Hat Beckmann während seines Kriegsdienstes Schuld auf sich geladen, der er sich jetzt nicht stellen will oder kann? Wie geht Beckmann mit seiner eigenen Verantwortung um? Ist er nur ein selbstmitleidiges Opfer oder auch Täter? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die vorliegende Arbeit.
Zu Beginn wird auf die Figur Beckmanns eingegangen und sein Stand in der Gesellschaft dargelegt. Danach soll seine Beziehung zum Einbeinigen und der Versuch, die Verantwortung wieder an seinen Oberst abzugeben, behandelt werden. Zuletzt wird der Traum betrachtet, in dem Beckmann nochmal auf die beiden Figuren trifft, um ihnen die Schuld an seiner Lage zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beckmann als Außenseiter
3. Beckmanns Schuld an der Verzweiflung des Einbeinigen
4. Beckmanns Versuch, die Verantwortung abzugeben
5. Das Wiedersehen
6. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Rolle der Schuld in Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“. Dabei wird analysiert, wie der Protagonist Beckmann mit seiner persönlichen Verantwortung für kriegsbedingte Ereignisse umgeht, welche Mechanismen der Verdrängung er entwickelt und inwieweit er sich als Täter oder Opfer in einer entmenschlichten Gesellschaft positioniert.
- Die Charakterisierung Beckmanns als heimatloser Außenseiter der Nachkriegsgesellschaft
- Die Auseinandersetzung mit der individuellen Schuld am Schicksal ehemaliger Kameraden
- Die Analyse von Flucht- und Abgabemechanismen der Verantwortung gegenüber Vorgesetzten
- Die Bedeutung von Traumsequenzen für die Konfrontation mit der eigenen Täterschaft
- Die Reflexion über Krieg, Mündigkeit und das Scheitern als „Mensch“ in einer gleichgültigen Welt
Auszug aus dem Buch
3. Beckmanns Schuld an der Verzweiflung des Einbeinigen
Beckmann kann nicht mit der Vergangenheit abschließen. Als ihm das Mädchen, das ihn am Ufer der Elbe findet und mit zu sich nach Hause nimmt, um ihm trockenen Kleidung zu geben, die Gasmaskenbrille abnimmt, fühlt er sich blind und hilflos. Sie ist Symbol für seine soldatische Existenz. Das Mädchen bemerkt, dass er mit der Brille wie ein Gespenst aussieht. Doch Beckmann ist nur das Ablegen der Brille als Akt des Vergessens nicht genug, er will nicht vergessen: „Vielleicht bin ich auch ein Gespenst. Eins von gestern, das heute keiner mehr sehen will. Ein Gespenst aus dem Krieg, für den Frieden provisorisch repariert“.
Das Mädchen bietet ihm die Jacke ihres seit Stalingrad vermissten Mannes an. Beckmann hüllt seinen Körper in diese. Unbewusst hat er durch den Mantel, den er sofort wieder los werden will, die Schuld übergezogen. Er registriert, dass er sich gerade in der gleichen Situation befindet, wie der neue Mann an der Seite seiner Frau. Er trägt die Kleidung eines anderen Mannes, ist in dessen Wohnung und ihn Gesellschaft seiner Ehefrau. Dieser Andere kommt so gleich als Einbeiniger daher, der Beckmann anklagt, seinen Platz eingenommen zu haben. Außerdem erkennt die Hauptfigur den Mann wieder und eine schreckliche Wahrheit offenbart sich ihr. Der Einbeinige hat sein Bein durch den Befehl des Unteroffiziers Beckmann verloren: „Sie halten ihren Posten unbedingt bis zum Schluss“, befahl dieser.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Schuld und Verantwortung am Beispiel des Protagonisten Beckmann im Kontext des Nachkriegsdramas.
2. Beckmann als Außenseiter: Darstellung von Beckmanns gesellschaftlicher Isolation, seinem Heimatverlust und dem Scheitern seiner Wiedereingliederung.
3. Beckmanns Schuld an der Verzweiflung des Einbeinigen: Untersuchung der unbewussten Konfrontation mit der eigenen Täterschaft durch die Begegnung mit einem Kriegsversehrten.
4. Beckmanns Versuch, die Verantwortung abzugeben: Analyse des Konflikts zwischen dem mittellosen Beckmann und seinem ehemaligen Oberst, der jegliche Verantwortung ablehnt.
5. Das Wiedersehen: Betrachtung der Traumsequenz am Ende des Dramas, in der Beckmann gezwungen wird, seine Mitschuld am Leid anderer anzuerkennen.
6. Schluss: Fazit über Beckmanns Erkenntnisprozess, seinen blinden Gehorsam im Krieg und die universelle Anklage gegen die Unmenschlichkeit.
Schlüsselwörter
Wolfgang Borchert, Draußen vor der Tür, Schuld, Verantwortung, Kriegsheimkehrer, Beckmann, Außenseiter, Verdrängung, Krieg, Täterschaft, Unmenschlichkeit, Allegorie, Nachkriegsliteratur, Individuum, Gesellschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Motiv der Schuld in Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“ und fokussiert dabei auf den Umgang des Protagonisten Beckmann mit seinen Kriegserfahrungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Kernbereichen zählen die Identitätskrise des Heimkehrers, die Konfrontation mit der eigenen Schuld sowie die Versuche der Verantwortungsübertragung gegenüber anderen Personen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Beckmann lediglich als selbstmitleidiges Opfer betrachtet werden kann oder ob er als Täter für seine Taten im Krieg zur Rechenschaft zu ziehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext unter Einbeziehung von Sekundärliteratur und interpretatorischen Ansätzen untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Beckmanns Status als Außenseiter, seine spezifische Schuld am Schicksal des Einbeinigen sowie seine Versuche, Verantwortung auf Vorgesetzte abzuwälzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Schuld, Verantwortung, Kriegsheimkehrer, Verdrängung, Täterschaft und Unmenschlichkeit.
Warum versucht Beckmann, die Schuld auf seinen ehemaligen Oberst abzuwälzen?
Beckmann sieht sich selbst als bloßes Befehlsempfänger und möchte durch die Rückgabe der Verantwortung an den Vorgesetzten von seiner eigenen moralischen Last befreit werden.
Welche Rolle spielt die Traumsequenz am Ende des Dramas?
Der Traum dient als psychologische Konfrontation, in der Beckmann die Realität seiner Taten und seine Mitschuld an der Sinnlosigkeit des Krieges erkennt.
Verändert sich Beckmanns Sicht auf seine Situation im Verlauf des Dramas?
Ja, zu Beginn dominiert das Selbstmitleid, doch gegen Ende gelangt Beckmann zu der schmerzhaften Einsicht, dass er ein Teil der unmenschlichen Gesellschaft war und ist.
- Arbeit zitieren
- Isabel Funke (Autor:in), 2013, Das Motiv der Schuld in Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417967