Die Zacharias Wertheimber'sche Stiftung in Frankfurt am Main (1933-1939)

Die Auflösung jüdischer Stiftungen im Spiegel der Antisemitismustheorie bei Moishe Postone


Hausarbeit, 2015

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung.

2. Vorgehensweise, Methode, Definitionen.

3. Portrait einer Stiftung.

4. Die Stiftung während der NS-Zeit
4.1 Das Stiftungswesen bis zu den Novemberpogromen 1938.
4.2 Die Schlüsseljahre 1938 und 1939.
4.2.1 Die Zwangsenteignung.
4.2.2 Zwangsauflösung der Stiftung.
4.2.3 Die Flucht der Mitglieder

5. Theoretische Reflexion: Enteignung als zentrales Element des Antisemitismus.

6. Konsequenzen für den Stolperstein-Diskurs.

7. Bibliographie.

1. Einleitung

"Wenn keine Stimme sich für uns erhebt, so mögen die Steine dieser Stadt für uns zeugen, die ihren Aufschwung zu einem guten Teil jüdischer Leistung verdankt, in der so viele Einrichtungen vom Gemeinsinn der Juden künden, in der aber auch das Verhältnis zwischen jüdischen und nichtjüdischen Bürgern stets eng gewesen ist.“[1]

(Aufruf des Vorstandes der israelitischen Gemeinde vom 20. April 1933)

Frankfurt am Main hatte – gemessen an der Größe der Stadt – bis 1933 die meisten jüdischen Einwohner einer deutschen Stadt und beheimatete zeitweise die größte jüdische Gemeinde im Deutschen Reich und der Weimarer Republik.[2] Frankfurt war – in der Zeitspanne vom 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert[3] – der "Nabel der jüdischen Welt im deutschsprachigen Raum[4] ". Die jüdischen Bürger Frankfurts partizipierten am wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, politischen und geistigen Leben der Stadt. Eine Vielzahl jüdischer Stiftungen hatte Anteil am Reichtum der Stadt in Kultur, Bildung und Wohlfahrt.[5]

Doch jüdische Existenz im Deutschen Reich bedeutete immer auch – speziell im Falle Frankfurts – eine Existenz unter den Bedingungen der antisemitischen Mehrheitsgesellschaft.[6] Die Frankfurter Judengasse als erstes Ghetto auf dem Gebiet des Alten Reiches[7], zeugt in besonderem Maße davon, dass das Narrativ einer "deutsch-jüdischen Symbiose[8] " einer historischen Grundlage entbehrt. "stets eng" war das Verhältnis zwischen jüdischen und nichtjüdischen Bürgern Frankfurts sicherlich nicht – wie es der Aufruf der israelitischen Gemeinde von April 1933 suggeriert.[9] Im Umkehrschluss aber lebten Juden auch "niemals völlig außerhalb [der] Gesellschaft[en][10] ".

Die Geschichte jüdischer Existenz in Frankfurt spiegelt sich in der Zacharias Wertheimber'schen Stiftung und der von ihr unterhaltenen Klaus-Synagoge wider, welche Gegenstände der vorliegenden Arbeit sind. Eine ins 19. Jahrhundert zurückreichende Stiftungstradition, die auf einem kulturell-religiösen Erbe der frühen Neuzeit beruhte, fand unter der Herrschaft des Nationalsozialismus ihr jähes Ende: "Das Frankfurter Judentum ist in den Jahren der Diktatur und der Gewaltherrschaft untergegangen. Die jüdische Gemeinde wurde zerstört (...).[11] " Besonders schmerzhaft ist die Auslöschung jüdischer Kultur in einer Stadt, die für deutsche Verhältnisse – wie eingangs beschrieben – in besonderem Maße jüdisch geprägt war.

Die Vorstandsmitglieder dieser Stiftung waren allesamt Bewohner des Frankfurter Ostends, einem Viertel, das sich nach der Öffnung der Judengasse zu dem jüdischen Viertel Frankfurts entwickelte. Das Ostend verkörpert in außerordentlicher Weiße die Dialektik von Emanzipation, Ausgrenzung und Vernichtung vor Ort: Die Deportation der Frankfurter Juden in den Jahren 1941-1944 nahm seinen Anfang am Bahnhof Großmarkthalle, welcher auf der Gemarkung des Ostends lag.[12] Wo sich heute die Zwillingstürme der Europäischen Zentralbank emporheben, wurden früher die jüdischen Bewohner Frankfurts in Güterzüge geladen und in die Konzentrationslager verschleppt.

Die Nazis versuchten die partikulare Tradition Frankfurts als Messe- und Handelsstadt umzuschreiben. Frankfurt wurde zur "Stadt des deutschen Handwerks" umgedeutet. Hinter dieser Formulierung verbirgt sich die für die antisemitische NS-Ideologie zentrale Unterscheidung in "schaffendes" und "raffendes" Kapital. Das vermeintlich "schaffende" Kapital wird dabei, so der Historiker und Soziologe Moishe Postone[13], mit dem deutschen Industriekapital gleichgesetzt und in Gegensatz zum "raffenden" Finanzkapital gesetzt, das als jüdisch identifiziert wird: "So kann das industrielle Kapital als direkter Nachfolger 'natürlicher' handwerklicher Arbeit auftreten und, im Gegensatz zum 'parasitären' Finanzkapital als 'organisch verwurzelt'.[14] ". Diese Unterscheidung führt zur "Biologisierung des Kapitalismus (...) als internationales Judentum" und lastet die Schattenseiten des modernen Kapitalismus den Jüdinnen und Juden an: "Die Überwindung des Kapitalismus und seiner negativen Auswirkungen wurde [von den Nazis] mit der Überwindung der Juden gleichgesetzt.[15] " Die von den Nationalsozialisten angestrebte vollständige "Überwindung der Juden" sollte – wie im Folgenden gezeigt werden soll – auch Konsequenzen für die Zacharias Wertheimber'sche Stiftung und deren Vorstandsmitglieder haben.

2. Vorgehensweise, Methode, Definitionen

Die vorliegende Arbeit beruht auf Aktenmaterial aus dem Institut für Stadtgeschichte Frankfurt, dem Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden und dem International Tracing Service, Bad Arolsen. Der Autor ist darum bemüht sinnvolle Verbindungen zwischen den historischen Quellen und den Erkenntnissen der aktuellen Geschichtsforschung herzustellen. Ziel der Arbeit ist es, anhand der Geschichte der Zacharias Wertheimber'schen Stiftung – deren Stiftungszweck die Einrichtung einer Synagoge und einer jüdischen Lehranstalt war – das jüdische Stiftungswesen im Frankfurt der NS-Zeit exemplarisch zu rekonstruieren.

Der Fokus der Arbeit liegt auf der Enteignung der Stiftung, ihrer zwangsweisen Auflösung, sowie der Emigration ihrer Vorstandsmitglieder. Die Enteignung jüdischer Unternehmen oder Stiftungen wird in der Forschung meist unter dem Begriff der 'Arisierung' diskutiert.[16] Der Historiker Frank Bajohr unterscheidet dabei zwei Vorstellungen von 'Arisierung': "Im weiteren Sinne bezeichnete die 'Arisierung' den Prozess der wirtschaftlichen Verdrängung und Existenzvernichtung der Juden, im engeren den Eigentumstransfer von 'jüdischem' in 'arischen Besitz'.[17] " In der vorliegenden Arbeit beziehe ich mich in erster Linie auf den Prozess des Eigentumstransfers. Dieser muss jedoch immer betrachtet werden in einem Prozess der "Enteignung des Gesamtvermögens der Juden[18] ". Die Unterscheidung zwischen dem Vorgang der Enteignung, dem ökonomischen Ausschluss und der Existenzvernichtung kann jedoch nicht aufrechterhalten werden und nur durch Emigration – in diesem Falle diejenige der Vorstandsmitglieder der Stiftung – unterbrochen werden.

Die These – welcher die vorliegende Arbeit nachgeht, lautet, dass die nationalsozialistische Enteignung der Juden als zentrales Element einer spezifisch deutschen Form des Antisemitismus gelten kann.[19] Der in der Geschichtsforschung geführte "Arisierungs"-Diskurs kann demnach nicht sinnvoll ausgetragen werden ohne denselben in eine Theorie des modernen Antisemitismus einzubetten. Die totale Enteignung und Entrechtung der Juden kann nur verstanden werden, wenn rekonstruiert wird, wie die NS-Ideologie ebendiese als Personifizierungen des Kapitalismus begriff und diese kapitalistische Logik in der Vernichtung der europäischen Juden in ihr Gegenteil verkehrte. Der Autor geht davon aus, dass der moderne Antisemitismus mehr ist als bloßes Vorurteil. Vielmehr wies der Antisemitismus der Nazis "systemartigen Charakter" auf: "Er beansprucht, die Welt zu erklären.[20] " Daher ist es dem Autor ein besonderes Anliegen die konstitutive Rolle des Antisemitismus für die NS-Ideologie darzulegen und die Spezifika des deutschen Antisemitismus am Beispiel der Verfolgung der Zacharias Wertheimber'schen Stiftung und ihrer Vorstandsmitglieder herauszustellen.

Besonderes Augenmerk richtet der Autor auch auf die Frage nach den Handlungsspielräumen der Stiftung und ihres Vorstandes auf die Maßnahmen des NS-Staates und der deutschen Gesellschaft[21]: Wie reagieren die Stiftungsmitglieder auf Ausgrenzung und Verfolgung? Bestehen Möglichkeiten des Ungehorsams innerhalb der nationalsozialistischen Bürokratie? Und wie verhalten sich die Profiteure der Enteignung?

Die Arbeit erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr sollen wichtige Etappen auf dem Weg zur Enteignung der Stiftung und der Auswanderung der Vorstandsmitglieder nachgezeichnet werden. Mithilfe der Quellenkritik einzelner Archivfragmente sollen persönliche Eindrücke und biographisch-individuelle Erfahrungen sichtbar gemacht werden. Die Frage der Rückerstattung nach 1945 kann nicht behandelt werden. Eingebettet ist die Arbeit in den aktuellen Stolperstein-Diskurs und möchte einen Beitrag zur Weiterentwicklung dieser Form des Erinnerns leisten.

3. Portrait einer Stiftung

Die Zacharias Wertheimber'sche Stiftung wurde 1888 gegründet, 1890 erfolgte die staatliche Zulassung. Der Name der Stiftung geht zurück auf den 1883 verstorbenen Bankier Zacharias Wolf Wertheimber, der einer traditionsreichen jüdischen Familie aus Frankfurt angehörte. Er war Sohn des Rabbiners Wolf Wertheimber und Nachfahre des berühmten Hoffaktoren Samson Wertheimer (1658-1724).[22] Die Stiftung hatte die juristische Form einer selbständigen Stiftung privaten Rechts, das Startkapital betrug 156.000 Reichsmark.[23] Zweck der Stiftung war laut eigenem Statut "die Errichtung und Dotirung einer Synagoge und einer Lehrstiftung in Frankfurt a.M.[24] " Diese zu erbauende Synagoge trug den Namen "Klaus-Synagoge" beziehungsweise "Beth-Hamidrasch" und verwies auf eine gleichnamige Synagoge, die 1680 von den Vorfahren Zacharias Wertheimbers' errichtet worden war und sich seit 1711 in der Frankfurter Judengasse befand.[25] Inhaber der Synagoge war die Samson Wertheimer'sche Stiftung.[26] Diese ursprüngliche "Klaus-Synagoge" wurde im Zuge der Neubebauung der Judengasse 1875 abgebrochen.[27]

Der Neubau in der Ostendstraße 15 wurde von Zacharias Wertheimber begonnen, konnte aber nicht beendet werden. Mit Hilfe des Stiftungskapitals konnte das Gebäude im Jahr 1902 – nach dem Tod Wertheimbers – vollendet werden. Ab diesem Zeitpunkt hat es vermutlich auch Gottesdienste in der Synagoge gegeben. Der Betsaal war mit 56 Sitzplätzen für Frauen und 70 für Männer relativ groß im Vergleich mit anderen Synagogen in Frankfurt. Das Ziegelsteinbauwerk wurde 1914 umgebaut und umfassend renoviert.[28]

Im Erdgeschoss des Gebäudes wurde eine Synagoge, ein Lehrraum und eine hebräische Bibliothek eingerichtet. Zweck der Stiftung war – wie bereits angesprochen – die Einrichtung einer Synagoge und einer jüdischen Lehranstalt zur Förderung jüdischen Religionsunterrichtes. Als besonderes Anliegen der Stiftung galt dabei die unentgeltliche Förderung "unbemittelter jüdischer Kinder[29] " in jüdischer Religion, hebräischer Sprache, aber auch in säkularen Lehrfächern. Das Stiftungsstatut verlangte zudem die tägliche Abhaltung eines Gottesdienstes. Ein weiteres Angebot der Stiftung war eine Art Studium Generale: das "Selbststudium in den Fächern der jüdischen Religionswissenschaft[30] " sollte allen Interessierten jüdischer Herkunft ermöglicht werden. Zur Durchführung des Lehrbetriebes sah das Stiftungsstatut vor, einen Stiftungsrabbiner, sowie einen Vorbeter anzustellen. Die Stiftung fühlte sich dem orthodoxen Judentum verpflichtet.[31]

4. Die Stiftung während der NS-Zeit

"Vor allem aber die Vertreibung jüdischer Bürger und Bürgerinnen lässt sich als Hauptgrund der

Zerstörung des Frankfurter Stiftungswesens (...) zwischen 1933 und 1945 bezeichnen, gründete sich doch ein wesentlicher Teil des hiesigen Mäzenatentums auf den an dem Gemeinwohl orientierten Aktivitäten jüdischer Philanthropen und Philanthropinnen.“[32]

4.1 Das Stiftungswesen bis zu den Novemberpogromen 1938

Die "Gleichschaltung des Stiftungswesens[33] " in Frankfurt trieben die Nazis seit 1933 mit zunehmend barbarischen Verordnungen und schließlich Pogromen voran. Bereits im Jahr der "Machtergreifung" der NSDAP erfolgten staatliche und kommunale Regelungen, die das Wirken der Stiftungen erschwerten. Im November 1933 teilte NSDAP-Oberbürgermeister Friedrich Krebs mit, eine Prüfung der Vermögensverhältnisse aller selbständigen Stiftungen durchführen zu wollen. In diesem Kontext fand eine "überraschende Kasseninspektion sämtlicher Stiftungsabrechnungen und Stiftungsverwaltungen[34] " statt.

Das Steueranpassungsgesetz vom 16.10.1934 bedeutete den Verlust der Steuerfreiheit, die bis dato für Stiftungen gegolten hatte. So schreibt der Historiker Bruno Müller: « Die Arbeit der Stiftungen von und für Juden wurde Schritt für Schritt erschwert, unmöglich gemacht; schließlich wurden sie aufgelöst. Schon 1934 verloren sie die bisherige Steuerfreiheit, mehr als die Hälfte ihrer Erträge musste nunmehr als Abgabe an das Finanzamt gezahlt werden.[35] » Die Erbschaftssteuer für Zahlungen von Jüdinnen und Juden an Stiftungen wurde auf bis zu 50% erhöht.[36] Noch im selben Monat übernahm das Regierungspräsidium Wiesbaden die Oberaufsicht über die Frankfurter Stiftungen und ordnete an, dass jährlich von jeder Stiftung ein Revisionsbericht vorzulegen sei.[37] Das Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935, das im Rahmen der "Nürnberger Rassengesetze" entstand, degradierte Juden zu "Bürger[n] minderen Rechts[38] " und bestimmte, das Juden keine öffentlichen Ämter mehr bekleiden durften. Das Verbot schloss die Betätigung als Vorstandsmitglied in Stiftungen ein.[39]

Im Juni 1938 folgte die Verordnung zur Kennzeichnung jüdischer Unternehmen: alle Stiftungen mit mindestens einem jüdischen Vorstandsmitglied mussten ab diesem Zeitpunkt kenntlich gemacht werden. Eine weitere wichtige Etappe auf dem Weg zur Enteignung der Stiftungen stellte eine Verordnung des Oberbürgermeisters dar, die im Juli 1938 vom Regierungspräsidenten genehmigt wurde.[40] Darin bestimmte Krebs die vollständige Kontrolle der Stadt über die Stiftungen und deren Finanzen, über die Besetzung der Vorstände und weitere Interna: "Der Herr Regierungspräsident hat mir (...) die Aufsichtsführung über sämtliche in Frankfurt a/M. bestehenden Stiftungen und damit das Recht und die Pflicht übertragen, in geeigneter Weise die ordnungsmäßige Besetzung und Geschäftsführung der Stiftungen, als auch die satzungsmäßige und zweckmäßige Verwendung, Verwaltung und Anlage der Stiftungsmittel zu überwachen. (...)[A]lle sonstigen wichtigen Vorgänge im Leben der Stiftung sind sofort (...)mitzuteilen.[41] " Diese erste Phase der Gleichschaltung der jüdischen Stiftungen in Frankfurt endete mit "der Katastrophe vor der Katastrophe[42] ": Von den Novemberpogromen war auch die Klaus-Synagoge betroffen. Die Inneneinrichtung der Synagoge wurde hierbei "durch Brand völlig zerstört und auch das gesamte übrige Gebäude beschädigt[43] ". Gebetsbücher und Kultgegenstände wurde auf die Straße geworfen.[44] Ob Personen bei den Ausschreitungen zu Schaden gekommen sind, ist nicht bekannt. Aus den Akten wissen wir aber, dass mindestens ein Mitglied des Vorstandes – Dr. Josef Saffra im Kontext der Pogrome am 10. und 11. November 1938 in Haft genommen wurde.[45]

Mit den antijüdischen Ausschreitungen und Morden begann die eigentliche staatliche Enteignungspolitik. Die Enteignung der Juden bekam nun eine gesetzliche Grundlage.[46]

4.2 Die Schlüsseljahre 1938 und 1939

In den Jahren 1938 und 1939 beschleunigte und radikalisierte sich die Verfolgung der jüdischen Stiftungen und ihrer Mitglieder in Frankfurt wie im Deutschen Reich. Innerhalb von 12 Monaten – zwischen Dezember 1938 und Dezember 1939 – wurde die Stiftung zwangsenteignet, aufgelöst und schließlich in die "Reichsvereinigung der Juden in Deutschland" eingegliedert. Die Mitglieder des Vorstandes – Karl Mosbacher (Vorsitzender und Kassierer), Leon Hackenbroch, Josef Wolf (Schriftführer), Jakob Wechsler (Hausverwaltung) und Josef Saffra – verließen in diesem Zeitraum NS-Deutschland.[47]

[...]


[1] Auszug aus dem Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt vom April 1933, Verfasst von Dr. Eugen Mayer, in: Kommission zur Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden (Hrsg.), Dokumente zur Geschichte der Frankfurter Juden 1933-1945, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1963, S. 17.

[2] Vgl. Arnsberg, Paul, Die Geschichte der Frankfurter Juden seit der Französischen Revolution, Bd. II, Röther Verlag, Darmstadt 1983, Bd. II: 469 und 481.

[3] Vgl. Burger, Thorsten, Frankfurt am Main als jüdisches Migrationsziel zu Beginn der Frühen Neuzeit. Rechtliche, wirtschaftliche und soziale Bedingungen für das Leben in der Judengasse, Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen, Wiesbaden 2013, S.2.

[4] Ries, Rotraud, Die Mitte des Netzes: Zur zentralen Rolle Frankfurts für die Judenschaft im Reich (16.-18. Jahrhundert), in: Backhaus, Fritz, et al. (Hrsg.), Die Frankfurter Judengasse. Jüdisches Leben in der Frühen Neuzeit, Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 2006, S.120.

[5] Vgl. Arnsberg 1983, Bd. I: 10ff.

[6] Antijüdische Pogrome haben in Frankfurt eine lange Tradition. So etwa der Judenpogrom 1241, der sogenannte Fettmilch-Aufstand 1614 oder die „Hep-Hep-Krawalle“ von 1819.

[7] Vgl. Burger 2013: 2.

[8] Scholem, Gershom, Judaica 2, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1970, S. 18 und 40.

[9] Wobei bei dieser Formulierung die konkrete historische Situation berücksichtigt werden muss und damit die massiven Einschüchterungen und Angriffe auf die israelitische Gemeinde schon zu Beginn der NS-Herrschaft.

[10] Postone, Moishe, Die Logik des Antisemitismus, in: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, 36 (1), 1982, S.13-25 (hier S.46).

[11] Vorwort von Walter Hesselbach, in: Arnsberg 1983, Bd. I: 9.

[12] Vgl. Kingreen, Monica, Gewaltsam verschleppt aus Frankfurt. Die Deportationen der Juden in den Jahren 1941– 1945, in: dies. (Hrsg.), „Nach der Kristallnacht“. Jüdisches Leben und antijüdische Politik in Frankfurt am Main 1938–1945, Campus-Verlag, Frankfurt am Main 1999, S. 357ff.

[13] Der politökonomische Ansatz Postones beruht auf der Warenfetisch-Annahme von Karl Marx. Postone versuchte das Verhältnis von Ideologie und Ökonomie, auf dem der NS-Antisemitismus aufbaut, genauer zu bestimmen (Vgl. Salzborn 2010: 157ff.). Die Antisemitismustheorie von Postone kann hier nur grob angerissen werden.

[14] Postone 1982: 20.

[15] Ebd.: 22.

[16] Ich verwende vorzugsweise den Begriff der „Enteignung“, um der Reproduktion von NS-Jargon in der Gegenwart entgegenzuwirken. Ambivalent ist dieser Sprachgebrauch in dem Sinne, dass die Rede von der ‚Arisierung‘ über den Vorteil verfügt, gesellschaftliche Realität unbeschönigt wiederzugeben.

[17] Bajohr, Frank, 'Arisierung' als gesellschaftlicher Prozess. Verhalten, Strategien und Handlungsspielräume jüdischer Eigentümer und 'arischer' Erwerber, in: Wojak, Irmtrud, "Arisierung" im Nationalsozialismus. Volksgemeinschaft, Raub und Gedächtnis, Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2000, S.15.

[18] Vgl. Kuller, Christiane, Finanzverwaltung und „Arisierung“ in München, in: Baumann, Angelika, München „arisiert“. Entrechtung und Enteignung der Juden in der NS-Zeit, Beck-Verlag, München 2004, S. 176.

[19] Vgl. Arbeitskreis Kritik des deutschen Antisemitismus (Hrsg.), Antisemitismus – die deutsche Normalität. Geschichte und Wirkungsweise des Vernichtungswahns, ça ira Verlag, Freiburg 2001.

[20] Vgl. Postone 1982: 15.

[21] Bajohr, Frank, 'Arisierung' als gesellschaftlicher Prozess. Verhalten, Strategien und Handlungsspielräume jüdischer Eigentümer und 'arischer' Erwerber, in: Wojak, Irmtrud, "Arisierung" im Nationalsozialismus. Volksgemeinschaft, Raub und Gedächtnis, Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2000, S.17; Bajohr gibt zu bedenken, dass die Trennung zwischen Staat und Gesellschaft nicht sinnvoll sei, da die sowohl der Staat, als auch die einzelnen Gesellschaftsmitglieder in den Schuldzusammenhang verstrickt waren.

[22] Vgl. Arnsberg 1983: 28.

[23] Es liegen unterschiedliche Angaben zum Stiftungsvermögen vor. Gall: 156.500 RM; Schembs, Lustiger und Arnsberg: 157.400 RM.

[24] Institut für Stadtgeschichte Frankfurt (IfS), Stiftungsabteilung, Signatur 521, Blatt 11 und IfS, Magistratsakten, Signatur 9.591.

[25] Vgl. Arnsberg 1983, Bd. II: 27; Schembs, Hans-Otto, Jüdische Mäzene und Stifter in Frankfurt am Main, Kramer, Frankfurt am Main 2007, S. 47; Lustiger, Arno (Hrsg.), Jüdische Stiftungen in Frankfurt am Main, Thorbecke, Sigmaringen 1994, S. 234.

[26] Arnsberg 1983, Bd.II: 28.

[27] An anderer Stelle heißt es, die alte Klaus-Synagoge sei "in Verfall geraten"; Vgl. Arnsberg 1983, Bd. II: 28.

[28] Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (HHStAW), Sig. 503, 7359, Blatt 1.

[29] Institut für Stadtgeschichte Frankfurt(IfS), Stiftungsabteilung, Signatur 521, Blatt 11 und IfS, Magistratsakten, Signatur 9.591.

[30] IfS, Stiftungsabteilung, Signatur 521, Blatt 11 und IfS, Magistratsakten, Signatur 9.591.

[31] Ebd.

[32] Wolf, Siegbert, Die Stiftungen der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – damals und heute (III Bd.), Verlag unbekannt, Frankfurt am Main ca. 1988, S.40.

[33] Wolf 1988: 33.

[34] Ebd.: 29.

[35] Müller, Bruno, Stiftungen in Frankfurt am Main. Geschichte und Wirkung, Kramer Verlag, Frankfurt am Main 2006, S. 190.

[36] Ebd.: 190.

[37] Vgl. Wolf 1988: 30.

[38] Bajohr 2000: 22.

[39] Zur umstrittenen Bedeutung der «Nürnberger Gesetze“ für die Enteignung der deutschen Juden, siehe Bajohr 2000: 16.

[40] Wolf 1988: 32f.; sowie: IfS, Stiftungsabteilung, Signatur 521, Blatt 12.

[41] IfS, Stiftungsabteilung, Signatur 521, Blatt 12.

[42] Gross, Raphael, November 1938: Die Katastrophe vor der Katastrophe, Beck-Verlag, München 2013.

[43] HHStAW, Sig. 503, 7359, Bl.1; vgl. auch: Kommission zur Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden (Hrsg.), Dokumente zur Geschichte der Frankfurter Juden 1933-1945, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1963, S. 254; IfS, Gutachterausschuss für Grundstücksbewertung, Signatur 789, Blatt 2 u. 4.

[44] HHStAW, Sig. 518, 1181, Bl. 45.

[45] HHStAW, Sig. 518, 2137, Blatt 3.

[46] Vgl. Bajohr 2000: 17; Kuller 2004: 179; Kramer 2004: 90.

[47] IfS, Stiftungsabteilung, Signatur 521, Blatt 53.

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Details

Titel
Die Zacharias Wertheimber'sche Stiftung in Frankfurt am Main (1933-1939)
Untertitel
Die Auflösung jüdischer Stiftungen im Spiegel der Antisemitismustheorie bei Moishe Postone
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
24
Katalognummer
V418186
ISBN (eBook)
9783668671676
ISBN (Buch)
9783668671683
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zacharias, wertheimber, stiftung, frankfurt, main, auflösung, stiftungen, spiegel, antisemitismustheorie, moishe, postone
Arbeit zitieren
Fedor Besseler (Autor), 2015, Die Zacharias Wertheimber'sche Stiftung in Frankfurt am Main (1933-1939), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418186

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