Die Ästhetik des Outer Space. Auswirkungen der Space-Art Darstellungen auf die Gesellschaft


Hausarbeit, 2018
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Space- Art

3. Entwicklung der Space Art
3.1 Vorläufer Weltraumdarstellungen
3.2. Frühe Space-Art in den 1930/ 1940er Jahren
3.3. Space-Art in den 1950/ 1960er Jahren
3.4 Technisierung der Space-Art
3.5. Lunar-Orbiter-Missionen

4. Bildinterpretation “Space Ship Refueling in Free Orbit”

5. Adaption der Space-Art auf den Film

6. Auswirkungen auf die Gesellschaft

7. Wirkungsweise der Space-Art

8. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im 20. Jahrhundert kam ein Kunstgenre auf, welches kunsthistorisch nie kanonisiert wurde und heute nur noch Liebhabern und Spezialisten bekannt ist. In den 1950er und 1960er Jahren, dem sogenannten Space Age, war diese Kunst jedoch äußerst populär. Das angesprochene Genre wird als Space-Art bezeichnet und rückt Weltraumszenerien in den Fokus.[1]Aus der Popularität der Space-Art im Space Age lässt sich die Frage ableiten, wie sich die Space-Art auf die Gesellschaft dieser Zeit ausgewirkt hat. In diesem Zusammenhang sollen die Subfragen geklärt werden, wie sich die Space-Art auf die Weltraumvorstellungen der Gesellschaft niederschlugen und welche Auswirkung die Space Art auf die Raumfahrtprogramme der NASA hatte. Die vorliegende Seminararbeit betrachtet die Zeitspanne bis Ende der 1960er Jahren. Die Einflüsse der Weltraumeffekte spiegelten sich nebst der Malerei auch in der Architektur und in verschiedenen Produktdesigns wieder. Allerdings soll lediglich die Space-Art im Zentrum des Interesses stehen.

Um sich der Klärung der Leitfrage annähern zu können, sollte zunächst geklärt werden, was unter Space-Art überhaupt verstanden wird. Um die Auswirkungen der Space-Art auf die Gesellschaft herauszuarbeiten, ist es unumgänglich die Traditionslinie der Space-Art zu kennen und zu wissen, wie diese sich im Zeitverlauf fortentwickelt hat. Darüber hinaus soll aufgezeigt werden, über welche Kanäle die Space-Art auf die Gesellschaft eingewirkt hat und letztendlich auch in welcher Art und Weise das geschehen ist. In einem abschließenden Kapitel soll beleuchtet werden, über welche stilistische Elemente die Space Art die beschriebene Auswirkung verwirklichen konnte.

2. Definition Space- Art

Bei der Space-Art handelt es sich um ein kunsthistorisch schwer zu kategorisierendes Genre, welches ab den 1930 Jahre aufkam.[2]Das Space-Art Genre rückt dabei Weltraumszenerien in den Fokus künstlerischer Darstellungen.[3]Demnach können ihm Bezüge zur Astronomie und Weltraumfahrt, Kunst und Wissenschaft zugeschrieben werden. Die Space-Art- Maler nähern sich über künstlerische Mitteln der Thematik des Weltraums an und beziehen sich in ihrem Wirken dabei auf technologische und astronomische Themen.[4]

3. Entwicklung der Space Art

3.1 Vorläufer Weltraumdarstellungen

Die Ursprünge der Weltraummalerei liegen bereits im 14. Jahrhundert. Schon Kopernikus, Kepler und Galilei hatten versucht den Weltraum graphisch festzuhalten.[5]Abb. 1 zeigt beispielsweise eine Monddarstellung von Galileo Galilei aus dem Jahr 1610.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Mondzeichnungen, Galileo Galilei, Sidereus Nuncius, 1610[6]

Solchen Monddarstellungen konnte zweifelsfrei entnommen werden, dass die Bilder auf der Erde entstanden sind.[7]Das Ziel bestand darin Teile des Weltraums, die mithilfe eines Fernrohrs erkannt werden konnten, so realistisch und detailliert als möglich festzuhalten.[8]Ab dem 19. Jahrhundert änderte sich die Perspektive. Die Maler konstruierten ihre Bilder so, als würden sie sich selbst im Weltraum befinden. Darüber hinaus rückte die optische Ästhetik dieser Darstellungen in den Mittelpunkt.[9]Als Begründer der ästhetischen und zugleich realistischen Weltraumdarstellungen kann Émile Bayard angesehen werden, welcher dem Populärwissenschaftler und Raketenfanatiker Flammarion seine Werke illustriert hat.[10]Neben Weltraumlandschaften stellte Bayard auch erstmals Weltraumgefährte dar, wie Abb. 2 entnommen werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Émile Bayard, Autor de la Lune, 1870[11]

Bereits in dieser frühen Darstellung wird der Narrativ des Romantizismus sichtbar. Trotz der romantisierenden Darstellung der Sterne ist der Mond aus galileischer Sicht realistisch in das Bild integriert.[12]

3.2. Frühe Space-Art in den 1930/ 1940er Jahren

Wie erwähnt wurde die Space-Art ab den 1930er Jahren begründet. In Anbetracht der im 2. Kapitel gegebenen Definition stellt sich nun aber zwangsläufig die Frage, worin die Weltraumdarstellungen von Bayard sich von der Space-Art unterscheiden. Der Space-Art Chronist Ron Miller sieht den Unterschied darin, dass nun wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über das Weltall zur Bildkonstruktion genutzt und realistische Behelfsmittel eingesetzt wurden, um jenen Ort zu erreichen, der abgebildet werden sollte.[13]Diese Abgrenzung stellt sich allerdings als äußerst schwammig heraus, da sich Bayard ebenfalls auf wissenschaftliche Erkenntnisse stütze und die Behelfsmittel, von welchen Ron Miller sprach lediglich mathematisch konstruiert waren. Die Basis der Space-Art stellten somit immer noch aus der Populärwissenschaft und -kultur stammende und dort etablierte Raumfahrtsvisionen dar.[14]Auffällig ist jedoch, dass es sich bei den Space-Art Darstellungen nicht mehr um bloße Illustrationen populärwissenschaftlicher Werke handelte, sondern die Darstellungen zum Inhalt selbst wurden. So wurden diese von nun an als Gemälde gehandelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Lucien Rudaux, Buchseite, 1937[15]

Als eine der ersten Künstler der Space-Art Bewegung gilt der Maler Lucien Rudaux.[16]Er wurde von der Faszination getrieben, wie der Mond sich einem darstellen würde, wenn man ihm tatsächlich einen Besuch abstattet. Rudaux orientierte sich dabei an seiner Überzeugung, dass die Oberfläche des Mondes grundsätzlich jener der Erde ähnelte und so Rückschlüsse von der irdischen Topographie auf das Erscheinungsbild des Mondes gezogen werden können.[17]Auf Abb. 3 lässt sich Rudaux‘s Vorgehen gut erkennen.

Auf dem oberen Bild ist eine raue irdische Alpenlandschaft zu erkennen, welche Rudaux anschließend in eine Mondlandschaft umwandelt. Die einzige kleine Modifikation, welche allerdings einen großen Effekt auslöst, besteht in der Farbgebung des Raumes, welche die Felsformation umgibt. Durch einen recht simplen Eingriff erzeugt Rudaux somit eine Atmosphäre, welchem es dem Betrachter erlaubt die lokale Zuweisung zu hinterfragen, denn allein durch das Einfügen des Sternenhimmels wird der Eindruck erweckt, man befände sich auf einem fremden Planten.[18]Diese Herangehensweise zieht sich durch nahezu alle Bilder von Rudaux. Angeregt durch irdische Topographien schafft er fantastische Ansichten der Mondoberfläche. Darüber hinaus nutzt Rudaux die zu dieser Zeit aufkommende Idee der Weltraumrakete, um neue Einsichten zu eröffnen.[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4 Lucien Rudaux, Gemälde, 1937[20]

Abb. 4 zeigt beispielsweise welche Ansicht sich einem Astronauten darstellt, wenn er auf den Mars Anflug nehmen würde.[21]Rudaux bildet den Weltraum damit so ab, als wäre er mittlerweile erreichbar.

3.3. Space-Art in den 1950/ 1960er Jahren

Durch seine Positionierung zwischen Kunst, Technik und Astronomie kommt der Space- Art, insbesondere im Space-Age, eine für die Entwicklung der Weltraumfahrt belegbare Relevanz zu.[22]In dieser Episode ist eine Form des Weltraumenthusiasmus entstanden, der auch künstlerisch zu begründen ist.[23]In den 1950/ 1960er Jahren wurde die Space-Art entscheidend durch Chesley Bonestell geprägt.[24]Bonestell erschuf den überwiegenden Teil seiner Space- Art Gemälde bereits in den 1940er Jahren, allerdings rechnet man seine Kunst ehr den 1950/1960er Jahren zu, da seine Space-Art in dieser Zeit enorm großen Anklang fand und populär wurde.[25]Die Publikation des Werkes „The Conquest of the Space“ von Chesley Bonestell und des Raketenforschers Willy Ley im Jahr 1949 kann als Initiationsmoment für die Entwicklung der Space-Art Bewegung angesehen werden. Dadurch wurden Space-Art Gemälde und technisch-realistische Weltraumdarstellungen, erstmals in umfassender Art und Weise in der US-amerikanischer Bevölkerung populär.[26]Die Bedeutsamkeit von „The Conquest of the Space“ ist auch für die Geschichtsentwicklung der Weltraumfahrtprogramme nicht zu unterschätzen, da sich dadurch in der grundsätzlich ehr skeptisch eingestellten US-amerikanischen Bevölkerung erstmals ein „Can-do“- Optimismus zu verbreiten begann.[27]Das kann auch durch die eigentümliche Suggestivkraft, welche Bonestells Bilder entwickelten, begründet werden.[28]Die Malereien Bonestells stellten sich allerdings nicht als so revolutionär dar, wie er selbst verlauten mochte. Vergleicht man Bonestells Bilder mit den Bilder Raudaux, werden keine allzu großen Unterschiede sichtbar. Das wird deutlich, wenn man Abb.5 und Abb.6. miteinander vergleicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 Chesley Bonestell[29], Abb. 6 Lucien Rudaux, Buchseite, 1937[30]

Saturn seen from titan, Life,1944

[...]


[1]Vgl. Schmid, Heiko: Metaphysische Maschinen. Technoimaginative Entwicklungen und ihre Geschichte in Kunst und Kultur. Bielefeld 2016, S. 81.

[2]Vgl. Miller, Ron: History of Space Art, in: Hartmann, William K u. a. (Hgg.): In The Stream of Stars. The Soviet/ American Space Art Book, New York 1990, S. 24-42, S. 24.

[3]Vgl. Schmid, Metaphysische Maschinen, S. 81.

[4]Vgl. Miller, History of Space Art, S. 24.

[5]Vgl. Schmid, Metaphysische Maschinen, S. 92.

[6]Entnommen aus: Hamel, Jürgen. Mythos Galilei. Die ersten Fernrohrbeobachtungen und ihre Folgen, in: Physik in unserer Zeit, 40(2009), S. 230-235, S. 230.

[7]Vgl. Schmid, Metaphysische Maschinen, S. 92.

[8]Vgl. Hamel, Mythos Galilei, S. 230.

[9]Vgl. Schmid, Metaphysische Maschinen, S.92.

[10]Vgl. Miller, Ron: The Spaceship as Icon: Designs from Verne to the Early 1950s, in: Ordway, Frederick I.; Liebermann, Randy (Hgg.): Blueprint for Space. Science-Fiction to Science Fact, Washington- London 1992, S. 49- 68, S. 51.

[11]Entnommen aus: Schmid, Metaphysische Maschinen, S. 95.

[12]Vgl. Ebd., S.94.

[13]Vgl. Miller, History of Space Art, S. 24.

[14]Vgl. Schmid, Metaphysische Maschinen, S. 111.

[15]Entnommen aus: Ebd., S. 102.

[16]Vgl. Miller, History of Space Art, S. 24f.

[17]Vgl. Schmid, Metaphysische Maschinen, S. 103.

[18]Vgl. Ebd., S. 104.

[19]Vgl. Ebd.

[20]Entnommen aus: Ebd., S. 110.

[21]Vgl. Ebd.

[22]Vgl. Ebd, S. 82.

[23]Vgl. Adamowsky, Natascha: Das Wunder in der Moderne. Eine andere Kulturgeschichte des Fliegens, München 2010, S. 105

[24]Vgl. Schmid, Metaphysische Maschinen, S. 113.

[25]Vgl. Ley, Willy; Bonestell, Chesley: Die Eroberung des Weltalls. Das moderne astronomische Weltbild jedem verständlich. Übersetzt von Franz Neher, Stuttgart 1952.S. 10; Schmid, Metaphysische Maschinen, S. 116ff.

[26]Vgl. Schmid, Metaphysische Maschinen, S. 117.

[27]Vgl. Benjamin, Marina: Rocket dreams. How the space age shaped our vision of a world beyond. New York 2003, S. 38f.

[28]Vgl. Schmid, Metaphysische Maschinen, S. 113.

[29]Entnommen aus: Ley; Bonestell Die Eroberung des Weltalls, S. 34.

[30]Entnommen aus: Schmid, Metaphysische Maschinen, S. 102.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Ästhetik des Outer Space. Auswirkungen der Space-Art Darstellungen auf die Gesellschaft
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Proseminar Neuste Geschichte
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V418314
ISBN (eBook)
9783668673281
ISBN (Buch)
9783668673298
Dateigröße
1527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Space-Art, Weltraumkunst, Weltraumdarstellungen, Weltraumbilder, Outer Space, Chesley Bonestell, Weltraumvorstellung, Weltraumimmagination, Space Age
Arbeit zitieren
Anna Wild (Autor), 2018, Die Ästhetik des Outer Space. Auswirkungen der Space-Art Darstellungen auf die Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418314

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