Die vorliegende Hausarbeit thematisiert einen von drei neutestamentlichen Briefen, die dem Evangelisten Johannes zugeschrieben werden: „Der Zweite Johannesbrief“.
Eingeleitet wird die Arbeit durch die Erläuterung des Ortes und der Zeit der Abfassung des Schreibens. Dabei wird sowohl auf die Verbindung der Johannesbriefe untereinander, als auch auf die Verbindung zwischen den Briefen und dem Johannesevangelium eingegangen. In diesem Zusammenhang spielt außerdem die Verfasserfrage eine Rolle, da diese Rückschlüsse auf die Datierung geben könne.
Der Zweite Johannesbrief richte sich an der üblichen antiken Briefform aus und lasse sich dementsprechend in Briefpräskript, Briefproömium, -korpus und Briefschluss gliedern. Die einzelnen Gliederungsmerkmale werden im Verlauf der Hausarbeit erläutert.
Da der Verfasser zu Beginn des Schreibens, im Briefpräskript, zwar den Absender und den Adressaten nennt, steht zunächst dennoch offen, wer diese Personen sind, da diese nicht mit einem Eigennamen, sondern als der Älteste und die auserwählte Herrin bezeichnet werden. Aus diesem Grund sind im Laufe der Jahre mehrere Theorien entstanden, die versuchen die Verfasser- und Adressatenfrage zu beantworten. Diese Theorien werden in dem Kapitel Briefpräskript vorgestellt.
Im darauffolgenden Briefproömium, das den vierten Vers beinhaltet, gebe der Verfasser seine Freude über eine gute Nachricht seitens des Adressaten kund. Nachdem die Annahmen über den Verfasser und den Adressaten gegenübergestellt wurden, folgen nun Theorien darüber, auf welchem Weg der Verfasser diese Nachricht erhalten hat.
Das Briefkorpus bildet den Hauptteil des Schreibens und lasse sich in vier thematische Abschnitte teilen. Nach der Erläuterung der Bitte um gegenseitige Liebe zu Beginn des Briefkorpus folgt die Erklärung der Warnung. Es wird in diesem Zusammenhang geklärt, wer die theologischen Gegner des Verfassers und auch des Adressaten sind. Außerdem wird begründet, weshalb sich die Adressaten vor den Gegner, den Irrlehrern, hüten sollen.
Abgeschlossen wird der Brief mit den Versen zwölf und dreizehn, in denen der Verfasser seinen Besuch in der jeweiligen Gemeinde ankündige. Nachdem der Briefschluss in diesem Kapitel erläutert wurde, folgt die Zusammenfassung der Ergebnisse in einem Fazit.
Das Ziel der Arbeit ist es, zu klären bzw. Antwortmöglichkeiten gegenüberzustellen, die die Fragen beantworten, wer den Zweiten Johannesbrief an wen geschrieben hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ort und Zeit der Abfassung
3. Aufbau
4. Briefpräskript
4.1 Verfasser
4.2 Adressat
5. Briefproömium
6. Briefkorpus
7. Briefschluss
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zweiten Johannesbrief, um die ungeklärten Fragen zu Identität von Verfasser und Adressaten zu beleuchten und mögliche Deutungsansätze gegenüberzustellen. Zudem werden der historische Entstehungsort sowie die Zeit der Abfassung erörtert und der Anlass des Schreibens durch eine textnahe Analyse der antiken Briefform herausgearbeitet.
- Analyse der antiken Briefform und Gliederung des Zweiten Johannesbriefes.
- Diskussion der Verfasserfrage unter Berücksichtigung historischer und theologischer Theorien.
- Untersuchung der Adressatenfrage: Einzelperson versus Gemeindeverständnis.
- Exegese des Briefkorpus zur Identifizierung von Irrlehrern und der Mahnung zur Wahrheit.
- Einordnung des Schreibens in den johanneischen Kontext.
Auszug aus dem Buch
4.2 Adressat
Der Verfasser adressiert seinen Brief an „die von Gott auserwählte Herrin und an ihre Kinder“ (2Joh 1). Über die Frage, wer jene auserwählte Herrin (2Joh 1) sei, gibt es allerdings unterschiedliche Antworten, die auf heterogenen Auslegungen gegründet sind. Zum Einen gibt es die These, dass es sich bei der auserwählten Herrin (2Joh 1) um eine Einzelperson handle, zum Anderen bestehe die Möglichkeit der Adressierung des Briefes an die Gemeinden bzw. an eine Einzelgemeinde.
Diese Thesen werden im Folgenden näher erläutert. Vertreter der erstgenannten These gehen bei der Anrede ἐκλεκτή κυρία von dem wörtlichen Verständnis aus und sehen 2Joh als ein Schreiben an eine „hochgeachtete Christin, wohl eine Witwe mit vielen Kindern“18. Durch die Verwendung dieser Anrede bewahre der Verfasser die Anonymität der Person, da der individuelle Name somit verschwiegen werde19. Der Schlussgruß „Es grüßen dich die Kinder deiner auserwählten Schwester“ (2Joh 13) spräche für diese Interpretation, da in der Bibel weder Herrin noch Schwester als eine Anrede für eine Gemeinde benutzt werden20. Auf Grundlage dessen, bestehe die Annahme über einen Aufenthalt des Verfassers im Haus der Schwester als Anlass des Schreibens an die ἐκλεκτή κυρία21.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den thematischen Rahmen der Arbeit ab, benennt das Ziel der Klärung von Verfasser- und Adressatenfrage und skizziert den methodischen Aufbau der Untersuchung.
2. Ort und Zeit der Abfassung: Dieses Kapitel diskutiert die verschiedenen wissenschaftlichen Positionen zur zeitlichen und räumlichen Einordnung des Briefes in Relation zum Johannesevangelium.
3. Aufbau: Hier wird die Gliederung des Schreibens nach antiken Briefformen (Präskript, Proömium, Korpus, Schluss) detailliert aufgezeigt.
4. Briefpräskript: Dieses Kapitel widmet sich der Identität der Personen hinter den Titeln "der Älteste" und "die auserwählte Herrin" und beleuchtet verschiedene Theorien dazu.
5. Briefproömium: Der Abschnitt analysiert die einleitende Freudenbekundung des Verfassers und deren Funktion als motivierender Hintergrund für die folgende Bitte.
6. Briefkorpus: Der Hauptteil des Briefes wird hier exegesiert, wobei die Warnung vor Irrlehrern und die Handlungsanweisungen zum Umgang mit diesen im Zentrum stehen.
7. Briefschluss: Dieses Kapitel behandelt die Ankündigung des Besuchs und die Bedeutung der Grußformeln als Zeichen eines einigenden Bandes der Gemeinden.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zur Verfasser-, Adressaten- und Datierungsfrage zusammen und rekapituliert die zentralen Anliegen des Schreibens.
Schlüsselwörter
Zweiter Johannesbrief, Neues Testament, Johannesbriefe, Verfasserfrage, Adressatenfrage, Antike Briefform, Irrlehrer, Presbyter, Theologische Exegese, Johannesevangelium, Liebesgebot, Antichrist, Gemeindebrief, Wahrheit, Gnosis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit thematisiert den Zweiten Johannesbrief aus exegetischer Sicht, wobei sie die antike Briefform als Grundlage nutzt, um den Inhalt sowie die historischen Hintergründe zu erschließen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Fragen nach der Identität des Autors ("der Älteste") und des Empfängers ("die auserwählte Herrin"), die Datierung sowie die Auseinandersetzung mit Irrlehrern innerhalb der christlichen Gemeinde.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit verfolgt das Ziel, verschiedene Antwortmöglichkeiten auf die Verfasser- und Adressatenfrage gegenüberzustellen und zu erläutern, zu welcher Zeit und aus welchem Grund der Brief verfasst wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine strukturierte Analyse der neutestamentlichen Texte und zieht wissenschaftliche Kommentare und Literatur heran, um die verschiedenen exegetischen Theorien zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich nach der Struktur des Briefes: Briefpräskript, Proömium, Briefkorpus (mit dem inhaltlichen Schwerpunkt auf der Warnung vor Irrlehrern) und Briefschluss.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie "Zweiter Johannesbrief", "Verfasserfrage", "Irrlehrer" und "antike Briefform" beschreiben.
Wie deutet der Autor die "auserwählte Herrin"?
Der Autor stellt die These einer Einzelperson (z.B. einer hochgeachteten Christin) der Auffassung gegenüber, dass es sich um eine Metapher für eine ganze Gemeinde handelt.
Welche Rolle spielen die Irrlehrer im Briefkorpus?
Die Irrlehrer werden als "Verführer" identifiziert, die die Menschwerdung Jesu leugnen; der Verfasser mahnt die Adressaten deshalb zur Wachsamkeit und zur Verweigerung der Gastfreundschaft gegenüber diesen Personen.
Warum ist das "Grußverbot" für den Verfasser so bedeutend?
Das Grußverbot ist für den Verfasser zentral, da ein Gruß den Kontakt herstellt und die Gefahr birgt, dass man sich durch die Annahme der falschen Lehre mitschuldig an den bösen Taten der Irrlehrer macht.
Wie wird das Verhältnis von schriftlichem Wort und persönlichem Besuch bewertet?
Der Verfasser sieht das geschriebene Wort als ergänzungsbedürftig durch das persönliche Gespräch an, da erst durch die direkte Begegnung die christliche Freude ihre Vollkommenheit erlangen kann.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2014, Der zweite Johannesbrief. Exegese, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417952