Die wachsende Bedeutsamkeit der Geragogik in der Sozialen Arbeit. Entwicklung der Altenbildung von 1945 bis heute


Hausarbeit, 2016

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung.

2 Begriffliche Klärungen.
2.1 Geragogik und ihr Gegenstandsbereich
2.2 Erwachsenenlemen
2.3 Lernen und Bildung in Bezug auf die Soziale Arbeit.
2.4 Bildung- ein Synonym für was? .
2.5 Bildung im Alter - Altenbildung und Soziale Arbeit

3 Historische Entwicklung der Altenbildung und der Geragogik in der BRD nach 1945

4 Geragogische Handlungsfelder in der Sozialen Arbeit seit 1945.

5 Derzeitiger Anteil der geragogischen Inhalte und Module der Geragogik im
Studiengang Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule NRW.

6 Weiterbildung zur Sozialgeragogin/ zum Sozialgeragogen - eine Perspektive

7 Fazit.

8 Literatur und Quellenverzeichnis.

1 Einleitung

״Geist ist nicht eine späte Blüte am Baume Mensch, sondern er ist das,

was den Menschen als solchen konstituiert."

(Martin Buber)

Mein Interesse für die noch junge Wissenschaft Geragogik, wurde in einer Vorlesung geweckt. Mir ist im Laufe des Studiums aufgefallen, dass die Arbeit mit Alten oder alternden Menschen in der Sozialen Arbeit, noch weitesgehend unbeachtet bleibt. Nur wenigen Studenten/Innen der Sozialen Arbeit ist bewusst, dass dies ein Handlungsfeld der Zukunft sein wird. Ich möchte mit dieser Arbeit die Bedeutung, der Altenbildung, in der Sozialen Arbeit herausarbeiten. Längst basiert unsere Arbeit nicht mehr ausschließlich auf der Arbeit mit Kindern, - Jugendlichen - oder Suchtkranken , um nur einige Handlungsfelder zu nennen.

Der Bereich der Erwachsenenbildung oder Altenbildung wird auch für den Sozialarbeiter ein Handlungsfeld der Zukunft sein. Gerade deshalb ist dies für mich ein Anlass gewesen, mich mit diesem Thema näher auseinanderzusetzen. Erfahrungen in der Arbeit mit alten und alternden Menschen, konnte ich während eines Praktikums, in einer Tagesstrukturierenden Einrichtung für Demenzerkrankte, sammeln. Die eigene Auseinandersetzung, wie ich in Zukunft leben möchte, brachte ebenfalls einige Erkenntnisse hervor und bestärkte mich darin, zu recherchieren. Ich möchte in dieser Arbeit, insbesondere die Bedeutung der Geragogik für die Soziale Arbeit, herausarbeiten.

Der gesellschaftliche Wandel und insbesondere die Entwicklung der Altenbildung nach dem zweiten Weltkrieg, wird ein wichtiger Teil dieser Arbeit sein. Nur dadurch ist es möglich die Bedeutung der Gerogik darzustellen. Ich werde zu Beginn der Arbeit die wichtigsten Begriffe, die im Zuge dieser Zeit entstanden sind, differenziert erklären. Im Anschluss daran werde ich wie schon angemerkt, auf die Entwicklung der Altenbildung im geschichtlichen eingehen um dann gesondert auf die Handlungsfelder der Geragogik einzugehen. Der derzeitige Anteil der geragogischen Inhalte und Module der Geragogik, im Studiengang der Sozialen Arbeit, an der Katholischen Hochschule NRW interessiert mich im speziellen und auch diese von mir recherchierten Ergebnisse werde ich beleuchten. Es entstand eine neue Weiterbildungsmöglichkeit an der Katholischen Hochschule NRW, - die Weiterbildung zum Sozialgeragogen. Ich sehe es als sehr sinnvoll dies hier, wenn auch nur kurz, anzubringen, um dann zum Abschluss der Arbeit zu kommen. In dieser Arbeit werde ich mich nicht mit dem derzeitigen Zustand von Ost- und Westdeutschland, wie ich zu Beginn geplant hatte, auseinandersetzen. Damit könnte ich den Rahmen dieser Hausarbeit nicht einhalten.

Trotz der Tatsache, dass die Wissenschaft der Geragogik, eine noch sehr junge ist, fand ich genügend Literatur um diese Hausarbeit, mit dem von mir ausgewählten Thema zu füllen. Besonders tiefe Einblicke in die Geragogik erhielt ich durch die Autoren : Hubert Klingenberger, Jürgen Wingchen, Elisabeth Bubolz-Lutz, Eva Gösken, Cornelia Kircheldorff, Renate Schramek, Cornelia Schweppe, Rolf Arnold, Frank Bromanius. Ralph-Christian Amthor, Werner Thole, Hans-Uwe Otto, Hans Thiersch, Cornelia Schweppe, um nur ein Paar wenige zu nennen.

2 Begriffliche Klärungen

Die Begriffe die Wissenschaftler anwenden, wenn es sich um das Thema ״Bildung und Alter" handelt , sind sehr unterschiedlich. Es ist im Großen und Ganzen abhängig von der Herkunftsdisziplin. Die unterschiedlichen Definitionen die zum Thema ״Bildung und Alter", im Laufe der letzten Jahrzehnte entstanden sind, machen deutlich wie wichtig es wäre einen begrifflichen Konsens zu finden. Die differenzierte Anwendung der Begrifflichkeiten, innerhalb der Disziplinen, macht eine gemeinsame Zusammenarbeit der unterschiedlichen Disziplinen schwieriger, wenn keine gemeinsame Sprache gefunden wird. (vgl. Bubolz-Lutz 2010:11). Deshalb ist es erforderlich kurz die wichtigsten Begriffe zu erläutern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1 Geragogik und ihr Gegenstandsbereich

״Als Geragogik wird eine wissenschaftliche Disziplin bezeichnet, die sich am Leitbild von Menschenwürde und Partizipation im Alter orientiert, Bildungsprozesse in der zweiten Lebenshälfte erforscht, Bildungskonzepte mit Älteren und für das Alter entwickelt und erprobt und diese in die Aus-, und Weiterbildung für die Arbeit mit Älteren einbringt" ( Bubolz-Lutz 2010: s. 14). Der Begriff Geragogik wurde das erste mal im Jahre 1965 von H.G. Petzold genannt und im Jahre 1971 von Mieskes, als ״Pädagogik des alternden und alten Menschen" definiert.

Die Wissenschaft der Geragogik hat sich zur Aufgabe gemacht, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden. Der Austausch zwischen Wissenschaftlern und Alternden und alten Menschen ist zwingend erforderlich. Geragogik richtet Lernprozesse ״von/mit/für Ältere" aus (Vgl. Steinfort-Diedenhofen, 2014: S.2). Dies bedeutet, dass Menschen die sich mit den Fragen des Alterns auseinandersetzen und in diesem Bereich forschen und arbeiten, auch die Anforderungen, Bedürfnisse und Wünsche , welche die Alternden Menschen mitbringen, miteinander verknüpfen müssen, um ״...zur Entwicklung einer Gesellschaft des langen Lebens< beizutragen"( Bubolz-Lutz 2010: S.13).

Dies beinhaltet auch , dass die Betroffenen Alternden partizipieren, weil sie aktiver Teil der Forschung und Weiterentwicklung der noch jungen Disziplin sind. Nur Hand in Hand funktioniert die Weiterentwicklung geragogischer, wissenschaftlicher Erkenntnisse und didaktischer Vorgehensweisen.

Geragogen Stehen älteren und alternden Menschen begleitend zur Seite, die Menschen selbst, sind aber eigene Gestalter ihres Weges. Dies bedeutet, dass die Geragogen sie auf dem Weg des dritten und vierten Lern-, und Lebensalters unterstützen, und helfen die vorhandenen Ressourcen der Einzelnen zu erkennen und zu aktivieren. Die Geragogik arbeitet, genau wie die Soziale Arbeit, interdisziplinär. Teildisziplinen der Geragogik sind folgende: Erziehungswissenschaften, Psychologie, Soziologie, Gerontologie, Soziale Arbeit(Vgl. Steinfort-Diedenhofen, 2014: s.2).

Aufgrund der Selektion in unserer Leistungsgesellschaft, werden den Älteren und Alternden die eigenen Potenziale, wenn sie weniger körperlich oder geistig fit scheinen, oder auf dem Arbeitsmarkt weniger produktiv sind, abgesprochen. Somit verlieren viele Ältere das Selbstvertrauen und die eigene Empfindung für die eigene Wertigkeit (Vgl. Bubolz- Lutz, 2010: s.12-13). Somit müssen sie sich neuen Aufgaben und Herausforderungen stellen, die das Alter mit sich bringen. Der Umgang mit dem Alter an sich , mit der eintretenden Gebrechlichkeit oder dem Verlust liebgewonnener Menschen. Aber auch die Geburt von Enkelkindern oder eine neue Wohnsituation können neue Herausforderungen darstellen. Dieser Lernprozess kann geragogisch, sozialarbeiterisch, begleitet werden. Es gibt unterschiedliche Konzepte um Menschen in neuen Lernprozessen im Alter zu begleiten. Mehrgenerationen Wohnen, oder intra-, und interergenerationelles Lernen und die Erschaffung informeller Lernorte können solche Konzepte sein, um hier nur ein paar wenige zu nennen. Anhhand der folgenden Grafik sind die wesentlichen Inhalte der Geragogik dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Erwachsenenlemen

״Bildung beginnt mit der Geburt" (Vgl. Julia Steinfort-Diedenhofen, 2014), was nicht bedeutet, der Prozess der Bildung wäre irgendwann abgeschlossen. Er endet mit dem Tod. Erwachsenenlernen ist ein lebenslanger Lernprozess, welcher essentielle persönliche Entwicklungen genauso einfasst, wie komplizierte Wissensaneignung. Erwachsenenlernen geht vom Individuum selbst aus , was bedeutet, dass der Erwachsenene aus sich heraus einen Grund oder Wunsch hat etwas zu Lernen,- intrinsische Motivation ist der Antrieb des Erwachsenen sich weiterzuentwickeln. Lernen zeichnet sich hier als Veränderungsprozess des Individuums aus. Etwas neues dazugewinnen, neues Wissen oder Handlungsmöglichkeiten, eine Verhaltensänderung erarbeiten oder ähnliches. Dies, kann, muss aber nicht immer im formellen Rahmen mit einem qualifizierten Abschluss geschehen. Es kann auch einfach eine Aneignung von neuen handwerklichen Fähigkeiten sein. ״Lernprozesse sind die Grundlage von Bildung" (Vgl. Bubolz-Lutz, 2010: s.20-21). Erwachsenenlernen ist also keineswegs an Institutionen gebunden es ist eine ״...Suchbewegung im Sinne reflexiver Selbstklärung, Orientierung und Selbstvergewisserung" (Vgl. Bubolz-Lutz, 2010: s. 21).

2.3 Lernen und Bildung in Bezug auf die Soziale Arbeit

Bis heute bilden die Bedingungen und Herausforderungen der Gesellschaft an den Einzelnen, die Anforderungen an die Soziale Arbeit. Längst ist der Bereich der Bildung nicht mehr nur Aufgabe der Lehrer/Innen, er nimmt an Bedeutung in der Sozialen Arbeit erheblich zu. So können wir in der Arbeit mit alternden Menschen einen deutlichen Bedarfzuwachs erkennen, was auch im Bildungspolitischen Kontext angekommen ist. Aber auch im schulischen Bereich ist die Nachfrage und der Bedarf im Laufe der letzten Jahrzehnte deutlich gewachsen. Lehrerinnen können den Bildungsauftrag allein nicht mehr erfüllen. Familien müssen Aufgrund der gesellschaftlichen Anforderungen in Vollzeit Arbeiten und die Erziehung der Kinder wird vermehrt in die Hände der Institutionen gegeben. Und dies bereits im Kleinkindalter. Dies hat zur Folge, dass die Anforderungen an das Lehrpersonal, und Pädagogen jeglicher Bereiche , zunehmen und der Bedarf an pädagogischen Fachkräfte stetig wächst. Pädagogen haben zur Aufgabe einen Großteil der erzieherischen Arbeit, welche die Eltern Aufgrund der beruflichen Situation nicht ausreichend leisten können, zu übernehmen. Lehrer beispielsweise sind aber nicht ausreichend pädagogisch, beziehungsweise Sozialpädagogisch/Sozialarbeiterisch ausgebildet um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Die Klassengrößen mit bis zu mehr als 30 Kindern, macht die einzelne Betreuung und Begleitung der Kinder, je nach individuellem Bedarf, sehr schwer. An erster Stelle steht das Vermitteln und prüfen von Wissen, nicht aber die Begleitung der Schüler und Kinder im erzieherischen Kontext, zumindest nicht in diesem Ausmaß und nicht im Sozialpädagogischen/Sozialarbeiterischen Sinne. Hier greift die Schulsozialarbeit, sie arbeitet eng mit den Lehrern zusammen, um den Herausforderungen von Familie, Schule, und Sozialem, gerecht zu werden. Bis heute ist ein Mangel an Sozialpädagogen/Sozialarbeitern in diesen Bereichen festzustellen.

Weder die Lehrer noch die derzeitig angestellten Schulsozialarbeiter können den Bildungsauftrag ausreichend und befriedigend erfüllen. ״Bildung ist mehr als Schule" und ״Schule ist mehr als Bildung" (vgl. Treptow, 2006 in: S.49 ff). Wie schon in Kapitel 2.2 erläutert nimmt auch die Bedeutung der Alten,- und Erwachsenenbildung weiter zu. Deshalb wird nicht nur der Schulische Bereich für die Sozialarbeiter ein wichtiges Handlungsfeld bleiben, es wird auch nötig sein die Altenbildung und die Erwachsenenbildung mehr als Handlunsgfeld der Zukunft für die Soziale Arbeit ins Bewusstsein der Studenteninnen zu rufen.

2.4 Bildung- ein Synonym für was?

״Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn man das, was man gelernt hat, vergessen hat." (Burrus F. Skinner)

Bildung ist also ein Lebenslanger Prozess, welcher bereits mit der Geburt beginnt. Bildung findet in jedem Menschen statt und ist der Prozess der Entwicklung des eigenen Ich's, der eigenen Persönlichkeit. Sobald wir beginnen uns mit der Welt auseinanderzusetzen beginnt der Bildungsprozess. Wir entwickeln unser Selbst indem wir uns an unsere Umwelt anpassen und lernen Zusammenhänge herzustellen, uns abzugrenzen oder anzupassen. Bildung trägt dazu bei das wir uns in der Welt zurechtfinden. Keineswegs ist dieser Prozess nur auf unseren Intellekt zu beschränken. ״Bildung ist sogesehen immer ein Prozess, der sich im Gegensatz zur Erziehungam Menschen selbst vollzieht." ( vgl.Altenthan u.a. 2008: S.93). Im Laufe unseres Lebens entwickeln wir unsere angeborenen Selbstbildungspotenziale, die von großer Bedeutung für den gesamten Lernprozess im Laufe unseres Lebens sind. Menschen, welche ausreichend Selbstbildungspotenziale entwickeln sind eher fähig aus sich heraus zu lernen,- neues zu lernen. Sogenannte Selbstbildungspotenziale können mit Hilfe von ״Erziehung" gefördert werden. So ist die Fähigkeit zu Lernen eine Voraussetzung um sich zu Bilden. Bildung kann hier also als Lebenslanger Prozess beschrieben werden, und bedeutet wörtlich übersetzt ״im Bilde sein" (Altenthan u.a. 2008: S.92). Der Bilduungsprozess beinhaltet sowohl das Lernen als auch die Erziehung. Beides zuammen macht den Bildungsprozess erst möglich. So ist es zum Beispiel notwendig durch das Erlernen von ״kulturellen Lebensweisen" das soziale Miteinander zu erlernen, um seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Diese Vorgänge zu ermöglichen bedarf es der Erziehung, der Sozialisierung. Wir werden in Familien geboren, dies ist die erste Soizialisationsinstanz unseres Lebens , hier werden wir geprägt und die ersten Eindrücke bilden sich.

[...]

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Details

Titel
Die wachsende Bedeutsamkeit der Geragogik in der Sozialen Arbeit. Entwicklung der Altenbildung von 1945 bis heute
Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V418309
ISBN (eBook)
9783668673953
ISBN (Buch)
9783668673960
Dateigröße
1505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutsamkeit, geragogik, entwicklung, altenbildung, Soziale Arbeit, Sozialarbeit, Gerontologie, Bildung im Alter, Mehrgenerationen
Arbeit zitieren
Mandy Singler (Autor), 2016, Die wachsende Bedeutsamkeit der Geragogik in der Sozialen Arbeit. Entwicklung der Altenbildung von 1945 bis heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418309

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