In Zeiten, in denen Großunternehmen vermehrt auf gesättigten Märkten tätig sind und im Zuge notwendiger Restrukturierungen Arbeitsplätze tendenziell abbauen, muss es einer Volkswirtschaft gelingen, die Wettbewerbsfähigkeit mittels Umsetzung innovativer Ideen aufrecht zu erhalten, um dadurch den stattfindenden Arbeitsplatzabbau durch Schaffung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten zu kompensieren. Zahlreiche Studien zeigen, dass solche Initiativen immer mehr durch neue bzw. kleine Unternehmen in Angriff genommen werden, während gleichzeitig alte bzw. große Firmen meist nur noch über geringe Wachstumsmöglichkeiten verfügen. Die unternehmerische Aktivität einer Volkswirtschaft ist dementsprechend von enormer Bedeutung um den Strukturwandel zu bewältigen und gleichzeitig neue Arbeitsplätze zu schaffen.
In diesem Zusammenhang beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit dem Unternehmertum in der Schweiz. Es werden Erklärungsansätze für die in jüngster Vergangenheit vermehrt zu beobachtenden Unternehmensverlagerungen in die Schweiz geliefert, unter besonderer Berücksichtigung der von ihnen ausgehenden unternehmerischen Aktivität, sowie mit der Greater Zürich Area ein bedeutender Wirtschaftsraum vorgestellt. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf nachhaltigen Unternehmensgründungen, die auch den Aufbau von Forschungs- und Entwicklungszentren mit einschließen.
Im vierten Kapitel werden die Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen in der Schweiz näher beleuchtet. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht dabei die Finanzierung von Jungunternehmen, wobei besonders Institutionen, die sich am Eigenkapital beteiligen, dargestellt werden. Die Situation in der Schweiz hinsichtlich der Verfügbarkeit von Risikokapital und Business Angels wird ebenso betrachtet wie staatliche Finanzierungs-/Fördermaßnahmen. Des weiteren werden die für potentielle Unternehmensgründer oftmals hemmenden Faktoren, die Informationsbereitstellung und administrativen Belastungen des Gründungsvorgangs, näher untersucht. Abschließend wird auf Persönlichkeitsaspekte des Unternehmensgründers in der Schweiz eingegangen, wobei nach einer Beschreibung des Profils, insbesondere die Determinanten der Risikobereitschaft sowie das gesellschaftliche Ansehen von Unternehmensgründern in der Schweiz dargestellt werden. Das sechste Kapitel fasst die Erkenntnisse der vorhergehenden Kapitel zusammen und zeigt mögliche Verbesserungsmaßnahmen auf.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Unternehmertum
2.2 Schweiz
2.3 Überblick über die Unternehmenslandschaft in der Schweiz
3 Die Schweiz als Alternativ-Standort für Unternehmensansiedlungen
3.1 Vorteile des Standortes Schweiz
3.2 Die Greater Zürich Area: ein führender Wirtschaftsstandort in Europa
4 Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen in der Schweiz
4.1 Finanzierung
4.1.1 Risikokapital
4.1.2 Business Angels
4.1.3 Staatliche Finanzierung
4.2 Informationsbereitstellung und administrative Belastung
5 Persönlichkeitsaspekte zum Unternehmensgründer in der Schweiz
5.1 Profil des Unternehmensgründers
5.2 Kulturelle Einflußgrößen
5.2.1 Risikobereitschaft
5.2.2 Gesellschaftliches Ansehen von Unternehmern/Gründern
6 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomischen Rahmenbedingungen und kulturellen Einflussfaktoren für das Unternehmertum in der Schweiz, um zu analysieren, warum trotz eines wirtschaftsfreundlichen Umfelds eine vergleichsweise geringe Gründungsdynamik besteht und welche Rolle dabei ausländische Unternehmensansiedlungen spielen.
- Die Rolle von Klein- und Mittelunternehmen (KMU) in der Schweizer Wirtschaft
- Die Schweiz als Standort für internationale Unternehmensansiedlungen und die Greater Zürich Area
- Finanzierungssituation für Start-ups unter besonderer Berücksichtigung von Venture Capital und Business Angels
- Administrative Belastungen und Informationsplattformen für Gründer
- Persönlichkeitsprofile von Gründern und der Einfluss gesellschaftlicher Risikoaversion
Auszug aus dem Buch
5.2.1 Risikobereitschaft
Um ein Unternehmen gründen zu können muss der Gründer über mehrere Eigenschaften bzw. Kompetenzen verfügen. Neben dem Wunsch nach Selbstständigkeit und Unabhängigkeit muss der Unternehmer über einen hohen Leistungswillen und entsprechende Leistungsbereitschaft verfügen, sowie in der Lage sein Risiken zu übernehmen. Gerade diese Risikobereitschaft benötigt der Unternehmensgründer, um die Gründung eines Start-ups vorzunehmen. Jedoch zählt die Risikobereitschaft nicht zu den typischen Merkmalen bzw. Eigenschaften der schweizerischen Bevölkerung. Diese starke Risikoaversion hemmt oftmals eine unternehmerische Initiative. Mögliche Gründe für diese Risikoaversion sind u.a. die finanziellen Risiken der Unternehmensgründer. In der Schweiz gibt es keine staatlichen Bürgschaftsbanken oder Förderprogramme für Jungunternehmer. Erschwerend kommt hinzu, dass die Schweiz mit die härtesten Bestimmungen der OECD Länder bei der Geschäftsaufgabe bzw. Insolvenz hat. Die gescheiterten Unternehmer können bei der Insolvenz ihres Unternehmens mit privater Haftung bis zu zwanzig Jahren von ihren Gläubigern belangt werden. Der Konkurs kann somit eine hohe Belastung für die gescheiterten Unternehmer für das weitere Leben darstellen. Ein noch viel schwerwiegender Aspekt als die finanziellen Risiken stellen die sozialen Risiken der Gründer dar. Der unternehmerische Misserfolg wird als persönliche Niederlage eingestuft und häufig auch auf persönliche Unzulänglichkeiten des Unternehmers zurückgeführt. In der Schweiz werden die Namen in den Lokalzeitungen unter den Konkurseröffnungen veröffentlicht und brandmarken somit die erfolglosen Unternehmer in der Öffentlichkeit, was auch Folgen für spätere Generationen haben kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Unternehmertums für den Strukturwandel ein und skizziert die methodische Ausrichtung der Arbeit zur Analyse der Standortbedingungen in der Schweiz.
2 Grundlagen: Das Kapitel definiert den Begriff Unternehmertum im Kontext des Global Entrepreneurship Monitor und gibt einen Überblick über die schweizerische Wirtschaftslandschaft.
3 Die Schweiz als Alternativ-Standort für Unternehmensansiedlungen: Es werden die Standortvorteile der Schweiz für ausländische Unternehmen analysiert und die Rolle der Greater Zürich Area als führender Wirtschaftsraum hervorgehoben.
4 Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen in der Schweiz: Dieses zentrale Kapitel behandelt die Finanzierungsmöglichkeiten durch Risikokapital und Business Angels sowie die administrative Belastung für Neugründungen.
5 Persönlichkeitsaspekte zum Unternehmensgründer in der Schweiz: Hier werden das Gründerprofil sowie kulturelle Faktoren wie Risikobereitschaft und das gesellschaftliche Ansehen von Unternehmern kritisch beleuchtet.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und zeigt auf, dass das Zusammenspiel verschiedener Faktoren die Gründungsdynamik in der Schweiz maßgeblich beeinflusst.
Schlüsselwörter
Unternehmertum, Schweiz, KMU, Gründungsdynamik, Risikokapital, Business Angels, Standortfaktoren, Greater Zürich Area, Start-ups, Risikoaversion, Innovation, Wirtschaftsstandort, Unternehmensansiedlung, Entrepreneurship, KMUadmin
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Umfeld für Unternehmensgründungen in der Schweiz, insbesondere unter Berücksichtigung von Rahmenbedingungen und soziokulturellen Faktoren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf Finanzierungsstrukturen, administrativen Prozessen, der Attraktivität als Ansiedlungsstandort sowie dem persönlichen Profil und der gesellschaftlichen Akzeptanz von Schweizer Gründern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gründe für die im internationalen Vergleich eher geringe Gründungsdynamik in der Schweiz zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methodik wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Analyse auf Basis bestehender Studien, wie dem Global Entrepreneurship Monitor (GEM), ergänzt durch aktuelle Wirtschaftsdaten und Literaturrecherchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit konkret untersucht?
Der Hauptteil gliedert sich in die Standortvorteile für Ansiedlungen, die Finanzierungssituation (Risikokapital/Business Angels) sowie die administrativen Erleichterungen durch Online-Plattformen.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?
Unternehmertum, Schweiz, Risikokapital, KMU, Gründungsdynamik und Standortfaktoren.
Warum wird die Schweiz als "Entwicklungsland" bei Venture Capital bezeichnet?
Die Arbeit weist darauf hin, dass im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt nur ein geringer Teil an Risikokapital in junge, innovative Unternehmen fließt, was auf das risikoaverse Vorsorgesystem zurückzuführen ist.
Welche Rolle spielt die Risikoaversion für Schweizer Gründer?
Die Risikoaversion ist ein kulturelles Hemmnis; Scheitern wird in der Schweiz oft stark stigmatisiert und als persönliche Niederlage oder gesellschaftliches Versagen gewertet.
Was bietet die Plattform KMUadmin für Unternehmensgründer?
Sie ermöglicht eine ämterübergreifende, elektronische Gründung von Einzelunternehmen, was den administrativen Aufwand und die Zeitdauer bis zur Gründung erheblich reduziert.
- Quote paper
- Gert Schuller (Author), Jan Janzen (Author), 2005, Unternehmertum im interkulturellen Kontext: Unternehmertum in der Schweiz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41801