Migration als Lebenssicherungsstrategie im Kontext saisonaler Unsicherheit

Ein Vergleich zwischen Bangladesch und Ghana anhand des Sustainable Livelihoods-Ansatzes.


Bachelorarbeit, 2013

63 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Konzept des Sustainable Livelihoods-Ansatzes
2.1 Der Verwundbarkeitskontext (vulnerability context)
2.2 Die Kapitalien
2.3 Sich verandernde Strukturen und Prozesse
2.4 Strategien der Lebenssicherung (livelihood strategies)
2.5 Ergebnisse der Lebenssicherung (livelihood outcomes)

3 Einfuhrung in die Regionen in Bangladesch und Ghana
3.1 Bangladesch (Kurigram Distrikt)
3.2 Ghana (Nadowli Distrikt)

4 Methodik und Vorgehensweise
4.1 Methode
4.2 Vorgehensweise: Livelihood Groups
4.3 Methodenkritik

5 Risiken von Saisonalitat und ihre Auswirkungen auf unterschiedliche livelihoods (vulnerability)
5.1 Saisonale Ernahrungsunsicherheit
5.2 Klimaanderungen
5.2.1 Niederschlagsvariabilitat
5.2.2 Extremwetterereignisse

6 Migrationsstrategien (als livelihood strategies)
6.1 Migrationsstrukturen
6.1.1 Migranten
6.1.2 Migrationsentscheidungen
6.1.3 Bedeutung von sozialen Netzwerken fur die Migrationsentscheidungen
6.1.4 Bedeutung von finanziellen Mitteln fur die Migration
6.2 Grunde fur die Migration
6.2.1 Personliche Meinung uber Migrationsgrunde
6.2.1 Ausschlaggebende Grunde fur die Migration

7 Migrationsergebnisse (als livelihood outcomes)
7.1 Migration als Einkommensquelle
7.1.1 Einfluss auf den Wohlstand der Haushalte
7.1.2 Migration und remittances
7.1.2.1 Art und Bedeutung der remittances
7.1.2.2 Nutzung der remittances
7.2 Migration und Ruckkehr

8 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang

Anhang 1: Haushalte in Bangladesch und Ghana, die in den letzten sieben Tagen nicht genug zu essen hatten

Anhang 2: Welches Geschlecht trifft die Migrationsentscheidung

Anhang 3: Einfluss von Migrationserfahrungen auf andere Haushalte

Anhang 4: Wie werden die Kosten der Migration getragen?

Anhang 5: Personliche Meinung uber Migrationsgrunde

Anhang 6: Grunde fur Migration zehn Jahre vorher

Anhang 7: Bedeutung von Migration fur den Wohlstand

Anhang 8: Erhalt von remittances

Anhang 9: Veranderung von remittances

Anhang 10: Intention zuruckzukehren

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Sustainable Livelihoods Framework

Abbildung 2: Verteilung der Livelihood Groups in beiden Landern

Abbildung 3: Haushalte mit Ernahrungsunsicherheit, Bangladesch

Abbildung 4: Durchschnittliche Anzahl an Monaten mit Nahrungsmittelknappheit, Bangladesch

Abbildung 5: Haushalte mit Ernahrungsunsicherheit, Ghana

Abbildung 6: Durchschnittliche Anzahl der Monate mit Nahrungsmittelknappheit, Ghana

Abbildung 7: Anzahl der Saisons in Bangladesch

Abbildung 8 Anzahl der Saisons in Ghana

Abbildung 9: Veranderung von Trockenperioden in letzten 10-20 Jahren, Bangladesch

Abbildung 10: Veranderung von Trockenperioden in letzten 10-20 Jahren, Ghana

Abbildung 11: Veranderung von Uberschwemmungen in letzten 10-20 Jahren, Bangladesch

Abbildung 12: Veranderung von Uberschwemmungen in letzten 10-20 Jahren, Ghana

Abbildung 13:

Abbildung 14: Veranderung von Niederschlagen in letzten 10-20 Jahren, Ghana

Abbildung 15: Auswirkungen von Niederschlagsanderungen auf wirtschaftliche Situation, Ghana

Abbildung 16: Auswirkungen von Niederschlagsveranderungen auf wirtschaftliche Situation, Bangladesch

Abbildung 17: Extremwetterereignisse von denen Haushalte in Ghana schon einmal betroffen waren

Abbildung 18: Art der Schaden nach Extremwetterereignis, Ghana

Abbildung 19: Extremwetterereignisse von denen Haushalte in Bangladesch schon einmal betroffen waren

Abbildung 20: Art der Schaden nach Extremereignis, Bangladesch

Abbildung 21: Anzahl der Haushalte in Bangladesch mit Migranten

Abbildung 22: Anzahl der Haushalte mit Migranten in Ghana

Abbildung 23: Entscheidungstrager uber Migration in Ghana

Abbildung 24: Entscheidungstrager uber Migration in Bangladesch

Abbildung 25: Mit wem wird in Bangladesch uber die Migration gesprochen?

Abbildung 26: Mit wem wird in Ghana uber die Migration gesprochen?

Abbildung 27: Bedeutung von Ratschlagen fur die Migration in Bangladesch und Ghana

Abbildung 28: Unterstutzung am Zielort der Migranten in Bangladesch und Ghana ..

Abbildung 29: Bedeutung von Geld fur Migration in Bangladesch

Abbildung 30: Bedeutung von Geld fur Migration in Ghana

Abbildung 31: Personliche Grunde fur die Migration in Bangladesch und Ghana

Abbildung 32: Grunde fur die Migration in Bangladesch

Abbildung 33: Grunde fur die Migration Ghana

Abbildung 34: Einfluss der Migration auf Wohlstand in Bangladesch und Ghana

Abbildung 35: Erhalt von remittances in Bangladesch und Ghana

Abbildung 36: Verhaltnis remittances zu Einkommen in Ghana

Abbildung 37: Verhaltnis remittances zu Einkommen in Bangladesch

Abbildung 38: Nutzung von remittances in Ghana

Abbildung 39: Nutzung von remittances in Bangladesch

Abbildung 40: Arten der Ruckkehr in Ghana

Abbildung 41: Arten der Ruckkehr in Bangladesch

1 Einleitiiiig

Im globalen Kontext hat der Klimawandel unter anderem in den Bereichen Politik, Umwelt und Gesellschaft in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Der Klimawandel und seine Folgen werden immer haufiger im Zusammenhang mit Umweltveranderungen, Ernahrungsunsicherheit und Migration gesehen. Dabei wirkt der Klimawandel nicht direkt auf diese Faktoren, sondern beeinflusst bestimmte saisonale Ereignisse, die erwartet oder unerwartet auftreten, beispielsweise Durreperioden oder Uberschwemmungen (Rademacher-Schulz u. Mahama 2012, S. 15). Daher ist es sinnvoll die Auswirkungen des Klimawandels auf die mogliche Veranderung von Saisonalitat zu betrachten. Denn haufig fuhrt saisonale Unsicherheit in Zeiten des Klimawandels zu gravierenden Umweltveranderungen, Ernahrungsunsicherheit oder gezwungener temporarer Migration. Die Kenntnis von Saisonalitat ist somit ausschlaggebend, um mit den Folgen des Klimawandels umgehen zu konnen. Zwei Lander, die besonders von den saisonalen Folgen des Klimawandels betroffen sind, sind Bangladesch und Ghana. Die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich in Ghana besonders in der landwirtschaftlichen Nutzung. Durch die saisonale Unsicherheit verandert sich die Lange der Anbausaison, dies wirkt sich negativ auf die Ernahrungssicherheit aus (IPCC 2007, S. 12). Bangladesch gilt als eines der verwundbarsten Lander der Welt, besonders die Niederschlagsvariabilitat ist durch die hohe Anzahl an Gewassern und der geringen Hohe uber dem Meeresspiegel ein hoher Risikofaktor. Hinzukommen in Bangladesch die hohe Bevolkerungsdichte, sowie die hohe Sensitivitat gegenuber der landwirtschaftlichen Nutzung (IPCC 2007, S.12; World Bank 2010, S. Ilf).

So beeinflusst besonders in landlichen Gebieten die Saisonaliat bedeutend die Lebenssicherung. Von der landwirtschaftlichen Produktion konnen die Menschen in den landlichen Regionen, besonders in Entwicklungslandern, kaum noch leben. Der Produktionszyklus der Emte und auch die Viehhaltung hangen von den saisonal unsicheren Faktoren wie Niederschlag, Lange der Anbausaison, Naturereignissen oder der Temperaturvariabilitat ab (Ellis 2000, S. If). Die Haushalte mit eigenem Landbesitz, aber auch landlose Haushalte, sind diesen Risiken von Saisonalitat ausgesetzt und mussen ihre Lebensgestaltung anpassen, um den Lebensunterhalt und den Nahrungsmittelbedarf zu sichern. Zusatzlich zu der Saisonalitat beeinflussen auch noch Trends und Schocks die jeweiligen Regionen. Trends konnen zwar zum Teil vorher gesehen werden, wenn sie zum Beispiel wirtschaftlicher Art sind, allerdings haben die Haushalte meist keine Moglichkeit angemessen darauf zu reagieren. Schocks hingegen sind vollig unerwartet und stellen beispielsweise Naturkatastrophen dar (DFID 1999, S.3). Durch die zunehmende Globalisierung und Urbanisierung spielt auch die Einbettung der landlichen Regionen in den nationalen sowie internationalen Kontext eine bedeutende Rolle.

Um besonders mit den Risiken von Saisonalitat umzugehen, stellt eine Strategie der Lebenssicherung die Diversifizierung von Einkommensquellen dar. Dies bedeutet, dass die landlichen Haushalte sich heutzutage haufig nicht mehr nur auf ihre landwirtschaftliche Produktion verlassen, sondern sich zusatzliche Einkommensquellen suchen (Ellis 2000, S.3). Als eine Art der Diversifizierung kann die Migration gesehen werden. Viele Menschen aus dem landlichen Raum migrieren in der landwirtschaftlichen Nebensaison in andere Regionen oder Stadte ihres Landes, um den Lebensunterhalt oder die Emahrungssicherheit der in der Heimat gebliebenen zu sichern. Meist migrieren die Menschen nur temporar und kehren nach einigen Monaten wieder in ihre Heimat zuruck. In Bangladesch und Ghana gibt es viele temporar migrierende Haushalte. Allerdings gibt es auch viele Haushalte, die nicht die Moglichkeit haben zu migrieren.

Das Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit ist es, festzustellen, ob Migration eine geeignete Strategic der Lebenssicherung im Umgang mit den Risiken von Saisonalitat darstellt. Weiter stellt sich die Frage, wie hoch die Sensitivitat gegenuber der Saisonalitat ist und wie sich diese auf die unterschiedlichen Haushalte und ihre Lebensgestaltung auswirkt. Daruber hinaus sollen die unterschiedlichen Migrationsstrategien und Migrationsergebnisse am Beispiel der Lander Bangladesch und Ghana untersucht werden. Um diesen Fragen nachzugehen werden, angelehnt an den Livelihoods-Ansatz, die Beweggrunde fur die Migration, der Umgang mit Saisonalitat und der auftretenden Ernahrungsunsicherheit, sowie der Lebenssicherungsstrategien untersucht. Dieses geschieht anhand der Auswertung von quantitativen Daten aus den Landern Bangladesch und Ghana. Diese empirischen Daten wurden im Zuge des „ Where the Rain Falls: climate change, food security, social inequality and human mobility “ Projekts von der United Nations University (UNU) und CARE international erhoben. Die Studie beschaftigt sich mit den Zusammenhangen von Niederschlagsvariabilitat, Ernahrungsunsicherheit und Migrationsbewegungen.

Um nun die genannten Leitfragen zu untersuchen, wird zunachst das Konzept des Sustainable Livelihoods-Ansatzes mit seinen verschiedenen Unterpunkten dargelegt und im Allgemeinen auf die Lander Bangladesch und Ghana bezogen. Darauf folgend werden die beiden Lander und insbesondere die Untersuchungsgebiete vorgestellt und in ihren Verwundbarkeitskontext eingebettet. Weitergehend werden die Risiken von Saisonalitat und deren Auswirkungen auf die unterschiedlichen livelihoods 1 untersucht. Die saisonale Ernahrungsunsicherheit wird anhand der Verfugbarkeit von Nahrungsmitteln und dem Umgang mit auftretender Nahrungsmittelknappheit in beiden Landern analysiert. Weitere Risiken von Saisonalitat stellen Klimaanderungen dar, somit werden darauffolgend besonders die Niederschlagsvariabilitat und die auftretenden Extremwetterereignisse der beiden Lander dargelegt und die Verwundbarkeiten der einzelnen livelihoods aufgezeigt. Nachdem die Sensitivitat gegenuber der Saisonalitat und deren Auswirkungen auf die unterschiedlichen Haushaltstypen dargestellt worden ist, werden die Migrationsstrategien als mogliche Lebenssicherungsstrategien der migrierenden Haushalte in beiden Landern untersucht. Dazu werden zunachst die verschiedenen Migrationsstrukturen in Bangladesch und Ghana abgebildet. Es wird untersucht, welche Haushalte uberhaupt migrieren, wer aus dem Haushalt migriert und wer die Migrationsentscheidungen trifft. Dazu wird auch die Bedeutung von sozialen Netzwerken analysiert. Daruber hinaus wird die Bedeutung finanzieller Mittel fur die Migration dargelegt und die unterschiedlichen Grunde fur die Migration erortert. Dabei werden schon die unterschiedlichen Migrationsstrategien beider Lander miteinander verglichen. Darauffolgend werden die Migrationsergebnisse als Lebenssicherungsergebnisse dargestellt und untersucht, in welcher Weise die Haushalte von den Migranten profitieren. Hierbei wird die Bedeutung der Migration als Einkommensquelle untersucht. Es wird dargelegt welchen Einfluss die Migration auf den Wohlstand der Haushalte hat und welche Rolle die Transferzahlungen fur die einzelnen Haushalte der beiden Lander spielen und wofur diese in der Regel genutzt werden. Darauffolgend werden die Migration und die Wahrscheinlichkeit der Ruckkehr von Migranten naher untersucht.

Letztendlich soil so herausgefunden werden, ob Migration eine geeignete Strategic darstellen kann, den Lebensunterhalt von Haushalten in Bangladesch und Ghana langfristig im Kontext von saisonaler Unsicherheit zu sichern, sie daruber hinaus emahrungssicherer zu machen und ihre Verwundbarkeit zu reduzieren.

Zusatzlich muss erwahnt werden, dass die Erarbeitung dieser Fragestellung nur auf den vorliegenden Daten erfolgt. Diese Daten konnen allerdings nicht als reprasentativ fur beide Lander angesehen werden, da sie in bestimmten Regionen aufgenommen wurden, in denen der Forschungsschwerpunkt lag. Trotzdem sollen diese Regionen stellvertretend fur beide stehen, da es einen ersten Eindruck vermitteln kann, ob es unterschiedliche Strategien zum Umgang mit der Saisonalitat gibt. Daher wird aufgrund der Einfachheit haufig von Bangladesch und Ghana gesprochen. Daruber hinaus soil erwahnt werden, dass zum einen das Livelihood-Konzept sowie auch die vorliegenden Daten ursprunglich in Englisch verfasst sind und somit einige englische Worter ubemommen werden. Diese Worter werden zwar auch ubersetzt, im Text jedoch haufig in ihrer englischen Form verwendet. Zur Kenntlichmachung sind sie kursiv gesetzt. Zusatzlich muss angefuhrt werden, dass die vorgegebene Seitenanzahl von 40 Seiten, aufgrund der Vielzahl an Abbildungen, uberschritten wird. Betrachtet man allerdings nur den reinen FlieBtext entspricht dieser der vorgegeben Seitenzahl.

2 Konzept des Sustainable Livelihoods -Ansatzes

Der Sustainable Livelihoods Approach (SLA) geht maBgeblich auf die Publikationen von Chambers und Conway zu Beginn der 1990er Jahre zuruck (Chambers u. Conway 1991). Darauf aufbauend hat das Londoner Department for International Development (DFID) 1999 eine bis heute gangige konzeptionelle Umsetzung des Livelihoods- Ansatzes erarbeitet (DFID 1999). Der SLA wird heute besonders in der Entwicklungszusammenarbeit in Zusammenhang mit Armutsminderung, landlicher Entwicklung oder Umweltmanagement eingesetzt. Es werden zentrale Probleme der Sozialforschung in Entwicklungslandem aufgegriffen, in dem die komplexe Vielfalt der Bestimmungsfaktoren fur Armut beziehungsweise Lebenssicherung operationalisiert wird. Das Konzept des SLA ist thematisch breit angelegt und umfasst die soziale, okonomische und umweltbezogene Perspektive. Daher ist er gut geeignet, um einen Rahmen fur eine komplexe Problemlage zu bilden. Dieser Analyserahmen stellt somit ein Hilfsmittel dar, um das Verstandnis der Lebenssituation speziell von Armutsgruppen zu verbessern (Bohle 2001, S. 119f.). Ebenso stellt er auch eine gute Moglichkeit dar, die Migrationsstrategien und den Umgang mit saisonaler Unsicherheit in Bangladesch und Ghana zu untersuchen. Die wichtigsten Faktoren, die die Lebenssicherung ausmachen, werden in diesem Rahmen erfasst. Das Analyseraster ist nicht statisch und kann als ein flexibles Instrument angewendet und gegebenenfalls adaptiert werden.

Im Fokus der Analyse stehen landliche Bevolkerungsgruppen und deren Systeme zur Lebenserhaltung. Livelihood steht sowohl fur „Lebenssicherung“ und „Lebensunterhalt“ als auch fur „Lebensgestaltung“. Ein Haushalt mit seinen Schwierigkeiten der Lebensgestaltung steht dabei im Mittelpunkt, insbesondere werden dabei individuelle Fahigkeiten, Moglichkeiten und Starken der Befragten fokussiert. In einer globalisierten Welt sind die lokalen Akteure haufig aufgrund von mangelnden Kenntnissen uber externe Bedingungen nicht in der Lage eigene Strategien zu erarbeiten. Daher bildet die Analyse von Rahmenbedingungen, Markten und dem institutionellem System einen zweiten Schwerpunkt im Analyserahmen. Dies ist aber in dieser Arbeit aufgrund von Platzmangel nebensachlich.

Chambers und Conway definierten in ihrem Konzept die livelihoods so:

“A livelihood comprises the capabilities, assets (stores, resources, claims and access) and activities required for a means of living. A livelihood is sustainable when it can cope with and recover from stresses and shocks, maintain or enhance its capabilities and assets both now and in the future, while not undermining the natural resource base.” (Chambers u. Conway 1991, S. 6)

Die Abbildung 1 zeigt eine Ubersicht zum Sustainable Livelihoods-Ansatz und dessen Schlusselprinzipien, sowie Eigenschaften. In den folgenden Abschnitten soll genauer auf diese eingegangen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Sustainable Livelihoods Framework (Quelle: DFID 1999, S. 1)

2.1 Der Verwundbarkeitskontext (vulnerability context)

Der Verwundbarkeitskontext umfasst Risiken und Aspekte des auBeren Rahmens, in dem die Menschen leben. Die Haushalte haben keine Kontrolle uber diese auBeren Ereignisse und ihr Lebensunterhalt und ihre Kapitalien werden dadurch massiv beeinflusst. Die Vorgange von Trends, Schocks oder regelmaBig wiederkehrenden Ereignissen konnen durch die Haushalte nicht kontrolliert werden und begrenzen haufig den Zugang zu den Ressourcen fur ihre livelihoods (DFID 1999, S.3). Im Verwundbarkeitskontext wird zwischen Trends, Schocks und Saisonalitat unterschieden. Trends sind zum Teil vorhersehbar und konnen sowohl negative als auch positive Folgen haben. Die Trends konnen sowohl nationaler und internationaler wirtschaftlicher Art sein sowie demographische Veranderungen bedeuten. Die negativen Einflusse konnen allerdings verheerende Auswirkungen haben. So wirken sie sich stark auf die Ertrage (okonomische und andere) und die verschiedenen Strategien der Existenzsicherung aus. Positive Trends konnen neue Technologien oder okonomische Indikatoren sein. Meist kann davon jedoch auch nur ein Teil der Bevolkerung profitieren, da die Armsten nicht die notigen Zugangsvoraussetzungen haben, um an den positiven Trends teilzunehmen. Bei Schocks kann es sich um okonomische Krisen (Schwankungen der Wechselkurse, Handlungsbedingungen) oder um Naturkatastrophen (Fluten, Sturme, Erdbeben etc.) handeln. Diese unvorhersehbaren Schocks konnen die Kapitalien der Haushalte weitgehend zerstoren oder die Bevolkerung sogar dazu zwingen, ihre Dorfer und Ressourcen zu verlassen. Die Saisonalitat umfasst regelmaBig wiederkehrende Bedingungen, die zu einer im Voraus absehbaren besonderen Verwundbarkeit fuhren konnen. Beispielsweise saisonaler Wechsel in Preisen, bestimmte Arbeitsmoglichkeiten, Nahrungsmittelversorgung, Ernte in der Landwirtschaft. Saisonalitat stellt haufig die groBten und hartnackigsten bestehenden Ursachen fur die Not in Entwicklungslandern dar (DFID 1999, S. 3f).

Der Verwundbarkeitskontext ist am wenigsten durch die Individuen oder Haushalte beeinflussbar. Sich verandernde Strukturen und Prozesse konnen Einfluss auf den Verwundbarkeitskontext haben. (DFID 1999, S.4).

2.2 Die Kapitalien

Der SLA mochte ein moglichst vollstandiges und realistisches Bild der Starken der verschiedenen Bevolkerungsgruppen und ihren Bemuhungen, diese in positive Ergebnisse zur Existenzsicherung umzusetzen, erlangen. Hierzu stellen die funf Hauptkategorien die verschiedenen Ressourcen und Vermogenswerte der Gruppe dar. Diese funf Kategorien werden als „Kapitalien“, im englischen auch als assets, bezeichnet aus denen verschiedene produktive Strome gezogen werden, um ein livelihood zu erstellen (Scoones 1998, S.7). So mussen die Kapitalien immer im Zusammenhang gesehen werden, da der Zugang zu einer Einzelkategorie nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu sichern. Dies stellt besonders in armen Regionen, wie im hier verwendeten Beispiel von Bangladesch und Ghana, ein Problem dar, da vielen Bevolkerungsgruppen der Zugang zu ausreichender Verfugbarkeit aller Kapitalien haufig verwehrt bleibt. In Bezug zu der Darstellung des Sustainable Livelihoods Framework (SLF) (siehe Abb. 1), konnen die Kapitalien, die in einem Pentagon dargestellt werden, als Herzstuck des Ansatzes angesehen werden, da es im Einflussbereich des Verwundbarkeitskontextes und der sich verandernden Strukturen und Prozesse liegt. Im Folgenden werden nun die einzelnen Kapitalien kurz beschrieben.

Humankapital

Das Humankapital reprasentiert die Fertigkeiten, die Arbeitsfahigkeit, das Wissen und den Gesundheitszustand der Akteure. Diese Aspekte wirken auf die Arbeitsleistung und auf die Verfolgung der Lebenssicherungsstrategien ein und ermoglichen das Erreichen der livelihood-Ziele. Auf der Haushaltsebene stellt das Humankapital das Ergebnis der vorhandenen qualitativen und quantitativen Arbeitskraft dar, welche je nach HaushaltsgroBe, Geschlecht und Alter der Haushaltsmitglieder, Fuhrungspotential, Fertigkeiten und dem Gesundheitszustand der Bewohner beeinflusst wird. Um im Rahmen von Existenzsicherungsstrategien von den anderen vier Kapitalsorten Gebrauch machen zu konnen, ist das Humankapital von grundlegender Bedeutung (DFID 1999, S.7f).

Sozialkapital

Das Sozialkapital beinhaltet im SLA alle sozialen Beziehungen zwischen den Akteuren unter sich und zwischen ihnen und Institutionen, in welchen diese stattfinden. So gibt es unterschiedliche Quellen aus denen diese sozialen Ressourcen entstehen. Dazu zahlen unter anderem Netzwerke, Familien, Verwandtschaft, Mitgliedschaften in Gruppen oder Institutionen sowie Kooperationsgemeinschaften. Generell kann in Netzwerken jeder Art Vertrauen entstehen, welches Kooperation erleichtert und bestehende Transaktionskosten senken kann. Gegenseitiges Vertrauen fuhrt zur Entstehung von Sicherheitsnetzen, die in Notsituationen genutzt werden konnen. Die sozialen Beziehungen konnen sich uberschneiden. AuBerdem konnen Netzwerke entweder auf horizontaler Kooperationsebene zwischen Akteuren mit gleichen Interessen oder auch auf vertikaler Ebene stattfinden. Das soziale Kapital kann sich auch auf die anderen Kapitalien auswirken (DFID 1999, S. 9).

Naturkapital

Unter Naturkapital werden alle naturlichen zuganglichen Ressourcen, die die Haushalte fur ihre Lebenssicherung in Anspruch nehmen, verstanden. Dazu gehoren Land, Wasser, Pflanzen, Tiere, Luft sowie die Biodiversitat. Diese Kapitalgruppe ist meist fur die arme Bevolkerung von groBter Bedeutung, da die Existenz dieser hauptsachlich von naturlichen Ressourcen abhangt. AuBerdem ist das Naturkapital eng mit dem Verwundbarkeitskontext verbunden, da viele Katastrophen, die zum einen die livelihoods von armen Bevolkerungsgruppen zerstoren, zum anderen auch haufig das Naturkapital zerstoren oder unnutzbar machen. So hangt die Produktivitat des Naturkapitals auch stark von saisonalen Schwankungen im Jahresverlauf ab. Allerdings sind auch die Langzeitentwicklungen der Ressourcenqualitat und -nutzung von groBer Bedeutung (DFID 1999, S. 11f).

Physisches Kapital

Das physische Kapital beinhaltet die Basisinfrastruktur und die Produktionsguter, die fur die livelihoods notig sind. Die Infrastruktur umfasst Dienstleistungen und Einrichtungen, die die Menschen benotigen, um die Grundversorgung zu gewahrleisten und die Produktivitat zu steigern. Dazu zahlt unter anderem der Zustand der Wohnunterkunfte, die Kommunikationsinfrastruktur, Energie- und Wasserversorgung, sowie der Zugang zu Informationen, Transportmoglichkeiten und Handelsstrukturen. Zu den Produktionsgutern gehoren Gerate, landwirtschaftliche Maschinen, Saatgut und Ausrustungen, die fur ein produktives und effizientes Arbeiten relevant sind (DFID 1999, S. 13).

Finanzkapital

Das Finanzkapital umfasst regelmaBiges Geldeinkommen, Sparanlagen und Bestande, die leicht liquidierbar sind. So kann Finanzkapital beispielsweise entweder in Form von Vermogen oder Krediten vorliegen, aber auch in Haustieren oder Edelsteinen. RegelmaBige Einkunfte vereinfachen eine Investitionsplanung, unsichere Zahlungseingange hingegen erschweren ein Vorausplanen (DFID 1999, S.14).

Im Vergleich zu den anderen vier Kapitalsorten kann das Finanzkapital am vielseitigsten eingesetzt werden, da es leichter in die anderen Kapitalien umgewandelt werden kann. Jedoch hangt dies auch von den festgelegten Rahmenbedingungen ab, die sich aus den verandernden Strukturen und Prozessen ergeben. (DFID 1999, S.15).

2.3 Sich verandernde Strukturen und Prozesse

Die sich verandernden Strukturen und Prozesse stehen, wie in Abbildung 1 deutlich wird, in wechselseitiger Beziehung zu den Kapitalien und wirken sich auBerdem auf den Vulnerabilitatskontext und die Lebenssicherungsstrategien aus. Unter Strukturen sind Organisationen und Institutionen zu verstehen, die von staatlicher bis zu privater Ebene reichen. Laut des DFID werden Strukturen als „hardware“ bezeichnet und zeigen sich durch die Gestaltung von politischen Verhaltnissen und Gesetzen, sowie durch die Festlegung von Marktzugangen und Handlungsbestimmungen (DFID 1999, S. 19). Prozesse stellen existierende Gesetze, Politik, Machtbeziehungen oder kulturelle Eigenschaften dar. Als Gegensatz zu den Strukturen werden die Prozesse als „software“ bezeichnet, und regeln in welcher Art und Weise Strukturen und Individuen miteinander operieren oder interagieren konnen (DFID 1999, S. 21). Auch Prozesse finden auf unterschiedlichen Ebenen statt und konnen sich somit uberschneiden oder widersprechen. Generell bestimmen Strukturen und Prozesse den Zugang zu den Kapitalien und die Transformation in andere Kapitalsorten, sowie den Zugang zu verschiedenen Existenzsicherungsstrategien und die okonomischen Ertrage daraus (Scoones 1998, S. 11).

Die sich verandernden Strukturen und Prozesse werden hier noch zum Verstandnis und zur Gesamtheit des SLA erlautert, im Folgenden der Arbeit wird darauf jedoch nicht weiter Bezug genommen.

2.4 Strategien der Lebenssicherung (livelihood strategies)

Lebenssicherungsstrategien bezeichnen die Auswahl an Moglichkeiten und Aktivitaten, die den Haushalten zu Verfugung stehen, um ihre Ziele zu erreichen. Meist setzen sich die Moglichkeiten der Lebenssicherung aus den verschiedenen Kapitalsorten zusammen. Als zu erreichende Zielkategorien konnen etwa Ernahrungssicherheit, regelmaBiges Einkommen, Reduzierung der Verwundbarkeit, nachhaltige Ressourcennutzung oder auch die Teilnahme am sozialen und gesellschaftlichen Leben genannt werden. Der Prozess der Lebenssicherung ist dynamisch und so konnen unterschiedliche Aktivitaten, soweit sie den Menschen zur Verfugung stehen, miteinander kombiniert werden (Kollmair u. Gamper 2002, S. 8). Hier ist beispielsweise auch die saisonale Migration einzuordnen, die moglicherweise den Lebensunterhalt auBerhalb der Erntezeit sichern kann. Des Weiteren stehen die Strategien der Lebenssicherung in Zusammenhang mit den Strukturen und Prozessen, sowie mit den verschiedenen Kapitalien. So kann sich eine Reduzierung der Kapitalien negativ auf die Vielfalt der Strategien auswirken. Es gibt auBerdem verschiedene Faktoren, die die Moglichkeiten der Strategien beeinflussen, wie beispielsweise das Geschlecht oder der soziale Status der Familie. Das Ziel des SLA ist die Forderung der Wahlfreiheit, der Moglichkeiten sowie der Vielfalt der Lebensgestaltung und - sicherung. (DIFD 1999, S. 23).

2.5 Ergebnisse der Lebenssicherung (livelihood outcomes)

Das Ergebnis der livelihood strategies wird mit den livelihood outcomes beschrieben. Die livelihood outcomes stellen so die Ergebnisse oder Ertrage der Lebensstrategien dar. Mit outcomes wird bewusst der Ist-Zustand beschrieben und nicht der Soll-Zustand, so dass direkt das aktuelle Geschehen fokussiert wird und jeder einzelne Haushalt auf seine tatsachlichen Ergebnisse hin untersucht werden kann. So zeigen die Ergebnisse genau den momentanen Zustand wie Haushalte leben, welche Ziele sie gerade damit erreichen, was dafur getan werden muss und welche Strategie priorisiert wird (Scooner 1999, S. 5f). Kategorien fur die Ergebnisse der Existenzsicherung sind, wie in Punkt 2.4 bereits erwahnt, ein gesteigertes Einkommen, ein besseres Wohlbefinden, die Reduzierung von Verwundbarkeit, um besser mit Schocks und Trends umzugehen, sowie Ernahrungssicherheit und die nachhaltige Nutzung von Ressourcen. Diese Ergebnisse wirken sich somit auf die Kapitalien aus und durch einen gesicherten Lebensunterhalt konnen die Kapitalien gesteigert werden (DFID 1999, S.25).

3 Einfuhrung in die Regionen in Bangladesch und Ghana

Bangladesch und Ghana sind Lander, die besonderen saisonalen Unsicherheiten und Risiken unterliegen. Durch die Einfuhrung in die jeweiligen Untersuchungsgebiete dieser beiden Lander sollen Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede aufgezeigt werden. Zudem soll dies zu einem ersten Eindruck in die unterschiedlichen Strukturen, sowie in den Verwundbarkeitskontext fuhren.

3.1 Bangladesch (Kurigram Distrikt)

Der Kurigram Distrikt liegt im Nord-Westen von Bangladesch und grenzt nordlich und ostlich an Indien. Das Gebiet wird unter anderem durch die drei groBen Flusse Brahmaputra, Tista und Dharla durchflossen und weist, wie der Rest des Landes, eine flache Topographie auf. Die GroBe betragt rund 276,45 km2 und ist unterteilt in neun Unterbezirke, zwei Gemeinden und 1907 Dorfer. AuBerdem gehort der Distrikt zu der 2010 gegrundeten Division Rangpur, der noch sieben weitere Distrikte angehoren (Ahemd et. al. 2012, S. 45). Fur die Feldstudie wurde der Unterbezirk Kurigram Sadar Upazila ausgewahlt. 2001 lebten in diesem Bezirk rund 260 000 Menschen, davon waren 51 Prozent mannlich und 49 Prozent weiblich. Die Bevolkerungsdichte liegt bei uber 1000 Menschen pro km2 Die Lese- und Schreibfahigkeit liegt bei rund 40 Prozent (TAS 2006). Das Basisdorf der Feldforschung ist Khan Para, welches rund einen halben Kilometer von den Flussen Brahmaputra und Dharla entfernt liegt. In diesem Dorf gibt es 118 Haushalte, die meisten leben an der einzigen befestigten StraBe. Einige andere Hauser sind durch unbefestigte StraBen daran angebunden. Durch die befestigte StraBe ist das Dorf mit dem Dorf Jatrapur Bazaar verbunden, welches ein wichtiges regionales Handlungszentrum darstellt. Dort werden unter anderem Vieh, Jute und Fisch fur den Export verkauft (Ahemd et. al. 2012, S. 46).

Besonders das landwirtschaftlich genutzte Land im Norden und Suden des Dorfes ist von Hochwasser betroffen. Das bebaute Land an der StraBe liegt etwas hoher. So ist das Basisdorf durch die Distanz von bis zu einem Kilometer zum Brahmaputra, im Gegensatz zu den anderen drei untersuchten Dorfern, von Flussbetterosionen nicht betroffen. Die anderen drei untersuchten Dorfer sind Khamar Holokhana, Arzi- Kadamtola und Doali Para und bieten ansonsten ahnliche Bedigungen (Ahmed et. al. 2012, S. 46).

Im Kurigram Distrikt und generell im Norden Bangladeschs kommt es jahrlich zu saisonaler Nahrungsmittelknappheit. Diese wird als Monga bezeichnet und tritt zweimal jahrlich auf (CARE 2005, S.1). Die langere Periode dauert von Mitte September bis Mitte November, dann beginnt die Ernte fur Aman Paddy Reis. Die kurzere Periode geht von Mitte Marz bis Mitte April und endet mit der Ernte von Boro Reis. Diese Ernahrungsunsicherheit setzt sich aus verschiedenen Grunden zusammen. Die Preise fur Getreide und Reis steigen auf dem Markt aufgrund des begrenzten Angebotes stark an, gleichzeitig sind aber auch die Nahrungsmittelvorrate der Haushalte meist schon aufgebraucht. Die armen Haushalte und Lohnarbeiter haben in dieser Zeit, aufgrund der begrenzten Moglichkeiten in einem anderen Bereich als der Landwirtschaft zu arbeiten, kein Geld und keinen Job, um ihren Lebensunterhalt zu sichern (WFP 2005, S. 4). Zu diesen verwundbarsten Gruppen gehoren besonders diejenigen, die von unregelmaBigem Einkommen abhangig sind wie Lohnarbeiter, Fischer oder Bettler, sowie auf Haushaltsebene besonders Kinder, Behinderte, Schwangere und auch Alte. Meist leben diese verwundbaren Gruppen in marginalen Gebieten, die zusatzlich von Flussbetterosionen betroffen sind (WFP 2005, S. 5).

Generell sind die sozio-okonomischen Bedingungen im Kurigram Distrikt schlechter als in anderen Teilen des Landes. Bangladesch hat in den letzten 40 Jahren sein Bevolkerungswachstum von drei auf 1,3 Prozent senken konnen. Die Bevolkerungsdichte in Khan Para ist aber im Vergleich zum Rest des Landes deutlich hoher. Die GroBe des Haushalts ist dennoch auch bei den Armen in den letzten 30 Jahren von acht auf 5,1 Personen gesunken und liegt nur knapp uber dem nationalen Mittel von 4,8 Personen. Der gesamte Kurigram Distrikt ist ein von Armut und Ernahrungsunsicherheit beherrschtes Gebiet und mehr als die Halfte der Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze (Ahmed et. al. 2012, S. 48; WFP 2005). Im Vergleich waren es 2005 auf nationaler Ebene nur 25 Prozent der Haushalte. Das Wirtschaftswachstum in Bangladesch in den letzten 30 Jahren hat aber generell dazu gefuhrt, dass auch die lokale Wirtschaft in Khan Para angekurbelt wird.

3.2 Ghana (Nadowli Distrikt)

Der Nadowli Distrikt gehort zu der Upper West Region (UWR), liegt im Nord-Osten von Ghana und grenzt westlich an Burkina Faso. Die GroBe betragt 2 742,50 km2. Der Distrikt wurde im Juli 2012 durch die Neugrundung eines Distriktes im Norden verkleinert, die erhobenen Daten basieren allerdings auf Oktober 2011, als der Distrikt noch nicht geteilt war. Das Forschungsgebiet besteht aus den vier Gemeinden Takpo, Nanville, Mantari und Zupiri. Tapko und Nanville liegen an der HauptstraBe zu der Hauptstadt der UWR Wa und sind somit infrastrukturell gut angebunden. Die anderen beiden Gemeinden Zupri und Mantari hingegen konnen nur durch kleine unbefestigte StraBen erreicht werden und Zupri liegt nur zwei Kilometer von der Grenze zu Burkina Faso entfernt (Rademacher-Schulz u. Mahama 2012, S. 43). 2010 lebten im Nadowli Distrikt 96 400 Menschen, und die jahrliche Wachstumsrate lag in den Jahren 1984 bis 2000 bei 1,5 Prozent und ist zwischen 2000 und 2010 leicht auf 1,6 Prozent angestiegen. Mit 49 Prozent ist fast die Halfte der Bevolkerung wirtschaftliche aktiv, 45 Prozent sind unter 14 Jahre alt und sechs Prozent sind altere Menschen. Der Analphabetismus betragt bei den Mannern 69,5 Prozent und bei den Frauen bei 83,3 Prozent, dies ist wesentlich hoher als der landesweite Durchschnitt von 42,1 Prozent (Rademacher-Schulz u. Mahama 2012, S. 45; Government of Ghana 2013).

Die Wirtschaft im Nadowli Distrikt, genauso wie in der ganzen UWR, basiert hauptsachlich auf der Subsistenzlandwirtschaft. 85 Prozent der arbeitenden Bevolkerung sind darin beschaftigt. Im Handel- und Dienstleistungssektor arbeiten 14 Prozent und im Industriebereich nur ein Prozent der Bevolkerung. Besonders die Nahrungsmittelproduktion dient weitgehend der Eigenversorgung und bleibt somit auBerhalb des monetaren Kreislaufes der Volkswirtschaft. Einige Hauptanbauarten sind verschiedene Sorten Hirse, Nusse, SuBkartoffeln und verschiedene Arten Bohnen. Dreiviertel der Bauern nutzen traditionelle Anbaumethoden ohne viele Hilfsmittel. Daher ist die Ernteproduktion sehr abhangig vom Niederschlag und den Wetterverhaltnissen. Nur ein Viertel benutzen Hilfsmittel wie Traktoren oder regulierte Bewasserung (Rademacher-Schulz u. Mahama 2012, S. 45).

Der Distrikt liegt im tropischen kontinentalen Bereich und in der Guinea Savannah Zone, welche durch Busche, Graser und vereinzelte Baume charakterisiert wird. Baume, die fur die Wirtschaft von Bedeutung sind, sind unter anderem Shea, Mango und Teak. Diese Baume stellen eine groBe Einkommensquelle fur die Haushalte dar. In diesem Bereich produzieren viele Frauen verschiedene Produkte, beispielsweise Shea Butter, fur den Eigenverbrauch und zum Verkauf. Die meiste Shea Butter wird im Norden von Ghana produziert (Rademacher-Schulz u. Mahama 2012, S. 45). Es gibt in der Upper West Region zwei Saisons, die Regen- und die Trockenzeit. Die Regenzeit beginnt im April und dauert bis September an. Der meiste Niederschlag fallt im August. Im Oktober beginnt die Trockenzeit und bis Marz fallt fast gar kein Regen. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 32 Grad und die monatliche Durchschnittstemperatur variiert von 36 Grad im Marz bis zu 27 Grad im August (Van der Geest 2004, S. 67).

Die meisten Haushalte werden durch das alteste mannliche Familienmitglied angefuhrt. Es gibt eine klare Arbeitstrennung in Geschlecht und Alter, so kummern sich die Manner um das Land und um die Farm. Die Frauen sind fur die Saat und die Ernte zustandig, sowie fur das Kochen und die Erziehung der Kinder. Allerdings sind die Geschlechterrollen nicht statisch, sondern konnen sich durchaus andern, da sich Frauen immer haufiger fur ihre Rechte und Positionen einsetzen. So ist auch seit 1980 die Migrationsrate der Frauen erheblich gestiegen. Dies wird sich bei der Analyse der Daten auch noch einmal zeigen (Rademacher-Schulz u. Mahama 2012, S. 46).

4 Methodik und Vorgehensweise

Im Folgenden werden die Methodik, die Vorgehensweise sowie die kritische Auseinandersetzung mit der Methode beschrieben.

4.1 Methode

Die empirischen Daten, die fur die Erarbeitung der Fragestellung der Bachelorarbeit zur Verfugung stehen, wurden im Zuge des „ Where the Rain Falls: climate change, food security, social inequality and human mobility “ Projekts von der United Nations University und CARE international erhoben. Die Studie beschaftigt sich mit den Zusammenhangen von Niederschlagsvariabilitat, Ernahrungssicherheit und Migrationsbewegungen. Dazu wurden in acht verschiedenen Landern mit Hilfe von Experteninterviews, fokussierten Gruppendiskussionen, partizipativen Forschungsmethoden und Haushaltsbefragungen Daten erhoben. Die Haushaltsbefragungen stellen die fur die Bachelorarbeit relevanten Daten dar und die weiteren Daten werden im Folgenden nicht naher erlautert. Durchgefuhrt wurden die Haushaltsbefragungen jeweils mit dem mannlichen oder weiblichen Familienoberhaupt oder der haushaltsfuhrenden Person. Ein standardisierter Fragebogen stellt das Hauptinstrument der Haushaltsbefragung dar und besteht aus prazisen Fragestellungen zu den verschiedenen Themen Niederschlag, Ernahrungssicherheit und Migration. Es gibt zudem offene und geschlossene Fragen. In Ghana wurden insgesamt 158 Haushalte und in Bangladesch 150 Haushalte befragt. Eine Befragung dauert circa zwischen 1,5 und zwei Stunden. Der Befragungszeitraum lag in beiden Landern im Oktober 2011 (Rademacher-Schulz et. al. 2012, S. 19).

Daruber hinaus muss erwahnt werden, dass die folgenden Untersuchungen und Ergebnisse auf den erhobenen Daten basieren und es daher kaum extra Verweise zu anderen Quellen gibt.

4.2 Vorgehensweise: Livelihood Groups

Fur die Fragestellung, ob Migration eine geeignete Lebenssicherungsstrategie im Kontext von saisonaler Unsicherheit darstellt, sind sicherlich nicht alle Fragen der Haushaltsbefragung von Bedeutung, zu dem wurde dies auch den Rahmen der Bachelorarbeit sprengen. So wurde eine Auswahl der zu untersuchenden Fragen getroffen. Um diese Fragen miteinander in Verbindung zu setzen und die beiden Lander zu vergleichen, wurde zunachst aus mehreren Fragen eine neue Variable gebildet. Die sogenannten Livelihood Groups. Es wurden die folgenden sieben Livelihood Groups gebildet, die die bedeutendsten Lebenssicherungsstrategien darstellen: Large-scale farmers, medium-scale farmers, small-scale farmers, agricultural and wage labourers, traders&services, local government employees und other livelihoods. Die Einteilung in sieben Gruppen erfolgte auf Grundlage der Haupteinkommensquellen. Die Unterteilung in large-, medium-, und small-scale farmers erfolgte daruber hinaus durch die Fragen zu Landbesitz und LandgroBe. Hier bestimmte nicht nur die Frage des Landbesitzes als Haupteinkommensquelle die Gruppenzuordnung, sondern auch die GroBe des jeweiligen Landbesitzes. Daher gibt es drei verschiedene Farmer-Gruppen, die durch die LandgroBe unterschieden werden. Die Haushalte, die „farming“ als Haupteinkommensquelle angegeben haben, wurden, wenn sie Land besitzen, in einer der drei Famer-Gruppen eingeteilt und die Haushalte, die kein Land besitzen, wurden der Gruppe der agricultural and wage labourers zugeordnet. Haushalte, die „trading‘\ „business“ oder „services“ bei ihrer Haupteinkommensquelle angegeben haben, werden der Gruppe traders&services einberechnet.

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1 Lebensgestaltung, Lebensunterhalt, Lebenssicherung

Ende der Leseprobe aus 63 Seiten

Details

Titel
Migration als Lebenssicherungsstrategie im Kontext saisonaler Unsicherheit
Untertitel
Ein Vergleich zwischen Bangladesch und Ghana anhand des Sustainable Livelihoods-Ansatzes.
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Bachelorarbeit
Note
2,0
Jahr
2013
Seiten
63
Katalognummer
V418378
ISBN (eBook)
9783668673731
ISBN (Buch)
9783668673748
Dateigröße
1077 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migration, Livelihood-Ansatz, saisonale Unsicherheit, Lebenssicherung
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Migration als Lebenssicherungsstrategie im Kontext saisonaler Unsicherheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418378

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