Sind Hedge-Fund Manager ihr Geld wert?


Bachelorarbeit, 2017

51 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problembehandlung und Relevanz des Themas
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Grundlagen
2.1 Definition eines Hedgefonds
2.2 Hedgefonds vs. Investmentfonds vs. Index Fonds
2.3 Anlagebedingungen und Gebühren eines Hedgefonds
2.4 Regulationen in der Hedgefonds Industrie
2.5 Investment-Strategien von Hedgefonds

3 Performanceanalyse
3.1 Datengrundlage
3.2 Potenzielle Datenverzerrung
3.3 Rendite und Risiko
3.3.1 Methoden zur Messung von Rendite und Risiko
3.3.2 Auswertung von Performancedaten
3.4 Persistenzanalyse

4 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

ANHANG

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Historisches Anlagevolumen der Hedgefonds-Industrie

Abbildung 2: Total Net Assets and Number of ETFs

Abbildung 3: Hurdle Rate, High Watermark-Prinzip

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: HFR Strategy Classification System

Tabelle 2: Eigenschaften von Hedgefonds-Index Anbieter

Tabelle 3: Kategorisierung jährlicher Renditen 1995 bis 2009

Tabelle 4: „Seven-Factor-Model“: Ergebnisse der Performance-Analyse 1994 bis 2012

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problembehandlung und Relevanz des Themas

Die Hedgefonds-Industrie kann inzwischen auf eine lange und ereignisreiche Geschichte aufbauen. Nachdem Alfred Winslow Jones im Jahre 1949 den ersten Hedgefonds gründete, verzeichnete die Industrie stetiges Wachstum. Allein im vergangenen Jahr, zwischen Dezember 2015 und November 2016, stiegen die Anlagevolumen in Hedgefonds um $70 Milliarden auf rund $3,22 Billionen. Ende des Jahres 2016 waren mehr als 5.100 institutionelle Investoren in Hedgefonds investiert. Derartiges Wachstum und Interesse in einer Industrie bringt konsequenterweise fundamentale Veränderungen mit sich. Nicht zuletzt aufgrund von Betrugsfällen, wie im Jahre 2008 der Bankrott der Bernard L. Madoff Investment Securities oder der spektakuläre Fall des Hedgefonds Long-Term Capital Management (LTCM) im Jahr 1998 ließen Kritiker der Industrie eine immer größer werdende Rolle zukommen, sodass stärkere Regulationen folgten.[1] [2] Darunter befindet sich auch der zentrale Kritikpunkt der Effektivität von Hedgefonds. Der Hauptgrund institutioneller Investoren für ein Investment in Hedgefonds ist die Diversifikation. Institutionen investieren einen Großteil ihres Kapitals in traditionelle Anlagevehikel. Durch ein alternatives Investment versprechen sich viele institutionelle Investoren an potentiellen Vorteilen, wie eine geringe Korrelation mit den Märkten, teilzuhaben. Diese Korrelationsvorteile implizieren, dass Hedgefonds ein Beta ungleich eins haben sollten, sodass ihre Performance auf Alpha beruht, also dem Managementprozess selbst zugeschrieben werden kann. Für die Generierung von Alpha lassen sich Hedgefonds-Manager mit Gebühren entlohnen, welche die von traditionellen Investmentfonds weitaus übersteigen. Vor allem im vergangenen Jahr wurde diese Methode stark kritisiert, da Renditen der Hedgefonds-Industrie sehr stark durch die jeweiligen Gebühren geschmälert wurden und branchenweit ihren Erwartungen nicht gerecht werden konnten.[3] Investorenlegende und Langzeitkritiker der Hedgefonds-Industrie Warren Buffett erwähnte kürzlich in dem jährlichen Geschäftsbericht seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway Inc., Hedgefonds würden langfristig nicht übersondern aufgrund der hohen Gebühren unterdurchschnittliche Renditen erzielen. Daher würden Manager höhere Profite erzielen, als ihre Investoren:

“When trillions of dollars are managed by Wall Streeters charging high fees, it will usually be the managers who reap outsized profits, not the clients” [4]

Schon im Jahr 2005 sagte Buffett der Hedgefonds-Industrie schwere Zeiten voraus und eröffnete sogar eine Wette gegen diese.[5] Sein Argument lautet:

“[…] passive investors, will by definition do about average. In aggregate their positions will more or less approximate those of an index fund. Therefore, the balance of the universe—the active investors—must do about average as well. However, these investors will incur far greater costs. So, on balance, their aggregate results after these costs will be worse than those of the passive investors.” [6]

Die vorliegende Arbeit soll prüfen, ob Hedgefonds-Manager durchschnittlich positive Nettorenditen erzielen, welchen Anteil die Gebühren an der Performance haben, in wie weit diese Renditen durch Alpha generiert werden und über welchen Zeitraum sie repliziert werden können.

1.2 Aufbau der Arbeit

Im zweiten Abschnitt der Arbeit werden zu Beginn einige Grundlagen erläutert, um die Hintergründe der Hedgefonds-Industrie nachvollziehen zu können. Zunächst wird definiert, was unter einem Hedgefonds zu verstehen ist. Anschließend werden Hedgefonds mit traditionellen Investmentfonds sowie mit Index-Fonds verglichen, um kritische Unterschiede darzulegen und Gründe der jeweiligen gesetzlichen Behandlung zu identifizieren. Darauf aufbauend werden Anlagebedingungen und Gebühren eines Hedgefonds erläutert. Weiterhin werden verschiedene Arten anfallender Gebühren und Kostenstrukturen von Hedgefonds und von Investmentfonds identifiziert. Im nächsten Unterpunkt wird auf die Entwicklung der Regulation in der Hedgefonds-Industrie eingegangen, um aktuelle Veränderungen der Branche nachvollziehen zu können und um zu verstehen, warum und ob strengere Regularien erforderlich sind. Um einen adäquaten Überblick zu verschaffen, wird im letzten Teil der Grundlagen das breite Spektrum komplexer Hedgefonds-Strategien in Kategorien systematisiert und kurz erläutert.

Im dritten Kapitel der Arbeit wird innerhalb der Performanceanalyse zunächst auf Problembereiche wie die Datenbeschaffung, Datenqualität, potentielle Datenverzerrungen sowie auf die Konstruktion von Hedgefonds-Indizes eingegangen. Im weiteren Verlauf wird die Performance anhand großer Mengen Hedgefonds-Daten in Bezug auf das gewählte, bzw. tatsächliche Risiko gestellt und analysiert. In diesem Abschnitt wird untersucht, inwieweit die These zutrifft, dass Hedgefonds durchschnittlich schlechter performen als der Markt, somit negative Nettorenditen erzielen und kein Alpha generieren. Der anschließende Abschnitt befasst sich mit der Persistenz von Hedgefonds Renditen und versucht die Frage zu beantworten, ob Fondsmanager in der Lage sind, den Markt langfristig zu schlagen. Das dritte Kapitel schließt mit einem Vergleich der Ergebnisse zu traditionellen Investmentfonds.

Das vierte Kapitel beendet die Arbeit mit einem Fazit und einem Ausblick auf weitere Entwicklungen der Hedgefonds-Industrie.

2 Grundlagen

2.1 Definition eines Hedgefonds

Für den Begriff Hedgefonds liegt in der Fachwelt keine eindeutige Definition vor. Der Duden definiert einen Hedgefonds als Investmentfonds mit hochspekulativer Anlagestrategie.[7] Das aus dem englischen stammende Wort „hedge“ wird im Oxford Dictionary als eine Möglichkeit zum Schutz gegen finanzielle Verluste und andere ungünstige Umstände beschrieben.[8] Das Wort „hedge“ wird auch mit dem Wort „absichern“ übersetzt.[9] Es handelt sich um eine Methode, um Risikopositionen zu managen. Jeder involvierte Teilnehmer im Investment Management kann durch seine offenen Positionen zu einem gewissen Grad als spekulativ beschrieben werden. Durch speziell gestaltete Investments können potentiell negative Renditen offener Positionen durch den Fondsmanager ausgeglichen werden. Diese zweite Position wird als „Hedge“ beschrieben. Weiterhin werden Hedgefonds als Anlagevehikel verstanden, welche ausdrücklich absolute und keine relativen Renditen verfolgen. Daher bezeichnet man Hedgefonds allgemein auch als „Absolute Return Funds“[10], welche durch geringe Restriktionen in verschiedene Anlageinstrumente wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Währungen und Derivate investieren. Dabei werden hauptsächlich nicht traditionelle Instrumente wie Leerverkäufe, Leverageeffekte und Arbitrage eingesetzt.[11] [12]

Grundsätzlich werden Hedgefonds als alternative Investments bezeichnet, welche ein Anlageportfolio in einem unsicheren Markt absichern soll, während es simultan positive Renditen erzeugt.[13]

Die Monetary Authority of Singapore (MAS) definiert Hedgefonds wie folgt:

“There are different characteristics and investment strategies that define hedge funds. In general, a hedge fund seeks to deliver an “absolute” return independent of the directional move of equity, fixed income or cash markets. In considering whether a fund falls within these Guidelines, the Authority would look at, among others, the following:

a) Strategies that use leverage, short selling, arbitrage, derivatives; and

b) Investment in non-mainstream asset classes i.e. investments other than listed

equities, bonds and cash.” [14]

Dennoch ist anzumerken, dass sich bei weitem nicht alle Hedgefonds absichern. Einige Strategien fokussieren sich ausschließlich auf das Investieren in Aktien, sogenannte Long Only-Strategien. Andere nutzen Leverageeffekte, welche das Risikolevel ausdrücklich anheben und so den ursprünglichen Sinn eines Hedgefonds nivellieren. Daher ist es wichtig, das zugrundeliegende Risiko der erwarteten Renditen angemessen zu quantifizieren und darzustellen.[15]

2.2 Hedgefonds vs. Investmentfonds vs. Index Fonds

Hedgefonds haben im letzten Jahrzehnt enorm an Popularität gewonnen. Erst im Jahr 2008 endete eine 20 jährige Periode fast kontinuierlicher positiver Renditen und Vermögenswachstums. Im Jahr 1990 verwalteten etwa 530 Hedgefonds ca. $50 Milliarden, während im Jahr 2009 mehr als 8000 Hedgefonds etwa $1,6 Billionen verwalteten.[16] Durch stetiges Wachstum erreichte die Industrie im Jahr 2016 ein Rekordvolumen von $3 Billionen Assets Under Management (AUM).[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Historisches Anlagevolumen der Hedgefonds-Industrie[18]

Trotz des stetigen Wachstums der Industrie und der immer gewöhnlicher werdenden Nutzung von Hedgefonds in den vergangenen Jahren, besteht ein Mangel an Regulation. Obwohl die jeweilige Rechtsform der Hedgefonds Fondsmanagern eine enorme Flexibilität gewährt, macht sie die Messung der Performance schwierig, da Hedgefonds nicht vorgeschrieben ist, ihre Ergebnisse zu berichten.[19]

Um ein besseres Verständnis dieser Industrie zu erhalten, werden Hedgefonds oftmals mit traditionellen Investmentfonds, wie z.B. Publikumsfonds verglichen. Beide Arten von Fonds sind Investments welche sich grundsätzlich durch verschiedene Anlagestrategien sowie Risikobereitschaft unterscheiden. Während Investmentfonds hauptsächlich Long-Positionen mit „Buy-and-Hold“ Strategien in liquiden Vermögenswerten eingehen, wird ihre Performance oft mit einer Benchmark verglichen. Hedgefonds auf der anderen Seite implementieren oft dynamischere Investmentstrategien, welche Long/Short Positionen in illiquiden Vermögenswerten beinhalten.[20] Die Zusammensetzung von Investmentfonds orientiert sich stark an einem Benchmark Index. Das Ziel dieser Fonds ist es, eine höhere Rendite als die Benchmark zu erzielen. Allerdings unterliegen Investmentfonds gewissen Restriktionen, die nur eine bestimmte Abweichung der Zusammensetzung und der Gewichtung der Benchmark Indizes erlauben. Daher wird das Ergebnis bei Investmentfonds relativ zu einer Benchmark und nicht wie bei Hedgefonds als absolut beschrieben.[21] Grundsätzlich sind Hedgefonds Investmentinstrumente für Institutionen mit großen finanziellen Ressourcen sowie für vermögende Privatpersonen, sodass es Kleinanlegern verwehrt ist, direkt in Hedgefonds zu investieren. Daher sind Hedgefonds mit weniger Restriktionen belegt als offene Investmentfonds, welche auch für Kleinanleger und für die Allgemeinheit zur Verfügung stehen.[22]

Eine weitere Möglichkeit in gebündelte Anlageinstrumente zu investieren sind Exchange Traded Funds (ETF). ETFs sind typischerweise Index Fonds, d.h. sie bilden passiv einen zugrundeliegenden Wert ab, wohingegen offene bzw. geschlossene Investmentfonds in erster Linie aktiv verwaltet werden, um die zugrundeliegende Benchmark zu übertreffen. Daraus resultiert zum einen, dass ETFs meist kostengünstiger sind als Investmentfonds. Zum anderen ist der minimal zu investierende Anlagebetrag geringer als für traditionelle Investmentfonds.[23] ETFs erlauben Investoren im Gegensatz zu Investmentfonds oder Hedgefonds einen täglichen Kauf bzw. Verkauf des Instruments.[24] Hedgefonds verhängen oft Auszahlungssperren, sodass Investoren gezwungen sind ihr Geld im Fonds investiert zu lassen bis festgelegte Haltefristen eingehalten wurden. Erst nach Ablauf der Frist kann das investierte Kapital entnommen werden.[25] ETFs gewinnen stetig an Popularität, sodass im Jahr 2015 mit $2,1 Billionen Nettovermögen und 1594 verschiedenen Fonds der bisherige Rekordwert erreich wurde.[26]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Total Net Assets and Number of ETFs[27]

Auf globaler Ebene entwickeln sich verschiedene gebündelte Anlageinstrumente stetig fort. Um die Attraktivität von Hedgefonds als eine dieser Möglichkeiten in Erwägung zu ziehen, werden im Folgenden Anlagebestimmungen sowie die Kostenstrukturen von Hedgefonds erläutert.

2.3 Anlagebedingungen und Gebühren eines Hedgefonds

Grundsätzlich unterscheiden sich Anlagebedingungen für Hedgefonds von Rechtssystem zu Rechtssystem. Die Mindestanlagesumme variiert je nach Fonds, sodass einige Hedgefonds bereits Investments ab $10.000 zulassen. Der internationale Durchschnitt für ein erstes Investment liegt zwischen $250.000 bis $500.000. Ausgewählte etablierte Fonds können weitaus höhere Mindesteinlagen ab $10.000.000 verlangen. Weiterhin obliegen die Möglichkeiten eines Investments oft dem Hedgefondsmanager selbst. Dieser ist oft gewillt, hauptsächlich Kunden anzunehmen, welche die sehr speziellen Bedingungen und riskanten Anlagestrategien akzeptieren und gewillt sind, über die Mindestanlage hinaus zu investieren.[28]

In der Regel bilden institutionelle Investoren, wie Pensionsfonds, staatliche Investmentfonds oder Versicherungen, den Hauptkundenstamm der Hedgefonds-Industrie. Institutionen stellen weltweit 65% des in Hedgefonds investierten Kapitals bereit. Des Weiteren gehen mit dem Investment in Hedgefonds starke Einschränkungen der Möglichkeit frühzeitiger Auszahlung einher. Investoren werden oft verpflichtet ihr Kapital über eine bestimmte Periode investiert zu lassen, bevor Auszahlungen getätigt werden können. Diese Periode wird als „lockup-period“ bezeichnet und kann zwischen wenigen Monaten und mehreren Jahren festgelegt sein. Weiterhin sind Investoren verpflichtet eine Willenserklärung mit der Absicht des Kapitalabzuges binnen einer Frist von 30 bis 90 Tagen abzugeben, bevor ein Investment zurückgezogen werden kann.[29] [30]

Um die Frage beantworten zu können, ob Hedgefonds Manager ihr Geld wert sind, muss zunächst dargelegt werden wie die Kostenstrukturen in einem Hedgefonds aufgebaut sind und welche Rolle sie in Bezug auf das Verhalten der Manager spielen.

Die Gebühren eines Hedgefonds bestehen grundsätzlich aus zwei Elementen. Zum einen wird eine jährliche Management Gebühr von ca. ein bis zwei Prozent des Anlagevolumens berechnet. Das zweite Element ist eine erfolgsabhängige Entschädigung, die „Performance Fee“, welche größtenteils quartalsweise berechnet wird und zwischen 15 und 20 Prozent des erwirtschafteten Gewinns beträgt.[31] Im Vergleich zu Kompensationsverträgen mit CEOs anderer Branchen, gelten für Hedgefonds meist weitere Bedingungen wie die „Hurdle Rate“ oder die „High Watermark“ (HWM). Die Hurdle Rate ist eine speziell definierte Mindestrendite, welche der Manager erreichen muss, bevor ihm erfolgsabhängige Gebühren zustehen. Das High Watermark-Prinzip verhindert, dass Manager Gebühren erhalten, obwohl die aktuelle Performance des Investments unterhalb einer früheren Bestmarke liegt. Wenn der Fonds einen Verlust einbüßen muss nachdem die Rendite zuvor einen neuen Höchststand erreicht hat, werden dem Manager erst wieder Gebühren gewehrt, nachdem dieser Höchststand egalisiert wurde.[32]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Hurdle Rate, High Watermark-Prinzip[33]

Aufgrund der globalen Finanzkrise 2008 hat sich einiges in der Hedgefonds Industrie getan. Seitdem nehmen Regulationen stetig zu, sodass Hedgefonds angefangen haben ihr Risiko und ihre Gewinnorientierung zu verändern. Ein Grund für den Risikoabbau liegt in der potentiellen Erhöhung der Überlebenswahrscheinlichkeit, welche für Hedgefonds im Laufe von Finanzkrisen ausschlaggebend ist. Ein weiterer Grund für sinkendes Risiko sind zu beobachtende Größennachteile von Hedgefonds. Es gilt je größer das Anlagevolumen eines Fonds, desto geringer seine Renditen. Daraus folgt, dass erfolgsabhängige Kompensationen kleiner ausfallen und die jährliche Management Gebühr umso wichtiger wird. Gleichzeitig sind Investoren sensitiv gegenüber vergangener Performance, sodass sie bei fallenden Renditen ihre Investitionen aus dem Fonds abziehen. Dieses Verhalten motiviert Manager von großen Hedgefonds das Risiko wieder zu erhöhen, um das Fondsvolumen aufrecht zu erhalten und nicht auf Kompensationen verzichten zu müssen. Demzufolge entscheiden Manager über das Risikolevel des Portfolios grundsätzlich in Abhängigkeit der zu maximierenden Kompensation.[34]

2.4 Regulationen in der Hedgefonds Industrie

Seit einigen Jahren sind Hedgefonds stetig größeren regulatorischen Veränderungen ausgesetzt. Bis zum Jahr 2008, als die globale Finanzkrise ausbrach, haben sich viele Hedgefonds auf sogenannte Safe-Harbour-Abkommen berufen, um Regulationen zu entkommen. Durch diese Abkommen haben verschiedene Länder wie die USA, Großbritannien und auch die Europäische Union (EU) Hedgefonds die Möglichkeit eröffnet, bestimmte Registrierungsvorschriften zu umgehen und ihnen lockerere Regulierungen zu gewähren. Da Hedgefonds aufgrund ihrer Verschlossenheit für Kleinanleger anders behandelt werden als Investmentfonds, war beispielsweise durch den „Financial Services and Markets Act 2000“[35] in Großbritannien keine Autorisierung der damals verantwortlichen Behörde, der Financial Services Authority (heute Financial Conduct Authority), notwendig. Durch den Investment Company Act of 1940[36] war es auch Hedgefonds in den USA ebenfalls möglich, bestimmte Registrierungen zu vermeiden.[37]

Nach dem Ausbruch der Krise und der Analyse der ausschlaggebenden Gründe wurde beschlossen den regulatorischen Rahmen der Hedgefonds Industrie zu verändern, um das Vertrauen in die Finanzmärkte wieder zu gewinnen. Aufgrund der Tatsache, dass Hedgefonds fast ausschließlich an Institutionen und „High Net-Worth Individuals“, also an vermögende Privatpersonen und nicht an die breite Öffentlichkeit vertrieben werden, sind potentielle Investoren selbst für derartige Investmententscheidungen zuständig. Die Konsequenz ist, dass Hedgefonds typischerweise nicht unter Regulationen für regelmäßige Berichterstattung, Rechnungslegung oder Interessenkonflikten fallen, wie es bei traditionelle Investmentfonds der Fall ist.[38] Allerdings entstand die Diskussion zur Straffung von Finanzmarktregulationen nicht erst durch die Finanzkrise 2008. Die Frage nach dem systematischen Risiko von Hedgefonds wurde bereits im Jahre 1998 diskutiert, als der berühmte Hedgefonds LTCM zusammenbrach und mit ihm einige Banken durch Rettungspakete vor dem Kollaps bewahrt werden mussten. Zu diesem Zeitpunkt befassten sich die Aufsichtsbehörden aber weniger mit der Frage nach dem systematischen Risiko, als mit Bedenken zum Anlegerschutz und zur Offenlegungspflicht von Hedgefonds.

Als dann Ende 2007 der amerikanische Subprime-Hypothekenmarkt zusammenbrach („Subprime Mortgage Crisis“[39] ) und die Finanzkrise folgte, wurden Regulationslücken unter anderem in der Hedgefonds Industrie, dem Kreditmarkt, sowie dem „Over-The-Counter“ (OTC) Markt für Derivate als Quelle direkter oder indirekter systematischer Risiken ausgemacht.[40] [41] Daraufhin begannen Gesetzesgeber und Aufsichtsbehörden Hedgefonds als systematisch relevante Finanzinstitutionen zu betrachten und begannen neue und striktere Regulationen zu implementieren. Als Konsequenz starteten die G20 eine Initiative, um die internationalen Finanzmärkte zu reformieren sowie das globale Wachstum wieder herzustellen. Diese beinhaltet auch eine striktere Regulation von Hedgefonds. Als Ergebnis des Beschlusses erlies die „International Organization of Securities Commission“ (IOSCO) ein Dokument, welches sechs Prinzipien zur Regulation von Hedgefonds beinhaltet.[42] Die IOSCO hat sich damit zum Ziel gesetzt, bestehende Standards und Strukturen zu überarbeiten und so den „Hedge Fund Oversight: Final Report“[43] veröffentlicht. Dieser erläutert und empfiehlt die Implementierung

[...]


[1] Vgl. Franklin R. Edwards (1999)

[2] Vgl. Nicolas P. B. Bollen, Veronika K. Pool (2012)

[3] Vgl. Preqin (2017), Preqin Global Hedge Fund Report. In: preqin.com

[4] Warren Buffett (2017), Letter to Berkshire Hathaway Inc. Shareholders 2016

[5] Vgl. ebd.

[6] Ebd.

[7] Vgl. Duden (2017), Hedgefonds. In: duden.de

[8] Vgl. Oxford Dictionaries (2017), hedge fund. In: en.oxforddictionaries.com

[9] LEO GmbH (2017), hedge. In: dict.leo.org

[10] Vgl. Eurekahedge (2017), Hedgefonds. In: eurekahedge.com

[11] Vgl. ebd.

[12] Vgl. Dr. Cornelia Heldt (2017), Hedge Funds. In: wirtschaftslexikon.gabler.de

[13] Vgl. Hedge Fund Marketing Association (2017), Definition. In: hedgefundmarketing.org

[14] Monetary Authority of Singapore (2002), Guidelines for Retail Hedge Funds. In: mas.gov.sg

[15] Vgl. Eurekahedge (2017), Are all hedge funds hedged? In: eurekahedge.com

[16] Vgl. Roger G. Ibbotson, Peng Chen, Kevin X. Zhu (2011)

[17] Vgl. Barclay Hedge (2017), Hedge Fund Industry - AUM In: barclayhedge.com

[18] Eigene Darstellung (2017), in Anlehnung an Barclay Hedge – Hedge Fund Industry – AUM

[19] Vgl. Roger G. Ibbotson, Peng Chen, Kevin X. Zhu (2011)

[20] Vgl. Vikas Agarwal, Narayan Y. Naik (2005

[21] Vgl. Hedge Fund Marketing Association (2017), Difference Between a Mutual Fund and a Hedge

[22] Vgl. Lloyd Dixon, Noreen Clancy, Krishna B. Kumar (2012)

[23] Vgl. Robert M. Conroy, Alistair Byrne (2015)

[24] Vgl. Investment Company Institute, 2016 Investment Company Fact Book. In: ici.org, S. 58

[25] Vgl. Robert M. Conroy, Alistair Byrne (2015)

[26] Vgl. Investment Company Institute, 2016 Investment Company Fact Book. In: ici.org, S.61

[27] Eigene Darstellung (2017), in Anlehnung an: https://www.ici.org/pdf/2016_factbook.pdf, S.61

[28] Vgl. Eurekahedge (2017), Hedgefonds. In: eurekahedge.com

[29] Vgl. Terri Duhon, George Spentzos, Scott D. Stewart (2015), S 159

[30] Vgl. Preqin (2014), Investing in Hedge Funds: All About Returns?, S. 3-8

[31] Vgl. Roger G. Ibbotson, Peng Chen, Kevin X. Zhu (2011)

[32] Vgl. Vikas Agarwal, Narayan Y. Naik (2009)

[33] Eigene Darstellung (2017), in Anlehnung an: http://finaquant.com/simple-performance-fee-calculation-for-investment-funds/760

[34] Vgl. Chengdong Yin and Xiaoyan Zhang (2017)

[35] Vgl. The National Archives, Financial Services and Markets Act 2000. In: legislation.gov.uk

[36] Vgl. United States Securities and Exchange Commission (2012)

[37] Vgl. Eun Jip Kim (2014)

[38] Vgl. ebd. (2014)

[39] Vgl. John V. Duca (2013), Subprime Mortgage Crisis. In: federalreservehistory.org

[40] Vgl. IOSCO (2011), Mitigating Systemic Risk. In: iosco.org, S. 3 – 26

[41] Vgl. Kate Kelly, Serena Ng, David Reilly (2007), Two Big Funds Face Shutdown. In: wsj.com

[42] Vgl. IOSCO (2009), Principles for Hedge Fund Regulation. In: iosco.org

[43] Vgl. dass., Hedge Funds Oversight. In: iosco.org

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Sind Hedge-Fund Manager ihr Geld wert?
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,7
Jahr
2017
Seiten
51
Katalognummer
V418220
ISBN (eBook)
9783668675285
ISBN (Buch)
9783668675292
Dateigröße
1525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hedgefonds, Investmentfonds, Investment, Hedgefonds Manager, Finance, Banking
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Sind Hedge-Fund Manager ihr Geld wert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418220

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