Risikoraum Megacity. Lloyd’s City Risk Index 2015 - 2025


Hausarbeit, 2017

32 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Grundlagen der geographischen Risikoforschung
2.1.1 Der Risikobegriff
2.1.2 Perspektiven der Risikoforschung
2.1.3. Vulnerabilitäten und Resilienzen
2.2 Megacities als globale Risikoräume

3. Analyse von Risikoexpositionen
3.1 Lloyd’s City Risk Index 2015 - 2025
3.2 Methodisches Vorgehen - Beschreibung der Stichprobe
3.3 Ergebnisse nach Risikotypus (threat)
3.4 Ergebnisse nach Stadt (location)

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungen - Top-20-Rankings nach Katastrophe

Abbildungen - GDP@risk nach Stadt

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Doppelstruktur von Verwundbarkeit nach BOHLE (2007:20)

Abbildung 2 - 301 Städte des City Risk Index

Abbildung 3 - Beispielermittlung des Risikos "Terrorismus"

Abbildung 4 - Beispielermittlung Risiko für New York

Abbildung 5 - Schadenssumme nach Katastrophenszenario

Abbildung 6 - Top-20 Ranking "Natural threats & "Manmade threats"

Abbildung 7 - Top-20-Ranking „ ll threats“

Abbildung 8 - Top-20-Ranking Marktzusammenbruch

Abbildung 9 - Top-20-Ranking Epidemie

Abbildung 10 - Top-20-Ranking Sturm

Abbildung 11 - Top-20-Ranking Erdbeben

Abbildung 12 - Top-20-Ranking Flut

Abbildung 13 - Top-20-Ranking Stromausfall

Abbildung 14 - Taipei - GDP@risk Verteilung nach Katastrophenszenario

Abbildung 15 - Tokio - GDP@risk Verteilung nach Katastrophenszenario

Abbildung 16 - Osaka - GDP@risk Verteilung nach Katastrophenszenario

Abbildung 17 - Mumbai - GDP@risk Verteilung nach Katastrophenszenario

Abbildung 18 - Lagos - GDP@risk Verteilung nach Katastrophenszenario

1. Einleitung

1950 lebte nur ein Drittel der schätzungsweise 2,5 Mrd. Menschen weltweit in Städten. Knapp sechzig Jahre später hatte sich die Weltbevölkerung naheliegend verdreifacht (UNITED NATIONS 2015). Zudem stellte das Jahr 2007 einen weiteren markanten Wendepunkt in der bisherigen globalen Siedlungsentwicklung der Menschheit dar. Erstmals lebten genauso viele Menschen in Städten wie auf dem Land. In absoluten Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass im Zuge des so genannten „Urban Turn“ 3,3 Mrd. Menschen in urbanen Räumen lebten. Dies entspricht wiederum der gesamten Weltbevölkerung des Jahres 1965 (ebd. 2015). Die ins Verhältnis gesetzten absoluten Zahlen verdeutlichen, den globalen Trend der Urbanisierung im Zuge einer stetig wachsenden Weltbevölkerung und deren sich veränderter Lebensformen. Insbesondere die globale Entwicklung des Heranwachsens von derzeit 37 Megacities mit mehr als 10 Mio. Einwohnern (COX 2017) stellt nicht nur die Städte selbst, deren Bewohner sowie die globale Gemeinschaft vor große Herausforderungen, sondern birgt ebenfalls diverse soziale, infrastrukturelle sowie Umwelt gefährdende Risiken in sich. Die Risikoanfälligkeit jener besagten Megastädte gestaltet sich jedoch äußerst unterschiedlich.

Diese Arbeit betrachtet die Megastadt als potenziellen Riskoraum. Im Mittelpunkt steht dabei die fallspezifische, empirische Risikoanalyse von Megacities mithilfe der Software des Lloyd’s City Risk Index 2015 - 2025. Dabei wird sich von einer allgemeinen Analyse nach Risikotypus hin zu einer Einzelfallbetrachtung an konkreten Städtebeispielen bewegt. Hierbei werden Risikoexpertisen in den inhaltlichen Fokus gerückt. Zuvor werden vor dem theoretischen Hintergrund dieser Thematik die Perspektiven der Risikoforschung sowie deren Begrifflichkeiten: Risiko, Vulnerabilität sowie Resilienz näher betrachtet. Ebenfalls werden nochmals inhaltliche Aspekte des Weltriskoberichts des Jahres 2014 aufgegriffen und unter dem Punkt 2.2 „Megacities als globale Risikoräume“ thematisiert. Hierbei wird offengelegt, mit welchen Risiken das Heranwachsen einer Megastadt verbunden ist. Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse vor dem Hintergrund der Theorie kritisch bewertet.

2. Theoretischer Hintergrund

2.1 Grundlagen der geographischen Risikoforschung

2.1.1 Der Risikobegriff

Die Risikoforschung hat innerhalb der letzten Jahre in der Sozialgeographie einen signifikanten Bedeutungszuwachs erhalten. Die zunehmende Häufigkeit von Naturkatastrophen hat einen größeren Bedarf an Vorhersagemodellen, Katastrophenmanagementplänen und Risikoabschätzungen generiert. Insbesondere durch den Klimawandel bedingte Umweltveränderungen werden zunehmend Einfluss auf das menschliche Leben nehmen. Dennoch haben auch gesellschaftliche Unsicherheiten, beispielswiese bedingt durch Globalisierungsprozesse, Urbanisierung oder einer gestiegenen Terrorgefahr, das allgemeine Bewusstsein gegenüber Gefahren geprägt (BÜRKNER 2010:5). Folglich gestaltet sich die Geographie, als vereinbarende Wissenschaft von Mensch und Umwelt, als prädestiniert für Schnittmengenbildungen, um eine umfassende Aussage über Risiken, Vulnerabilitäten, Resilienzen und Schäden formulieren zu können (MÜLLER-MAHN 2007:4-5). Der Fokus liegt hierbei auf einer Vereinbarung von Fachwissen und Methoden aus der physischen Geographie und der Humangeographie zu einer eigenständigen Wissenschaftsdisziplin, welche neue Forschungsfelder oder Problemstellungen abdeckt. Die Risikoforschung auf Seiten der physischen Geographie stützt sich auf klimatologische, meteorologische, geologische und weitere Analyse- und Bewertungsmethoden, welche das Auftreten und Zerstörungspotenzial von Naturkatastrophen vorhersagen und einschätzen sollen. Des Weiteren stützt sich dieser Teilbereich der Risikoforschung auf die Biogeographie. Hier werden Ökosysteme und Biodiversität auf ihre Stabilität und Verwundbarkeit analysiert. Im Gegensatz dazu ist es die Aufgabe der Humangeographie, die Vulnerabilität und Resilienz der Gesellschaft zu untersuchen und die Auswirkungen von Katastrophen, Anschlägen, Konflikten oder ökologischen Problemen auf diese abzuschätzen (COY 2007:8).

Der Begriff „Risiko“ besitzt eine immense Variationsbreite; insbesondere durch die vielen Problemstellungen und Perspektiven anderer Wissenschaften, Disziplinen oder Paradigmen. Die Vielzahl an Ansätzen und Betrachtungsweisen von Forschungsgegenständen generiert somit auch eine Vielzahl von Definitionen des Begriffs „Risiko“ (MÜLLER-MAHN 2007:4). Für die folgenden Betrachtungen wird der Risikobegriff der inhaltlichen Bedeutung von „Gefährdung“ gleichgesetzt.

2.1.2 Perspektiven der Risikoforschung

Grundsätzlich wird zwischen zwei Ansätzen zur Betrachtung von Risiken unterschieden. Die objektivistische Position verfolgt einen naturwissenschaftlichen Betrachtungsschwerpunkt, während die konstruktivistische Position einen sozialwissenschaftlichen Standpunkt einnimmt (MÜLLER-MAHN 2007:5). Erstere betrachtet Naturgefahren als Teil der objektiv erfassbaren Realität. Der Fokus liegt hierbei auf der allgemeinen „Erfassbarkeit“ von Forschungsgegenständen. Dies impliziert, dass diese auch beeinflussbar, kontrollierbar oder regulierbar sind, worauf sich beispielsweise die natur- und ingenieurwissenschaftliche Risikoforschung konzentriert. Die Gesellschaft wird in dieser Basisposition dennoch nicht ausgeklammert, sondern lediglich als Parameter betrachtet, welcher die Schadensarten und -ausmaße bestimmt. Diese Bestimmung von potentiellen Schäden ist z.B. in der Versicherungsbranche essentiell. MÜLLER-MAHN (2007:5) fasst den objektivistischen Ansatz wie folgt zusammen: „Generell zielt objektivistische Risikoforschung darauf, Risiken durch eine Abschätzung von Eintrittswahrscheinlichkeiten und Schadenshöhen, durch geeignete Vorsorgemaßnahmen oder die Installation von Frühwarnsystemen berechenbar und beherrschbar zu machen.“ Der objektivistische Ansatz beobachtet also die gesellschaftliche Relevanz und Folgen eines externen (Natur-)Ereignisses.

Besonders diese Externalisierung des Risikos und dessen Auswirkung auf die Gesellschaft steht im Gegensatz zum konstruktivistischen Ansatz. Dieser stellt die Gesellschaft oder den Menschen als handelndes Subjekt ins Zentrum der Betrachtung.

Risiken werden durch den Menschen geschaffen, z.B. über verschiedene Wahrnehmungen (MÜLLER-MAHN 2007:5). Handlungen des Menschen basieren auf Grundlage des ständigen Abschätzens von Risiken im Hinblick auf Chancen und Ziele. Der Mensch wird dadurch zum Akteur, der unkalkulierbare, externe Bedrohungen in kalkulierbare bzw. kontrollierbare Risiken wandelt (BOHLE 2007:20). Das Abwägen von Chancen und Risiken zur Entscheidungsfindung beruht auf Erfahrungen, Erlebnissen, Werten, Normen, Bedürfnissen oder auch Interessen (MÜLLER-MAHN 2007:5). Die häufig negative Konnotation des umgangssprachlichen und medialen Risikobegriffs ist demnach für die Risikoforschung falsch, denn hinter dem bewussten oder unbewussten Eingehen von Risiken steht immer die Intention Erfolge zu erzielen oder Profit bzw. andere Ziele zu erreichen (MÜLLER-MAHN 2007:5). Daher müssen in der Risikoforschung die Begriffe Gefahr und Risiko deutlich voneinander abgegrenzt werden. Insgesamt spielt die Gesellschaft bzw. der Mensch in beiden Grundpositionen der Risikoforschung verschiedene Rollen. Ist der Mensch im objektivistischen Ansatz eher der Leidtragende oder der Urheber von Gefahren bzw. Risiken, so fokussiert der sozialwissenschaftlichekonstruktivistische Ansatz sich auf den Menschen / die Gesellschaft als handelnde Akteure mit subjektiver Wahrnehmung und Entscheidungsfindung (ebd. 2007:6).

2.1.3. Vulnerabilitäten und Resilienzen

Die Konzepte zu Vulnerabilitäten und Resilienzen entstanden im Zuge des zunehmenden Bedarfs an Risikoforschung, durch gesellschaftliche und naturbezogene Veränderungen und den damit verbundenen Gefährdungen (BOHLE 2007:20). Die Entwicklung zur „Risikogesellschaft“ und die damit in Verbindung stehenden Lebensrisiken verlangten nach angepassten Reaktionen (ebd. 2007:20). MÜLLER-MAHN (2007:6) erklärt den „*...+ Umgang mit Risiko und Ungewissheit zum bestimmenden Merkmal der Alltagsbewältigung, verbunden mit einem Misstrauen gegenüber den Fortschritts- und Sicherheitsversprechen von Wissenschaft und Politik.“ Die Herausforderungen der Globalisierung haben aus dieser Risikogesellschaft nun eine Weltrisikogesellschaft geschaffen, welche sich auf die Prävention potentieller Katastrophen bezieht, deren Wahrnehmung und Bewertung durch Medien und Politik beeinflusst wird (MÜLLER-MAHN 2007:6).

Ebenfalls bedeutend im Entstehungsprozess der Vulnerabilitäts- und Resilienzforschung sind die Forschungsgebiete der Humanökologie und der Entwicklungsländerforschung (BÜRKNER 2010:7). So konzentrierte man sich zunächst auf großräumige Ereignisse der Natur und Umwelt, sowie auf die gesellschaftlichen Prozesse zur Begegnung dieser. Dieser Ansatz wurde vor allem stark in der Hazardforschung verfolgt (BÜRKNER 2010:6). Erst durch eine zunehmend sozialwissenschaftlichere Herangehensweise an die Entwicklungsländerforschung, konnten sich auch sozialwissenschaftliche Vulnerabilitäts- und Resilienzkonzepte in vielen verschiedenen Einzeldisziplinen herausbilden. Dennoch gibt es für Vulnerabilität, wie auch für den Risikobegriff, aufgrund vielfältiger sozialwissenschaftlicher Herangehensweisen, keine einheitliche Definition. Bis heute ist der Begriff Gegenstand vieler Diskussionen und Kontroversen. BÜRKNER (2010:6) formuliert den Begriff als die Verwundbarkeit von Gesellschaften und ihrer geschaffenen Kultur durch Bedrohungen.

Gemeinsamkeiten in der Definitionsvielfalt finden sich bezüglich der zwei maßgebenden „Säulen“ der Vulnerabilität. Dies ist zum einen die oft als natürlich eingeordnete Bedrohung von außen und die interne Anpassungskapazität oder Reaktionsmöglichkeit auf diese Gefahr. Erstere wird von BOHLE (2011:752) aufgegriffen und als „Risikoexposition“ bezeichnet, welche sich je nach Art und Intensität unterscheiden kann. Die Seite der Reaktion impliziert unter anderem ein Maß für die „Schutzlosigkeit“ der Gesellschaft, aufgrund einer geringen Anpassungsfähigkeit, also unzureichender Maßnahmen zur Vorsorge, Bewältigung oder Nachsorge hinsichtlich dieser Gefährdung (BOHLE 2011:752). Auf der internen Seite der Vulnerabilität einer Gesellschaft kann jedoch gleichsam eine Robustheit in diesen Bereichen vorhanden sein, was die Vulnerabilität entsprechend einschränkt. So stehen Exposition und Reaktion in einem funktionalen Zusammenhang, welcher Aussagen über den Grad der Verwundbarkeit ermöglicht. In der Literatur wird oft zwischen verschiedenen Vulnerabilitätskonzepten unterschieden. BOHLE (2007:20-21) stellt hier zum Beispiel soziale-, ökologische- und technologische Vulnerabilität heraus. Die Wechselwirkungen zwischen den internen und externen Komponenten bezogen auf jedes der drei Vulnerabilitätskonzepte, werden in Form der „Doppelstruktur von Verwundbarkeiten“ nach BOHLE (2007:20) deutlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Doppelstruktur von Verwundbarkeit nach BOHLE (2007:20)

Von besonderer Bedeutung für die folgenden Ausführungen über Vulnerabilität in Megacities, ist die soziale Vulnerabilität, da die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, wie soziale Disparitäten, diese Problematik generieren und ihren Ursprung bilden. Jedoch sind auch die ökonomische und ökologische Seite der Risiko- und Vulnerabilitätsforschung von Bedeutung. In der Humangeographie stehen sich die soziale Verwundbarkeit und die menschliche Sicherheit in einem Spannungsfeld gegenüber. Meist werden Vulnerabilitäten und Resilienzen konstruiert und durch soziale Prozesse konstituiert (BÜRKNER 2010:6). BOHLE (2011:752) beschreibt die soziale Verwundbarkeit mithilfe von drei „Koordinaten“, welche die Risikoexposition, die Bewältigung und die Folgeschäden beinhalten. Die Ausmaße dieser Faktoren bestimmen letztendlich die Vulnerabilität einer Gesellschaft. Auch an dieser Stelle werden wieder die externe (Risikoexposition) und interne Seite (Bewältigung) deutlich. Einflüsse, die die interne Seite der Vulnerabilität beeinflussen, sind z.B. Machtverhältnisse, Ressourcenbasis, Verfügungsrechte, Partizipationschancen und Abhängigkeitsverhältnisse (BOHLE 2011:753). Ziel soll die regulierende bzw. kontrollierende Einflussnahme auf diese

Vielzahl sozialer Beziehungen sein, um bessere Adaptationsmöglichkeiten und Bewältigungsoptionen zu schaffen und damit destruktive Auswirkungen auf die Gesellschaft zu verringern/vermeiden.

Das Konzept der Resilienzen ist nicht zu verwechseln mit der bloßen Widerstandsfähigkeit einer Gesellschaft, aufgrund von stabiler Infrastruktur und guter Anpassungsfähigkeit. Ursprünglich stammen die Konzepte von Resilienzen nach BOHLE (2011:756) aus der globalen Umweltforschung und werden von der Leitfrage „Wie navigieren verwundbare Menschengruppen innerhalb von komplexen, schnell transferierbaren sozialökologischen Systemen?“ getrieben. Nach GEBHART (2011:1107) bezeichnet Resilienz die Fähigkeit von Ökosystemen „*...+ Störungen eine Zeit lang zu tolerieren, ohne dass das System zusammenbricht, also quasi die Pufferkapazität oder Elastizität ökologischer Systeme *͙+.“ Ist diese Fähigkeit von Systemen nicht gegeben, so erliegen diese der Störung (Kollaps).

Anlass zur Herausbildung der Resilienz-Konzepte bestand, ähnlich denen der Vulnerabilität, im Entstehen der Weltrisikogesellschaft (BOHLE 2011:756-757). Vereinfacht kann man von einer „Regenerationsfähigkeit“ einer Gesellschaft nach Katastrophen von innen und außen sprechen. Resilienzen sind Fähigkeiten von Systemen, nach Störungen wieder ihren Ursprungszustand zu erreichen. Resilienzen werden nach BOHLE (2011:757-759) ebenfalls in verschiedenen Perspektiven unterteilt. Die ökologische, sozial-ökologische und soziale Resilienz decken verschiedene Problembereiche der Resilienz-Forschungen ab. Die ökologische Resilienz bezieht sich ausschließlich auf die Ebene der Ökosysteme und deren Adaptivität. Die sozialökologische Resilienz legt den Fokus auf sozial-ökologische Systeme, ihre Transformationen und das gesellschaftliche Leben mit Unsicherheiten. Die Ebene von Gesellschaft, sozialen Gruppen und Individuen wird von der sozialen Resilienz abgedeckt und beinhaltet die Anpassung an gesellschaftliche und ökologische Risiken sowie die Möglichkeiten zum Stärken von Selbstorganisation und Schwächen sozialer Disparitäten.

2.2 Megacities als globale Risikoräume

Im Zuge des technischen Fortschritts sowie durch diverse demographische, soziale und politische Veränderungen, setzt ab der zweiten Hälfte des vorherigen Jahrhunderts auch in den agrargesellschaftlich geprägten Entwicklungsländern der Dritten Welt vermehrt ein Wandel hinzu städtischen Lebensformen ein (MUCKE 2014:6). Jene Urbanisierung führt zu einem rasanten, häufig unkontrollierbarem Heranwachsen von Megacities, die auf engem Raum eine Bevölkerungszahl von mehr als 10 Mio. Einwohner, sensible Infrastruktur und Technologie beherbergen. Zieht man diese Ausgangsbedingungen in Betracht, so erscheint es zunächst offensichtlich, dass Siedlungsformen wie Megacities mit all ihren Beschaffenheiten und Problemen anfälliger gegenüber Krisen, sozialer Desorganisation, politischen Konflikten oder Naturkatastrophen sind. KRAAS (2003) betrachtet Megacities anhand der enormen Zuwanderung, welcher diese unterliegen, als Opfer von Risiken. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass Megastädte, aufgrund ihrer Struktur und den damit in Verbindung stehenden Problematiken, ebenfalls als Erzeuger von Risiken angesehen werden können (KRAAS 2003:583).

Woher diese begriffliche Ambiguität zwischen Opfer und Erzeuger von Risiken stammt, kann zum einen mit der Auflistung wesentlicher Gründe für Katastrophenschäden und Todesfälle nach SMITH (1996) verdeutlicht werden. SMITH führt unter Anderem das globale Bevölkerungswachstum, eine unsachgemäße Landnutzung, die Folgen des Klimawandels, soziale Disparitäten sowie eine starke Urbanisierung als Hauptgründe für höhere, katastrophenbedingte Sachschäden und Opferzahlen bei unveränderter Häufigkeit auftretender Naturkatastrophen an (ebd. 1996:36). Da all diese Faktoren auf unterschiedliche Art und Weise sowohl zum massiven und unkontrollierten Wachstum einer Megacity führen, jedoch gleichzeitig auch deren alltäglichen Herausforderungen bestimmen, kann die Aussage von KRAAS als nachvollziehbar angesehen werden. Risiken für Megacities können natürlicher, technologischer oder sozialer Art sein (HOERNING 2012:253). Beispiele für natürliche Risiken sind metrologische Bedrohungen durch Wetterextreme wie Stürme oder Starkregenfälle.

[...]

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Risikoraum Megacity. Lloyd’s City Risk Index 2015 - 2025
Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
32
Katalognummer
V418366
ISBN (eBook)
9783668677272
ISBN (Buch)
9783668677289
Dateigröße
2679 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Megacity, Lloyd's City Risk Index, Risikoraum, Risikoanalyse
Arbeit zitieren
Sebastian Nickel (Autor), 2017, Risikoraum Megacity. Lloyd’s City Risk Index 2015 - 2025, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418366

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Risikoraum Megacity. Lloyd’s City Risk Index 2015 - 2025



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden