Diese Hausarbeit zeigt, wie britische Unternehmen im Handels-, Investitions- und Dienstleistungsbereich ihre Chance im Cono Sur (südlicher Teil Südamerikas) nutzten.
In Südamerika ging es Großbritannien am Anfang des neunzehten Jahrhunderts nicht um die langfristige Entwicklung von Siedlungskolonien. Hier musste es an die Bevölkerungs- und Wirtschaftsstrukturen anknüpfen, die die 300jährige spanisch-portugiesische Kolonialherrschaft hinterlassen hatte. Die Handelsgroßmacht nutzte als Verbündete der Monarchien von Spanien und Portugal während der napoleonischen Besetzung dieser Länder zunächst in Brasilien die politisch-diplomatische Chance, die Unabhängigkeit des Landes gegenüber der früheren Kolonialmacht Portugal zu sichern. Mit Hilfe von Freundschafts-, Schiffahrts- und Handelsverträgen, Meistbegünstigungszusicherungen und des Prinzips des Freihandels schuf Großbritannien dann nicht nur in Brasilien für seine Unternehmerschaft günstige Ausgangsbedingungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gründe für den wirtschaftlichen Erfolg britischer Handelshäuser
3. Britische Dominanz beim Schiffstransport
4. Britische und lateinamerikanische Banken
5. Britische Interessen in Chile
6. Britische Handelsbeziehungen mit Paraguay
7. Britische Investitionen in Bolivien
8. Britische Interessen in Peru
9. Großbritanniens Einfluß auf die Staatsgründung Uruguays und britisches Kapital
10. Britisches Kapital in Argentinien
11. Resümee
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen ökonomischen Aktivitäten und den Einfluss Großbritanniens im Cono Sur während des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, mit dem Ziel aufzuzeigen, wie britische Unternehmer, Banken und Handelsgesellschaften ihre wirtschaftliche Vormachtstellung in dieser Region festigten.
- Strukturen und Erfolgsfaktoren britischer Handelshäuser
- Die Rolle der Schifffahrt und Transportlogistik für den Warenexport
- Finanzpolitische Strategien und Investitionstätigkeiten anglo-lateinamerikanischer Banken
- Regionale Fallbeispiele britischer Einflussnahme in Chile, Paraguay, Bolivien, Peru, Uruguay und Argentinien
- Methoden zur Sicherung wirtschaftlicher Interessen und politischer Einflussnahme
Auszug aus dem Buch
2. Gründe für den wirtschaftlichen Erfolg britischer Handelshäuser
Welche Vorteile hatten die großen Import-Exporthäuser, die z.B. in Bahia den Kakaoexport, in Rio und Santos den Kaffeehandel und in Manaos den Gummihandel monopolisierten, im Vergleich zu den Zwischenhändlern und den kleineren und größeren Pflanzern des Inlandes?
Erstens besaßen die großen Handelshäuser genügend Kapital, das es ihnen ermöglichte, die landwirtschaftlichen Produkte aufzukaufen, zu lagern, zu säubern, zu klassifizieren, zu verpacken, zu versichern und zu verschiffen. Sie bestimmten die Kreditbedingungen für die Zwischenhändler und die Preise für die von den Zwischenhändlern angebotenen Waren. Zweitens verfügten Handelshäuser über die nötigen Informationen über Angebot, Nachfrage, Börsen- und Wechselkurse der Waren, die sie auf die europäischen Märkte brachten, nicht zuletzt durch Einführung des Telegraphen, der seit 1874 Europa mit Südamerika verband. Exporthäuser investierten überschüssiges Kapital in verschiedene Gesellschaften, um Profitmöglichkeiten zu streuen und Mißerfolge einzudämmen: sie waren manchmal zugleich Warenhändler, Industrielle und leisteten Agenturdienste für Banken, Versicherungen und andere Schiffahrtsgesellschaften. Der Großexporteur nutzte den Geldmangel der Pflanzer aus, die selten organisiert waren und nur schlechten Zugang zu billigen Krediten hatten. Die einfachen Produktionsmethoden und die Isolation der Pflanzer, die über die Verkaufspreise ihrer Produkte uninformiert blieben, machte sie den Handelshäusern unterlegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Aufstieg Großbritanniens zur weltweit bedeutendsten Seemacht und Handelsnation nach dem siebenjährigen Krieg und legt den Grundstein für die Analyse britischer wirtschaftlicher Interessen in Lateinamerika.
2. Gründe für den wirtschaftlichen Erfolg britischer Handelshäuser: Dieses Kapitel erläutert die Wettbewerbsvorteile großer Handelshäuser durch Kapitalverfügbarkeit, Informationsvorsprünge, technologische Vernetzung und die Ausnutzung lokaler Marktstrukturen.
3. Britische Dominanz beim Schiffstransport: Hier wird die Entwicklung der britischen Schifffahrtsgesellschaften, deren staatliche Subventionierung und die Nutzung von Konferenzen zur Marktregulierung und Gewinnmaximierung beschrieben.
4. Britische und lateinamerikanische Banken: Das Kapitel analysiert die Kreditpolitik und die Investitionsstrategien anglo-lateinamerikanischer Banken, die primär den Außenhandel stützten.
5. Britische Interessen in Chile: Untersuchung der Investitionen in Staatsobligationen, den Eisenbahnbau und besonders den Nitratsektor, illustriert am Beispiel von Unternehmen wie Anthony Gibbs & Sons.
6. Britische Handelsbeziehungen mit Paraguay: Darstellung des Austauschs von Fachkräften und technischer Infrastruktur gegen Handelsvorteile sowie die finanzielle Verflechtung während der Ära der Familie López.
7. Britische Investitionen in Bolivien: Kurzer Überblick über die Konzentration britischen Kapitals auf Minen, Ländereien und Staatsobligationen.
8. Britische Interessen in Peru: Analyse der Ausbeutung von Guano- und Salpetervorkommen sowie die Verflechtung der Konzessionäre mit der peruanischen Staatsfinanzierung.
9. Großbritanniens Einfluß auf die Staatsgründung Uruguays und britisches Kapital: Darstellung der britischen Versuche, Einfluss im Rio de la Plata Gebiet zu gewinnen, militärischer Interventionen und der späteren wirtschaftlichen Durchdringung.
10. Britisches Kapital in Argentinien: Betrachtung der massiven britischen Investitionen, insbesondere im Eisenbahnsektor, und der komplexen vertraglichen Beziehungen zwischen Gesellschaften und Staat.
11. Resümee: Das Resümee fasst die wirtschaftlichen Verflechtungen zusammen und weist auf die Komplexität und die Lücken in der Forschung aufgrund begrenzter Datenlage hin.
Schlüsselwörter
Handelsimperialismus, Cono Sur, Großbritannien, Wirtschaftsinvestitionen, Handelshäuser, Schifffahrt, Bankwesen, Nitrat, Guano, Eisenbahnbau, Kapitalexport, Südamerika, Wirtschaftsgeschichte, Außenhandel, Rohstoffe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ökonomische Präsenz und den Einfluss Großbritanniens im Cono Sur, dem südlichen Teil Südamerikas, im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Handelsbeziehungen, der Transportsektor durch britische Reedereien, das Bankwesen sowie spezifische Investitionen in Rohstoffe wie Nitrat und Guano sowie in Infrastrukturprojekte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, durch welche Mechanismen, Handelsstrukturen und Investitionsstrategien britische Wirtschaftsakteure ihre Interessen in Lateinamerika erfolgreich durchsetzten und absicherten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen und wirtschaftshistorischen Analyse, die sich auf Literaturrecherchen, zeitgenössische Statistiken und die Auswertung von Unternehmensbeispielen stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der allgemeinen Erfolgsfaktoren (Handelshäuser, Banken, Schifffahrt) sowie eine länderspezifische Untersuchung der britischen Aktivitäten in Chile, Paraguay, Bolivien, Peru, Uruguay und Argentinien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Handelsimperialismus, Kapitalexport, Rohstoffausbeutung, Eisenbahnbau und die informelle Beherrschung durch wirtschaftliche Abhängigkeiten charakterisiert.
Welche Rolle spielte John T. North in Chile?
John T. North wird als Beispiel für einen einflussreichen Akteur beschrieben, der durch Unternehmungen in Bergbau, Transport, Wasserversorgung und Bankwesen sowie durch politischen Einfluss das Wirtschaftsgeschehen in Chile maßgeblich mitbestimmte.
Wie agierten britische Banken gegenüber lokalen Akteuren?
Britische Banken verfolgten eine exklusive Kreditpolitik, die primär den Außenhandel und die Exportproduktion unterstützte, während sie lokale Regierungen oder Agrarproduzenten oft als riskante Kunden betrachteten.
- Arbeit zitieren
- Dr. phil. Volker Beckmann (Autor:in), 1981, Britischer Handelsimperialismus im Cono Sur im 19. und 20. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417989