Es geht in dieser Hausarbeit um das Thema Schizophrenie. Das Wort und Krankheitsbild Schizophrenie ist auch heute noch mit vielen Vorurteilen besetzt. Kaum jemand weiß, was sich tatsächlich hinter dieser Krankheit verbirgt. Ich möchte diese Hausarbeit nutzen, um das Krankheitsbild der Schizophrenie näher zu beleuchten. Da ein Arbeitsfeld der Sozialarbeit/Sozialpädagogik die Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen ist, ist es auch wichtig, mehr über diese Krankheit zu erfahren und sie somit auch als solche zu erkennen. Durch das Seminar „Soziale Arbeit und sozialpsychiatrische Perspektiven“, sowie durch einen Fall von schizophrener Erkrankung in meinem Bekanntenkreis, entstand bei mir der Wunsch mich näher mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Schizophrenie hat viele Ausprägungen und kann hier nicht in all ihren Aspekten geschildert werden. Ich möchte diese Hausarbeit mit einem Rückblick auf die Begriffsdefinition „Schizophrenie“ beginnen. Im weiteren Verlauf geht es um die Häufigkeiten und die Krankheitsursachen. Ferner möchte ich mich auch den Entstehungsbedienungen widmen, wobei ich mich aber hauptsächlich auf sozialpsychiatrische beziehungsweise psychologische Ansätze beschränken möchte. Nachfolgende Kapitel beschäftigen sich dann mit den Symptomen, den verschiedenen Unterformen der Schizophrenie, dem Verlauf der Krankheit und Therapieformen. Den Abschluss dieser Hausarbeit wird eine Anlehnung an das erwähnte Seminar bilden. Speziell möchte ich dabei auf eine alternative Möglichkeit zum Psychiatrieaufenthalt eingehen – dem Berliner Weglaufhaus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte der (heute) „Schizophrenie(n)“ genannten Ich-Krankheit
2.1.Emil Kraeplin
2.2.Eugen Bleuler
3. Häufigkeiten
4. Entstehungsbedingungen und Krankheitsursachen
4.1.Sozialpsychiatrische und psychologische Konzepte
4.1.1. Etikettierungstheorie
4.1.2. Soziale Schicht und psychische Krankheit
4.1.3. Life Events – Lebensverändernde Ereignisse
4.1.4. Schizophrenie und Familie
4.2.Biologisch-psychiatrischer Ansatz
4.2.1. Vererbung
5. Symptomatik
5.1.Grundsymptome
5.1.1. Formale Denkstörungen – Störungen des Denkens
5.1.2. Störung der Affektivität – Störung des Gefühls
5.1.3. Störung des Wollens, des Handelns und Störungen des Ich-Erlebens
5.2.Akzessorische Symptome
5.2.1. Wahn
5.2.2. Halluzinationen
5.2.3. Katatone Symptome
6. Unterformen der Schizophrenie
6.1.Hebephrenie
6.2.Paranoide Schizophrenie
6.3.Schizophrenia simplex
6.4.Katatonie
6.5.Residuale Form
7. Verlauf
7.1.Beginn der Erkrankung
7.2.Verlaufstyp
7.3.Endzustand
7.4.Häufigkeit der verschiedenen Verlaufsformen
8. Therapie
8.1.Medikation
8.2.Psychotherapie
8.3.Soziotherapie
9. Das Berliner Weglaufhaus
10. Resümee
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das komplexe Krankheitsbild der Schizophrenie aus sozialarbeiterischer und sozialpsychiatrischer Perspektive zu beleuchten, um Vorurteilen entgegenzuwirken und das Verständnis für betroffene Menschen zu fördern.
- Historische Entwicklung des Begriffs der Schizophrenie
- Sozialpsychiatrische und biologische Entstehungsbedingungen
- Differenzierte Darstellung der Symptomatik (Grund- und akzessorische Symptome)
- Therapieformen und alternative Versorgungsansätze wie das Berliner Weglaufhaus
Auszug aus dem Buch
5.1.1. Formale Denkstörungen – Störung des Denkens
Bleuler äußerte zu diesem Grundsymptom: „Das Denken des Kranken erscheint oft unklar, manchmal bis zur Unverständlichkeit zerfahren. Es widerspiegelt seine Verfangenheit in eine imaginäre Welt von Vorstellungen, die seinem schwierigen Wesen besser entspricht als die wirkliche Welt. Neben krankhaftem Denken geht, oft versteckt, gesundes Denken und Urteilen weiter.“37
Die formale Störung des Denkens ist neben der Störung des Gefühls das wichtigste Grundsymptom der Schizophrenie. Die formale Störung des Denkens umfasst viele Einzelsymptome, auf die ich nun näher eingehen möchte.
Abreißen der Gedanken, Lockerung des Denkzusammenhangs, Ideenflucht und Zerfahrenheit
Die einfachste Form der formalen Denkstörungen ist das Abreißen der Gedanken. Der Erkrankte erlebt dies in seiner wahnhaften Interpretation beispielsweise als Weggenommenwerden seines Gedankens durch eine äußere Macht. Folge dieser Störung können Sprechpausen sein, denn er hat oftmals Schwierigkeiten den abgebrochenen Gedanken wieder zu finden. 38
Bei der nächsten Störung – der Lockerung des Denkzusammenhangs verhält es sich so, dass die Logik der Gedanken (der „rote Faden“) verloren geht. Nicht die Logik bestimmt den Gedankenablauf, sondern assoziative Erinnerungen und der gleiche Klang von Wortendungen. Das Denken wird sprunghaft, Worte und Gedanken erfolgen zusammenhanglos aufeinander.39
Die Ideenflucht ist dadurch gekennzeichnet, dass ein Gedanke den anderen jagt. Der Gedankenzusammenhang ist hierbei gelockert, es besteht jedoch die Möglichkeit, dass ein Zusammenhang noch erkennbar ist. Oftmals spricht der Betroffene dabei wie ein Wasserfall. 40
Bei der Zerfahrenheit des Denkens ist kein Zusammenhang mehr erkennbar. Charakteristisch ist auch, dass der grammatikalische Zusammenhang verloren geht.41 Dies kann dahin führen, dass das einzeln gedachte, gesprochene oder geschriebene Wort zerfällt und für den Außenstehenden nicht mehr erkennbar ist. Es ist typisch, dass die Beziehung zwischen einzelnen Gedanken, Worten oder Sätze zueinander verloren geht. Schon bei einer leichten Form der Zerfahrenheit, ist der Betroffene massiv ablenkbar. Besteht eine schwere Form der Zerfahrenheit, so wird dies auch Verworrenheit genannt.42
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet das Krankheitsbild der Schizophrenie, um Vorurteile abzubauen und ein besseres Verständnis in der sozialen Arbeit zu ermöglichen.
2. Geschichte der (heute) „Schizophrenie(n)“ genannten Ich-Krankheit: Es wird die historische Begriffsentwicklung von Kraeplins "Dementia praecox" zu Bleulers "Schizophrenie" dargestellt.
3. Häufigkeiten: Dieses Kapitel behandelt epidemiologische Daten, Risikofaktoren und die sozioökonomische Situation von Erkrankten.
4. Entstehungsbedingungen und Krankheitsursachen: Der Schwerpunkt liegt auf sozialpsychiatrischen Theorien (z.B. Etikettierung) sowie biologischen Aspekten der Vererbung.
5. Symptomatik: Eine detaillierte Aufschlüsselung in Grundsymptome (Denken, Gefühl, Wollen) und akzessorische Symptome (Wahn, Halluzinationen, Katatonie).
6. Unterformen der Schizophrenie: Vorstellung der fünf klassischen klinischen Untertypen der Erkrankung.
7. Verlauf: Erläuterung der verschiedenen Verlaufstypen, der Endzustände und statistischer Heilungschancen.
8. Therapie: Überblick über die drei Säulen der Behandlung: medikamentöse Therapie, Psychotherapie und Soziotherapie.
9. Das Berliner Weglaufhaus: Vorstellung eines alternativen, betroffenenkontrollierten Projekts zur Psychiatrie.
10. Resümee: Zusammenfassung der Notwendigkeit einer besseren gesellschaftlichen Aufklärung und Akzeptanz Betroffener.
Schlüsselwörter
Schizophrenie, Sozialarbeit, Psychiatrie, Symptomatik, Wahn, Halluzinationen, Denkstörung, Therapie, Neuroleptika, Soziotherapie, Berliner Weglaufhaus, psychische Krankheit, soziale Stigmatisierung, Rehabilitation, Lebensqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Übersicht über das Krankheitsbild der Schizophrenie mit dem Ziel, den Umgang mit Betroffenen im Kontext der Sozialen Arbeit zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Geschichte der Diagnose, die Symptomlehre, die Ursachenforschung, die therapeutischen Möglichkeiten und alternative Versorgungsstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist die Aufklärung über die vielschichtigen Ausprägungen der Schizophrenie, um Vorurteile abzubauen und Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse klinischer Standards sowie auf Erkenntnisse aus einem fachspezifischen Seminar zu sozialpsychiatrischen Perspektiven.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Symptome, die Klassifikation der Unterformen, den Krankheitsverlauf und die verschiedenen Behandlungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Schizophrenie, Stigmatisierung, Symptomatik, Soziotherapie und psychiatrische Alternativkonzepte charakterisiert.
Was zeichnet das Berliner Weglaufhaus als Modell aus?
Es ist ein betroffenenkontrolliertes Projekt, das ohne den Zwang zur Psychopharmaka-Einnahme arbeitet und den Fokus auf Selbstbestimmung und Krisenverständnis legt.
Warum unterscheidet die Arbeit zwischen Grund- und akzessorischen Symptomen?
Diese Differenzierung orientiert sich an der Klassifikation nach Eugen Bleuler, um bleibende strukturelle Störungen von vorübergehenden, akuten Erscheinungsbildern abzugrenzen.
- Quote paper
- Theresia Augsten (Author), 2005, Schizophrenie. Ursachen, Krankheitsverlauf und Therapiemöglichkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41794