idealbild der Frau als Mutter in den 1930er Jahren anhand des Werbemotivs kritisch zu beleuchten.
- Historische Einordnung der Frauenrolle im frühen 20. Jahrhundert
- Entwicklung der Damenunterwäschemode um 1930
- Bedeutung und Wandel der Plakatwerbung in der Weimarer Republik
- Analyse der Bildsprache, Körperhaltung und ästhetischen Gestaltung des Plakats
- Vergleich zwischen der modernen „Neuen Frau“ und dem nationalsozialistischen Frauenideal
Auszug aus dem Buch
4. Analyse des Reklamebildes im Hinblick auf das Frauenbild
Bei der Betrachtung fällt sofort auf, dass sich die dargestellte Frau in einer Bewegung befindet. Der leicht zurückgelehnte Oberkörper, die gehobenen Arme und der Blick nach unten wirken so, als ob sie entweder einen Tanzschritt ausführte oder auf einem Seil balancierte. Dabei strahlt sie durch die grazile, an Ballettbewegungen erinnernde Handhaltung, die leichte Neigung des Kopfes und ihre schlanke Statur eine große Anmut aus. Sie wirkt sorglos und ganz in sich und ihre Tätigkeit versunken. Dies wird auch durch ihren nach unten gerichteten Blick unterstrichen, der keinen Kontakt zum Betrachter aufnimmt. Dadurch wirkt sie unabhängig. Sie scheint sich nicht für ein Publikum in Szene zu setzen, sie bleibt ganz bei sich. Ihr Lächeln drückt Freude und Zufriedenheit aus. Insgesamt entsteht der Eindruck einer großen Leichtigkeit und einer sehr femininen Natürlichkeit.
Ihre tänzerisch wirkende Körperhaltung und der gesamte in eine graziös balancierende Bewegung vertiefte Ausdruck stehen in krassem Gegensatz zu der Kleidung, die sie trägt: nämlich Unterwäsche. Man würde – passend zu Gesichtsausdruck und Körperhaltung – eher ein Kleid erwarten. Die Tatsache, dass sie aber Dessous trägt und daher viel nackte Haut zeigt, führt dazu, dass man als Betrachter das Gefühl bekommt, einen etwas voyeuristischen Blick zu erhaschen in eine intime Situation: als würde man dieser Frau unerlaubterweise dabei zusehen, wie sie sich für den Tag anzieht und zurechtmacht, vielleicht dabei zu Musik gut gelaunt vor sich hin tänzelnd.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin legt die Fragestellung dar, welches Frauenbild durch das konkrete Triumph-Werbeplakat aus dem Jahr 1930 vermittelt wird.
2. Vorstellung des Reklamebildes: Dieses Kapitel beschreibt detailliert die visuelle Gestaltung, die Körperhaltung der Frau sowie die textlichen Elemente des Werbeplakats.
3. Historischer Überblick: die 1920er und 30er Jahre: Es wird der gesellschaftliche Wandel von der Emanzipation in den 1920ern bis zur restriktiven Frauenpolitik der Nationalsozialisten und der damit einhergehenden Modeentwicklung beleuchtet.
4. Analyse des Reklamebildes im Hinblick auf das Frauenbild: Die Autorin interpretiert die bildnerischen Merkmale und verknüpft sie mit dem zeitgeschichtlichen Kontext, um eine ambivalente Bedeutungsebene aufzudecken.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das Plakat eine Schnittstelle zwischen der emanzipierten Frau der 1920er und dem traditionellen Mutterideal der 1930er darstellt.
Schlüsselwörter
Frauenbild, Werbung, Triumph, Dessous, 1930er Jahre, Weimarer Republik, Emanzipation, Mode, Unterwäsche, Körperhaltung, Plakatwerbung, Geschlechterrollen, Nationalsozialismus, Konsum, Ästhetik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert ein historisches Werbeplakat der Firma Triumph aus dem Jahr 1930 im Hinblick auf das dargestellte Frauenbild.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung der Frauenrolle, die Veränderung der Unterwäschemode sowie die Funktion von Plakatwerbung in der Weimarer Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszufinden, wie sich der gesellschaftliche Wandel zwischen den emanzipierten 1920er Jahren und dem aufkommenden traditionellen Frauenideal der 1930er im Motiv der Werbung spiegelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine kunst- und kulturwissenschaftliche Bildanalyse, ergänzt durch die historische Kontextualisierung der Mode- und Gesellschaftsgeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der historische Hintergrund und die Modetrends analysiert, bevor eine detaillierte bildliche und inhaltliche Untersuchung des Triumph-Plakats folgt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Frauenbild, Emanzipation, Unterwäsche, Werbung, Mode und das spezifische Jahrzehnt um 1930.
Warum wird die Darstellung der Frau mit der Pietà verglichen?
Der Vergleich dient dazu, die Ausstrahlung von Anmut, Mütterlichkeit und Sanftmut zu verdeutlichen, die in der Haltung der abgebildeten Frau mitschwingt.
Inwiefern beeinflusste die Politik die Mode der damaligen Zeit?
Durch die politische Propaganda der Nationalsozialisten wurde die Emanzipation zurückgenommen, was sich modisch in einer Rückkehr zur Betonung klassisch-weiblicher Formen niederschlug.
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- Lina Morgenstern (Author), 2016, Frauenbilder in der Werbung. Dessous-Reklamen von 1930, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417937